Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Land-Wirthschaft 2 Abschnitt
§. 119.
Was Was-
ser-Gallen,
und wie die-
se zu verhin-
dern.

Wir finden verschiedene Felder, auf deren Fläche
einige eingedruckte Theile sind. Jn diesen ziehet sich
das Wasser zusammen, und daher bleibt es länger ste-
hen, als es billig geschehen sollte. Dieß ist die Ursache,
daß die Saat in diesen Theilen im Winter verfrieret,
und im Sommer verfaulet, oder wie man redet, er-
säuft. Diese Theile in der Fläche des Akkers werden
Wasser-Gallen genennet. Hieraus folget es, daß
Wasser-Gallen eine Unvollkommenheit des Akkers
(§. 118.), und daß derjenige seinen Akker verbessert,
der diese Wasser-Gallen mit einer guten Erde füllet.

Anmerk. Hiebey ist diese Frage zu untersuchen:
Welche Erde ist zu dieser Absicht die beste?

§. 120.
Die Güte
des Feldes
in Absehen
auf das
Wasser.

Dieß voraus gesetzet, wird es uns nicht schwer fal-
len, ein gegründetes Urtheil von der Güte eines Feldes
zu fällen, wenn wir diese nach der Beschaffenheit der
wesentlich würkenden Dinge der Natur, die mit der
Erde vermischt sind, bestimmen wollen. Nur ist es
nöthig, daß wir uns um einige Zeichen bekümmern,
aus welchen wir die wahre Ursache, von der Unfrucht-
barkeit des Feldes schlüssen können. Viele erwehlen zu
dieser Absicht die Farbe der Felder, allein die Erfah-
rung lehret es, daß dieß ein sehr betrügliches Zeichen
sey. Schwarze Felder sollen fruchtbarer seyn, und ich
kenne schwarze Felder, die unfruchtbar sind. Wir
wollen es versuchen, ob wir diese Sache mit einer Ge-
wißheit, oder wenigstens mit einer großen Wahrschein-
lichkeit der Natur gemäß werden erklären können.
Ob es dem Felde am Wasser fehlet, oder ob es zu naß
ist, dieß ist eine Sache, die uns sogleich in die Sinne
fällt, und darum ift es nicht nöthig, daß wir dieß zu

erkennen,
Der Land-Wirthſchaft 2 Abſchnitt
§. 119.
Was Waſ-
ſer-Gallen,
und wie die-
ſe zu verhin-
dern.

Wir finden verſchiedene Felder, auf deren Flaͤche
einige eingedruckte Theile ſind. Jn dieſen ziehet ſich
das Waſſer zuſammen, und daher bleibt es laͤnger ſte-
hen, als es billig geſchehen ſollte. Dieß iſt die Urſache,
daß die Saat in dieſen Theilen im Winter verfrieret,
und im Sommer verfaulet, oder wie man redet, er-
ſaͤuft. Dieſe Theile in der Flaͤche des Akkers werden
Waſſer-Gallen genennet. Hieraus folget es, daß
Waſſer-Gallen eine Unvollkommenheit des Akkers
(§. 118.), und daß derjenige ſeinen Akker verbeſſert,
der dieſe Waſſer-Gallen mit einer guten Erde fuͤllet.

Anmerk. Hiebey iſt dieſe Frage zu unterſuchen:
Welche Erde iſt zu dieſer Abſicht die beſte?

§. 120.
Die Guͤte
des Feldes
in Abſehen
auf das
Waſſer.

Dieß voraus geſetzet, wird es uns nicht ſchwer fal-
len, ein gegruͤndetes Urtheil von der Guͤte eines Feldes
zu faͤllen, wenn wir dieſe nach der Beſchaffenheit der
weſentlich wuͤrkenden Dinge der Natur, die mit der
Erde vermiſcht ſind, beſtimmen wollen. Nur iſt es
noͤthig, daß wir uns um einige Zeichen bekuͤmmern,
aus welchen wir die wahre Urſache, von der Unfrucht-
barkeit des Feldes ſchluͤſſen koͤnnen. Viele erwehlen zu
dieſer Abſicht die Farbe der Felder, allein die Erfah-
rung lehret es, daß dieß ein ſehr betruͤgliches Zeichen
ſey. Schwarze Felder ſollen fruchtbarer ſeyn, und ich
kenne ſchwarze Felder, die unfruchtbar ſind. Wir
wollen es verſuchen, ob wir dieſe Sache mit einer Ge-
wißheit, oder wenigſtens mit einer großen Wahrſchein-
lichkeit der Natur gemaͤß werden erklaͤren koͤnnen.
Ob es dem Felde am Waſſer fehlet, oder ob es zu naß
iſt, dieß iſt eine Sache, die uns ſogleich in die Sinne
faͤllt, und darum ift es nicht noͤthig, daß wir dieß zu

