Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Crüger, Peter: Cupediæ Astrosophicæ. Breslau, 1631.

Bild:
<< vorherige Seite

den grossen kälte zerrissen vnd gleichsam zerfaset werden/ eh denn sie sich in eine
Regen-Wolcke packen können: wenn sie denn so zerfaset/ werden zugleich die fa-
sen von der Kälte durchgangen/ das sie im frieren gantz dünne vnd weiß werden.
(ein exempel oder gleichniß solches Frosts hat man an dünnem holeyse/ wiewol
dasselbe noch viel deichter als der Schnee) vnd also herunder fallen. Nun sind
Niedrige örter von natur der Erden jmmerdar etwas warmlechter als bergich-
te/ sintemal die Niedrigen etwas feuchter/ vnd also mehr dünste übersich schwi-
tzen/ als das Gebirge: alle dünste aber haben von natur eine wärme in sich. Wenn
nun der Schnee auff die Niedrigungen fellet/ begegnen jhm die auffsteigenden
warmen dünste/ dadurch er wie ein schaum vmb ein gut theil einkrümpfft/ biß-
weilen auch gantz vnd gar zerschmiltzt/ eh denn er die Erden erreicht. Welchs
auff Gebirgen also nicht geschicht.

II.
Was ist das Sternschiessen oder Sternfallen
für ein ding?

ES fellet kein Stern vom Himmel herunder/ wie die einfeltigen jhnen ein-
bilden: denn es einmal von Gott also geordnet/ das der Himmel vnzerfal-
len bleiben sol/ so lang diese Welt stehet/ das ist biß zum Jüngsten gericht: so
ists auch nach der Philosophey also beschaffen/ das kein leichtes ding (derglei-
chen alle Himmlische Cörper sindt) vntersich/ kein schweres übersich/ steigt: zu
geschweigen/ das nach der Mathematica der kleinste stern/ wenn er herunder fal
len kündte/ das gröste Land bedecken würde. Es ist auch solch Sternschiessen
nicht eine reinigung der himmlischen Cörper/ wie es andere dafür halten die da
meinen/ das es daher den Namen Sternschnautzen habe: denn die himmlischen
Cörper haben kein vnreines in sich/ das sie eines putzens bedürfften: Vnd ist das
jenige/ das bißweilen die Ackersleute oder andere im Felde zu finden pflegen/ mit
nichten ein abgefallener Sternputz/ sondern eine andere vnreinigkeit/ entweder
von Vögeln oder sonst woher. Sondern das Sternschiessen ist ein angezünde-
ter dampff oben in der Lufft: Das er aber in solcher eil dahin fehret/ kömpt da-
her/ das der truckne dampff daselbst in die lenge gestreckt schwebt/ wie man ein
büchsen pulver die lenge hin strewet: Wenn er nun durch das Liecht der himli-
schen Sternen oder (welchem ich mehr beyfall gebe) durch die bepressung der
vmbstehenden Kälte entzündet wird/ vergleicht sich seine brunst einem lauffen-
den fewer/ welchs ebenmäßig in einem augenblick auffgehet vnd ein ende nimt.

III.
Was
G g ij

den groſſen kaͤlte zerriſſen vnd gleichſam zerfaſet werden/ eh denn ſie ſich in eine
Regen-Wolcke packen koͤnnen: wenn ſie denn ſo zerfaſet/ werden zugleich die fa-
ſen von der Kaͤlte durchgangen/ das ſie im frieren gantz duͤnne vnd weiß werden.
(ein exempel oder gleichniß ſolches Froſts hat man an duͤnnem holeyſe/ wiewol
daſſelbe noch viel deichter als der Schnee) vnd alſo herunder fallen. Nun ſind
Niedrige oͤrter von natur der Erden jmmerdar etwas warmlechter als bergich-
te/ ſintemal die Niedrigen etwas feuchter/ vnd alſo mehr duͤnſte uͤberſich ſchwi-
tzen/ als das Gebirge: alle duͤnſte aber haben von natur eine waͤrme in ſich. Weñ
nun der Schnee auff die Niedrigungen fellet/ begegnen jhm die auffſteigenden
warmen duͤnſte/ dadurch er wie ein ſchaum vmb ein gut theil einkruͤmpfft/ biß-
weilen auch gantz vnd gar zerſchmiltzt/ eh denn er die Erden erreicht. Welchs
auff Gebirgen alſo nicht geſchicht.

