Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Dannhauer, Johann Conrad: Catechismus-Milch. Bd. 6. Straßburg, 1657.

Bild:
<< vorherige Seite
Die Dritte


Die dritte Predigt/

Vber den dritten Articul/
Von der
procession und Außgehung des
Heiligen Geistes.

GEliebte in Christo: Ob wol alle sichtbare auch leblose
Sap. 13, 5.Creaturen Bilder sind ihres Schöpffers/ so mag doch sol-
ches kat' exokhn` von dem Element des Wassers/ dem gros-
sen Meer/ der offenbaren See gesagt/ da sich Gottes Ma-
jestät/ providentz/ Regierung und Wesen spiegelt/ wie die
Sonn im Wasser sich selbst pfleget abzumalen; Darumb
Herod. in
Melpom.
p. m.
252.
zu gleicher weise/ wie jener Darius Hystaspes bey dem Herodoto auff einen
hohen Thurn sich gestellet/ die Weite/ Breite und Länge des Meers zu
Rom. 11, 33.schauen und zu betrachten: sich auch der Apostel St. Paulus gleichsam
auf einen Thurn/ ja auff einen Mast-Baum gestellet/ zu betrachten die
Tieffe des Reichthumbs und der Weißheit/ und der unbegreifflichen
Gerichte/ und unerforschlichen Wege des Herrn/ der Heiligen Drey-
einigkeit/ und nach dem er sich genug ersehen/ obsignirt ers mit
dieser exclamation: o bathos! O welch eine Tieffe! Ja freylich
bathos 1. Essentiae & opulentiae, eine Tieffe des Wesens und
des Reichthumbs;
Das Meer ist ja eine Zusammenfliessung aller
Eccles. 1, 7.Wasser/ ein unendlicher Guß/ wie alle Wasser aus dem Meer
fliessen/
und Circulweise/ auch hinein/ und wird doch das
Meer nicht völler;
Die Tieffe kan kein Täucher finden/ kein Bley-
wurff ergründen/ ist an etlichen Orten unergründlich/ ob schon es bißwei-
len nicht tieffer seyn soll als anderthalbe welsche Meilen; Was will man
sagen von dem Reichthumb/ so im Meer verborgen/ der Schätze/ Kleino-
dien/ Gold und Perlen? Also ist das Göttliche Wesen p[fremdsprachliches Material - 1 Zeichen fehlt] lagos apeiron
kai aorison, ein unergründliches/ unendliches Meer/ ein Circul/ aus wel-
chem alles und in welches wieder hinein kommet und geschlossen ist/ das
höchste und alles Gut; Es ist Ens opulentissimum, wie aller Reichthü-
mer Vrsprung/ also auch die Fülle/ ein Schatz/ der nicht kan erschöpffet
Mich. 7, 19.
confer Ier.

51, 63. 64.
werden/ vnd sonderlich zu vnserm Trost abyslus misericordiae, ein Ab-
grund der Barmhertzigkeit.

2. bathos
Die Dritte


Die dritte Predigt/

Vber den dritten Articul/
Von der
proceſſion und Außgehung des
Heiligen Geiſtes.