erkennen,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0122" n="102"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Der Land-Wirth&#x017F;chaft 2 Ab&#x017F;chnitt</hi> </fw><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 119.</head><lb/>
              <note place="left">Was Wa&#x017F;-<lb/>
&#x017F;er-Gallen,<lb/>
und wie die-<lb/>
&#x017F;e zu verhin-<lb/>
dern.</note>
              <p>Wir finden ver&#x017F;chiedene Felder, auf deren Fla&#x0364;che<lb/>
einige eingedruckte Theile &#x017F;ind. Jn die&#x017F;en ziehet &#x017F;ich<lb/>
das Wa&#x017F;&#x017F;er zu&#x017F;ammen, und daher bleibt es la&#x0364;nger &#x017F;te-<lb/>
hen, als es billig ge&#x017F;chehen &#x017F;ollte. Dieß i&#x017F;t die Ur&#x017F;ache,<lb/>
daß die Saat in die&#x017F;en Theilen im Winter verfrieret,<lb/>
und im Sommer verfaulet, oder wie man redet, er-<lb/>
&#x017F;a&#x0364;uft. Die&#x017F;e Theile in der Fla&#x0364;che des Akkers werden<lb/><hi rendition="#fr">Wa&#x017F;&#x017F;er-Gallen</hi> genennet. Hieraus folget es, daß<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er-Gallen eine Unvollkommenheit des Akkers<lb/>
(§. 118.), und daß derjenige &#x017F;einen Akker verbe&#x017F;&#x017F;ert,<lb/>
der die&#x017F;e Wa&#x017F;&#x017F;er-Gallen mit einer guten Erde fu&#x0364;llet.</p><lb/>
              <p> <hi rendition="#et"><hi rendition="#fr">Anmerk.</hi> Hiebey i&#x017F;t die&#x017F;e Frage zu unter&#x017F;uchen:<lb/>
Welche Erde i&#x017F;t zu die&#x017F;er Ab&#x017F;icht die be&#x017F;te?</hi> </p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 120.</head><lb/>
              <note place="left">Die Gu&#x0364;te<lb/>
des Feldes<lb/>
in Ab&#x017F;ehen<lb/>
auf das<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er.</note>
              <p>Dieß voraus ge&#x017F;etzet, wird es uns nicht &#x017F;chwer fal-<lb/>
len, ein gegru&#x0364;ndetes Urtheil von der Gu&#x0364;te eines Feldes<lb/>
zu fa&#x0364;llen, wenn wir die&#x017F;e nach der Be&#x017F;chaffenheit der<lb/>
we&#x017F;entlich wu&#x0364;rkenden Dinge der Natur, die mit der<lb/>
Erde vermi&#x017F;cht &#x017F;ind, be&#x017F;timmen wollen. Nur i&#x017F;t es<lb/>
no&#x0364;thig, daß wir uns um einige Zeichen beku&#x0364;mmern,<lb/>
aus welchen wir die wahre Ur&#x017F;ache, von der Unfrucht-<lb/>
barkeit des Feldes &#x017F;chlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en ko&#x0364;nnen. Viele erwehlen zu<lb/>
die&#x017F;er Ab&#x017F;icht die Farbe der Felder, allein die Erfah-<lb/>
rung lehret es, daß dieß ein &#x017F;ehr betru&#x0364;gliches Zeichen<lb/>
&#x017F;ey. Schwarze Felder &#x017F;ollen fruchtbarer &#x017F;eyn, und ich<lb/>
kenne &#x017F;chwarze Felder, die unfruchtbar &#x017F;ind. Wir<lb/>
wollen es ver&#x017F;uchen, ob wir die&#x017F;e Sache mit einer Ge-<lb/>
wißheit, oder wenig&#x017F;tens mit einer großen Wahr&#x017F;chein-<lb/>
lichkeit der Natur gema&#x0364;ß werden erkla&#x0364;ren ko&#x0364;nnen.<lb/>
Ob es dem Felde am Wa&#x017F;&#x017F;er fehlet, oder ob es zu naß<lb/>
i&#x017F;t, dieß i&#x017F;t eine Sache, die uns &#x017F;ogleich in die Sinne<lb/>
fa&#x0364;llt, und darum ift es nicht no&#x0364;thig, daß wir dieß zu<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">erkennen,</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[102/0122] Der Land-Wirthſchaft 2 Abſchnitt §. 119. Wir finden verſchiedene Felder, auf deren Flaͤche einige eingedruckte Theile ſind. Jn dieſen ziehet ſich das Waſſer zuſammen, und daher bleibt es laͤnger ſte- hen, als es billig geſchehen ſollte. Dieß iſt die Urſache, daß die Saat in dieſen Theilen im Winter verfrieret, und im Sommer verfaulet, oder wie man redet, er- ſaͤuft. Dieſe Theile in der Flaͤche des Akkers werden Waſſer-Gallen genennet. Hieraus folget es, daß Waſſer-Gallen eine Unvollkommenheit des Akkers (§. 118.), und daß derjenige ſeinen Akker verbeſſert, der dieſe Waſſer-Gallen mit einer guten Erde fuͤllet. Anmerk. Hiebey iſt dieſe Frage zu unterſuchen: Welche Erde iſt zu dieſer Abſicht die beſte? §. 120. Dieß voraus geſetzet, wird es uns nicht ſchwer fal- len, ein gegruͤndetes Urtheil von der Guͤte eines Feldes zu faͤllen, wenn wir dieſe nach der Beſchaffenheit der weſentlich wuͤrkenden Dinge der Natur, die mit der Erde vermiſcht ſind, beſtimmen wollen. Nur iſt es noͤthig, daß wir uns um einige Zeichen bekuͤmmern, aus welchen wir die wahre Urſache, von der Unfrucht- barkeit des Feldes ſchluͤſſen koͤnnen. Viele erwehlen zu dieſer Abſicht die Farbe der Felder, allein die Erfah- rung lehret es, daß dieß ein ſehr betruͤgliches Zeichen ſey. Schwarze Felder ſollen fruchtbarer ſeyn, und ich kenne ſchwarze Felder, die unfruchtbar ſind. Wir wollen es verſuchen, ob wir dieſe Sache mit einer Ge- wißheit, oder wenigſtens mit einer großen Wahrſchein- lichkeit der Natur gemaͤß werden erklaͤren koͤnnen. Ob es dem Felde am Waſſer fehlet, oder ob es zu naß iſt, dieß iſt eine Sache, die uns ſogleich in die Sinne faͤllt, und darum ift es nicht noͤthig, daß wir dieß zu erkennen,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/122
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 102. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/122>, abgerufen am 14.10.2019.