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Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

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von dem Akkerbau.

Man muß den Mist nicht eher auf den Akker
fahren, als bis er verfaulet ist.

Will man diese Regel allgemeiner bilden, so ist sie diese:

Man muß keinen Dünger eher auf den Akker
bringen, als bis er also ist zubereitet wor-
den, daß die Auflösung der wesentlich wür-
kenden Dinge der Natur, die er in sich fasset,
leicht möglich ist.

Anmerk. Dieß kann in den Fürlesungen auf die
Düngung mit Kalche mit den fetten Erden, u. s. f.
angewendet werden.

§. 133.

Wird der in die Fäulniß gehende Mist zu sehr derWie eine
Mist-Stätte
zu bauen.

Sonnen-Hitze ausgesetzet, so wird von dieser das Al-
kali und das Oel aus dem Miste gezogen. Dieß macht
den Mist unvollkommen. Liegt der faulende Mist im
Wasser, so wird er zu sehr erweichet, und das Was-
ser verschlukket die Säfte des Mistes. Auch dieß wi-
derspricht seiner Vollkommenheit. Wird der auf ein-
ander gelegte Mist nicht angefeuchtet, so muß er ver-
brennen. Dieß ist der Absicht zuwider. Jn dem Urin
steckt ein vortrefliches Alkali. Wird dieser mit dem
Miste vermischet, so befördert dieß nicht nur die Auf-
lösung, sondern es ist auch ein Mittel, den Mist
merklich zu verbessern. Dieß giebt uns Gründe Re-
geln zu bilden, nach welchen eine Mist-Stätte anzu-
legen.

1) Macht eine Grube, die so wohl unten als auf
den Seiten wohl gepflastert ist, daß keine Feuch-
tigkeit so leicht durchdringen kann.
2) Die Wände von dieser Grube macht etwas hö-
her, als die Fläche des Hofes ist, und zwar
so, daß das Regen-Wasser, was sich auf dem
Hofe
von dem Akkerbau.

Man muß den Miſt nicht eher auf den Akker
fahren, als bis er verfaulet iſt.

Will man dieſe Regel allgemeiner bilden, ſo iſt ſie dieſe:

Man muß keinen Duͤnger eher auf den Akker
bringen, als bis er alſo iſt zubereitet wor-
den, daß die Aufloͤſung der weſentlich wuͤr-
kenden Dinge der Natur, die er in ſich faſſet,
leicht moͤglich iſt.

Anmerk. Dieß kann in den Fuͤrleſungen auf die
Duͤngung mit Kalche mit den fetten Erden, u. ſ. f.
angewendet werden.

§. 133.

Wird der in die Faͤulniß gehende Miſt zu ſehr derWie eine
Miſt-Staͤtte
zu bauen.

Sonnen-Hitze ausgeſetzet, ſo wird von dieſer das Al-
kali und das Oel aus dem Miſte gezogen. Dieß macht
den Miſt unvollkommen. Liegt der faulende Miſt im
Waſſer, ſo wird er zu ſehr erweichet, und das Waſ-
ſer verſchlukket die Saͤfte des Miſtes. Auch dieß wi-
derſpricht ſeiner Vollkommenheit. Wird der auf ein-
ander gelegte Miſt nicht angefeuchtet, ſo muß er ver-
brennen. Dieß iſt der Abſicht zuwider. Jn dem Urin
ſteckt ein vortrefliches Alkali. Wird dieſer mit dem
Miſte vermiſchet, ſo befoͤrdert dieß nicht nur die Auf-
loͤſung, ſondern es iſt auch ein Mittel, den Miſt
merklich zu verbeſſern. Dieß giebt uns Gruͤnde Re-
geln zu bilden, nach welchen eine Miſt-Staͤtte anzu-
legen.

1) Macht eine Grube, die ſo wohl unten als auf
den Seiten wohl gepflaſtert iſt, daß keine Feuch-
tigkeit ſo leicht durchdringen kann.
2) Die Waͤnde von dieſer Grube macht etwas hoͤ-
her, als die Flaͤche des Hofes iſt, und zwar
ſo, daß das Regen-Waſſer, was ſich auf dem
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[109/0129] von dem Akkerbau. Man muß den Miſt nicht eher auf den Akker fahren, als bis er verfaulet iſt. Will man dieſe Regel allgemeiner bilden, ſo iſt ſie dieſe: Man muß keinen Duͤnger eher auf den Akker bringen, als bis er alſo iſt zubereitet wor- den, daß die Aufloͤſung der weſentlich wuͤr- kenden Dinge der Natur, die er in ſich faſſet, leicht moͤglich iſt. Anmerk. Dieß kann in den Fuͤrleſungen auf die Duͤngung mit Kalche mit den fetten Erden, u. ſ. f. angewendet werden. §. 133. Wird der in die Faͤulniß gehende Miſt zu ſehr der Sonnen-Hitze ausgeſetzet, ſo wird von dieſer das Al- kali und das Oel aus dem Miſte gezogen. Dieß macht den Miſt unvollkommen. Liegt der faulende Miſt im Waſſer, ſo wird er zu ſehr erweichet, und das Waſ- ſer verſchlukket die Saͤfte des Miſtes. Auch dieß wi- derſpricht ſeiner Vollkommenheit. Wird der auf ein- ander gelegte Miſt nicht angefeuchtet, ſo muß er ver- brennen. Dieß iſt der Abſicht zuwider. Jn dem Urin ſteckt ein vortrefliches Alkali. Wird dieſer mit dem Miſte vermiſchet, ſo befoͤrdert dieß nicht nur die Auf- loͤſung, ſondern es iſt auch ein Mittel, den Miſt merklich zu verbeſſern. Dieß giebt uns Gruͤnde Re- geln zu bilden, nach welchen eine Miſt-Staͤtte anzu- legen. Wie eine Miſt-Staͤtte zu bauen. 1) Macht eine Grube, die ſo wohl unten als auf den Seiten wohl gepflaſtert iſt, daß keine Feuch- tigkeit ſo leicht durchdringen kann. 2) Die Waͤnde von dieſer Grube macht etwas hoͤ- her, als die Flaͤche des Hofes iſt, und zwar ſo, daß das Regen-Waſſer, was ſich auf dem Hofe

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Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 109. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/129>, abgerufen am 18.10.2019.