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Cancrin, Franz Ludwig von: Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke. Frankfurt (Main), 1767.

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Des vierten Stüks Anhang
§. 39.

Die bei diesem Werk stehende Bedienten sind der Verwalter, der Hüttenschrei-
ber, und der Hammervogt. Der erstere hat die Direction und die Rechnung, der
zweete stelt den Gegenschreiber vor, und der dritte führet die Rechnung über die Ma-
terialien.

§. 40.

Dem Verwalter ist zugleich auch die Justiz über die Hammerschmiede, die Köh-
ler, und alle bei diesem Werk arbeitende Leute anvertrauet. Er richtet sie nach denen
hessischen Bergverordnungen, und nach der unter Wilhelm VIII. ausgegangenen Ver-
ordnung vom Jahr 1753, welche den frankenberger Abschied erläutert, und die strittige
Fragen entscheidet, die zwischen den Berg- und den Civilämtern vorgefallen sind.

Anhang
von dem carlshafer Blaufarbenwerk.
§. 41.

Das Blaufarbenwerk an diesem Ort liegt in einem Grund, über Carlshafen, an
der Dümel, die zwei unterschlägtige Wasserräder treibet, welche die zu dem Far-
bemachen erforderliche Maschinen bewegen, die in den Pochwerken und in den Müh-
len bestehen, die man zu dem Glasmahlen gebrauchet.

§. 42.

Der zu diesem Werk erforderliche Kobolt wird eines Teils von Riegelsdorf in
Hessen, und andern Teils von Bieber in dem Hanauischen angeschaffet. Das Werk
an sich ist nicht weitläuftig: Denn es wird nur mit zwei Mühlen betrieben.

§. 43.

Die allgemeine Verfahrungsart bei dem Blaufarbe- oder Schmaltemachen ist
folgende.

1. Der Koholt, woraus man die Schmalte macht, wird so lang geröstet, bis
fast aller und der mehreste Arsenik davon ist, wobei man iedoch aber diese Aus-
nahme machet, daß man dieienige Kobolte gar nicht röstet, welche schon
verwittert sind, damit dem Kobolt nicht aller Geist entwischen, und die Farbe
das Liebliche verliehren möge.
2. Aus geröstetem Kobolt, aus reinem und feinem Sand, dessen man, ie nach
dem der Kobolt gut ist, viel oder wenig nimt, und aus Pottasche macht man
ein Gemenge, und sezzet die damit gefülte Häfen in den Schmelzofen, derer
in
Des vierten Stuͤks Anhang
§. 39.

Die bei dieſem Werk ſtehende Bedienten ſind der Verwalter, der Huͤttenſchrei-
ber, und der Hammervogt. Der erſtere hat die Direction und die Rechnung, der
zweete ſtelt den Gegenſchreiber vor, und der dritte fuͤhret die Rechnung uͤber die Ma-
terialien.

§. 40.

Dem Verwalter iſt zugleich auch die Juſtiz uͤber die Hammerſchmiede, die Koͤh-
ler, und alle bei dieſem Werk arbeitende Leute anvertrauet. Er richtet ſie nach denen
heſſiſchen Bergverordnungen, und nach der unter Wilhelm VIII. ausgegangenen Ver-
ordnung vom Jahr 1753, welche den frankenberger Abſchied erlaͤutert, und die ſtrittige
Fragen entſcheidet, die zwiſchen den Berg- und den Civilaͤmtern vorgefallen ſind.

Anhang
von dem carlshafer Blaufarbenwerk.
§. 41.

Das Blaufarbenwerk an dieſem Ort liegt in einem Grund, uͤber Carlshafen, an
der Duͤmel, die zwei unterſchlaͤgtige Waſſerraͤder treibet, welche die zu dem Far-
bemachen erforderliche Maſchinen bewegen, die in den Pochwerken und in den Muͤh-
len beſtehen, die man zu dem Glasmahlen gebrauchet.

§. 42.

