Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Dahlmann, Friedrich Christoph: Die Politik, auf den Grund und das Maaß der gegebenen Zustände zurückgeführt. Bd. 1: Staatsverfassung. Volksbildung. Göttingen, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite

Der königliche Reichthum.
Staatsgrundgesetze, welche das, was ehedem für einzelne
Fälle geschah, ein für allemahl leisten wollen) in ein alle
Verhältnisse umfassendes Hausgesetz zusammengefaßt zu
werden, welches dann unter Einwilligung der Betheiligten
und, soweit es diese angeht, der Ständeversammlung in
Wirksamkeit tritt. Diese allgemeinen Hausgesetze räumen
insgesammt dem Staats-Oberhaupte einen Zuwachs von
Macht über die Mitglieder seines Hauses ein, und entspre-
chen so den Forderungen des einheitlicheren Staates. In
den Deutschen Bundes-Staaten geht derselbe schon daraus
nothwendig hervor, daß seit dem Untergange des Deut-
schen Kaiserthums alle nichtregierende Prinzen statt unmit-
telbar unter Kaiser und Reich zu stehen, der Staats-
Hoheit und Landesgerichtsbarkeit unterworfen sind.

Der königliche Reichthum.

125. Die ursprüngliche Quelle des fürstlichen Privat-
Haushalts und nicht minder des fürstlichen Staats-Haus-
halts waren die Domänen, welche man mit gleichem Rechte
landesherrliche Güter und Staatsgüter nennt. Der Fürst
nahm, was er für Haus- und Hofhalt gebrauchte, aus
Domänen und Regalien, wies ein Gewisses den Mitglie-
dern des Hauses an; den Rest verzehrte der Staatshaus-
halt. Steuern wurden, wo es gebrach, als Zuschuß erbeten.

126. Der hausväterliche Charakter trat zurück, seit-
dem die Steuern Hauptsache wurden, er entwich vollends
in Folge der eingeführten Erstgeburt. Ubi primogenitura,
ibi apanagium
. Die von glänzenden Hoffnungen in eine
weite Ferne der Erfüllung zurückgewiesenen jüngeren Söhne
verlangten für die Opfer, welche sie der ältesten Linie
brachten, für das was sie aufgaben, bestimmte und ver-

Der koͤnigliche Reichthum.
Staatsgrundgeſetze, welche das, was ehedem fuͤr einzelne
Faͤlle geſchah, ein fuͤr allemahl leiſten wollen) in ein alle
Verhaͤltniſſe umfaſſendes Hausgeſetz zuſammengefaßt zu
werden, welches dann unter Einwilligung der Betheiligten
und, ſoweit es dieſe angeht, der Staͤndeverſammlung in
Wirkſamkeit tritt. Dieſe allgemeinen Hausgeſetze raͤumen
insgeſammt dem Staats-Oberhaupte einen Zuwachs von
Macht uͤber die Mitglieder ſeines Hauſes ein, und entſpre-
chen ſo den Forderungen des einheitlicheren Staates. In
den Deutſchen Bundes-Staaten geht derſelbe ſchon daraus
nothwendig hervor, daß ſeit dem Untergange des Deut-
ſchen Kaiſerthums alle nichtregierende Prinzen ſtatt unmit-
telbar unter Kaiſer und Reich zu ſtehen, der Staats-
Hoheit und Landesgerichtsbarkeit unterworfen ſind.

Der koͤnigliche Reichthum.

125. Die urſpruͤngliche Quelle des fuͤrſtlichen Privat-
Haushalts und nicht minder des fuͤrſtlichen Staats-Haus-
halts waren die Domaͤnen, welche man mit gleichem Rechte
landesherrliche Guͤter und Staatsguͤter nennt. Der Fuͤrſt
nahm, was er fuͤr Haus- und Hofhalt gebrauchte, aus
Domaͤnen und Regalien, wies ein Gewiſſes den Mitglie-
dern des Hauſes an; den Reſt verzehrte der Staatshaus-
halt. Steuern wurden, wo es gebrach, als Zuſchuß erbeten.

