Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Crüger, Peter: Cupediæ Astrosophicæ. Breslau, 1631.

Bild:
<< vorherige Seite

Heyden vorzeiten ist excoliret, so ist sie doch auch lang zuvorn von den allerer-
sten Ertzvätern/ wie gemeldet/ getrieben.

Jst demnach keine andere Astronomia, vnnd mag auch keine andere zur
bahn gebracht werden/ als die einige. Denn die andere/ welche gedachter Autor
Astronomiam Gratiae
vnd Apocalypticam nennet/ hat mit Astronomia gar
keine gemeinschafft/ sintemal sie mit nichten deß Himmelslauff abmisset vnd be-
rechnet/ sondern etliche zalen ausm Propheten Daniele/ vnd aus der Offenbarung
Johannis/ mit den zahlen des Himmels vergleicht/ diefelben darnach nicht nach
Astronomischer/ sondern Gauckelischer Art in einander so lang wickelt vnd flech
tet/ biß eine zahl herfür kömt/ so dem Autori zu seinem Proposito dienlich: item
sie legt jhrem gutdüncken nach etliche Propheceyungen der Offenbahrung Jo-
hannis/ des Propheten Daniels vnd des vierden Buchs Esdrae auß.

Wenn der Autor durch Astronomiam Gentilem eigentlich die Progno-
sticationes Astrologicas
verstünde/ so geb ich gerne nach/ das dieselben/ wie sie
heute von den meisten getrieben werden/ mehr Heydnisch denn Christlich sind/
worüber ich vorhin schon offmals geklage. Hergegen aber ist der sach noch
nicht geholffen mit dem/ das man die zahlen/ Bilder vnd Weissagungen Danie-
lis/ Johannis/ Esdrae mit den zahlen vnd Bildern des Himmels vergleiche:
Denn bey solcher außlegung flechtet sich ebenmessig die Heydnische Mytholo-
gi
sche Astrologia kräfftig ein/ wie auß dieses Autoris schrifften hin vnd her gnug
sam zusehen. Astrologia ist eine disciplina, so auff das Liecht der Natur ge-
gründet: Die rechte außlegung aber der Weissagungen in heiliger Schrifft ist
kein natürlich/ sondern viel ein höher Werck. Darumb sol es beydes nicht ver-
menget werden. Sind solcher Scribenten außlegung vnd Weissagungen von
Gott/ so bleiben sie/ wie die Propheten Gottes zu thun pflegen/ in jhren termi-
nis,
vnd beweisens nicht durch 3 vnnd 4/ durch den Schlangenkopff Medusae,
durch das auffgesperte maul Antinoi, durch den spieß Bootis &c. Sondern
durch des HERREN Wort.

III.
Was
Cabala sey/ was sie für gemeinschafft mit der Astro-
logia
habe/ vnd ob sie auch in anderer als Hebreischer
Sprach gegründet?

DAs wort Kabala kömpt her vom Hebreischen Kibbel, welchs zu Latein
heisset Accepit, Excepit. Vnd ist eine Theologia symbolica, oder tieff-
sinnige auff eigentlichen verstand des Hebreischen Buchstabs gegründete auß-
legung der heiligen Schrifft/ wie sie Moses aus dem munde Gottes gehöret

oder

Heyden vorzeiten iſt excoliret, ſo iſt ſie doch auch lang zuvorn von den allerer-
ſten Ertzvaͤtern/ wie gemeldet/ getrieben.

Jſt demnach keine andere Aſtronomia, vnnd mag auch keine andere zur
bahn gebracht werden/ als die einige. Denn die andere/ welche gedachter Autor
Aſtronomiam Gratiæ
vnd Apocalypticam nennet/ hat mit Aſtronomia gar
keine gemeinſchafft/ ſintemal ſie mit nichten deß Himmelslauff abmiſſet vnd be-
rechnet/ ſondern etliche zalẽ ausm Propheten Daniele/ vñ aus der Offenbarung
Johannis/ mit den zahlen des Him̃els vergleicht/ diefelben darnach nicht nach
Aſtronomiſcher/ ſondern Gauckeliſcher Art in einander ſo lang wickelt vnd flech
tet/ biß eine zahl herfuͤr koͤmt/ ſo dem Autori zu ſeinem Propoſito dienlich: item
ſie legt jhrem gutduͤncken nach etliche Propheceyungen der Offenbahrung Jo-
hannis/ des Propheten Daniels vnd des vierden Buchs Eſdræ auß.

