Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Policey-Wissenschaft 2 Abschnitt,
§. 205.
Wie wird
gewacht.

Jn Ansehung der andern Frage muß man das
nöthige von dem was nüzlich ist unterscheiden Nüz-
lich wäre es, wenn diese Wache beständig könnte ge-
halten werden. Nöthig aber, daß sie zur Zeit der
Nacht gehalten wird.

§. 206.
Wer wacht.

Der Jnnwohner des Staats wünschet beydes.
Seine Sicherheit erfodert es. Die Policey frägt,
woher nehmen wir diese Wache, wenn sie dem Staate
nicht zur Last fallen soll? Jch antworte, das ist eine
allgemeine Pflicht der Jnnwohner des Staats. Weil
die Sicherheit die lezte Absicht, welche die bürgerliche
Gesellschaft erreichen will. Jst dieß, so kann auch
diese Absicht mit wenigen Kosten ausgeführet werden.
Die Jnnwohner einer jeden Stadt und eines jeden
Dorfs werden in gewiße Ordnungen vertheilet. Die-
se müssen die Wache nach und nach besorgen. Wer
es nicht selbst thun will, der bezahlt dem seine Mühe,
der diese für ihn übernimt. Es giebt Menschen ge-
nug, die hiedurch ihren Unterhalt gerne verdienen.
Jst es gefällig an einem jeden Orte nicht mehr zu
stellen, als da nöthig sind, keinen Platz zu besetzen,
wenn er keine Bedekkung erfordert, die Wache zu
der Zeit, wenn sie abgelößt ist, zur Arbeit aufzumun-
tern, so wird dieß in Erwegung des Vortheils dem
Jnnwohner wenige Beschwerden machen.

§. 207.
2) Durch
Betrüger.

So viel von der Sicherheit wider die Räuber.
Es giebt noch heimliche Räuber, die zwar diesen Na-
men nicht führen, die aber zum Theil noch gefährlicher
sind, wie jene. Sie haben insgemein Erlaubniß, zu
stehlen, ohne eine Strafe zu befürchten. Sie werden

Be-
Der Policey-Wiſſenſchaft 2 Abſchnitt,
§. 205.
Wie wird
gewacht.

Jn Anſehung der andern Frage muß man das
noͤthige von dem was nuͤzlich iſt unterſcheiden Nuͤz-
lich waͤre es, wenn dieſe Wache beſtaͤndig koͤnnte ge-
halten werden. Noͤthig aber, daß ſie zur Zeit der
Nacht gehalten wird.

§. 206.
Wer wacht.

Der Jnnwohner des Staats wuͤnſchet beydes.
Seine Sicherheit erfodert es. Die Policey fraͤgt,
woher nehmen wir dieſe Wache, wenn ſie dem Staate
nicht zur Laſt fallen ſoll? Jch antworte, das iſt eine
allgemeine Pflicht der Jnnwohner des Staats. Weil
die Sicherheit die lezte Abſicht, welche die buͤrgerliche
Geſellſchaft erreichen will. Jſt dieß, ſo kann auch
dieſe Abſicht mit wenigen Koſten ausgefuͤhret werden.
Die Jnnwohner einer jeden Stadt und eines jeden
Dorfs werden in gewiße Ordnungen vertheilet. Die-
ſe muͤſſen die Wache nach und nach beſorgen. Wer
es nicht ſelbſt thun will, der bezahlt dem ſeine Muͤhe,
der dieſe fuͤr ihn uͤbernimt. Es giebt Menſchen ge-
nug, die hiedurch ihren Unterhalt gerne verdienen.
Jſt es gefaͤllig an einem jeden Orte nicht mehr zu
ſtellen, als da noͤthig ſind, keinen Platz zu beſetzen,
wenn er keine Bedekkung erfordert, die Wache zu
der Zeit, wenn ſie abgeloͤßt iſt, zur Arbeit aufzumun-
tern, ſo wird dieß in Erwegung des Vortheils dem
Jnnwohner wenige Beſchwerden machen.

§. 207.
2) Durch
Betruͤger.

So viel von der Sicherheit wider die Raͤuber.
Es giebt noch heimliche Raͤuber, die zwar dieſen Na-
men nicht fuͤhren, die aber zum Theil noch gefaͤhrlicher
ſind, wie jene. Sie haben insgemein Erlaubniß, zu
ſtehlen, ohne eine Strafe zu befuͤrchten. Sie werden

