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Cancrin, Franz Ludwig von: Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke. Frankfurt (Main), 1767.

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Das sechste Stük von dem riegelsdörfer Schieferwerk in Hessen.


Das sechste Stük
von dem riegelsdörfer Schieferwerk in Hessen.


Die erste Abhandlung
von der Lage, und der Beschaffenheit dieses Werks.
Das erste Kapittel
von der oberirdischen Lage, und der äusern Beschaffenheit desselben.
§. 1.

Dieses Werk liegt in einer sehr bergigten Gegend. Berge und Thäler wech-
seln stets mit einander ab, und daher können die Gebirge in das Vor-, das
Mittel- und das Hohegebirg geteilet werden. Das Werk an sich selbsten
liegt eine 1/2 Stunde von Riegelsdorf aus gegen Abend, und es erstrekt sich auf 11/2 Stunde
Weges. Es wird von der Landesherrschaft betrieben. Jn dem Jahr 1530 ist es schon,
nach dem Bericht des Winkelmans, in dem Gang gewesen, in dem Jahr 1544 aber
liegen geblieben, und von 1586 wieder bis auf das Jahr 1623 gebauet worden. Nicht
lang nach diesem Betrieb hat man dasselbe wieder auf das Neue angefangen, und es
soll schon 80 Jahre mit Ausbeute betrieben werden. So viel man aus verschiedenen
Anzeigen schliesen kan: So haben schon neun Hütten in dieser Gegend gestanden. Man
will daher auch vorgeben, daß es schon vor 500 Jahren gegangen habe.

§. 2.

Die Gruben liegen von Riegelsdorf aus zwar alle in einem Strich nach Nenters-
hausen zu: Weil sie aber nicht an einander liegen; So wird der ganze Grubenbau in
vier besondere Werke geteilet. Man nennet sie das Bauhaus, das Stollenrevier,
das Gunkelroth, und das Bodenthal.

§. 3.

Alle diese Werke sind wassernötig, und darum ist ein Hauptstollen von Nenters-
hausen in das Bauhaus getrieben worden, der die Wasser löset, 55 Lachter Teufe ein-
bringet, und der Carlsstollen genennet wird. Damit man durch eben diesen
Stollen auch die Wasser in dem Stollenrevier lösen könne: So ist aus ihm ein

Flügel-
Das ſechſte Stuͤk von dem riegelsdoͤrfer Schieferwerk in Heſſen.


Das ſechste Stuͤk
von dem riegelsdoͤrfer Schieferwerk in Heſſen.


Die erſte Abhandlung
von der Lage, und der Beſchaffenheit dieſes Werks.
Das erſte Kapittel
von der oberirdiſchen Lage, und der aͤuſern Beſchaffenheit deſſelben.
§. 1.

Dieſes Werk liegt in einer ſehr bergigten Gegend. Berge und Thaͤler wech-
ſeln ſtets mit einander ab, und daher koͤnnen die Gebirge in das Vor-, das
Mittel- und das Hohegebirg geteilet werden. Das Werk an ſich ſelbſten
liegt eine ½ Stunde von Riegelsdorf aus gegen Abend, und es erſtrekt ſich auf 1½ Stunde
Weges. Es wird von der Landesherrſchaft betrieben. Jn dem Jahr 1530 iſt es ſchon,
nach dem Bericht des Winkelmans, in dem Gang geweſen, in dem Jahr 1544 aber
liegen geblieben, und von 1586 wieder bis auf das Jahr 1623 gebauet worden. Nicht
lang nach dieſem Betrieb hat man daſſelbe wieder auf das Neue angefangen, und es
ſoll ſchon 80 Jahre mit Ausbeute betrieben werden. So viel man aus verſchiedenen
Anzeigen ſchlieſen kan: So haben ſchon neun Huͤtten in dieſer Gegend geſtanden. Man
will daher auch vorgeben, daß es ſchon vor 500 Jahren gegangen habe.

§. 2.

Die Gruben liegen von Riegelsdorf aus zwar alle in einem Strich nach Nenters-
hauſen zu: Weil ſie aber nicht an einander liegen; So wird der ganze Grubenbau in
vier beſondere Werke geteilet. Man nennet ſie das Bauhaus, das Stollenrevier,
das Gunkelroth, und das Bodenthal.

§. 3.

Alle dieſe Werke ſind waſſernoͤtig, und darum iſt ein Hauptſtollen von Nenters-
hauſen in das Bauhaus getrieben worden, der die Waſſer loͤſet, 55 Lachter Teufe ein-
bringet, und der Carlsſtollen genennet wird. Damit man durch eben dieſen
Stollen auch die Waſſer in dem Stollenrevier loͤſen koͤnne: So iſt aus ihm ein

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[63/0083] Das ſechſte Stuͤk von dem riegelsdoͤrfer Schieferwerk in Heſſen. Das ſechste Stuͤk von dem riegelsdoͤrfer Schieferwerk in Heſſen. Die erſte Abhandlung von der Lage, und der Beſchaffenheit dieſes Werks. Das erſte Kapittel von der oberirdiſchen Lage, und der aͤuſern Beſchaffenheit deſſelben. §. 1. Dieſes Werk liegt in einer ſehr bergigten Gegend. Berge und Thaͤler wech- ſeln ſtets mit einander ab, und daher koͤnnen die Gebirge in das Vor-, das Mittel- und das Hohegebirg geteilet werden. Das Werk an ſich ſelbſten liegt eine ½ Stunde von Riegelsdorf aus gegen Abend, und es erſtrekt ſich auf 1½ Stunde Weges. Es wird von der Landesherrſchaft betrieben. Jn dem Jahr 1530 iſt es ſchon, nach dem Bericht des Winkelmans, in dem Gang geweſen, in dem Jahr 1544 aber liegen geblieben, und von 1586 wieder bis auf das Jahr 1623 gebauet worden. Nicht lang nach dieſem Betrieb hat man daſſelbe wieder auf das Neue angefangen, und es ſoll ſchon 80 Jahre mit Ausbeute betrieben werden. So viel man aus verſchiedenen Anzeigen ſchlieſen kan: So haben ſchon neun Huͤtten in dieſer Gegend geſtanden. Man will daher auch vorgeben, daß es ſchon vor 500 Jahren gegangen habe. §. 2. Die Gruben liegen von Riegelsdorf aus zwar alle in einem Strich nach Nenters- hauſen zu: Weil ſie aber nicht an einander liegen; So wird der ganze Grubenbau in vier beſondere Werke geteilet. Man nennet ſie das Bauhaus, das Stollenrevier, das Gunkelroth, und das Bodenthal. §. 3. Alle dieſe Werke ſind waſſernoͤtig, und darum iſt ein Hauptſtollen von Nenters- hauſen in das Bauhaus getrieben worden, der die Waſſer loͤſet, 55 Lachter Teufe ein- bringet, und der Carlsſtollen genennet wird. Damit man durch eben dieſen Stollen auch die Waſſer in dem Stollenrevier loͤſen koͤnne: So iſt aus ihm ein Fluͤgel-

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Zitationshilfe: Cancrin, Franz Ludwig von: Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke. Frankfurt (Main), 1767, S. 63. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/cancrin_beschreibung_1767/83>, abgerufen am 18.10.2019.