Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Calvi, François de: Beutelschneider/ Oder Neue/ warhaffte/ und eigentliche Beschreibung Der Diebs Historien. Bd. 2. Frankfurt (Main), 1627.

Bild:
<< vorherige Seite

Diebs Historien das II. Buch.
Bißweilen bildet er jhme ein/ Adrastus hab sich ge-
stellet/ als wann er todt seye/ auff daß vnter dessen/
daß man jhn als einen todten hinweg trage/ einer
seiner Gesellen komme vnnd jme das Bett hinweg
trage: Wann er aber widerumb bedencket/ wie der
todte Cörper gantz kalt ist gewesen/ wie kein Glied
am Leibe sich mehr hat gereget vnd beweget/ wird er
einer gantz andern Meinung: Inn dem er aber in
solchem Zweiffel stehet vnd vngefehr auff den Tisch
sihet/ da findet er ein kleines Briefflein/ in welchem
also geschrieben stehet.

Mein Herr/ Es ist mir selber leyd/ daß ich
euch diese Nacht in ewerem Schlaff vnd Ruhe
habe verhindert: Dann die wettung/ so ich mit
euch gethan/ hat mich gezwungen euch ewer
Bett hinweg zu tragen: Es ist aber solches zu
keinem andern Ende geschehen/ als euch würck-
lich zu bezeugen/ daß keine Arglistigkeit oder
Schalckheit ist/ welche ich nicht wisse anzustel-
len: Vnd wie wol jhr mich gantz todt gesehen
vnd gefunden habt/ so will ich doch Vrsach
nemen/ euch den morgenden Tage zubesuchen/
ewere Befelch anzuhören vnnd außzurichten/
auch zu beweisen/ daß ich allzeit bin vnnd blei-
ben will.

Mein Herr
Ewer demütigster Diener
Adrestus.
Der

Diebs Hiſtorien das II. Buch.
Bißweilen bildet er jhme ein/ Adraſtus hab ſich ge-
ſtellet/ als wann er todt ſeye/ auff daß vnter deſſen/
daß man jhn als einen todten hinweg trage/ einer
ſeiner Geſellen komme vnnd jme das Bett hinweg
trage: Wann er aber widerumb bedencket/ wie der
todte Coͤrper gantz kalt iſt geweſen/ wie kein Glied
am Leibe ſich mehr hat gereget vnd beweget/ wird er
einer gantz andern Meinung: Inn dem er aber in
ſolchem Zweiffel ſtehet vnd vngefehr auff den Tiſch
ſihet/ da findet er ein kleines Briefflein/ in welchem
alſo geſchrieben ſtehet.

Mein Herꝛ/ Es iſt mir ſelber leyd/ daß ich
euch dieſe Nacht in ewerem Schlaff vnd Ruhe
habe verhindert: Dann die wettung/ ſo ich mit
euch gethan/ hat mich gezwungen euch ewer
Bett hinweg zu tragen: Es iſt aber ſolches zu
keinem andern Ende geſchehen/ als euch wuͤꝛck-
lich zu bezeugen/ daß keine Argliſtigkeit oder
Schalckheit iſt/ welche ich nicht wiſſe anzuſtel-
len: Vnd wie wol jhr mich gantz todt geſehen
vnd gefunden habt/ ſo will ich doch Vrſach
nemen/ euch den morgenden Tage zubeſuchen/
ewere Befelch anzuhoͤren vnnd außzurichten/
auch zu beweiſen/ daß ich allzeit bin vnnd blei-
ben will.