GEliebte in Chriſto: Ob wol alle ſichtbare auch lebloſe
Sap. 13, 5.Creaturen Bilder ſind ihres Schoͤpffers/ ſo mag doch ſol-
ches κατ᾽ ἐξοχν` von dem Element des Waſſers/ dem groſ-
ſen Meer/ der offenbaren See geſagt/ da ſich Gottes Ma-
jeſtaͤt/ providentz/ Regierung und Weſen ſpiegelt/ wie die
Sonn im Waſſer ſich ſelbſt pfleget abzumalen; Darumb
Herod. in
Melpom.
p. m.
252.
zu gleicher weiſe/ wie jener Darius Hyſtaſpes bey dem Herodoto auff einen
hohen Thurn ſich geſtellet/ die Weite/ Breite und Laͤnge des Meers zu
Rom. 11, 33.ſchauen und zu betrachten: ſich auch der Apoſtel St. Paulus gleichſam
auf einen Thurn/ ja auff einen Maſt-Baum geſtellet/ zu betrachten die
Tieffe des Reichthumbs und der Weißheit/ und der unbegreifflichen
Gerichte/ und unerforſchlichen Wege des Herrn/ der Heiligen Drey-
einigkeit/ und nach dem er ſich genug erſehen/ obſignirt ers mit
dieſer exclamation: ῶ βάϑος! O welch eine Tieffe! Ja freylich
βάϑος 1. Eſſentiæ & opulentiæ, eine Tieffe des Weſens und
des Reichthumbs;
Das Meer iſt ja eine Zuſammenflieſſung aller
Eccleſ. 1, 7.Waſſer/ ein unendlicher Guß/ wie alle Waſſer aus dem Meer
flieſſen/
und Circulweiſe/ auch hinein/ und wird doch das
Meer nicht voͤller;
Die Tieffe kan kein Taͤucher finden/ kein Bley-
wurff ergruͤnden/ iſt an etlichen Orten unergruͤndlich/ ob ſchon es bißwei-
len nicht tieffer ſeyn ſoll als anderthalbe welſche Meilen; Was will man
ſagen von dem Reichthumb/ ſo im Meer verborgen/ der Schaͤtze/ Kleino-
dien/ Gold und Perlen? Alſo iſt das Goͤttliche Weſen π[fremdsprachliches Material – 1 Zeichen fehlt] λαγος ἂπειρον
καὶ ἀορίςον, ein unergruͤndliches/ unendliches Meer/ ein Circul/ aus wel-
chem alles und in welches wieder hinein kommet und geſchloſſen iſt/ das
hoͤchſte und alles Gut; Es iſt Ens opulentiſſimum, wie aller Reichthuͤ-
mer Vrſprung/ alſo auch die Fuͤlle/ ein Schatz/ der nicht kan erſchoͤpffet
Mich. 7, 19.
confer Ier.

51, 63. 64.
werden/ vnd ſonderlich zu vnſerm Troſt abyſlus miſericordiæ, ein Ab-
grund der Barmhertzigkeit.

