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Dannhauer, Johann Conrad: Catechismvs-Milch. Bd. 8. Straßburg, 1666.

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Die neun und zwantzigste
Tempel verbleiben ewiglich. Alles von dem/ durch den/ und bey dem/ der
da heißt die lebendige Quelle/ von dero wir sollen mit Wollust geträn-
cket werden/ nicht Tropffen-sondern Stromsweise/
AMEN.



Die
Neun und zwantzigste Predigt/
Von
Dem Täuffling/ der getaufft soll werden.

GEliebte in Christo. Es ist das weltliche/
also genannte Glück/ wann einem Menschen ungefähr/
eine unverhoffte Ehre und Reichthum/ Kauff und
Verkauff/ Geschenck und Erbfall/ Promotion und
Heurath zufällt/ ein köstliches Ding/ als welches von
Gottes Hand herrühret/ von dem Vater deß Liechts/
Jac. 1. Fortuna ist keine blinde Göttin/ sondern GOttes Providentz
und Fürsehung selbst. Jst ein freyes Werck Gottes/ mancher täfts ihm
sauer werden/ und richt nichts auß. Eccles. 9, 11. Jch wandte mich um/
und sahe/ wie es unter der Sonnen zugehet/ daß zum Lauf-
fen nicht hilfft schnell seyn/ zum Streit starck/ zum Reich-
thum klug/ daß einer angenehm sey/ hilfft nicht/ daß er ein
Ding wol könne/ sondern es ligt alles an der Zeit und am
Glück.
Es gibt viel blinde Griffe/ und leere papierne Zedul in diesem
Glückhafen. Einem andern gedeyet ein annehmlicher Segen im Schlaff/
ohne mühsame Bewerbung. Jst aber 1. von GOtt nicht so hoch geachtet/
geht eben/ als wenn man Gelt unter einem Haussen böser Buben auß-
wirfft/ der ärgste Schalck stößt andere frömmere hinweg/ je grösser Schalck/
je besser Glück. Jst 2. unbeständig/ du setzest sie auffs schlipfferig/
Ps. 73. Mancher meynet/ wann sich ihm ein Glück füget/ es sey ihm gar
vermählet/ wird aber betrogen. Jener gefangene König/ der sampt an-
dern gefangenen Königen an Sesostris deß Königs in Egypten Wa-

gen

Die neun und zwantzigſte
Tempel verbleiben ewiglich. Alles von dem/ durch den/ und bey dem/ der
da heißt die lebendige Quelle/ von dero wir ſollen mit Wolluſt getraͤn-
cket werden/ nicht Tropffen-ſondern Stromsweiſe/
AMEN.



Die
Neun und zwantzigſte Predigt/
Von
Dem Taͤuffling/ der getaufft ſoll werden.

GEliebte in Chriſto. Es iſt das weltliche/
alſo genañte Gluͤck/ wann einem Menſchen ungefaͤhr/
eine unverhoffte Ehre und Reichthum/ Kauff und
Verkauff/ Geſchenck und Erbfall/ Promotion und
Heurath zufaͤllt/ ein koͤſtliches Ding/ als welches von
Gottes Hand herruͤhret/ von dem Vater deß Liechts/
Jac. 1. Fortuna iſt keine blinde Goͤttin/ ſondern GOttes Providentz
und Fuͤrſehung ſelbſt. Jſt ein freyes Werck Gottes/ mancher taͤfts ihm
ſauer werden/ und richt nichts auß. Eccleſ. 9, 11. Jch wandte mich um/
und ſahe/ wie es unter der Sonnen zugehet/ daß zum Lauf-
fen nicht hilfft ſchnell ſeyn/ zum Streit ſtarck/ zum Reich-
thum klug/ daß einer angenehm ſey/ hilfft nicht/ daß er ein
Ding wol koͤnne/ ſondern es ligt alles an der Zeit und am
Gluͤck.
Es gibt viel blinde Griffe/ und leere papierne Zedul in dieſem
Gluͤckhafen. Einem andern gedeyet ein annehmlicher Segen im Schlaff/
ohne muͤhſame Bewerbung. Jſt aber 1. von GOtt nicht ſo hoch geachtet/
geht eben/ als wenn man Gelt unter einem Hauſſen boͤſer Buben auß-
wirfft/ der aͤrgſte Schalck ſtoͤßt andere froͤm̃ere hinweg/ je groͤſſer Schalck/
je beſſer Gluͤck. Jſt 2. unbeſtaͤndig/ du ſetzeſt ſie auffs ſchlipfferig/
Pſ. 73. Mancher meynet/ wann ſich ihm ein Gluͤck fuͤget/ es ſey ihm gar
vermaͤhlet/ wird aber betrogen. Jener gefangene Koͤnig/ der ſampt an-
dern gefangenen Koͤnigen an Seſoſtris deß Koͤnigs in Egypten Wa-

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[832/0856] Die neun und zwantzigſte Tempel verbleiben ewiglich. Alles von dem/ durch den/ und bey dem/ der da heißt die lebendige Quelle/ von dero wir ſollen mit Wolluſt getraͤn- cket werden/ nicht Tropffen-ſondern Stromsweiſe/ AMEN. Die Neun und zwantzigſte Predigt/ Von Dem Taͤuffling/ der getaufft ſoll werden. GEliebte in Chriſto. Es iſt das weltliche/ alſo genañte Gluͤck/ wann einem Menſchen ungefaͤhr/ eine unverhoffte Ehre und Reichthum/ Kauff und Verkauff/ Geſchenck und Erbfall/ Promotion und Heurath zufaͤllt/ ein koͤſtliches Ding/ als welches von Gottes Hand herruͤhret/ von dem Vater deß Liechts/ Jac. 1. Fortuna iſt keine blinde Goͤttin/ ſondern GOttes Providentz und Fuͤrſehung ſelbſt. Jſt ein freyes Werck Gottes/ mancher taͤfts ihm ſauer werden/ und richt nichts auß. Eccleſ. 9, 11. Jch wandte mich um/ und ſahe/ wie es unter der Sonnen zugehet/ daß zum Lauf- fen nicht hilfft ſchnell ſeyn/ zum Streit ſtarck/ zum Reich- thum klug/ daß einer angenehm ſey/ hilfft nicht/ daß er ein Ding wol koͤnne/ ſondern es ligt alles an der Zeit und am Gluͤck. Es gibt viel blinde Griffe/ und leere papierne Zedul in dieſem Gluͤckhafen. Einem andern gedeyet ein annehmlicher Segen im Schlaff/ ohne muͤhſame Bewerbung. Jſt aber 1. von GOtt nicht ſo hoch geachtet/ geht eben/ als wenn man Gelt unter einem Hauſſen boͤſer Buben auß- wirfft/ der aͤrgſte Schalck ſtoͤßt andere froͤm̃ere hinweg/ je groͤſſer Schalck/ je beſſer Gluͤck. Jſt 2. unbeſtaͤndig/ du ſetzeſt ſie auffs ſchlipfferig/ Pſ. 73. Mancher meynet/ wann ſich ihm ein Gluͤck fuͤget/ es ſey ihm gar vermaͤhlet/ wird aber betrogen. Jener gefangene Koͤnig/ der ſampt an- dern gefangenen Koͤnigen an Seſoſtris deß Koͤnigs in Egypten Wa- gen

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Zitationshilfe: Dannhauer, Johann Conrad: Catechismvs-Milch. Bd. 8. Straßburg, 1666, S. 832. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/dannhauer_catechismus08_1666/856>, abgerufen am 26.09.2018.