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Corvinus, Gottlieb Siegmund: Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexicon. Leipzig, 1715.

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Ketzerin Kielen
zusammen gesetzter und aus eitel
Gelencken bestehender Umfang,
ein- oder mehrfach, mit oder ohne
Schloß, so das Frauenzimmer um
Hals und Arm zu tragen pfleget.
Die Gattung derselben ist man-
cherley, als: Erbis-Ketten, Pan-
tzer-Ketten, Grän-Ketten, Drat-
Ketten, Flincker-Ketten, Frantz-
Ketten u. a. d.

Ketzerinnen,

Heissen diejenigen Sectirischen
Wei[b]es-Bilder, so allerhand irrige
Lehren ausbrüten, sich durch ihre
ärgerlichen Lehren von der allge-
meinen Kirche absondern, und ihr
ketzerisches Gifft andern beyzubrin-
gen suchen.

Keutzlein oder Eule schreyet,

Ist eine alte abergläubische und
Weibische Propheceyung, daß
nehmlich ein Krancker, wann sich
des Nachts dergleichen Thier auf
seinem Hause oder in der Nach-
barschafft hören läßt, ohnfehlbahr
sterben müsse.

Kezia,

War eine von denen drey schö-
nen Töchtern Hiobs, deren Schön-
heit in keinem Lande gefunden
ward. Hiob. XLII. v. 14. 15.

Kiehn,

Heist Fichten- oder Kiefern-Holtz
in kleine breite Stücklein zerschnit-
[t]en und in Bündlein gebunden,
[w]ormit die Mägde das Feuer auf
[d]en Heerd oder in die Ofen anzu-
[m]achen pflegen.

Kielen,

Heissen bey dem Federschliessen
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Kieselb Kinderf
die abgerupften und leeren Spulen,
so man in das Kehricht zu werffen
pfleget.

Kieselbeckin,

Anna Sabina. War eine gute
teutsche Poetin, und soll sonderlich
glücklich in Erfindung der Rätzel
gewesen seyn.

Kind anhauchen,

Ist eine lächerliche und aber-
gläubische Meynung, etlicher stil-
lenden Mütter oder Ammen, die
drey Sonntage nach einander still-
schweigend aus der Kirche gehen,
und ihr stillendes Kind gleich an-
hauchen, damit ihm die Zähngen
leichte ankommen.

Kindbetterin, siehe. Sechs-
wöchnerin.
Kindeln,

Ist eine an etlichen Orten be-
kannte und alte hergebrachte Ge-
wohnheit, da nehmlich die Jung-
fern des Morgens Frühe an der
Ascher-Mittewoche denen ihnen be-
kannten Junggesellen in dem Bette
einen guten Morgen mit der
Ruthe zu biethen, und sie
durch selbige im Schertz einzuä-
schern pflegen; Dergleichen Schertz
auch das Manns-Volck mit dem
Frauenzimmer gleichfalls zu trei-
ben gewohnet ist.

Kinder-Betten,

Seynd diejenigen kleinen und
weichen Betten, so denen Kindern
in die Wiege untergeleget werden.

Kinder-Flecken,

Seynd schwartzbraune Flecken,

so
K k 5

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Ketzerin Kielen
zuſammen geſetzter und aus eitel
Gelencken beſtehender Umfang,
ein- oder mehrfach, mit oder ohne
Schloß, ſo das Frauenzimmer um
Hals und Arm zu tragen pfleget.
Die Gattung derſelben iſt man-
cherley, als: Erbis-Ketten, Pan-
tzer-Ketten, Graͤn-Ketten, Drat-
Ketten, Flincker-Ketten, Frantz-
Ketten u. a. d.

Ketzerinnen,

Heiſſen diejenigen Sectiriſchen
Wei[b]es-Bilder, ſo allerhand irrige
Lehren ausbruͤten, ſich durch ihre
aͤrgerlichen Lehren von der allge-
meinen Kirche abſondern, und ihr
ketzeriſches Gifft andern beyzubrin-
gen ſuchen.

Keutzlein oder Eule ſchreyet,

Iſt eine alte aberglaͤubiſche und
Weibiſche Propheceyung, daß
nehmlich ein Krancker, wann ſich
des Nachts dergleichen Thier auf
ſeinem Hauſe oder in der Nach-
barſchafft hoͤren laͤßt, ohnfehlbahr
ſterben muͤſſe.

Kezia,

War eine von denen drey ſchoͤ-
nen Toͤchtern Hiobs, deren Schoͤn-
heit in keinem Lande gefunden
ward. Hiob. XLII. v. 14. 15.

Kiehn,

Heiſt Fichten- oder Kiefern-Holtz
in kleine breite Stuͤcklein zerſchnit-
[t]en und in Buͤndlein gebunden,
[w]ormit die Maͤgde das Feuer auf
[d]en Heerd oder in die Ofen anzu-
[m]achen pflegen.