Wenn der Autor durch Aſtronomiam Gentilem eigentlich die Progno-
ſticationes Aſtrologicas
verſtuͤnde/ ſo geb ich gerne nach/ das dieſelben/ wie ſie
heute von den meiſten getrieben werden/ mehr Heydniſch denn Chriſtlich ſind/
woruͤber ich vorhin ſchon offmals geklage. Hergegen aber iſt der ſach noch
nicht geholffen mit dem/ das man die zahlen/ Bilder vnd Weiſſagungen Danie-
lis/ Johannis/ Eſdræ mit den zahlen vnd Bildern des Himmels vergleiche:
Denn bey ſolcher außlegung flechtet ſich ebenmeſſig die Heydniſche Mytholo-
gi
ſche Aſtrologia kraͤfftig ein/ wie auß dieſes Autoris ſchrifften hin vñ her gnug
ſam zuſehen. Aſtrologia iſt eine diſciplina, ſo auff das Liecht der Natur ge-
gruͤndet: Die rechte außlegung aber der Weiſſagungen in heiliger Schrifft iſt
kein natuͤrlich/ ſondern viel ein hoͤher Werck. Darumb ſol es beydes nicht ver-
menget werden. Sind ſolcher Scribenten außlegung vnd Weiſſagungen von
Gott/ ſo bleiben ſie/ wie die Propheten Gottes zu thun pflegen/ in jhren termi-
nis,
vnd beweiſens nicht durch 3 vnnd 4/ durch den Schlangenkopff Meduſæ,
durch das auffgeſperte maul Antinoi, durch den ſpieß Bootis &c. Sondern
durch des HERREN Wort.

III.
Was
Cabala ſey/ was ſie fuͤr gemeinſchafft mit der Aſtro-
logia
habe/ vnd ob ſie auch in anderer als Hebreiſcher
Sprach gegruͤndet?

DAs wort Kabala koͤmpt her vom Hebreiſchen Kibbel, welchs zu Latein
heiſſet Accepit, Excepit. Vnd iſt eine Theologia ſymbolica, oder tieff-
ſinnige auff eigentlichen verſtand des Hebreiſchen Buchſtabs gegruͤndete auß-
legung der heiligen Schrifft/ wie ſie Moſes aus dem munde Gottes gehoͤret

