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Clauren, Heinrich: Liebe und Irrthum. Nordhausen, 1827.

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4.
Die Bothschaft.

Voll banger Erwartung trat Blauenstein, von
dem Kammermädchen geleitet, in des Frem¬
den Zimmer. Seine Ahnung hatte ihn nicht ge¬
täuscht, es war
seines Vaters getreuer Secretair. "Erschrecken
Sie nicht, Herr Baron," hob dieser an und trat
Blauenstein mit milder Freundlichkeit entgegen.
"Vor allen Dingen muß ich Ihnen sagen, wie
ich mich Ihrer Zurückkunft von der langen Reise
freue, der Ihre körperliche Ausbildung viel ver¬
dankt, denn ich finde manche vortheilhafte Ver¬
änderung!"

"O, lassen wir jetzt dergleichen, lieber, guter
Blum," entgegnete Blauenstein dringend, "sagen
Sie mir vielmehr schnell heraus, was Sie so
plötzlich zu mir führt. Mein Vater hat doch
meinen Brief empfangen? --"

"Allerdings," nahm Blum mit einem Seufzer

4.
Die Bothſchaft.

Voll banger Erwartung trat Blauenſtein, von
dem Kammermaͤdchen geleitet, in des Frem¬
den Zimmer. Seine Ahnung hatte ihn nicht ge¬
taͤuſcht, es war
ſeines Vaters getreuer Secretair. „Erſchrecken
Sie nicht, Herr Baron,“ hob dieſer an und trat
Blauenſtein mit milder Freundlichkeit entgegen.
„Vor allen Dingen muß ich Ihnen ſagen, wie
ich mich Ihrer Zuruͤckkunft von der langen Reiſe
freue, der Ihre koͤrperliche Ausbildung viel ver¬
dankt, denn ich finde manche vortheilhafte Ver¬
aͤnderung!“

„O, laſſen wir jetzt dergleichen, lieber, guter
Blum,“ entgegnete Blauenſtein dringend, „ſagen
Sie mir vielmehr ſchnell heraus, was Sie ſo
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meinen Brief empfangen? —“

„Allerdings,“ nahm Blum mit einem Seufzer

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[76/0082] 4. Die Bothſchaft. Voll banger Erwartung trat Blauenſtein, von dem Kammermaͤdchen geleitet, in des Frem¬ den Zimmer. Seine Ahnung hatte ihn nicht ge¬ taͤuſcht, es war ſeines Vaters getreuer Secretair. „Erſchrecken Sie nicht, Herr Baron,“ hob dieſer an und trat Blauenſtein mit milder Freundlichkeit entgegen. „Vor allen Dingen muß ich Ihnen ſagen, wie ich mich Ihrer Zuruͤckkunft von der langen Reiſe freue, der Ihre koͤrperliche Ausbildung viel ver¬ dankt, denn ich finde manche vortheilhafte Ver¬ aͤnderung!“ „O, laſſen wir jetzt dergleichen, lieber, guter Blum,“ entgegnete Blauenſtein dringend, „ſagen Sie mir vielmehr ſchnell heraus, was Sie ſo ploͤtzlich zu mir fuͤhrt. Mein Vater hat doch meinen Brief empfangen? —“ „Allerdings,“ nahm Blum mit einem Seufzer

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Zitationshilfe: Clauren, Heinrich: Liebe und Irrthum. Nordhausen, 1827, S. 76. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/clauren_liebe_1827/82>, abgerufen am 21.08.2018.