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Burdach, Karl Friedrich: Propädeutik zum Studium der gesammten Heilkunst. Leipzig, 1800.

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Encyklopädie der Heilkunst.
welche den verschiedenen Formen zukommen, die Verände-
rungen, welche sie entweder für sich, oder in Verbindung
mit andern Formen erleiden, und erläutert neue Erscheinun-
gen aus den schon bekannten, vermöge der Aehnlichkeit der
Form, welche den Substraten von beyden zukömmt. --
Sie ist also ein Product der Beobachtung (§ 58).

§ 162.

Um sicher zu fußen, um ihren Gegenstand (den Men-
schen) nicht isolirt, sondern in Verbindung mit den übrigen
Gliedern der Schöpfung kennen zu lernen, und um endlich
die Wesen vollkommen zu kennen, durch deren Vergleichung
mit dem Menschen sie den letztern gehörig beurtheilen kann,
-- muß die Heilkunst zuvörderst sich auf diese Kenntniß der
Natur stützen.

§ 163.

Sie bedarf derselben aber ferner, weil die Krankheiten
des Menschen großentheils von der Einwürkung der äußern
Natur auf seinen Körper herrühren, und durch eben dieselbe
auch wiederum geheilt werden. Da sie also in dieser Rück-
sicht die Kräfte der Naturkörper, oder ihre Würkungen auf
den menschlichen Organismus kennen muß: so muß sie zu-
vörderst eine genaue Kenntniß ihrer Form haben.

§ 164.

I. Die allgemeine Naturgeschichte stellt theils die
Merkmahle auf, welche gewissen Reichen und Klassen der
Naturkörper gemeinschaftlich zukommen, theils die Grund-
sätze, nach welchen diese Aehnlichkeiten entdeckt, und zur
Zusammenstellung der Naturkörper benutzt werden. (Die
letztere Untersuchung wird die Philosophie der Na-

tur-
D 3

Encyklopaͤdie der Heilkunſt.
welche den verſchiedenen Formen zukommen, die Veraͤnde-
rungen, welche ſie entweder fuͤr ſich, oder in Verbindung
mit andern Formen erleiden, und erlaͤutert neue Erſcheinun-
gen aus den ſchon bekannten, vermoͤge der Aehnlichkeit der
Form, welche den Subſtraten von beyden zukoͤmmt. —
Sie iſt alſo ein Product der Beobachtung (§ 58).

§ 162.

Um ſicher zu fußen, um ihren Gegenſtand (den Men-
ſchen) nicht iſolirt, ſondern in Verbindung mit den uͤbrigen
Gliedern der Schoͤpfung kennen zu lernen, und um endlich
die Weſen vollkommen zu kennen, durch deren Vergleichung
mit dem Menſchen ſie den letztern gehoͤrig beurtheilen kann,
— muß die Heilkunſt zuvoͤrderſt ſich auf dieſe Kenntniß der
Natur ſtuͤtzen.

§ 163.

Sie bedarf derſelben aber ferner, weil die Krankheiten
des Menſchen großentheils von der Einwuͤrkung der aͤußern
Natur auf ſeinen Koͤrper herruͤhren, und durch eben dieſelbe
auch wiederum geheilt werden. Da ſie alſo in dieſer Ruͤck-
ſicht die Kraͤfte der Naturkoͤrper, oder ihre Wuͤrkungen auf
den menſchlichen Organismus kennen muß: ſo muß ſie zu-
voͤrderſt eine genaue Kenntniß ihrer Form haben.

§ 164.

I. Die allgemeine Naturgeſchichte ſtellt theils die
Merkmahle auf, welche gewiſſen Reichen und Klaſſen der
Naturkoͤrper gemeinſchaftlich zukommen, theils die Grund-
ſaͤtze, nach welchen dieſe Aehnlichkeiten entdeckt, und zur
Zuſammenſtellung der Naturkoͤrper benutzt werden. (Die
letztere Unterſuchung wird die Philoſophie der Na-

tur-
D 3
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[53/0071] Encyklopaͤdie der Heilkunſt. welche den verſchiedenen Formen zukommen, die Veraͤnde- rungen, welche ſie entweder fuͤr ſich, oder in Verbindung mit andern Formen erleiden, und erlaͤutert neue Erſcheinun- gen aus den ſchon bekannten, vermoͤge der Aehnlichkeit der Form, welche den Subſtraten von beyden zukoͤmmt. — Sie iſt alſo ein Product der Beobachtung (§ 58). § 162. Um ſicher zu fußen, um ihren Gegenſtand (den Men- ſchen) nicht iſolirt, ſondern in Verbindung mit den uͤbrigen Gliedern der Schoͤpfung kennen zu lernen, und um endlich die Weſen vollkommen zu kennen, durch deren Vergleichung mit dem Menſchen ſie den letztern gehoͤrig beurtheilen kann, — muß die Heilkunſt zuvoͤrderſt ſich auf dieſe Kenntniß der Natur ſtuͤtzen. § 163. Sie bedarf derſelben aber ferner, weil die Krankheiten des Menſchen großentheils von der Einwuͤrkung der aͤußern Natur auf ſeinen Koͤrper herruͤhren, und durch eben dieſelbe auch wiederum geheilt werden. Da ſie alſo in dieſer Ruͤck- ſicht die Kraͤfte der Naturkoͤrper, oder ihre Wuͤrkungen auf den menſchlichen Organismus kennen muß: ſo muß ſie zu- voͤrderſt eine genaue Kenntniß ihrer Form haben. § 164. I. Die allgemeine Naturgeſchichte ſtellt theils die Merkmahle auf, welche gewiſſen Reichen und Klaſſen der Naturkoͤrper gemeinſchaftlich zukommen, theils die Grund- ſaͤtze, nach welchen dieſe Aehnlichkeiten entdeckt, und zur Zuſammenſtellung der Naturkoͤrper benutzt werden. (Die letztere Unterſuchung wird die Philoſophie der Na- tur- D 3

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Zitationshilfe: Burdach, Karl Friedrich: Propädeutik zum Studium der gesammten Heilkunst. Leipzig, 1800, S. 53. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/burdach_propaedeutik_1800/71>, abgerufen am 19.03.2019.