Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Policey-Wissenschaft 2 Abschnitt,
Mittel werden, diese Verbitterung zu vergrößern.
Wird dem Mitgliede der einen Kirche darum etwas
Böses zugefüget, weil es mit dem Mitgliede einer an-
dern Kirche zürnet, so kann dieß sehr leicht ein Oel
werden, das man zum Feuer gießet. Wie kann die
Klugheit der Priester diese Verbitterung verhindern?
Gehen diese mit einander liebreich um; beweisen sie
es durch ihren Umgang, daß die Uneinigkeit in der
Lehre die Freundschaft nicht aufheben müsse; wi-
derlegen sie mit Liebe, und zeigen sie es durch diese
Widerlegung, daß das Jrren eines andern uns nicht
zum Zorn, sondern vielmehr zum Mitleiden treiben
müsse, so wird dieses Bezeugen ein bequemes Mittel
seyn, jene Verbitterungen zu verhindern.

Das vierte Capitel,
Von der Aufmunterung der Unterthanen
zur Arbeit.
§. 111.
Absicht.

Die Jnnwohner des Staats sind Policey-gemäß
unterwiesen worden. (Siehe das erste Capitel.)
Die Kirche ist zur Absicht der Policey eingerichtet,
und daher ermuntert diese die Jnnwohner zur Arbeit.
(Siehe das andere Capitel.) Nun muß auch die
Policey wachsam seyn, durch ihre Maximen diese Ab-
sicht zu erreichen.

§. 112.
Der Müßig-
gang wider-
spricht der
Absicht der
Policey.

Der Haupt-Satz, den ich hier zum Grunde setze, ist
dieser. Die Policey muß schlechterdings keine
Müßiggänger dulden.
Diesen Satz unterstütze ich
mit folgendem Beweise. Wer im Staate müßig ge-
het, der hat entweder so vieles Vermögen, daß er sich

von

Der Policey-Wiſſenſchaft 2 Abſchnitt,
Mittel werden, dieſe Verbitterung zu vergroͤßern.
Wird dem Mitgliede der einen Kirche darum etwas
Boͤſes zugefuͤget, weil es mit dem Mitgliede einer an-
dern Kirche zuͤrnet, ſo kann dieß ſehr leicht ein Oel
werden, das man zum Feuer gießet. Wie kann die
Klugheit der Prieſter dieſe Verbitterung verhindern?
Gehen dieſe mit einander liebreich um; beweiſen ſie
es durch ihren Umgang, daß die Uneinigkeit in der
Lehre die Freundſchaft nicht aufheben muͤſſe; wi-
derlegen ſie mit Liebe, und zeigen ſie es durch dieſe
Widerlegung, daß das Jrren eines andern uns nicht
zum Zorn, ſondern vielmehr zum Mitleiden treiben
muͤſſe, ſo wird dieſes Bezeugen ein bequemes Mittel
ſeyn, jene Verbitterungen zu verhindern.

Das vierte Capitel,
Von der Aufmunterung der Unterthanen
zur Arbeit.
§. 111.
Abſicht.

Die Jnnwohner des Staats ſind Policey-gemaͤß
unterwieſen worden. (Siehe das erſte Capitel.)
Die Kirche iſt zur Abſicht der Policey eingerichtet,
und daher ermuntert dieſe die Jnnwohner zur Arbeit.
(Siehe das andere Capitel.) Nun muß auch die
Policey wachſam ſeyn, durch ihre Maximen dieſe Ab-
ſicht zu erreichen.

§. 112.
Der Muͤßig-
gang wider-
ſpricht der
Abſicht der
Policey.

Der Haupt-Satz, den ich hier zum Grunde ſetze, iſt
dieſer. Die Policey muß ſchlechterdings keine
Muͤßiggaͤnger dulden.
Dieſen Satz unterſtuͤtze ich
mit folgendem Beweiſe. Wer im Staate muͤßig ge-
het, der hat entweder ſo vieles Vermoͤgen, daß er ſich