II.
Was iſt das Sternſchieſſen oder Sternfallen
fuͤr ein ding?

ES fellet kein Stern vom Himmel herunder/ wie die einfeltigen jhnen ein-
bilden: denn es einmal von Gott alſo geordnet/ das der Himmel vnzerfal-
len bleiben ſol/ ſo lang dieſe Welt ſtehet/ das iſt biß zum Juͤngſten gericht: ſo
iſts auch nach der Philoſophey alſo beſchaffen/ das kein leichtes ding (derglei-
chen alle Himmliſche Coͤrper ſindt) vnterſich/ kein ſchweres uͤberſich/ ſteigt: zu
geſchweigen/ das nach der Mathematica der kleinſte ſtern/ wenn er herunder fal
len kuͤndte/ das groͤſte Land bedecken wuͤrde. Es iſt auch ſolch Sternſchieſſen
nicht eine reinigung der himmliſchen Coͤrper/ wie es andere dafuͤr halten die da
meinen/ das es daher den Namen Sternſchnautzen habe: denn die himmliſchen
Coͤrper haben kein vnreines in ſich/ das ſie eines putzens beduͤrfften: Vnd iſt das
jenige/ das bißweilen die Ackersleute oder andere im Felde zu finden pflegen/ mit
nichten ein abgefallener Sternputz/ ſondern eine andere vnreinigkeit/ entweder
von Voͤgeln oder ſonſt woher. Sondern das Sternſchieſſen iſt ein angezuͤnde-
ter dampff oben in der Lufft: Das er aber in ſolcher eil dahin fehret/ koͤmpt da-
her/ das der truckne dampff daſelbſt in die lenge geſtreckt ſchwebt/ wie man ein
buͤchſen pulver die lenge hin ſtrewet: Wenn er nun durch das Liecht der himli-
ſchen Sternen oder (welchem ich mehr beyfall gebe) durch die bepreſſung der
vmbſtehenden Kaͤlte entzuͤndet wird/ vergleicht ſich ſeine brunſt einem lauffen-
den fewer/ welchs ebenmaͤßig in einem augenblick auffgehet vnd ein ende nimt.

