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Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

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von der Viehzucht.
Abgänge, die wir von den Gewerken nehmen können,
sollen an seinem Orte beschrieben werden.

§. 274.

Diese Thiere sollen sich durch die Vermehrung nütz-Wie die Gü-
te der Thiere
durch diese
Absicht zu
bestimmen.

lich beweisen. Sie müssen uns demnach nicht nur so
viele junge liefern, als durch Thiere von der erwehl-
ten Art möglich sind, sondern diese jungen müssen
auch in ihrer Art die erforderliche Stärke und Mun-
terkeit haben. Wie ist diese Folge möglich, wenn man
nicht bey der Wahl dieser Thiere auf folgende Regeln
siehet.

Die erste Regel:
Thiere, die zur Zucht gehalten werden, müs-
sen nicht zu jung und auch nicht zu alt seyn.
Z. B. Eine Sau- Mutter, die unter 11/2 Jahr, oder
über 6 Jahr alt ist, wirft entweder wenige, oder sehr
schwache Ferkel.
Die andere Regel:
Thiere, die zur Zucht erwählet werden, müssen
in ihrer Art gut gewachsen, gesund und stark
seyn.
Die dritte Regel:
Diese Thiere müssen nicht nur unverdrossen
bey der zu befördernden Vermehrung seyn,
sondern auch eine Begierde haben, die jun-
gen wohl zn warten.

Es giebt z. B. Schweine, die sehr ungedultig sind, und
die daher viele todte Ferkel werfen. Es giebt Schwei-
ne, die nur mit Verdruß die Ferkel zur Warze lassen.
Es giebt Schweine, die ihre Ferkel fressen. Diese
sind zur Vermehrung unbrauchbar. Wir können diese

Regeln
N 4

von der Viehzucht.
Abgaͤnge, die wir von den Gewerken nehmen koͤnnen,
ſollen an ſeinem Orte beſchrieben werden.

§. 274.

Dieſe Thiere ſollen ſich durch die Vermehrung nuͤtz-Wie die Guͤ-
te der Thiere
durch dieſe
Abſicht zu
beſtimmen.

lich beweiſen. Sie muͤſſen uns demnach nicht nur ſo
viele junge liefern, als durch Thiere von der erwehl-
ten Art moͤglich ſind, ſondern dieſe jungen muͤſſen
auch in ihrer Art die erforderliche Staͤrke und Mun-
terkeit haben. Wie iſt dieſe Folge moͤglich, wenn man
nicht bey der Wahl dieſer Thiere auf folgende Regeln
ſiehet.

Die erſte Regel:
Thiere, die zur Zucht gehalten werden, muͤſ-
ſen nicht zu jung und auch nicht zu alt ſeyn.
Z. B. Eine Sau- Mutter, die unter 1½ Jahr, oder
uͤber 6 Jahr alt iſt, wirft entweder wenige, oder ſehr
ſchwache Ferkel.
Die andere Regel:
Thiere, die zur Zucht erwaͤhlet werden, muͤſſen
in ihrer Art gut gewachſen, geſund und ſtark
ſeyn.
Die dritte Regel:
Dieſe Thiere muͤſſen nicht nur unverdroſſen
bey der zu befoͤrdernden Vermehrung ſeyn,
ſondern auch eine Begierde haben, die jun-
gen wohl zn warten.

Es giebt z. B. Schweine, die ſehr ungedultig ſind, und
die daher viele todte Ferkel werfen. Es giebt Schwei-
ne, die nur mit Verdruß die Ferkel zur Warze laſſen.
Es giebt Schweine, die ihre Ferkel freſſen. Dieſe
ſind zur Vermehrung unbrauchbar. Wir koͤnnen dieſe

Regeln
N 4
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[199/0219] von der Viehzucht. Abgaͤnge, die wir von den Gewerken nehmen koͤnnen, ſollen an ſeinem Orte beſchrieben werden. §. 274. Dieſe Thiere ſollen ſich durch die Vermehrung nuͤtz- lich beweiſen. Sie muͤſſen uns demnach nicht nur ſo viele junge liefern, als durch Thiere von der erwehl- ten Art moͤglich ſind, ſondern dieſe jungen muͤſſen auch in ihrer Art die erforderliche Staͤrke und Mun- terkeit haben. Wie iſt dieſe Folge moͤglich, wenn man nicht bey der Wahl dieſer Thiere auf folgende Regeln ſiehet. Wie die Guͤ- te der Thiere durch dieſe Abſicht zu beſtimmen. Die erſte Regel: Thiere, die zur Zucht gehalten werden, muͤſ- ſen nicht zu jung und auch nicht zu alt ſeyn. Z. B. Eine Sau- Mutter, die unter 1½ Jahr, oder uͤber 6 Jahr alt iſt, wirft entweder wenige, oder ſehr ſchwache Ferkel. Die andere Regel: Thiere, die zur Zucht erwaͤhlet werden, muͤſſen in ihrer Art gut gewachſen, geſund und ſtark ſeyn. Die dritte Regel: Dieſe Thiere muͤſſen nicht nur unverdroſſen bey der zu befoͤrdernden Vermehrung ſeyn, ſondern auch eine Begierde haben, die jun- gen wohl zn warten. Es giebt z. B. Schweine, die ſehr ungedultig ſind, und die daher viele todte Ferkel werfen. Es giebt Schwei- ne, die nur mit Verdruß die Ferkel zur Warze laſſen. Es giebt Schweine, die ihre Ferkel freſſen. Dieſe ſind zur Vermehrung unbrauchbar. Wir koͤnnen dieſe Regeln N 4

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Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 199. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/219>, abgerufen am 14.10.2019.