Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite

Haupt-Regeln der Landes-Oeconomie.
bereits §. 42. bewiesen worden. Fürs andere: Der
Handel in fremde Länder ist, so viel es immer
möglich ist, mit allem Ernste zu verbiethen.
Jch
will es gerne verwilligen, daß die, welche diesen Satz
billigen, in dieser Sache eine größere Einsicht haben,
als ich. Dennoch aber kann ich mich nicht überre-
den, zu glauben, daß sie vollkommen gegründet sey-
Sie widerspricht einmahl dem, was wir §. 17 und
18 vestgesetzet haben. Sie schwächet fürs andere
das, was nach dem §. 45. die Policey nothwendig er-
fodert. Sie scheinet fürs dritte die Stärke der
Handlung zu entkräften. Siehe §. 315. des andern
Theils. Wie würde es endlich im Staate aussehen,
wenn alle Völker ihre Wirthschaft nach dieser Regel
einrichten wolten. Und so ferner.

§. 369.

Die sechste Haupt-Regel. Sollte die Herbey-Die sechste
Haupt-Re-
gel.

schaffung fremder Güter unentbärlich seyn, so
muß man solche nicht um Gold und Silber,
sondern durch Austauschung inländischer Waa-
ren ins Land bringen.

§. 370.

Die siebende Haupt-Regel: Solche fremdeDie sieben-
de.

Waaren müssen in roher Gestalt genommen,
und in dem Staate verarbeitet werden.

§. 371.

Wer diejenigen Gründe in Erwegung ziehet, ausAllgemeine
Erinnerung
dey diesen.

welchen ich bis hieher geschlossen habe, der wird es
leicht begreifen, daß diese Regeln nüzlich sind, wenn
ihre Anwendung möglich ist. Er wird es aber auch
leicht einsehen, daß diese Anwendung nicht allemahl
möglich ist, wenn man den wahren Nutzen des Staats

besorgen
L l 4

Haupt-Regeln der Landes-Oeconomie.
bereits §. 42. bewieſen worden. Fuͤrs andere: Der
Handel in fremde Laͤnder iſt, ſo viel es immer
moͤglich iſt, mit allem Ernſte zu verbiethen.
Jch
will es gerne verwilligen, daß die, welche dieſen Satz
billigen, in dieſer Sache eine groͤßere Einſicht haben,
als ich. Dennoch aber kann ich mich nicht uͤberre-
den, zu glauben, daß ſie vollkommen gegruͤndet ſey-
Sie widerſpricht einmahl dem, was wir §. 17 und
18 veſtgeſetzet haben. Sie ſchwaͤchet fuͤrs andere
das, was nach dem §. 45. die Policey nothwendig er-
fodert. Sie ſcheinet fuͤrs dritte die Staͤrke der
Handlung zu entkraͤften. Siehe §. 315. des andern
Theils. Wie wuͤrde es endlich im Staate ausſehen,
wenn alle Voͤlker ihre Wirthſchaft nach dieſer Regel
einrichten wolten. Und ſo ferner.

§. 369.

Die ſechſte Haupt-Regel. Sollte die Herbey-Die ſechſte
Haupt-Re-
gel.

ſchaffung fremder Guͤter unentbaͤrlich ſeyn, ſo
muß man ſolche nicht um Gold und Silber,
ſondern durch Austauſchung inlaͤndiſcher Waa-
ren ins Land bringen.

§. 370.

Die ſiebende Haupt-Regel: Solche fremdeDie ſieben-
de.

Waaren muͤſſen in roher Geſtalt genommen,
und in dem Staate verarbeitet werden.

§. 371.

Wer diejenigen Gruͤnde in Erwegung ziehet, ausAllgemeine
Erinnerung
dey dieſen.

welchen ich bis hieher geſchloſſen habe, der wird es
leicht begreifen, daß dieſe Regeln nuͤzlich ſind, wenn
ihre Anwendung moͤglich iſt. Er wird es aber auch
leicht einſehen, daß dieſe Anwendung nicht allemahl
moͤglich iſt, wenn man den wahren Nutzen des Staats