oder
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0136"/>
Heyden vorzeiten i&#x017F;t <hi rendition="#aq">excoliret,</hi> &#x017F;o i&#x017F;t &#x017F;ie doch auch lang zuvorn von den allerer-<lb/>
&#x017F;ten Ertzva&#x0364;tern/ wie gemeldet/ getrieben.</p><lb/>
          <p>J&#x017F;t demnach keine andere <hi rendition="#aq">A&#x017F;tronomia,</hi> vnnd mag auch keine andere zur<lb/>
bahn gebracht werden/ als die einige. Denn die andere/ welche gedachter <hi rendition="#aq">Autor<lb/>
A&#x017F;tronomiam Gratiæ</hi> vnd <hi rendition="#aq">Apocalypticam</hi> nennet/ hat mit <hi rendition="#aq">A&#x017F;tronomia</hi> gar<lb/>
keine gemein&#x017F;chafft/ &#x017F;intemal &#x017F;ie mit nichten deß Himmelslauff abmi&#x017F;&#x017F;et vnd be-<lb/>
rechnet/ &#x017F;ondern etliche zale&#x0303; ausm Propheten Daniele/ vn&#x0303; aus der Offenbarung<lb/>
Johannis/ mit den zahlen des Him&#x0303;els vergleicht/ diefelben darnach nicht nach<lb/><hi rendition="#aq">A&#x017F;tronomi</hi>&#x017F;cher/ &#x017F;ondern Gauckeli&#x017F;cher Art in einander &#x017F;o lang wickelt vnd flech<lb/>
tet/ biß eine zahl herfu&#x0364;r ko&#x0364;mt/ &#x017F;o dem <hi rendition="#aq">Autori</hi> zu &#x017F;einem <hi rendition="#aq">Propo&#x017F;ito</hi> dienlich: item<lb/>
&#x017F;ie legt jhrem gutdu&#x0364;ncken nach etliche Propheceyungen der Offenbahrung Jo-<lb/>
hannis/ des Propheten Daniels vnd des vierden Buchs <hi rendition="#aq">E&#x017F;dræ</hi> auß.</p><lb/>
          <p>Wenn der <hi rendition="#aq">Autor</hi> durch <hi rendition="#aq">A&#x017F;tronomiam Gentilem</hi> eigentlich die <hi rendition="#aq">Progno-<lb/>
&#x017F;ticationes A&#x017F;trologicas</hi> ver&#x017F;tu&#x0364;nde/ &#x017F;o geb ich gerne nach/ das die&#x017F;elben/ wie &#x017F;ie<lb/>
heute von den mei&#x017F;ten getrieben werden/ mehr Heydni&#x017F;ch denn Chri&#x017F;tlich &#x017F;ind/<lb/>
woru&#x0364;ber ich vorhin &#x017F;chon offmals geklage. Hergegen aber i&#x017F;t der &#x017F;ach noch<lb/>
nicht geholffen mit dem/ das man die zahlen/ Bilder vnd Wei&#x017F;&#x017F;agungen Danie-<lb/>
lis/ Johannis/ E&#x017F;dr<hi rendition="#aq">æ</hi> mit den zahlen vnd Bildern des Himmels vergleiche:<lb/>
Denn bey &#x017F;olcher außlegung flechtet &#x017F;ich ebenme&#x017F;&#x017F;ig die Heydni&#x017F;che <hi rendition="#aq">Mytholo-<lb/>
gi</hi>&#x017F;che <hi rendition="#aq">A&#x017F;trologia</hi> kra&#x0364;fftig ein/ wie auß die&#x017F;es <hi rendition="#aq">Autoris</hi> &#x017F;chrifften hin vn&#x0303; her gnug<lb/>
&#x017F;am zu&#x017F;ehen. <hi rendition="#aq">A&#x017F;trologia</hi> i&#x017F;t eine <hi rendition="#aq">di&#x017F;ciplina,</hi> &#x017F;o auff das Liecht der Natur ge-<lb/>
gru&#x0364;ndet: Die rechte außlegung aber der Wei&#x017F;&#x017F;agungen in heiliger Schrifft i&#x017F;t<lb/>
kein natu&#x0364;rlich/ &#x017F;ondern viel ein ho&#x0364;her Werck. Darumb &#x017F;ol es beydes nicht ver-<lb/>
menget werden. Sind &#x017F;olcher <hi rendition="#aq">Scribenten</hi> außlegung vnd Wei&#x017F;&#x017F;agungen von<lb/>
Gott/ &#x017F;o bleiben &#x017F;ie/ wie die Propheten Gottes zu thun pflegen/ in jhren <hi rendition="#aq">termi-<lb/>
nis,</hi> vnd bewei&#x017F;ens nicht durch 3 vnnd 4/ durch den Schlangenkopff <hi rendition="#aq">Medu&#x017F;æ,</hi><lb/>
durch das auffge&#x017F;perte maul <hi rendition="#aq">Antinoi,</hi> durch den &#x017F;pieß <hi rendition="#aq">Bootis &amp;c.</hi> Sondern<lb/>
durch des HERREN Wort.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">III.</hi><lb/>
Was</hi><hi rendition="#aq">Cabala</hi><hi rendition="#b">&#x017F;ey/ was &#x017F;ie fu&#x0364;r gemein&#x017F;chafft mit der</hi><hi rendition="#aq">A&#x017F;tro-<lb/>