Kielen,

Heiſſen bey dem Federſchlieſſen
[Spaltenumbruch]

Kieſelb Kinderf
die abgeꝛupften und leeren Spulen,
ſo man in das Kehricht zu werffen
pfleget.

Kieſelbeckin,

Anna Sabina. War eine gute
teutſche Poetin, und ſoll ſonderlich
gluͤcklich in Erfindung der Raͤtzel
geweſen ſeyn.

Kind anhauchen,

Iſt eine laͤcherliche und aber-
glaͤubiſche Meynung, etlicher ſtil-
lenden Muͤtter oder Ammen, die
drey Sonntage nach einander ſtill-
ſchweigend aus der Kirche gehen,
und ihr ſtillendes Kind gleich an-
hauchen, damit ihm die Zaͤhngen
leichte ankommen.

Kindbetterin, ſiehe. Sechs-
woͤchnerin.
Kindeln,

Iſt eine an etlichen Orten be-
kannte und alte hergebrachte Ge-
wohnheit, da nehmlich die Jung-
fern des Morgens Fruͤhe an der
Aſcheꝛ-Mittewoche denen ihnen be-
kannten Junggeſellen in dem Bette
einen guten Morgen mit der
Ruthe zu biethen, und ſie
durch ſelbige im Schertz einzuaͤ-
ſchern pflegen; Dergleichen Scheꝛtz
auch das Manns-Volck mit dem
Frauenzimmer gleichfalls zu trei-
ben gewohnet iſt.

Kinder-Betten,

Seynd diejenigen kleinen und
weichen Betten, ſo denen Kindern
in die Wiege untergeleget werden.

Kinder-Flecken,

Seynd ſchwartzbraune Flecken,

ſo
K k 5
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[0543] Ketzerin Kielen Kieſelb Kinderf zuſammen geſetzter und aus eitel Gelencken beſtehender Umfang, ein- oder mehrfach, mit oder ohne Schloß, ſo das Frauenzimmer um Hals und Arm zu tragen pfleget. Die Gattung derſelben iſt man- cherley, als: Erbis-Ketten, Pan- tzer-Ketten, Graͤn-Ketten, Drat- Ketten, Flincker-Ketten, Frantz- Ketten u. a. d. Ketzerinnen, Heiſſen diejenigen Sectiriſchen Weibes-Bilder, ſo allerhand irrige Lehren ausbruͤten, ſich durch ihre aͤrgerlichen Lehren von der allge- meinen Kirche abſondern, und ihr ketzeriſches Gifft andern beyzubrin- gen ſuchen. Keutzlein oder Eule ſchreyet, Iſt eine alte aberglaͤubiſche und Weibiſche Propheceyung, daß nehmlich ein Krancker, wann ſich des Nachts dergleichen Thier auf ſeinem Hauſe oder in der Nach- barſchafft hoͤren laͤßt, ohnfehlbahr ſterben muͤſſe. Kezia, War eine von denen drey ſchoͤ- nen Toͤchtern Hiobs, deren Schoͤn- heit in keinem Lande gefunden ward. Hiob. XLII. v. 14. 15. Kiehn, Heiſt Fichten- oder Kiefern-Holtz in kleine breite Stuͤcklein zerſchnit- ten und in Buͤndlein gebunden, wormit die Maͤgde das Feuer auf den Heerd oder in die Ofen anzu- machen pflegen. Kielen, Heiſſen bey dem Federſchlieſſen die abgeꝛupften und leeren Spulen, ſo man in das Kehricht zu werffen pfleget. Kieſelbeckin, Anna Sabina. War eine gute teutſche Poetin, und ſoll ſonderlich gluͤcklich in Erfindung der Raͤtzel geweſen ſeyn. Kind anhauchen, Iſt eine laͤcherliche und aber- glaͤubiſche Meynung, etlicher ſtil- lenden Muͤtter oder Ammen, die drey Sonntage nach einander ſtill- ſchweigend aus der Kirche gehen, und ihr ſtillendes Kind gleich an- hauchen, damit ihm die Zaͤhngen leichte ankommen. Kindbetterin, ſiehe. Sechs- woͤchnerin. Kindeln, Iſt eine an etlichen Orten be- kannte und alte hergebrachte Ge- wohnheit, da nehmlich die Jung- fern des Morgens Fruͤhe an der Aſcheꝛ-Mittewoche denen ihnen be- kannten Junggeſellen in dem Bette einen guten Morgen mit der Ruthe zu biethen, und ſie durch ſelbige im Schertz einzuaͤ- ſchern pflegen; Dergleichen Scheꝛtz auch das Manns-Volck mit dem Frauenzimmer gleichfalls zu trei- ben gewohnet iſt. Kinder-Betten, Seynd diejenigen kleinen und weichen Betten, ſo denen Kindern in die Wiege untergeleget werden. Kinder-Flecken, Seynd ſchwartzbraune Flecken, ſo K k 5

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Zitationshilfe: Corvinus, Gottlieb Siegmund: Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexicon. Leipzig, 1715, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/corvinus_frauenzimmer_1715/543>, abgerufen am 19.08.2018.