Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite

von den Domainen.
nicht von allen doch von den allermeisten, die sich mit
diesem Gewerbe beschäftigen, anders angesehen wird,
als es nach der Absicht der Cammern sollte angesehen
werden. Viele Cameralisten schätzen einen Staat
alsdenn glücklich, wenn er eine Menge von Domai-
nen hat. Sie schlüßen, die Domainen sind Güther
des Staats, deren jährliche Ausbeute die Einkünfte
eines Fürsten als Fürsten (§. 26). Folglich geben
die Domainen einen solchen Theil der fürstlichen Ein-
künfte, wobey der Unterthan nicht belästiget wird.
Je größer demnach die Anzahl der Domainen, desto
mehrere Einkünfte hat ein Fürst ohne Nachtheil des
Staats zu erwarten. Und daher ist ein Staat reich
und glücklich, wenn er viele Domainen hat. Dieß
giebt ihnen einen Grund, ferner zu schlüßen. Ein
wahrer Cameralist muß für die Vermehrung der Do-
mainen sorgen. Folglich dem Fürsten diesen Rath
geben, daß er erbliche Güther, zurückgefallene Lehne
und s. ferner zu Domainen mache, und wenn es
möglich ist, daß der Fürst von seinen jährlichen Ein-
künften so viel erspare, daß er durch Ankauffung lie-
gender Gründe die Domainen vermehren könne.

§. 28.

Diese Gedanken haben einen starken Schein derDiese sind
einzuschrän-
ken.

Wahrheit. Er verschwindet aber, wenn wir die Sa-
che ohne Neben-Absichten genau untersuchen. Jn
dem Schluße, der diese ganze Reihe der Gedanken
unterstützet, ist eine Folge angenommen worden, die
man so leicht nicht wird beweisen können. Es heist:
weil die jährliche Ausbeute der Domainen die Ein-
künfte eines Fürsten als Fürsten giebt, so geben diese
einen solchen Theil der fürstlichen Einkünfte, wobey
die Unterthanen nicht belästiget werden. Jch will es
beweisen, daß diese Folge nicht völlig gegründet sey.
Die Unterthanen können belästiget werden:

Ein-

von den Domainen.
nicht von allen doch von den allermeiſten, die ſich mit
dieſem Gewerbe beſchaͤftigen, anders angeſehen wird,
als es nach der Abſicht der Cammern ſollte angeſehen
werden. Viele Cameraliſten ſchaͤtzen einen Staat
alsdenn gluͤcklich, wenn er eine Menge von Domai-
nen hat. Sie ſchluͤßen, die Domainen ſind Guͤther
des Staats, deren jaͤhrliche Ausbeute die Einkuͤnfte
eines Fuͤrſten als Fuͤrſten (§. 26). Folglich geben
die Domainen einen ſolchen Theil der fuͤrſtlichen Ein-
kuͤnfte, wobey der Unterthan nicht belaͤſtiget wird.
Je groͤßer demnach die Anzahl der Domainen, deſto
mehrere Einkuͤnfte hat ein Fuͤrſt ohne Nachtheil des
Staats zu erwarten. Und daher iſt ein Staat reich
und gluͤcklich, wenn er viele Domainen hat. Dieß
giebt ihnen einen Grund, ferner zu ſchluͤßen. Ein
wahrer Cameraliſt muß fuͤr die Vermehrung der Do-
mainen ſorgen. Folglich dem Fuͤrſten dieſen Rath
geben, daß er erbliche Guͤther, zuruͤckgefallene Lehne
und ſ. ferner zu Domainen mache, und wenn es
moͤglich iſt, daß der Fuͤrſt von ſeinen jaͤhrlichen Ein-
kuͤnften ſo viel erſpare, daß er durch Ankauffung lie-
gender Gruͤnde die Domainen vermehren koͤnne.

§. 28.

Dieſe Gedanken haben einen ſtarken Schein derDieſe ſind
einzuſchraͤn-
ken.