von
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0474" n="454"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Der Policey-Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft 2 Ab&#x017F;chnitt,</hi></fw><lb/>
Mittel werden, die&#x017F;e Verbitterung zu vergro&#x0364;ßern.<lb/>
Wird dem Mitgliede der einen Kirche darum etwas<lb/>
Bo&#x0364;&#x017F;es zugefu&#x0364;get, weil es mit dem Mitgliede einer an-<lb/>
dern Kirche zu&#x0364;rnet, &#x017F;o kann dieß &#x017F;ehr leicht ein Oel<lb/>
werden, das man zum Feuer gießet. Wie kann die<lb/>
Klugheit der Prie&#x017F;ter die&#x017F;e Verbitterung verhindern?<lb/>
Gehen die&#x017F;e mit einander liebreich um; bewei&#x017F;en &#x017F;ie<lb/>
es durch ihren Umgang, daß die Uneinigkeit in der<lb/>
Lehre die Freund&#x017F;chaft nicht aufheben mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e; wi-<lb/>
derlegen &#x017F;ie mit Liebe, und zeigen &#x017F;ie es durch die&#x017F;e<lb/>
Widerlegung, daß das Jrren eines andern uns nicht<lb/>
zum Zorn, &#x017F;ondern vielmehr zum Mitleiden treiben<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, &#x017F;o wird die&#x017F;es Bezeugen ein bequemes Mittel<lb/>
&#x017F;eyn, jene Verbitterungen zu verhindern.</p>
            </div>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>Das vierte Capitel,<lb/><hi rendition="#b">Von der Aufmunterung der Unterthanen</hi><lb/>
zur Arbeit.</head><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 111.</head><lb/>
              <note place="left">Ab&#x017F;icht.</note>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>ie Jnnwohner des Staats &#x017F;ind Policey-gema&#x0364;ß<lb/>
unterwie&#x017F;en worden. (Siehe das er&#x017F;te Capitel.)<lb/>
Die Kirche i&#x017F;t zur Ab&#x017F;icht der Policey eingerichtet,<lb/>
und daher ermuntert die&#x017F;e die Jnnwohner zur Arbeit.<lb/>
(Siehe das andere Capitel.) Nun muß auch die<lb/>
Policey wach&#x017F;am &#x017F;eyn, durch ihre Maximen die&#x017F;e Ab-<lb/>
&#x017F;icht zu erreichen.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 112.</head><lb/>
              <note place="left">Der Mu&#x0364;ßig-<lb/>
gang wider-<lb/>
&#x017F;pricht der<lb/>
Ab&#x017F;icht der<lb/>
Policey.</note>
              <p>Der Haupt-Satz, den ich hier zum Grunde &#x017F;etze, i&#x017F;t<lb/>
die&#x017F;er. <hi rendition="#fr">Die Policey muß &#x017F;chlechterdings keine<lb/>
Mu&#x0364;ßigga&#x0364;nger dulden.</hi> Die&#x017F;en Satz unter&#x017F;tu&#x0364;tze ich<lb/>
mit folgendem Bewei&#x017F;e. Wer im Staate mu&#x0364;ßig ge-<lb/>
het, der hat entweder &#x017F;o vieles Vermo&#x0364;gen, daß er &#x017F;ich<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">von</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[454/0474] Der Policey-Wiſſenſchaft 2 Abſchnitt, Mittel werden, dieſe Verbitterung zu vergroͤßern. Wird dem Mitgliede der einen Kirche darum etwas Boͤſes zugefuͤget, weil es mit dem Mitgliede einer an- dern Kirche zuͤrnet, ſo kann dieß ſehr leicht ein Oel werden, das man zum Feuer gießet. Wie kann die Klugheit der Prieſter dieſe Verbitterung verhindern? Gehen dieſe mit einander liebreich um; beweiſen ſie es durch ihren Umgang, daß die Uneinigkeit in der Lehre die Freundſchaft nicht aufheben muͤſſe; wi- derlegen ſie mit Liebe, und zeigen ſie es durch dieſe Widerlegung, daß das Jrren eines andern uns nicht zum Zorn, ſondern vielmehr zum Mitleiden treiben muͤſſe, ſo wird dieſes Bezeugen ein bequemes Mittel ſeyn, jene Verbitterungen zu verhindern. Das vierte Capitel, Von der Aufmunterung der Unterthanen zur Arbeit. §. 111. Die Jnnwohner des Staats ſind Policey-gemaͤß unterwieſen worden. (Siehe das erſte Capitel.) Die Kirche iſt zur Abſicht der Policey eingerichtet, und daher ermuntert dieſe die Jnnwohner zur Arbeit. (Siehe das andere Capitel.) Nun muß auch die Policey wachſam ſeyn, durch ihre Maximen dieſe Ab- ſicht zu erreichen. §. 112. Der Haupt-Satz, den ich hier zum Grunde ſetze, iſt dieſer. Die Policey muß ſchlechterdings keine Muͤßiggaͤnger dulden. Dieſen Satz unterſtuͤtze ich mit folgendem Beweiſe. Wer im Staate muͤßig ge- het, der hat entweder ſo vieles Vermoͤgen, daß er ſich von

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/474
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 454. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/474>, abgerufen am 22.10.2019.