beſorgen
L l 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0555" n="535"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Haupt-Regeln der Landes-Oeconomie.</hi></fw><lb/>
bereits §. 42. bewie&#x017F;en worden. <hi rendition="#fr">Fu&#x0364;rs andere: Der<lb/>
Handel in fremde La&#x0364;nder i&#x017F;t, &#x017F;o viel es immer<lb/>
mo&#x0364;glich i&#x017F;t, mit allem Ern&#x017F;te zu verbiethen.</hi> Jch<lb/>
will es gerne verwilligen, daß die, welche die&#x017F;en Satz<lb/>
billigen, in die&#x017F;er Sache eine gro&#x0364;ßere Ein&#x017F;icht haben,<lb/>
als ich. Dennoch aber kann ich mich nicht u&#x0364;berre-<lb/>
den, zu glauben, daß &#x017F;ie vollkommen gegru&#x0364;ndet &#x017F;ey-<lb/>
Sie wider&#x017F;pricht <hi rendition="#fr">einmahl</hi> dem, was wir §. 17 und<lb/>
18 ve&#x017F;tge&#x017F;etzet haben. Sie &#x017F;chwa&#x0364;chet <hi rendition="#fr">fu&#x0364;rs andere</hi><lb/>
das, was nach dem §. 45. die Policey nothwendig er-<lb/>
fodert. Sie &#x017F;cheinet <hi rendition="#fr">fu&#x0364;rs dritte</hi> die Sta&#x0364;rke der<lb/>
Handlung zu entkra&#x0364;ften. Siehe §. 315. des andern<lb/>
Theils. Wie wu&#x0364;rde es endlich im Staate aus&#x017F;ehen,<lb/>
wenn alle Vo&#x0364;lker ihre Wirth&#x017F;chaft nach die&#x017F;er Regel<lb/>
einrichten wolten. Und &#x017F;o ferner.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 369.</head><lb/>
            <p>Die &#x017F;ech&#x017F;te Haupt-Regel. <hi rendition="#fr">Sollte die Herbey-</hi><note place="right">Die &#x017F;ech&#x017F;te<lb/>
Haupt-Re-<lb/>
gel.</note><lb/><hi rendition="#fr">&#x017F;chaffung fremder Gu&#x0364;ter unentba&#x0364;rlich &#x017F;eyn, &#x017F;o<lb/>
muß man &#x017F;olche nicht um Gold und Silber,<lb/>
&#x017F;ondern durch Austau&#x017F;chung inla&#x0364;ndi&#x017F;cher Waa-<lb/>
ren ins Land bringen.</hi></p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 370.</head><lb/>
            <p>Die &#x017F;iebende Haupt-Regel: <hi rendition="#fr">Solche fremde</hi><note place="right">Die &#x017F;ieben-<lb/>
de.</note><lb/><hi rendition="#fr">Waaren mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en in roher Ge&#x017F;talt genommen,<lb/>
und in dem Staate verarbeitet werden.</hi></p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 371.</head><lb/>
            <p>Wer diejenigen Gru&#x0364;nde in Erwegung ziehet, aus<note place="right">Allgemeine<lb/>
Erinnerung<lb/>
dey die&#x017F;en.</note><lb/>
welchen ich bis hieher ge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en habe, der wird es<lb/>
leicht begreifen, daß die&#x017F;e Regeln nu&#x0364;zlich &#x017F;ind, wenn<lb/>
ihre Anwendung mo&#x0364;glich i&#x017F;t. Er wird es aber auch<lb/>
leicht ein&#x017F;ehen, daß die&#x017F;e Anwendung nicht allemahl<lb/>
mo&#x0364;glich i&#x017F;t, wenn man den wahren Nutzen des Staats<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">L l 4</fw><fw place="bottom" type="catch">be&#x017F;orgen</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[535/0555] Haupt-Regeln der Landes-Oeconomie. bereits §. 42. bewieſen worden. Fuͤrs andere: Der Handel in fremde Laͤnder iſt, ſo viel es immer moͤglich iſt, mit allem Ernſte zu verbiethen. Jch will es gerne verwilligen, daß die, welche dieſen Satz billigen, in dieſer Sache eine groͤßere Einſicht haben, als ich. Dennoch aber kann ich mich nicht uͤberre- den, zu glauben, daß ſie vollkommen gegruͤndet ſey- Sie widerſpricht einmahl dem, was wir §. 17 und 18 veſtgeſetzet haben. Sie ſchwaͤchet fuͤrs andere das, was nach dem §. 45. die Policey nothwendig er- fodert. Sie ſcheinet fuͤrs dritte die Staͤrke der Handlung zu entkraͤften. Siehe §. 315. des andern Theils. Wie wuͤrde es endlich im Staate ausſehen, wenn alle Voͤlker ihre Wirthſchaft nach dieſer Regel einrichten wolten. Und ſo ferner. §. 369. Die ſechſte Haupt-Regel. Sollte die Herbey- ſchaffung fremder Guͤter unentbaͤrlich ſeyn, ſo muß man ſolche nicht um Gold und Silber, ſondern durch Austauſchung inlaͤndiſcher Waa- ren ins Land bringen. Die ſechſte Haupt-Re- gel. §. 370. Die ſiebende Haupt-Regel: Solche fremde Waaren muͤſſen in roher Geſtalt genommen, und in dem Staate verarbeitet werden. Die ſieben- de. §. 371. Wer diejenigen Gruͤnde in Erwegung ziehet, aus welchen ich bis hieher geſchloſſen habe, der wird es leicht begreifen, daß dieſe Regeln nuͤzlich ſind, wenn ihre Anwendung moͤglich iſt. Er wird es aber auch leicht einſehen, daß dieſe Anwendung nicht allemahl moͤglich iſt, wenn man den wahren Nutzen des Staats beſorgen Allgemeine Erinnerung dey dieſen. L l 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/555
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 535. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/555>, abgerufen am 18.10.2019.