III.
Was
G g ij
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0253"/>
den gro&#x017F;&#x017F;en ka&#x0364;lte zerri&#x017F;&#x017F;en vnd gleich&#x017F;am zerfa&#x017F;et werden/ eh denn &#x017F;ie &#x017F;ich in eine<lb/>
Regen-Wolcke packen ko&#x0364;nnen: wenn &#x017F;ie denn &#x017F;o zerfa&#x017F;et/ werden zugleich die fa-<lb/>
&#x017F;en von der Ka&#x0364;lte durchgangen/ das &#x017F;ie im frieren gantz du&#x0364;nne vnd weiß werden.<lb/>
(ein exempel oder gleichniß &#x017F;olches Fro&#x017F;ts hat man an du&#x0364;nnem holey&#x017F;e/ wiewol<lb/>
da&#x017F;&#x017F;elbe noch viel deichter als der Schnee) vnd al&#x017F;o herunder fallen. Nun &#x017F;ind<lb/>
Niedrige o&#x0364;rter von natur der Erden jmmerdar etwas warmlechter als bergich-<lb/>
te/ &#x017F;intemal die Niedrigen etwas feuchter/ vnd al&#x017F;o mehr du&#x0364;n&#x017F;te u&#x0364;ber&#x017F;ich &#x017F;chwi-<lb/>
tzen/ als das Gebirge: alle du&#x0364;n&#x017F;te aber haben von natur eine wa&#x0364;rme in &#x017F;ich. Wen&#x0303;<lb/>
nun der Schnee auff die Niedrigungen fellet/ begegnen jhm die auff&#x017F;teigenden<lb/>
warmen du&#x0364;n&#x017F;te/ dadurch er wie ein &#x017F;chaum vmb ein gut theil einkru&#x0364;mpfft/ biß-<lb/>
weilen auch gantz vnd gar zer&#x017F;chmiltzt/ eh denn er die Erden erreicht. Welchs<lb/>
auff Gebirgen al&#x017F;o nicht ge&#x017F;chicht.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#aq">II.</hi> </hi><lb/> <hi rendition="#fr">Was i&#x017F;t das Stern&#x017F;chie&#x017F;&#x017F;en oder Sternfallen</hi><lb/> <hi rendition="#b">fu&#x0364;r ein ding?</hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">E</hi>S fellet kein Stern vom Himmel herunder/ wie die einfeltigen jhnen ein-<lb/>
bilden: denn es einmal von Gott al&#x017F;o geordnet/ das der Himmel vnzerfal-<lb/>
len bleiben &#x017F;ol/ &#x017F;o lang die&#x017F;e Welt &#x017F;tehet/ das i&#x017F;t biß zum Ju&#x0364;ng&#x017F;ten gericht: &#x017F;o<lb/>
i&#x017F;ts auch nach der Philo&#x017F;ophey al&#x017F;o be&#x017F;chaffen/ das kein leichtes ding (derglei-<lb/>
chen alle Himmli&#x017F;che Co&#x0364;rper &#x017F;indt) vnter&#x017F;ich/ kein &#x017F;chweres u&#x0364;ber&#x017F;ich/ &#x017F;teigt: zu<lb/>
ge&#x017F;chweigen/ das nach der <hi rendition="#aq">Mathematica</hi> der klein&#x017F;te &#x017F;tern/ wenn er herunder fal<lb/>
len ku&#x0364;ndte/ das gro&#x0364;&#x017F;te Land bedecken wu&#x0364;rde. Es i&#x017F;t auch &#x017F;olch Stern&#x017F;chie&#x017F;&#x017F;en<lb/>
nicht eine reinigung der himmli&#x017F;chen Co&#x0364;rper/ wie es andere dafu&#x0364;r halten die da<lb/>
meinen/ das es daher den Namen Stern&#x017F;chnautzen habe: denn die himmli&#x017F;chen<lb/>
Co&#x0364;rper haben kein vnreines in &#x017F;ich/ das &#x017F;ie eines putzens bedu&#x0364;rfften: Vnd i&#x017F;t das<lb/>
jenige/ das bißweilen die Ackersleute oder andere im Felde zu finden pflegen/ mit<lb/>
nichten ein abgefallener Sternputz/ &#x017F;ondern eine andere vnreinigkeit/ entweder<lb/>
von Vo&#x0364;geln oder &#x017F;on&#x017F;t woher. Sondern das Stern&#x017F;chie&#x017F;&#x017F;en i&#x017F;t ein angezu&#x0364;nde-<lb/>
ter dampff oben in der Lufft: Das er aber in &#x017F;olcher eil dahin fehret/ ko&#x0364;mpt da-<lb/>
her/ das der truckne dampff da&#x017F;elb&#x017F;t in die lenge ge&#x017F;treckt &#x017F;chwebt/ wie man ein<lb/>
bu&#x0364;ch&#x017F;en pulver die lenge hin &#x017F;trewet: Wenn er nun durch das Liecht der himli-<lb/>