2. βαϑος
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0072" n="40"/>
      <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Die Dritte</hi> </fw><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#fr">Die dritte Predigt/</hi> </head><lb/>
        <argument>
          <p> <hi rendition="#c"><hi rendition="#fr">Vber den dritten Articul/<lb/>
Von der</hi><hi rendition="#aq">proce&#x017F;&#x017F;ion</hi><hi rendition="#fr">und Außgehung des</hi><lb/>
Heiligen Gei&#x017F;tes.</hi> </p>
        </argument><lb/>
        <p><hi rendition="#in">G</hi>Eliebte in Chri&#x017F;to: Ob wol alle &#x017F;ichtbare auch leblo&#x017F;e<lb/><note place="left"><hi rendition="#aq">Sap.</hi> 13, 5.</note>Creaturen Bilder &#x017F;ind ihres Scho&#x0364;pffers/ &#x017F;o mag doch &#x017F;ol-<lb/>
ches &#x03BA;&#x03B1;&#x03C4;&#x1FBD; &#x1F10;&#x03BE;&#x03BF;&#x03C7;&#x03BD;&#x1FEF; von dem Element des Wa&#x017F;&#x017F;ers/ dem gro&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en Meer/ der offenbaren See ge&#x017F;agt/ da &#x017F;ich Gottes Ma-<lb/>
je&#x017F;ta&#x0364;t/ <hi rendition="#aq">providen</hi>tz/ Regierung und We&#x017F;en &#x017F;piegelt/ wie die<lb/>
Sonn im Wa&#x017F;&#x017F;er &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t pfleget abzumalen; Darumb<lb/><note place="left"><hi rendition="#aq">Herod. in<lb/>
Melpom.<lb/>
p. m.</hi> 252.</note>zu gleicher wei&#x017F;e/ wie jener <hi rendition="#aq">Darius Hy&#x017F;ta&#x017F;pes</hi> bey dem <hi rendition="#aq">Herodoto</hi> auff einen<lb/>
hohen Thurn &#x017F;ich ge&#x017F;tellet/ die Weite/ Breite und La&#x0364;nge des Meers zu<lb/><note place="left"><hi rendition="#aq">Rom.</hi> 11, 33.</note>&#x017F;chauen und zu betrachten: &#x017F;ich auch der Apo&#x017F;tel St. Paulus gleich&#x017F;am<lb/>
auf einen Thurn/ ja auff einen Ma&#x017F;t-Baum ge&#x017F;tellet/ zu betrachten die<lb/>
Tieffe des Reichthumbs und der Weißheit/ und der unbegreifflichen<lb/>
Gerichte/ und unerfor&#x017F;chlichen Wege des <hi rendition="#k">Herrn/</hi> der Heiligen Drey-<lb/>
einigkeit/ und nach dem er &#x017F;ich genug er&#x017F;ehen/ <hi rendition="#aq">ob&#x017F;ign</hi>irt ers mit<lb/>
die&#x017F;er <hi rendition="#aq">exclamation:</hi> &#x1FF6; &#x03B2;&#x03AC;&#x03D1;&#x03BF;&#x03C2;! <hi rendition="#fr">O welch eine Tieffe!</hi> Ja freylich<lb/>
&#x03B2;&#x03AC;&#x03D1;&#x03BF;&#x03C2; 1. <hi rendition="#aq">E&#x017F;&#x017F;entiæ &amp; opulentiæ,</hi> <hi rendition="#fr">eine Tieffe des We&#x017F;ens und<lb/>
des Reichthumbs;</hi> Das Meer i&#x017F;t ja eine Zu&#x017F;ammenflie&#x017F;&#x017F;ung aller<lb/><note place="left"><hi rendition="#aq">Eccle&#x017F;.</hi> 1, 7.</note>Wa&#x017F;&#x017F;er/ ein unendlicher Guß/ <hi rendition="#fr">wie alle Wa&#x017F;&#x017F;er aus dem Meer<lb/>
flie&#x017F;&#x017F;en/</hi> und Circulwei&#x017F;e/ <hi rendition="#fr">auch hinein/ und wird doch das<lb/>
Meer nicht vo&#x0364;ller;</hi> Die Tieffe kan kein Ta&#x0364;ucher finden/ kein Bley-<lb/>
wurff ergru&#x0364;nden/ i&#x017F;t an etlichen Orten unergru&#x0364;ndlich/ ob &#x017F;chon es bißwei-<lb/>
len nicht tieffer &#x017F;eyn &#x017F;oll als anderthalbe wel&#x017F;che Meilen; Was will man<lb/>
&#x017F;agen von dem Reichthumb/ &#x017F;o im Meer verborgen/ der Scha&#x0364;tze/ Kleino-<lb/>
dien/ Gold und Perlen? Al&#x017F;o i&#x017F;t das Go&#x0364;ttliche We&#x017F;en &#x03C0;<foreign xml:lang="ell"><gap reason="fm" unit="chars" quantity="1"/></foreign>&#x03BB;&#x03B1;&#x03B3;&#x03BF;&#x03C2; &#x1F02;&#x03C0;&#x03B5;&#x03B9;&#x03C1;&#x03BF;&#x03BD;<lb/>
