Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite

von den Regalien.
daher kann sie den Aufwand unter sehr viele Klaftern
vertheilen. Sie hat es endlich nicht nöthig, das Jn-
teresse von dem ausgelegten Capital so hoch anzuschla-
gen, als ein Privat-Mann. Sie kann ihre Einrich-
tung also machen, daß die Gelder, welche die Rech-
nungs-Führer der Cammer liefern, erst durch diesen
Handel in die Cammer kommen, und also gewinnet
sie schon genug, wenn sie auch nur zwey pro cent ge-
winnet. Die letzte Eigenschaft ist leicht zu beweisen.
Die Cammer besorget die Holz-Angelegenheiten in Be-
ziehung aufs ganze. Daher kann sie es am besten bestim-
men, wie das Holz nach der Beschaffenheit der angrenzen-
den Städte und Dörfer zu gewissen Absichten zu pflegen
und zu fällen. An dem einen Ort verdienet das Bau-
Holz, an einem andern das Holz zu den Fäßern, wie-
derum an einem andern das Wagen-Holz, an einem
andern das Holz zum Schifbau, an einem andern zum
brennen und zum Nutzen der Gewerke und so ferner,
einen Vorzug. Nunmehro wird man den Schluß,
der aus diesem folget, ohne Widerrede verwilligen,
daß nemlich das Holz in dem Lande alsdenn in dem
geringsten Preise stehen könne, wenn die Verwaltung
der Holzungen und der Holz- Handel der Cammer
überlassen wird.

§. 50.

Jch will diesem noch eins hinzufügen das merklichFernere Be-
vestigung
dieser Lehre.

ist, und was unsere Gedanken noch mehr unterstützet.
Wenn man Cammer-Angelegenheiten beurtheilen will,
so muß man nicht auf ein Jahr, sondern auf die Fol-
gen der Zeit sehen. Es ist eine Erfahrung, daß das
Holz fast jährlich theurer wird. Man untersuche die
Ursache, und alsdenn vergleiche man diese mit der von
uns beschriebenen Einrichtung. Man muß alsdenn
schlüßen, daß hiedurch das Holz beständig in einem
Preise bleiben könne. Jst dieß nicht ein merklicher
Vortheil, den das ganze Land gewinnet?

§. 51.
P p 3

von den Regalien.
daher kann ſie den Aufwand unter ſehr viele Klaftern
vertheilen. Sie hat es endlich nicht noͤthig, das Jn-
tereſſe von dem ausgelegten Capital ſo hoch anzuſchla-
gen, als ein Privat-Mann. Sie kann ihre Einrich-
tung alſo machen, daß die Gelder, welche die Rech-
nungs-Fuͤhrer der Cammer liefern, erſt durch dieſen
Handel in die Cammer kommen, und alſo gewinnet
ſie ſchon genug, wenn ſie auch nur zwey pro cent ge-
winnet. Die letzte Eigenſchaft iſt leicht zu beweiſen.
Die Cammer beſorget die Holz-Angelegenheiten in Be-
ziehung aufs ganze. Daher kann ſie es am beſten beſtim-
men, wie das Holz nach der Beſchaffenheit der angrenzen-
den Staͤdte und Doͤrfer zu gewiſſen Abſichten zu pflegen
und zu faͤllen. An dem einen Ort verdienet das Bau-
Holz, an einem andern das Holz zu den Faͤßern, wie-
derum an einem andern das Wagen-Holz, an einem
andern das Holz zum Schifbau, an einem andern zum
brennen und zum Nutzen der Gewerke und ſo ferner,
einen Vorzug. Nunmehro wird man den Schluß,
der aus dieſem folget, ohne Widerrede verwilligen,
daß nemlich das Holz in dem Lande alsdenn in dem
geringſten Preiſe ſtehen koͤnne, wenn die Verwaltung
der Holzungen und der Holz- Handel der Cammer
uͤberlaſſen wird.

§. 50.

Jch will dieſem noch eins hinzufuͤgen das merklichFernere Be-
veſtigung
dieſer Lehre.

iſt, und was unſere Gedanken noch mehr unterſtuͤtzet.
Wenn man Cammer-Angelegenheiten beurtheilen will,
ſo muß man nicht auf ein Jahr, ſondern auf die Fol-
gen der Zeit ſehen. Es iſt eine Erfahrung, daß das
Holz faſt jaͤhrlich theurer wird. Man unterſuche die
Urſache, und alsdenn vergleiche man dieſe mit der von
uns beſchriebenen Einrichtung. Man muß alsdenn
ſchluͤßen, daß hiedurch das Holz beſtaͤndig in einem
Preiſe bleiben koͤnne. Jſt dieß nicht ein merklicher
Vortheil, den das ganze Land gewinnet?