Wahrheit. Er verſchwindet aber, wenn wir die Sa-
che ohne Neben-Abſichten genau unterſuchen. Jn
dem Schluße, der dieſe ganze Reihe der Gedanken
unterſtuͤtzet, iſt eine Folge angenommen worden, die
man ſo leicht nicht wird beweiſen koͤnnen. Es heiſt:
weil die jaͤhrliche Ausbeute der Domainen die Ein-
kuͤnfte eines Fuͤrſten als Fuͤrſten giebt, ſo geben dieſe
einen ſolchen Theil der fuͤrſtlichen Einkuͤnfte, wobey
die Unterthanen nicht belaͤſtiget werden. Jch will es
beweiſen, daß dieſe Folge nicht voͤllig gegruͤndet ſey.
Die Unterthanen koͤnnen belaͤſtiget werden:

Ein-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0595" n="575"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">von den Domainen.</hi></fw><lb/>
nicht von allen doch von den allermei&#x017F;ten, die &#x017F;ich mit<lb/>
die&#x017F;em Gewerbe be&#x017F;cha&#x0364;ftigen, anders ange&#x017F;ehen wird,<lb/>
als es nach der Ab&#x017F;icht der Cammern &#x017F;ollte ange&#x017F;ehen<lb/>
werden. Viele Camerali&#x017F;ten &#x017F;cha&#x0364;tzen einen Staat<lb/>
alsdenn glu&#x0364;cklich, wenn er eine Menge von Domai-<lb/>
nen hat. Sie &#x017F;chlu&#x0364;ßen, die Domainen &#x017F;ind Gu&#x0364;ther<lb/>
des Staats, deren ja&#x0364;hrliche Ausbeute die Einku&#x0364;nfte<lb/>
eines Fu&#x0364;r&#x017F;ten als Fu&#x0364;r&#x017F;ten (§. 26). Folglich geben<lb/>
die Domainen einen &#x017F;olchen Theil der fu&#x0364;r&#x017F;tlichen Ein-<lb/>
ku&#x0364;nfte, wobey der Unterthan nicht bela&#x0364;&#x017F;tiget wird.<lb/>
Je gro&#x0364;ßer demnach die Anzahl der Domainen, de&#x017F;to<lb/>
mehrere Einku&#x0364;nfte hat ein Fu&#x0364;r&#x017F;t ohne Nachtheil des<lb/>
Staats zu erwarten. Und daher i&#x017F;t ein Staat reich<lb/>
und glu&#x0364;cklich, wenn er viele Domainen hat. Dieß<lb/>
giebt ihnen einen Grund, ferner zu &#x017F;chlu&#x0364;ßen. Ein<lb/>
wahrer Camerali&#x017F;t muß fu&#x0364;r die Vermehrung der Do-<lb/>
mainen &#x017F;orgen. Folglich dem Fu&#x0364;r&#x017F;ten die&#x017F;en Rath<lb/>
geben, daß er erbliche Gu&#x0364;ther, zuru&#x0364;ckgefallene Lehne<lb/>
und &#x017F;. ferner zu Domainen mache, und wenn es<lb/>
mo&#x0364;glich i&#x017F;t, daß der Fu&#x0364;r&#x017F;t von &#x017F;einen ja&#x0364;hrlichen Ein-<lb/>
ku&#x0364;nften &#x017F;o viel er&#x017F;pare, daß er durch Ankauffung lie-<lb/>
gender Gru&#x0364;nde die Domainen vermehren ko&#x0364;nne.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 28.</head><lb/>
              <p>Die&#x017F;e Gedanken haben einen &#x017F;tarken Schein der<note place="right">Die&#x017F;e &#x017F;ind<lb/>
einzu&#x017F;chra&#x0364;n-<lb/>
ken.</note><lb/>
Wahrheit. Er ver&#x017F;chwindet aber, wenn wir die Sa-<lb/>
che ohne Neben-Ab&#x017F;ichten genau unter&#x017F;uchen. Jn<lb/>
dem Schluße, der die&#x017F;e ganze Reihe der Gedanken<lb/>
