Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Policey-Wissenschaft 2 Abschnitt,
wir §. 133. bestimmet haben, auch hier nicht ohne
Nutzen. Diese werden auch die Ausführung der
Strafe leichter machen, und dieß ist zugleich ein
merkliches Stück, wodurch eine Strafe fürchterlicher
wird.

§. 202.
Ein besonde-
rer Fehler
wird ange-
merket.

Jch nehme mir die Freyheit, bey der gewöhnlichen
Art diese Missethäter zu bestrafen, einen Fehler zu
bemerken, der nach meiner Einsicht nicht geringe ist.
Bekommt man einen Missethäter gefangen, so wird er
ins Gefängniß geworfen, und der Bauer wird dadurch
belästiget, daß er diese bewachen, und der Staat,
daß er ihnen umsonst den Unterhalt geben muß. Solte
es unmöglich seyn die Veranstaltungen dahin zu ma-
chen, daß diese Uebelthäter in der Zeit, da ihnen der
Proceß gemacht wird, etwas zum Nutzen des Staats
arbeiten könnten. Die Wege und andere Dinge wür-
den sich hiebey sehr wohl befinden. Jch sehe nichts,
was man einwenden will, als etwa dieses: die Sache
sey noch nicht ausgemacht, und also könnten sie unschul-
dig leiden. Wir wollen dieß annehmen, sie sollen
unschuldig seyn. Was ist nun besser, daß sie in dem
Gefängnisse lernen müßig gehen, und in demselben
ungesund werden, oder dieß, daß sie in beständiger
Arbeit und Bewegung erhalten werden. Beydes ist
alsdenn ein Schicksaal, und in diesem Falle erwählet
man das, was dem Staate am nüzlichsten ist. Man
kann vielerley Art von Arbeiten zum Nutzen des
Staats ersinnen, und also auch hierin eine Verhältniß
mit dem Verdacht treffen. Ja solte ich irren, wenn
ich dieß zugleich als ein bequemes Mittel ansehe, an-
dere von dergleichen Unternehmungen zurück zu hal-
ten, wodurch sie sich verdächtig machen.

§. 203.

Der Policey-Wiſſenſchaft 2 Abſchnitt,
wir §. 133. beſtimmet haben, auch hier nicht ohne
Nutzen. Dieſe werden auch die Ausfuͤhrung der
Strafe leichter machen, und dieß iſt zugleich ein
merkliches Stuͤck, wodurch eine Strafe fuͤrchterlicher
wird.

§. 202.
Ein beſonde-
rer Fehler
wird ange-
merket.

Jch nehme mir die Freyheit, bey der gewoͤhnlichen
Art dieſe Miſſethaͤter zu beſtrafen, einen Fehler zu
bemerken, der nach meiner Einſicht nicht geringe iſt.
Bekommt man einen Miſſethaͤter gefangen, ſo wird er
ins Gefaͤngniß geworfen, und der Bauer wird dadurch
belaͤſtiget, daß er dieſe bewachen, und der Staat,
daß er ihnen umſonſt den Unterhalt geben muß. Solte
es unmoͤglich ſeyn die Veranſtaltungen dahin zu ma-
chen, daß dieſe Uebelthaͤter in der Zeit, da ihnen der
Proceß gemacht wird, etwas zum Nutzen des Staats
arbeiten koͤnnten. Die Wege und andere Dinge wuͤr-
den ſich hiebey ſehr wohl befinden. Jch ſehe nichts,
was man einwenden will, als etwa dieſes: die Sache
ſey noch nicht ausgemacht, und alſo koͤnnten ſie unſchul-
dig leiden. Wir wollen dieß annehmen, ſie ſollen
unſchuldig ſeyn. Was iſt nun beſſer, daß ſie in dem
Gefaͤngniſſe lernen muͤßig gehen, und in demſelben
ungeſund werden, oder dieß, daß ſie in beſtaͤndiger
Arbeit und Bewegung erhalten werden. Beydes iſt
alsdenn ein Schickſaal, und in dieſem Falle erwaͤhlet
man das, was dem Staate am nuͤzlichſten iſt. Man
kann vielerley Art von Arbeiten zum Nutzen des
Staats erſinnen, und alſo auch hierin eine Verhaͤltniß
mit dem Verdacht treffen. Ja ſolte ich irren, wenn
ich dieß zugleich als ein bequemes Mittel anſehe, an-
dere von dergleichen Unternehmungen zuruͤck zu hal-
ten, wodurch ſie ſich verdaͤchtig machen.