§. 51.
P p 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0617" n="597"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">von den Regalien.</hi></fw><lb/>
daher kann &#x017F;ie den Aufwand unter &#x017F;ehr viele Klaftern<lb/>
vertheilen. Sie hat es endlich nicht no&#x0364;thig, das Jn-<lb/>
tere&#x017F;&#x017F;e von dem ausgelegten Capital &#x017F;o hoch anzu&#x017F;chla-<lb/>
gen, als ein Privat-Mann. Sie kann ihre Einrich-<lb/>
tung al&#x017F;o machen, daß die Gelder, welche die Rech-<lb/>
nungs-Fu&#x0364;hrer der Cammer liefern, er&#x017F;t durch die&#x017F;en<lb/>
Handel in die Cammer kommen, und al&#x017F;o gewinnet<lb/>
&#x017F;ie &#x017F;chon genug, wenn &#x017F;ie auch nur zwey <hi rendition="#aq">pro cent</hi> ge-<lb/>
winnet. Die letzte Eigen&#x017F;chaft i&#x017F;t leicht zu bewei&#x017F;en.<lb/>
Die Cammer be&#x017F;orget die Holz-Angelegenheiten in Be-<lb/>
ziehung aufs ganze. Daher kann &#x017F;ie es am be&#x017F;ten be&#x017F;tim-<lb/>
men, wie das Holz nach der Be&#x017F;chaffenheit der angrenzen-<lb/>
den Sta&#x0364;dte und Do&#x0364;rfer zu gewi&#x017F;&#x017F;en Ab&#x017F;ichten zu pflegen<lb/>
und zu fa&#x0364;llen. An dem einen Ort verdienet das Bau-<lb/>
Holz, an einem andern das Holz zu den Fa&#x0364;ßern, wie-<lb/>
derum an einem andern das Wagen-Holz, an einem<lb/>
andern das Holz zum Schifbau, an einem andern zum<lb/>
brennen und zum Nutzen der Gewerke und &#x017F;o ferner,<lb/>
einen Vorzug. Nunmehro wird man den Schluß,<lb/>
der aus die&#x017F;em folget, ohne Widerrede verwilligen,<lb/>
daß nemlich das Holz in dem Lande alsdenn in dem<lb/>
gering&#x017F;ten Prei&#x017F;e &#x017F;tehen ko&#x0364;nne, wenn die Verwaltung<lb/>
der Holzungen und der Holz- Handel der Cammer<lb/>
u&#x0364;berla&#x017F;&#x017F;en wird.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 50.</head><lb/>
              <p>Jch will die&#x017F;em noch eins hinzufu&#x0364;gen das merklich<note place="right">Fernere Be-<lb/>
ve&#x017F;tigung<lb/>
die&#x017F;er Lehre.</note><lb/>
i&#x017F;t, und was un&#x017F;ere Gedanken noch mehr unter&#x017F;tu&#x0364;tzet.<lb/>
Wenn man Cammer-Angelegenheiten beurtheilen will,<lb/>
&#x017F;o muß man nicht auf ein Jahr, &#x017F;ondern auf die Fol-<lb/>
gen der Zeit &#x017F;ehen. Es i&#x017F;t eine Erfahrung, daß das<lb/>
Holz fa&#x017F;t ja&#x0364;hrlich theurer wird. Man unter&#x017F;uche die<lb/>
Ur&#x017F;ache, und alsdenn vergleiche man die&#x017F;e mit der von<lb/>
uns be&#x017F;chriebenen Einrichtung. Man muß alsdenn<lb/>
&#x017F;chlu&#x0364;ßen, daß hiedurch das Holz be&#x017F;ta&#x0364;ndig in einem<lb/>
Prei&#x017F;e bleiben ko&#x0364;nne. J&#x017F;t dieß nicht ein merklicher<lb/>
Vortheil, den das ganze Land gewinnet?</p>
            </div><lb/>
            <fw place="bottom" type="sig">P p 3</fw>
            <fw place="bottom" type="catch">§. 51.</fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[597/0617] von den Regalien. daher kann ſie den Aufwand unter ſehr viele Klaftern vertheilen. Sie hat es endlich nicht noͤthig, das Jn- tereſſe von dem ausgelegten Capital ſo hoch anzuſchla- gen, als ein Privat-Mann. Sie kann ihre Einrich- tung alſo machen, daß die Gelder, welche die Rech- nungs-Fuͤhrer der Cammer liefern, erſt durch dieſen Handel in die Cammer kommen, und alſo gewinnet ſie ſchon genug, wenn ſie auch nur zwey pro cent ge- winnet. Die letzte Eigenſchaft iſt leicht zu beweiſen. Die Cammer beſorget die Holz-Angelegenheiten in Be- ziehung aufs ganze. Daher kann ſie es am beſten beſtim- men, wie das Holz nach der Beſchaffenheit der angrenzen- den Staͤdte und Doͤrfer zu gewiſſen Abſichten zu pflegen und zu faͤllen. An dem einen Ort verdienet das Bau- Holz, an einem andern das Holz zu den Faͤßern, wie- derum an einem andern das Wagen-Holz, an einem andern das Holz zum Schifbau, an einem andern zum brennen und zum Nutzen der Gewerke und ſo ferner, einen Vorzug. Nunmehro wird man den Schluß, der aus dieſem folget, ohne Widerrede verwilligen, daß nemlich das Holz in dem Lande alsdenn in dem geringſten Preiſe ſtehen koͤnne, wenn die Verwaltung der Holzungen und der Holz- Handel der Cammer uͤberlaſſen wird. §. 50. Jch will dieſem noch eins hinzufuͤgen das merklich iſt, und was unſere Gedanken noch mehr unterſtuͤtzet. Wenn man Cammer-Angelegenheiten beurtheilen will, ſo muß man nicht auf ein Jahr, ſondern auf die Fol- gen der Zeit ſehen. Es iſt eine Erfahrung, daß das Holz faſt jaͤhrlich theurer wird. Man unterſuche die Urſache, und alsdenn vergleiche man dieſe mit der von uns beſchriebenen Einrichtung. Man muß alsdenn ſchluͤßen, daß hiedurch das Holz beſtaͤndig in einem Preiſe bleiben koͤnne. Jſt dieß nicht ein merklicher Vortheil, den das ganze Land gewinnet? Fernere Be- veſtigung dieſer Lehre. §. 51. P p 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/617
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 597. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/617>, abgerufen am 14.10.2019.