logia</hi><hi rendition="#b">habe/ vnd ob &#x017F;ie auch in anderer als Hebrei&#x017F;cher</hi><lb/>
Sprach gegru&#x0364;ndet?</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>As wort <hi rendition="#aq">Kabala</hi> ko&#x0364;mpt her vom Hebrei&#x017F;chen <hi rendition="#aq">Kibbel,</hi> welchs zu Latein<lb/>
hei&#x017F;&#x017F;et <hi rendition="#aq">Accepit, Excepit.</hi> Vnd i&#x017F;t eine <hi rendition="#aq">Theologia &#x017F;ymbolica,</hi> oder tieff-<lb/>
&#x017F;innige auff eigentlichen ver&#x017F;tand des Hebrei&#x017F;chen Buch&#x017F;tabs gegru&#x0364;ndete auß-<lb/>
legung der heiligen Schrifft/ wie &#x017F;ie Mo&#x017F;es aus dem munde Gottes geho&#x0364;ret<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">oder</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0136] Heyden vorzeiten iſt excoliret, ſo iſt ſie doch auch lang zuvorn von den allerer- ſten Ertzvaͤtern/ wie gemeldet/ getrieben. Jſt demnach keine andere Aſtronomia, vnnd mag auch keine andere zur bahn gebracht werden/ als die einige. Denn die andere/ welche gedachter Autor Aſtronomiam Gratiæ vnd Apocalypticam nennet/ hat mit Aſtronomia gar keine gemeinſchafft/ ſintemal ſie mit nichten deß Himmelslauff abmiſſet vnd be- rechnet/ ſondern etliche zalẽ ausm Propheten Daniele/ vñ aus der Offenbarung Johannis/ mit den zahlen des Him̃els vergleicht/ diefelben darnach nicht nach Aſtronomiſcher/ ſondern Gauckeliſcher Art in einander ſo lang wickelt vnd flech tet/ biß eine zahl herfuͤr koͤmt/ ſo dem Autori zu ſeinem Propoſito dienlich: item ſie legt jhrem gutduͤncken nach etliche Propheceyungen der Offenbahrung Jo- hannis/ des Propheten Daniels vnd des vierden Buchs Eſdræ auß. Wenn der Autor durch Aſtronomiam Gentilem eigentlich die Progno- ſticationes Aſtrologicas verſtuͤnde/ ſo geb ich gerne nach/ das dieſelben/ wie ſie heute von den meiſten getrieben werden/ mehr Heydniſch denn Chriſtlich ſind/ woruͤber ich vorhin ſchon offmals geklage. Hergegen aber iſt der ſach noch nicht geholffen mit dem/ das man die zahlen/ Bilder vnd Weiſſagungen Danie- lis/ Johannis/ Eſdræ mit den zahlen vnd Bildern des Himmels vergleiche: Denn bey ſolcher außlegung flechtet ſich ebenmeſſig die Heydniſche Mytholo- giſche Aſtrologia kraͤfftig ein/ wie auß dieſes Autoris ſchrifften hin vñ her gnug ſam zuſehen. Aſtrologia iſt eine diſciplina, ſo auff das Liecht der Natur ge- gruͤndet: Die rechte außlegung aber der Weiſſagungen in heiliger Schrifft iſt kein natuͤrlich/ ſondern viel ein hoͤher Werck. Darumb ſol es beydes nicht ver- menget werden. Sind ſolcher Scribenten außlegung vnd Weiſſagungen von Gott/ ſo bleiben ſie/ wie die Propheten Gottes zu thun pflegen/ in jhren termi- nis, vnd beweiſens nicht durch 3 vnnd 4/ durch den Schlangenkopff Meduſæ, durch das auffgeſperte maul Antinoi, durch den ſpieß Bootis &c. Sondern durch des HERREN Wort. III. Was Cabala ſey/ was ſie fuͤr gemeinſchafft mit der Aſtro- logia habe/ vnd ob ſie auch in anderer als Hebreiſcher Sprach gegruͤndet? DAs wort Kabala koͤmpt her vom Hebreiſchen Kibbel, welchs zu Latein heiſſet Accepit, Excepit. Vnd iſt eine Theologia ſymbolica, oder tieff- ſinnige auff eigentlichen verſtand des Hebreiſchen Buchſtabs gegruͤndete auß- legung der heiligen Schrifft/ wie ſie Moſes aus dem munde Gottes gehoͤret oder

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/crueger_cupediae_1631
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/crueger_cupediae_1631/136
Zitationshilfe: Crüger, Peter: Cupediæ Astrosophicæ. Breslau, 1631, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/crueger_cupediae_1631/136>, abgerufen am 12.08.2020.