126. Der hausvaͤterliche Charakter trat zuruͤck, ſeit-
dem die Steuern Hauptſache wurden, er entwich vollends
in Folge der eingefuͤhrten Erſtgeburt. Ubi primogenitura,
ibi apanagium
. Die von glaͤnzenden Hoffnungen in eine
weite Ferne der Erfuͤllung zuruͤckgewieſenen juͤngeren Soͤhne
verlangten fuͤr die Opfer, welche ſie der aͤlteſten Linie
brachten, fuͤr das was ſie aufgaben, beſtimmte und ver-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0105" n="93"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Der ko&#x0364;nigliche Reichthum</hi>.</fw><lb/>
Staatsgrundge&#x017F;etze, welche das, was ehedem fu&#x0364;r einzelne<lb/>
Fa&#x0364;lle ge&#x017F;chah, ein fu&#x0364;r allemahl lei&#x017F;ten wollen) in ein alle<lb/>
Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e umfa&#x017F;&#x017F;endes <hi rendition="#g">Hausge&#x017F;etz</hi> zu&#x017F;ammengefaßt zu<lb/>
werden, welches dann unter Einwilligung der Betheiligten<lb/>
und, &#x017F;oweit es die&#x017F;e angeht, der Sta&#x0364;ndever&#x017F;ammlung in<lb/>
Wirk&#x017F;amkeit tritt. Die&#x017F;e allgemeinen Hausge&#x017F;etze ra&#x0364;umen<lb/>
insge&#x017F;ammt dem Staats-Oberhaupte einen Zuwachs von<lb/>
Macht u&#x0364;ber die Mitglieder &#x017F;eines Hau&#x017F;es ein, und ent&#x017F;pre-<lb/>
chen &#x017F;o den Forderungen des einheitlicheren Staates. In<lb/>
den Deut&#x017F;chen Bundes-Staaten geht der&#x017F;elbe &#x017F;chon daraus<lb/>
nothwendig hervor, daß &#x017F;eit dem Untergange des Deut-<lb/>
&#x017F;chen Kai&#x017F;erthums alle nichtregierende Prinzen &#x017F;tatt unmit-<lb/>
telbar unter Kai&#x017F;er und Reich zu &#x017F;tehen, der Staats-<lb/>
Hoheit und Landesgerichtsbarkeit unterworfen &#x017F;ind.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head><hi rendition="#g">Der ko&#x0364;nigliche Reichthum</hi>.</head><lb/>
              <p>125. Die ur&#x017F;pru&#x0364;ngliche Quelle des fu&#x0364;r&#x017F;tlichen Privat-<lb/>
Haushalts und nicht minder des fu&#x0364;r&#x017F;tlichen Staats-Haus-<lb/>
halts waren die Doma&#x0364;nen, welche man mit gleichem Rechte<lb/>
landesherrliche Gu&#x0364;ter und Staatsgu&#x0364;ter nennt. Der Fu&#x0364;r&#x017F;t<lb/>
nahm, was er fu&#x0364;r Haus- und Hofhalt gebrauchte, aus<lb/>
Doma&#x0364;nen und Regalien, wies ein Gewi&#x017F;&#x017F;es den Mitglie-<lb/>
dern des Hau&#x017F;es an; den Re&#x017F;t verzehrte der Staatshaus-<lb/>
halt. Steuern wurden, wo es gebrach, als Zu&#x017F;chuß erbeten.</p><lb/>
              <p>126. Der hausva&#x0364;terliche Charakter trat zuru&#x0364;ck, &#x017F;eit-<lb/>
dem die Steuern Haupt&#x017F;ache wurden, er entwich vollends<lb/>
in Folge der eingefu&#x0364;hrten Er&#x017F;tgeburt. <hi rendition="#aq">Ubi primogenitura,<lb/>
ibi apanagium</hi>. Die von gla&#x0364;nzenden Hoffnungen in eine<lb/>
weite Ferne der Erfu&#x0364;llung zuru&#x0364;ckgewie&#x017F;enen ju&#x0364;ngeren So&#x0364;hne<lb/>
verlangten fu&#x0364;r die Opfer, welche &#x017F;ie der a&#x0364;lte&#x017F;ten Linie<lb/>
brachten, fu&#x0364;r das was &#x017F;ie aufgaben, be&#x017F;timmte und ver-<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[93/0105] Der koͤnigliche Reichthum. Staatsgrundgeſetze, welche das, was ehedem fuͤr einzelne Faͤlle geſchah, ein fuͤr allemahl leiſten wollen) in ein alle Verhaͤltniſſe umfaſſendes Hausgeſetz zuſammengefaßt zu werden, welches dann unter Einwilligung der Betheiligten und, ſoweit es dieſe angeht, der Staͤndeverſammlung in Wirkſamkeit tritt. Dieſe allgemeinen Hausgeſetze raͤumen insgeſammt dem Staats-Oberhaupte einen Zuwachs von Macht uͤber die Mitglieder ſeines Hauſes ein, und entſpre- chen ſo den Forderungen des einheitlicheren Staates. In den Deutſchen Bundes-Staaten geht derſelbe ſchon daraus nothwendig hervor, daß ſeit dem Untergange des Deut- ſchen Kaiſerthums alle nichtregierende Prinzen ſtatt unmit- telbar unter Kaiſer und Reich zu ſtehen, der Staats- Hoheit und Landesgerichtsbarkeit unterworfen ſind. Der koͤnigliche Reichthum. 125. Die urſpruͤngliche Quelle des fuͤrſtlichen Privat- Haushalts und nicht minder des fuͤrſtlichen Staats-Haus- halts waren die Domaͤnen, welche man mit gleichem Rechte landesherrliche Guͤter und Staatsguͤter nennt. Der Fuͤrſt nahm, was er fuͤr Haus- und Hofhalt gebrauchte, aus Domaͤnen und Regalien, wies ein Gewiſſes den Mitglie- dern des Hauſes an; den Reſt verzehrte der Staatshaus- halt. Steuern wurden, wo es gebrach, als Zuſchuß erbeten. 126. Der hausvaͤterliche Charakter trat zuruͤck, ſeit- dem die Steuern Hauptſache wurden, er entwich vollends in Folge der eingefuͤhrten Erſtgeburt. Ubi primogenitura, ibi apanagium. Die von glaͤnzenden Hoffnungen in eine weite Ferne der Erfuͤllung zuruͤckgewieſenen juͤngeren Soͤhne verlangten fuͤr die Opfer, welche ſie der aͤlteſten Linie brachten, fuͤr das was ſie aufgaben, beſtimmte und ver-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/dahlmann_politik_1835
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/dahlmann_politik_1835/105
Zitationshilfe: Dahlmann, Friedrich Christoph: Die Politik, auf den Grund und das Maaß der gegebenen Zustände zurückgeführt. Bd. 1: Staatsverfassung. Volksbildung. Göttingen, 1835, S. 93. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/dahlmann_politik_1835/105>, abgerufen am 23.07.2019.