Be-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0522" n="502"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Der Policey-Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft 2 Ab&#x017F;chnitt,</hi> </fw><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 205.</head><lb/>
              <note place="left">Wie wird<lb/>
gewacht.</note>
              <p>Jn An&#x017F;ehung der andern Frage muß man das<lb/>
no&#x0364;thige von dem was nu&#x0364;zlich i&#x017F;t unter&#x017F;cheiden Nu&#x0364;z-<lb/>
lich wa&#x0364;re es, wenn die&#x017F;e Wache be&#x017F;ta&#x0364;ndig ko&#x0364;nnte ge-<lb/>
halten werden. No&#x0364;thig aber, daß &#x017F;ie zur Zeit der<lb/>
Nacht gehalten wird.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 206.</head><lb/>
              <note place="left">Wer wacht.</note>
              <p>Der Jnnwohner des Staats wu&#x0364;n&#x017F;chet beydes.<lb/>
Seine Sicherheit erfodert es. Die Policey fra&#x0364;gt,<lb/>
woher nehmen wir die&#x017F;e Wache, wenn &#x017F;ie dem Staate<lb/>
nicht zur La&#x017F;t fallen &#x017F;oll? Jch antworte, das i&#x017F;t eine<lb/>
allgemeine Pflicht der Jnnwohner des Staats. Weil<lb/>
die Sicherheit die lezte Ab&#x017F;icht, welche die bu&#x0364;rgerliche<lb/>
Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft erreichen will. J&#x017F;t dieß, &#x017F;o kann auch<lb/>
die&#x017F;e Ab&#x017F;icht mit wenigen Ko&#x017F;ten ausgefu&#x0364;hret werden.<lb/>
Die Jnnwohner einer jeden Stadt und eines jeden<lb/>
Dorfs werden in gewiße Ordnungen vertheilet. Die-<lb/>
&#x017F;e mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en die Wache nach und nach be&#x017F;orgen. Wer<lb/>
es nicht &#x017F;elb&#x017F;t thun will, der bezahlt dem &#x017F;eine Mu&#x0364;he,<lb/>
der die&#x017F;e fu&#x0364;r ihn u&#x0364;bernimt. Es giebt Men&#x017F;chen ge-<lb/>
nug, die hiedurch ihren Unterhalt gerne verdienen.<lb/>
J&#x017F;t es gefa&#x0364;llig an einem jeden Orte nicht mehr zu<lb/>
&#x017F;tellen, als da no&#x0364;thig &#x017F;ind, keinen Platz zu be&#x017F;etzen,<lb/>
wenn er keine Bedekkung erfordert, die Wache zu<lb/>
der Zeit, wenn &#x017F;ie abgelo&#x0364;ßt i&#x017F;t, zur Arbeit aufzumun-<lb/>
tern, &#x017F;o wird dieß in Erwegung des Vortheils dem<lb/>
Jnnwohner wenige Be&#x017F;chwerden machen.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 207.</head><lb/>
              <note place="left">2) Durch<lb/>
Betru&#x0364;ger.</note>
              <p>So viel von der Sicherheit wider die Ra&#x0364;uber.<lb/>
Es giebt noch heimliche Ra&#x0364;uber, die zwar die&#x017F;en Na-<lb/>
men nicht fu&#x0364;hren, die aber zum Theil noch gefa&#x0364;hrlicher<lb/>
&#x017F;ind, wie jene. Sie haben insgemein Erlaubniß, zu<lb/>
&#x017F;tehlen, ohne eine Strafe zu befu&#x0364;rchten. Sie werden<lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">Be-</hi></fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[502/0522] Der Policey-Wiſſenſchaft 2 Abſchnitt, §. 205. Jn Anſehung der andern Frage muß man das noͤthige von dem was nuͤzlich iſt unterſcheiden Nuͤz- lich waͤre es, wenn dieſe Wache beſtaͤndig koͤnnte ge- halten werden. Noͤthig aber, daß ſie zur Zeit der Nacht gehalten wird. §. 206. Der Jnnwohner des Staats wuͤnſchet beydes. Seine Sicherheit erfodert es. Die Policey fraͤgt, woher nehmen wir dieſe Wache, wenn ſie dem Staate nicht zur Laſt fallen ſoll? Jch antworte, das iſt eine allgemeine Pflicht der Jnnwohner des Staats. Weil die Sicherheit die lezte Abſicht, welche die buͤrgerliche Geſellſchaft erreichen will. Jſt dieß, ſo kann auch dieſe Abſicht mit wenigen Koſten ausgefuͤhret werden. Die Jnnwohner einer jeden Stadt und eines jeden Dorfs werden in gewiße Ordnungen vertheilet. Die- ſe muͤſſen die Wache nach und nach beſorgen. Wer es nicht ſelbſt thun will, der bezahlt dem ſeine Muͤhe, der dieſe fuͤr ihn uͤbernimt. Es giebt Menſchen ge- nug, die hiedurch ihren Unterhalt gerne verdienen. Jſt es gefaͤllig an einem jeden Orte nicht mehr zu ſtellen, als da noͤthig ſind, keinen Platz zu beſetzen, wenn er keine Bedekkung erfordert, die Wache zu der Zeit, wenn ſie abgeloͤßt iſt, zur Arbeit aufzumun- tern, ſo wird dieß in Erwegung des Vortheils dem Jnnwohner wenige Beſchwerden machen. §. 207. So viel von der Sicherheit wider die Raͤuber. Es giebt noch heimliche Raͤuber, die zwar dieſen Na- men nicht fuͤhren, die aber zum Theil noch gefaͤhrlicher ſind, wie jene. Sie haben insgemein Erlaubniß, zu ſtehlen, ohne eine Strafe zu befuͤrchten. Sie werden Be-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/522
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 502. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/522>, abgerufen am 23.10.2019.