Der zu dieſem Werk erforderliche Kobolt wird eines Teils von Riegelsdorf in
Heſſen, und andern Teils von Bieber in dem Hanauiſchen angeſchaffet. Das Werk
an ſich iſt nicht weitlaͤuftig: Denn es wird nur mit zwei Muͤhlen betrieben.

§. 43.

Die allgemeine Verfahrungsart bei dem Blaufarbe- oder Schmaltemachen iſt
folgende.

1. Der Koholt, woraus man die Schmalte macht, wird ſo lang geroͤſtet, bis
faſt aller und der mehreſte Arſenik davon iſt, wobei man iedoch aber dieſe Aus-
nahme machet, daß man dieienige Kobolte gar nicht roͤſtet, welche ſchon
verwittert ſind, damit dem Kobolt nicht aller Geiſt entwiſchen, und die Farbe
das Liebliche verliehren moͤge.
2. Aus geroͤſtetem Kobolt, aus reinem und feinem Sand, deſſen man, ie nach
dem der Kobolt gut iſt, viel oder wenig nimt, und aus Pottaſche macht man
ein Gemenge, und ſezzet die damit gefuͤlte Haͤfen in den Schmelzofen, derer
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[56/0076] Des vierten Stuͤks Anhang §. 39. Die bei dieſem Werk ſtehende Bedienten ſind der Verwalter, der Huͤttenſchrei- ber, und der Hammervogt. Der erſtere hat die Direction und die Rechnung, der zweete ſtelt den Gegenſchreiber vor, und der dritte fuͤhret die Rechnung uͤber die Ma- terialien. §. 40. Dem Verwalter iſt zugleich auch die Juſtiz uͤber die Hammerſchmiede, die Koͤh- ler, und alle bei dieſem Werk arbeitende Leute anvertrauet. Er richtet ſie nach denen heſſiſchen Bergverordnungen, und nach der unter Wilhelm VIII. ausgegangenen Ver- ordnung vom Jahr 1753, welche den frankenberger Abſchied erlaͤutert, und die ſtrittige Fragen entſcheidet, die zwiſchen den Berg- und den Civilaͤmtern vorgefallen ſind. Anhang von dem carlshafer Blaufarbenwerk. §. 41. Das Blaufarbenwerk an dieſem Ort liegt in einem Grund, uͤber Carlshafen, an der Duͤmel, die zwei unterſchlaͤgtige Waſſerraͤder treibet, welche die zu dem Far- bemachen erforderliche Maſchinen bewegen, die in den Pochwerken und in den Muͤh- len beſtehen, die man zu dem Glasmahlen gebrauchet. §. 42. Der zu dieſem Werk erforderliche Kobolt wird eines Teils von Riegelsdorf in Heſſen, und andern Teils von Bieber in dem Hanauiſchen angeſchaffet. Das Werk an ſich iſt nicht weitlaͤuftig: Denn es wird nur mit zwei Muͤhlen betrieben. §. 43. Die allgemeine Verfahrungsart bei dem Blaufarbe- oder Schmaltemachen iſt folgende. 1. Der Koholt, woraus man die Schmalte macht, wird ſo lang geroͤſtet, bis faſt aller und der mehreſte Arſenik davon iſt, wobei man iedoch aber dieſe Aus- nahme machet, daß man dieienige Kobolte gar nicht roͤſtet, welche ſchon verwittert ſind, damit dem Kobolt nicht aller Geiſt entwiſchen, und die Farbe das Liebliche verliehren moͤge. 2. Aus geroͤſtetem Kobolt, aus reinem und feinem Sand, deſſen man, ie nach dem der Kobolt gut iſt, viel oder wenig nimt, und aus Pottaſche macht man ein Gemenge, und ſezzet die damit gefuͤlte Haͤfen in den Schmelzofen, derer in

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Zitationshilfe: Cancrin, Franz Ludwig von: Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke. Frankfurt (Main), 1767, S. 56. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/cancrin_beschreibung_1767/76>, abgerufen am 20.10.2019.