&#x03BA;&#x03B1;&#x1F76; &#x1F00;&#x03BF;&#x03C1;&#x03AF;&#x03C2;&#x03BF;&#x03BD;, ein unergru&#x0364;ndliches/ unendliches Meer/ ein Circul/ aus wel-<lb/>
chem alles und in welches wieder hinein kommet und ge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en i&#x017F;t/ das<lb/>
ho&#x0364;ch&#x017F;te und alles Gut; Es i&#x017F;t <hi rendition="#aq">Ens opulenti&#x017F;&#x017F;imum,</hi> wie aller Reichthu&#x0364;-<lb/>
mer Vr&#x017F;prung/ al&#x017F;o auch die Fu&#x0364;lle/ ein Schatz/ der nicht kan er&#x017F;cho&#x0364;pffet<lb/><note place="left"><hi rendition="#aq">Mich. 7, 19.<lb/>
confer Ier.</hi><lb/>
51, 63. 64.</note>werden/ vnd &#x017F;onderlich zu vn&#x017F;erm Tro&#x017F;t <hi rendition="#aq">aby&#x017F;lus mi&#x017F;ericordiæ,</hi> ein Ab-<lb/>
grund der Barmhertzigkeit.</p><lb/>
        <fw place="bottom" type="catch">2. &#x03B2;&#x03B1;&#x03D1;&#x03BF;&#x03C2;</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[40/0072] Die Dritte Die dritte Predigt/ Vber den dritten Articul/ Von der proceſſion und Außgehung des Heiligen Geiſtes. GEliebte in Chriſto: Ob wol alle ſichtbare auch lebloſe Creaturen Bilder ſind ihres Schoͤpffers/ ſo mag doch ſol- ches κατ᾽ ἐξοχν` von dem Element des Waſſers/ dem groſ- ſen Meer/ der offenbaren See geſagt/ da ſich Gottes Ma- jeſtaͤt/ providentz/ Regierung und Weſen ſpiegelt/ wie die Sonn im Waſſer ſich ſelbſt pfleget abzumalen; Darumb zu gleicher weiſe/ wie jener Darius Hyſtaſpes bey dem Herodoto auff einen hohen Thurn ſich geſtellet/ die Weite/ Breite und Laͤnge des Meers zu ſchauen und zu betrachten: ſich auch der Apoſtel St. Paulus gleichſam auf einen Thurn/ ja auff einen Maſt-Baum geſtellet/ zu betrachten die Tieffe des Reichthumbs und der Weißheit/ und der unbegreifflichen Gerichte/ und unerforſchlichen Wege des Herrn/ der Heiligen Drey- einigkeit/ und nach dem er ſich genug erſehen/ obſignirt ers mit dieſer exclamation: ῶ βάϑος! O welch eine Tieffe! Ja freylich βάϑος 1. Eſſentiæ & opulentiæ, eine Tieffe des Weſens und des Reichthumbs; Das Meer iſt ja eine Zuſammenflieſſung aller Waſſer/ ein unendlicher Guß/ wie alle Waſſer aus dem Meer flieſſen/ und Circulweiſe/ auch hinein/ und wird doch das Meer nicht voͤller; Die Tieffe kan kein Taͤucher finden/ kein Bley- wurff ergruͤnden/ iſt an etlichen Orten unergruͤndlich/ ob ſchon es bißwei- len nicht tieffer ſeyn ſoll als anderthalbe welſche Meilen; Was will man ſagen von dem Reichthumb/ ſo im Meer verborgen/ der Schaͤtze/ Kleino- dien/ Gold und Perlen? Alſo iſt das Goͤttliche Weſen π_ λαγος ἂπειρον καὶ ἀορίςον, ein unergruͤndliches/ unendliches Meer/ ein Circul/ aus wel- chem alles und in welches wieder hinein kommet und geſchloſſen iſt/ das hoͤchſte und alles Gut; Es iſt Ens opulentiſſimum, wie aller Reichthuͤ- mer Vrſprung/ alſo auch die Fuͤlle/ ein Schatz/ der nicht kan erſchoͤpffet werden/ vnd ſonderlich zu vnſerm Troſt abyſlus miſericordiæ, ein Ab- grund der Barmhertzigkeit. Sap. 13, 5. Herod. in Melpom. p. m. 252. Rom. 11, 33. Eccleſ. 1, 7. Mich. 7, 19. confer Ier. 51, 63. 64. 2. βαϑος

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/dannhauer_catechismus06_1657
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/dannhauer_catechismus06_1657/72
Zitationshilfe: Dannhauer, Johann Conrad: Catechismus-Milch. Bd. 6. Straßburg, 1657, S. 40. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/dannhauer_catechismus06_1657/72>, abgerufen am 18.01.2020.