&#x017F;chen Sternen oder (welchem ich mehr beyfall gebe) durch die bepre&#x017F;&#x017F;ung der<lb/>
vmb&#x017F;tehenden Ka&#x0364;lte entzu&#x0364;ndet wird/ vergleicht &#x017F;ich &#x017F;eine brun&#x017F;t einem lauffen-<lb/>
den fewer/ welchs ebenma&#x0364;ßig in einem augenblick auffgehet vnd ein ende nimt.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#aq">III.</hi> </hi> </head>
        </div><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig">G g ij</fw>
        <fw place="bottom" type="catch">Was</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0253] den groſſen kaͤlte zerriſſen vnd gleichſam zerfaſet werden/ eh denn ſie ſich in eine Regen-Wolcke packen koͤnnen: wenn ſie denn ſo zerfaſet/ werden zugleich die fa- ſen von der Kaͤlte durchgangen/ das ſie im frieren gantz duͤnne vnd weiß werden. (ein exempel oder gleichniß ſolches Froſts hat man an duͤnnem holeyſe/ wiewol daſſelbe noch viel deichter als der Schnee) vnd alſo herunder fallen. Nun ſind Niedrige oͤrter von natur der Erden jmmerdar etwas warmlechter als bergich- te/ ſintemal die Niedrigen etwas feuchter/ vnd alſo mehr duͤnſte uͤberſich ſchwi- tzen/ als das Gebirge: alle duͤnſte aber haben von natur eine waͤrme in ſich. Weñ nun der Schnee auff die Niedrigungen fellet/ begegnen jhm die auffſteigenden warmen duͤnſte/ dadurch er wie ein ſchaum vmb ein gut theil einkruͤmpfft/ biß- weilen auch gantz vnd gar zerſchmiltzt/ eh denn er die Erden erreicht. Welchs auff Gebirgen alſo nicht geſchicht. II. Was iſt das Sternſchieſſen oder Sternfallen fuͤr ein ding? ES fellet kein Stern vom Himmel herunder/ wie die einfeltigen jhnen ein- bilden: denn es einmal von Gott alſo geordnet/ das der Himmel vnzerfal- len bleiben ſol/ ſo lang dieſe Welt ſtehet/ das iſt biß zum Juͤngſten gericht: ſo iſts auch nach der Philoſophey alſo beſchaffen/ das kein leichtes ding (derglei- chen alle Himmliſche Coͤrper ſindt) vnterſich/ kein ſchweres uͤberſich/ ſteigt: zu geſchweigen/ das nach der Mathematica der kleinſte ſtern/ wenn er herunder fal len kuͤndte/ das groͤſte Land bedecken wuͤrde. Es iſt auch ſolch Sternſchieſſen nicht eine reinigung der himmliſchen Coͤrper/ wie es andere dafuͤr halten die da meinen/ das es daher den Namen Sternſchnautzen habe: denn die himmliſchen Coͤrper haben kein vnreines in ſich/ das ſie eines putzens beduͤrfften: Vnd iſt das jenige/ das bißweilen die Ackersleute oder andere im Felde zu finden pflegen/ mit nichten ein abgefallener Sternputz/ ſondern eine andere vnreinigkeit/ entweder von Voͤgeln oder ſonſt woher. Sondern das Sternſchieſſen iſt ein angezuͤnde- ter dampff oben in der Lufft: Das er aber in ſolcher eil dahin fehret/ koͤmpt da- her/ das der truckne dampff daſelbſt in die lenge geſtreckt ſchwebt/ wie man ein buͤchſen pulver die lenge hin ſtrewet: Wenn er nun durch das Liecht der himli- ſchen Sternen oder (welchem ich mehr beyfall gebe) durch die bepreſſung der vmbſtehenden Kaͤlte entzuͤndet wird/ vergleicht ſich ſeine brunſt einem lauffen- den fewer/ welchs ebenmaͤßig in einem augenblick auffgehet vnd ein ende nimt. III. Was G g ij

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/crueger_cupediae_1631
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/crueger_cupediae_1631/253
Zitationshilfe: Crüger, Peter: Cupediæ Astrosophicæ. Breslau, 1631, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/crueger_cupediae_1631/253>, abgerufen am 11.08.2020.