§. 203.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0520" n="500"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Der Policey-Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft 2 Ab&#x017F;chnitt,</hi></fw><lb/>
wir §. 133. be&#x017F;timmet haben, auch hier nicht ohne<lb/>
Nutzen. Die&#x017F;e werden auch die Ausfu&#x0364;hrung der<lb/>
Strafe leichter machen, und dieß i&#x017F;t zugleich ein<lb/>
merkliches Stu&#x0364;ck, wodurch eine Strafe fu&#x0364;rchterlicher<lb/>
wird.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 202.</head><lb/>
              <note place="left">Ein be&#x017F;onde-<lb/>
rer Fehler<lb/>
wird ange-<lb/>
merket.</note>
              <p>Jch nehme mir die Freyheit, bey der gewo&#x0364;hnlichen<lb/>
Art die&#x017F;e Mi&#x017F;&#x017F;etha&#x0364;ter zu be&#x017F;trafen, einen Fehler zu<lb/>
bemerken, der nach meiner Ein&#x017F;icht nicht geringe i&#x017F;t.<lb/>
Bekommt man einen Mi&#x017F;&#x017F;etha&#x0364;ter gefangen, &#x017F;o wird er<lb/>
ins Gefa&#x0364;ngniß geworfen, und der Bauer wird dadurch<lb/>
bela&#x0364;&#x017F;tiget, daß er die&#x017F;e bewachen, und der Staat,<lb/>
daß er ihnen um&#x017F;on&#x017F;t den Unterhalt geben muß. Solte<lb/>
es unmo&#x0364;glich &#x017F;eyn die Veran&#x017F;taltungen dahin zu ma-<lb/>
chen, daß die&#x017F;e Uebeltha&#x0364;ter in der Zeit, da ihnen der<lb/>
Proceß gemacht wird, etwas zum Nutzen des Staats<lb/>
arbeiten ko&#x0364;nnten. Die Wege und andere Dinge wu&#x0364;r-<lb/>
den &#x017F;ich hiebey &#x017F;ehr wohl befinden. Jch &#x017F;ehe nichts,<lb/>
was man einwenden will, als etwa die&#x017F;es: die Sache<lb/>
&#x017F;ey noch nicht ausgemacht, und al&#x017F;o ko&#x0364;nnten &#x017F;ie un&#x017F;chul-<lb/>
dig leiden. Wir wollen dieß annehmen, &#x017F;ie &#x017F;ollen<lb/>
un&#x017F;chuldig &#x017F;eyn. Was i&#x017F;t nun be&#x017F;&#x017F;er, daß &#x017F;ie in dem<lb/>
Gefa&#x0364;ngni&#x017F;&#x017F;e lernen mu&#x0364;ßig gehen, und in dem&#x017F;elben<lb/>
unge&#x017F;und werden, oder dieß, daß &#x017F;ie in be&#x017F;ta&#x0364;ndiger<lb/>
Arbeit und Bewegung erhalten werden. Beydes i&#x017F;t<lb/>
alsdenn ein Schick&#x017F;aal, und in die&#x017F;em Falle erwa&#x0364;hlet<lb/>
man das, was dem Staate am nu&#x0364;zlich&#x017F;ten i&#x017F;t. Man<lb/>
kann vielerley Art von Arbeiten zum Nutzen des<lb/>
Staats er&#x017F;innen, und al&#x017F;o auch hierin eine Verha&#x0364;ltniß<lb/>
mit dem Verdacht treffen. Ja &#x017F;olte ich irren, wenn<lb/>
ich dieß zugleich als ein bequemes Mittel an&#x017F;ehe, an-<lb/>
dere von dergleichen Unternehmungen zuru&#x0364;ck zu hal-<lb/>
ten, wodurch &#x017F;ie &#x017F;ich verda&#x0364;chtig machen.</p>
            </div><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">§. 203.</fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[500/0520] Der Policey-Wiſſenſchaft 2 Abſchnitt, wir §. 133. beſtimmet haben, auch hier nicht ohne Nutzen. Dieſe werden auch die Ausfuͤhrung der Strafe leichter machen, und dieß iſt zugleich ein merkliches Stuͤck, wodurch eine Strafe fuͤrchterlicher wird. §. 202. Jch nehme mir die Freyheit, bey der gewoͤhnlichen Art dieſe Miſſethaͤter zu beſtrafen, einen Fehler zu bemerken, der nach meiner Einſicht nicht geringe iſt. Bekommt man einen Miſſethaͤter gefangen, ſo wird er ins Gefaͤngniß geworfen, und der Bauer wird dadurch belaͤſtiget, daß er dieſe bewachen, und der Staat, daß er ihnen umſonſt den Unterhalt geben muß. Solte es unmoͤglich ſeyn die Veranſtaltungen dahin zu ma- chen, daß dieſe Uebelthaͤter in der Zeit, da ihnen der Proceß gemacht wird, etwas zum Nutzen des Staats arbeiten koͤnnten. Die Wege und andere Dinge wuͤr- den ſich hiebey ſehr wohl befinden. Jch ſehe nichts, was man einwenden will, als etwa dieſes: die Sache ſey noch nicht ausgemacht, und alſo koͤnnten ſie unſchul- dig leiden. Wir wollen dieß annehmen, ſie ſollen unſchuldig ſeyn. Was iſt nun beſſer, daß ſie in dem Gefaͤngniſſe lernen muͤßig gehen, und in demſelben ungeſund werden, oder dieß, daß ſie in beſtaͤndiger Arbeit und Bewegung erhalten werden. Beydes iſt alsdenn ein Schickſaal, und in dieſem Falle erwaͤhlet man das, was dem Staate am nuͤzlichſten iſt. Man kann vielerley Art von Arbeiten zum Nutzen des Staats erſinnen, und alſo auch hierin eine Verhaͤltniß mit dem Verdacht treffen. Ja ſolte ich irren, wenn ich dieß zugleich als ein bequemes Mittel anſehe, an- dere von dergleichen Unternehmungen zuruͤck zu hal- ten, wodurch ſie ſich verdaͤchtig machen. §. 203.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/520
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 500. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/520>, abgerufen am 21.01.2020.