unter&#x017F;tu&#x0364;tzet, i&#x017F;t eine Folge angenommen worden, die<lb/>
man &#x017F;o leicht nicht wird bewei&#x017F;en ko&#x0364;nnen. Es hei&#x017F;t:<lb/>
weil die ja&#x0364;hrliche Ausbeute der Domainen die Ein-<lb/>
ku&#x0364;nfte eines Fu&#x0364;r&#x017F;ten als Fu&#x0364;r&#x017F;ten giebt, &#x017F;o geben die&#x017F;e<lb/>
einen &#x017F;olchen Theil der fu&#x0364;r&#x017F;tlichen Einku&#x0364;nfte, wobey<lb/>
die Unterthanen nicht bela&#x0364;&#x017F;tiget werden. Jch will es<lb/>
bewei&#x017F;en, daß die&#x017F;e Folge nicht vo&#x0364;llig gegru&#x0364;ndet &#x017F;ey.<lb/>
Die Unterthanen ko&#x0364;nnen bela&#x0364;&#x017F;tiget werden:</p><lb/>
              <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#fr">Ein-</hi> </fw><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[575/0595] von den Domainen. nicht von allen doch von den allermeiſten, die ſich mit dieſem Gewerbe beſchaͤftigen, anders angeſehen wird, als es nach der Abſicht der Cammern ſollte angeſehen werden. Viele Cameraliſten ſchaͤtzen einen Staat alsdenn gluͤcklich, wenn er eine Menge von Domai- nen hat. Sie ſchluͤßen, die Domainen ſind Guͤther des Staats, deren jaͤhrliche Ausbeute die Einkuͤnfte eines Fuͤrſten als Fuͤrſten (§. 26). Folglich geben die Domainen einen ſolchen Theil der fuͤrſtlichen Ein- kuͤnfte, wobey der Unterthan nicht belaͤſtiget wird. Je groͤßer demnach die Anzahl der Domainen, deſto mehrere Einkuͤnfte hat ein Fuͤrſt ohne Nachtheil des Staats zu erwarten. Und daher iſt ein Staat reich und gluͤcklich, wenn er viele Domainen hat. Dieß giebt ihnen einen Grund, ferner zu ſchluͤßen. Ein wahrer Cameraliſt muß fuͤr die Vermehrung der Do- mainen ſorgen. Folglich dem Fuͤrſten dieſen Rath geben, daß er erbliche Guͤther, zuruͤckgefallene Lehne und ſ. ferner zu Domainen mache, und wenn es moͤglich iſt, daß der Fuͤrſt von ſeinen jaͤhrlichen Ein- kuͤnften ſo viel erſpare, daß er durch Ankauffung lie- gender Gruͤnde die Domainen vermehren koͤnne. §. 28. Dieſe Gedanken haben einen ſtarken Schein der Wahrheit. Er verſchwindet aber, wenn wir die Sa- che ohne Neben-Abſichten genau unterſuchen. Jn dem Schluße, der dieſe ganze Reihe der Gedanken unterſtuͤtzet, iſt eine Folge angenommen worden, die man ſo leicht nicht wird beweiſen koͤnnen. Es heiſt: weil die jaͤhrliche Ausbeute der Domainen die Ein- kuͤnfte eines Fuͤrſten als Fuͤrſten giebt, ſo geben dieſe einen ſolchen Theil der fuͤrſtlichen Einkuͤnfte, wobey die Unterthanen nicht belaͤſtiget werden. Jch will es beweiſen, daß dieſe Folge nicht voͤllig gegruͤndet ſey. Die Unterthanen koͤnnen belaͤſtiget werden: Dieſe ſind einzuſchraͤn- ken. Ein-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/595
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 575. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/595>, abgerufen am 18.01.2020.