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Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

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Der Stadt-Wirthschaft 2 Abschnitt,
dem Safte die Kraft von dem Dampfe des ange-
zündeten Schwefels mittheilet. Das Acidum dieses
Dampfs verzögert die Gährung. Es ist flüchtig, da-
her sondert es sich nach und nach wiederum ab, daß
der Saft endlich in die Gährung gehen kann. Will
man diesen Handgriff bey dem Bierbrauen anwenden,
wie es geschehen muß, wenn man ein dauerhaftes,
und geistreiches Lager-Bier haben will; so entstehet
diese Frage: wie es hiebey zu verhindern sey, daß das
Bier nicht kaltgährig werde? Wer dasjenige überle-
get, was wir §. 364. angemerket haben, dem wird
es nicht schwer fallen, auch hiezu ein Mittel zu er-
finden.

§. 366.
2) Womit
die Gährung
zu befördern.

Das Bier gehet ohne Zusatz schwerlich in die gei-
stige Gährung. Diese muß demnach durch die Ver-
mischung mit einer solchen Materie befördert werden,
die zur Gährung sehr geneigt, oder auch würklich gäh-
rend ist. Man nennet daher diese Materie die Gäh-
re
oder das Ferment.

§. 367.
Wie man die
Gähre be-
kommet.

Es wird nicht ohne Nutzen seyn, wenn wir unter-
suchen, woher ein gutes Ferment zu nehmen sey.
Es soll eine Materie seyn, die zur Gährung sehr ge-
neigt, oder auch würklich gährend ist. Sie muß
demnach aus den Erd-Gewächsen genommen werden,
und zwar von denen. deren Saft von selbsten leicht
in die Gährung gehet. Aus diesem Grunde hat
Boerhaav mit Recht folgende Dinge unter die Fer-
mente gesetzt:

1) Alle reife Säfte des Obstes.
2) Den oben ausgeworfenen frischen Gescht des in
der Gährung begriffenen Biers und Weins.
Jst

Der Stadt-Wirthſchaft 2 Abſchnitt,
dem Safte die Kraft von dem Dampfe des ange-
zuͤndeten Schwefels mittheilet. Das Acidum dieſes
Dampfs verzoͤgert die Gaͤhrung. Es iſt fluͤchtig, da-
her ſondert es ſich nach und nach wiederum ab, daß
der Saft endlich in die Gaͤhrung gehen kann. Will
man dieſen Handgriff bey dem Bierbrauen anwenden,
wie es geſchehen muß, wenn man ein dauerhaftes,
und geiſtreiches Lager-Bier haben will; ſo entſtehet
dieſe Frage: wie es hiebey zu verhindern ſey, daß das
Bier nicht kaltgaͤhrig werde? Wer dasjenige uͤberle-
get, was wir §. 364. angemerket haben, dem wird
es nicht ſchwer fallen, auch hiezu ein Mittel zu er-
finden.

§. 366.
2) Womit
die Gaͤhrung
zu befoͤrdern.

Das Bier gehet ohne Zuſatz ſchwerlich in die gei-
ſtige Gaͤhrung. Dieſe muß demnach durch die Ver-
miſchung mit einer ſolchen Materie befoͤrdert werden,
die zur Gaͤhrung ſehr geneigt, oder auch wuͤrklich gaͤh-
rend iſt. Man nennet daher dieſe Materie die Gaͤh-
re
oder das Ferment.

§. 367.
Wie man die
Gaͤhre be-
kommet.

Es wird nicht ohne Nutzen ſeyn, wenn wir unter-
ſuchen, woher ein gutes Ferment zu nehmen ſey.
Es ſoll eine Materie ſeyn, die zur Gaͤhrung ſehr ge-
neigt, oder auch wuͤrklich gaͤhrend iſt. Sie muß
demnach aus den Erd-Gewaͤchſen genommen werden,
und zwar von denen. deren Saft von ſelbſten leicht
in die Gaͤhrung gehet. Aus dieſem Grunde hat
Boerhaav mit Recht folgende Dinge unter die Fer-
mente geſetzt:

1) Alle reife Saͤfte des Obſtes.
2) Den oben ausgeworfenen friſchen Geſcht des in
der Gaͤhrung begriffenen Biers und Weins.
Jſt
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[256/0276] Der Stadt-Wirthſchaft 2 Abſchnitt, dem Safte die Kraft von dem Dampfe des ange- zuͤndeten Schwefels mittheilet. Das Acidum dieſes Dampfs verzoͤgert die Gaͤhrung. Es iſt fluͤchtig, da- her ſondert es ſich nach und nach wiederum ab, daß der Saft endlich in die Gaͤhrung gehen kann. Will man dieſen Handgriff bey dem Bierbrauen anwenden, wie es geſchehen muß, wenn man ein dauerhaftes, und geiſtreiches Lager-Bier haben will; ſo entſtehet dieſe Frage: wie es hiebey zu verhindern ſey, daß das Bier nicht kaltgaͤhrig werde? Wer dasjenige uͤberle- get, was wir §. 364. angemerket haben, dem wird es nicht ſchwer fallen, auch hiezu ein Mittel zu er- finden. §. 366. Das Bier gehet ohne Zuſatz ſchwerlich in die gei- ſtige Gaͤhrung. Dieſe muß demnach durch die Ver- miſchung mit einer ſolchen Materie befoͤrdert werden, die zur Gaͤhrung ſehr geneigt, oder auch wuͤrklich gaͤh- rend iſt. Man nennet daher dieſe Materie die Gaͤh- re oder das Ferment. §. 367. Es wird nicht ohne Nutzen ſeyn, wenn wir unter- ſuchen, woher ein gutes Ferment zu nehmen ſey. Es ſoll eine Materie ſeyn, die zur Gaͤhrung ſehr ge- neigt, oder auch wuͤrklich gaͤhrend iſt. Sie muß demnach aus den Erd-Gewaͤchſen genommen werden, und zwar von denen. deren Saft von ſelbſten leicht in die Gaͤhrung gehet. Aus dieſem Grunde hat Boerhaav mit Recht folgende Dinge unter die Fer- mente geſetzt: 1) Alle reife Saͤfte des Obſtes. 2) Den oben ausgeworfenen friſchen Geſcht des in der Gaͤhrung begriffenen Biers und Weins. Jſt

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Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 256. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/276>, abgerufen am 13.11.2019.