Mein Herꝛ
Ewer demuͤtigſter Diener
Adreſtus.
Der
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0217" n="207"/><fw place="top" type="header">Diebs Hi&#x017F;torien das <hi rendition="#aq">II.</hi> Buch.</fw><lb/>
Bißweilen bildet er jhme ein/ Adra&#x017F;tus hab &#x017F;ich ge-<lb/>
&#x017F;tellet/ als wann er todt &#x017F;eye/ auff daß vnter de&#x017F;&#x017F;en/<lb/>
daß man jhn als einen todten hinweg trage/ einer<lb/>
&#x017F;einer Ge&#x017F;ellen komme vnnd jme das Bett hinweg<lb/>
trage: Wann er aber widerumb bedencket/ wie der<lb/>
todte Co&#x0364;rper gantz kalt i&#x017F;t gewe&#x017F;en/ wie kein Glied<lb/>
am Leibe &#x017F;ich mehr hat gereget vnd beweget/ wird er<lb/>
einer gantz andern Meinung: Inn dem er aber in<lb/>
&#x017F;olchem Zweiffel &#x017F;tehet vnd vngefehr auff den Ti&#x017F;ch<lb/>
&#x017F;ihet/ da findet er ein kleines Briefflein/ in welchem<lb/>
al&#x017F;o ge&#x017F;chrieben &#x017F;tehet.</p><lb/>
          <floatingText>
            <body>
              <div type="letter" n="3">
                <p>Mein Her&#xA75B;/ Es i&#x017F;t mir &#x017F;elber leyd/ daß ich<lb/>
euch die&#x017F;e Nacht in ewerem Schlaff vnd Ruhe<lb/>
habe verhindert: Dann die wettung/ &#x017F;o ich mit<lb/>
euch gethan/ hat mich gezwungen euch ewer<lb/>
Bett hinweg zu tragen: Es i&#x017F;t aber &#x017F;olches zu<lb/>
keinem andern Ende ge&#x017F;chehen/ als euch wu&#x0364;&#xA75B;ck-<lb/>
lich zu bezeugen/ daß keine Argli&#x017F;tigkeit oder<lb/>
Schalckheit i&#x017F;t/ welche ich nicht wi&#x017F;&#x017F;e anzu&#x017F;tel-<lb/>
len: Vnd wie wol jhr mich gantz todt ge&#x017F;ehen<lb/>
vnd gefunden habt/ &#x017F;o will ich doch Vr&#x017F;ach<lb/>
nemen/ euch den morgenden Tage zube&#x017F;uchen/<lb/>
ewere Befelch anzuho&#x0364;ren vnnd außzurichten/<lb/>
auch zu bewei&#x017F;en/ daß ich allzeit bin vnnd blei-<lb/>
ben will.</p><lb/>
                <closer>
                  <salute> <hi rendition="#et">Mein Her&#xA75B;<lb/>
Ewer demu&#x0364;tig&#x017F;ter Diener<lb/>
Adre&#x017F;tus.</hi> </salute>
                </closer><lb/>
              </div>
            </body>
          </floatingText>
          <fw place="bottom" type="catch">Der</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[207/0217] Diebs Hiſtorien das II. Buch. Bißweilen bildet er jhme ein/ Adraſtus hab ſich ge- ſtellet/ als wann er todt ſeye/ auff daß vnter deſſen/ daß man jhn als einen todten hinweg trage/ einer ſeiner Geſellen komme vnnd jme das Bett hinweg trage: Wann er aber widerumb bedencket/ wie der todte Coͤrper gantz kalt iſt geweſen/ wie kein Glied am Leibe ſich mehr hat gereget vnd beweget/ wird er einer gantz andern Meinung: Inn dem er aber in ſolchem Zweiffel ſtehet vnd vngefehr auff den Tiſch ſihet/ da findet er ein kleines Briefflein/ in welchem alſo geſchrieben ſtehet. Mein Herꝛ/ Es iſt mir ſelber leyd/ daß ich euch dieſe Nacht in ewerem Schlaff vnd Ruhe habe verhindert: Dann die wettung/ ſo ich mit euch gethan/ hat mich gezwungen euch ewer Bett hinweg zu tragen: Es iſt aber ſolches zu keinem andern Ende geſchehen/ als euch wuͤꝛck- lich zu bezeugen/ daß keine Argliſtigkeit oder Schalckheit iſt/ welche ich nicht wiſſe anzuſtel- len: Vnd wie wol jhr mich gantz todt geſehen vnd gefunden habt/ ſo will ich doch Vrſach nemen/ euch den morgenden Tage zubeſuchen/ ewere Befelch anzuhoͤren vnnd außzurichten/ auch zu beweiſen/ daß ich allzeit bin vnnd blei- ben will. Mein Herꝛ Ewer demuͤtigſter Diener Adreſtus. Der

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/calvi_beutelschneider02_1627
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/calvi_beutelschneider02_1627/217
Zitationshilfe: Calvi, François de: Beutelschneider/ Oder Neue/ warhaffte/ und eigentliche Beschreibung Der Diebs Historien. Bd. 2. Frankfurt (Main), 1627, S. 207. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/calvi_beutelschneider02_1627/217>, abgerufen am 22.02.2019.