Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite
Des Cammer-Wesens 2. Abschnitt,
§. 51.
Jn Ansehung
dieser Lehre
sind noch ver-
schiedene
Einwürfe
möglich.
Der ersit.

So wohl der Privat-Mann als auch die Cammer
können dieser Lehre noch etwas entgegen setzen. Wir
wollen diese Einwürfe beschreiben, entkräften, und
hiedurch unsere Lehre noch mehr erläutern und beve-
stigen. Der Privat-Mann, der einige Holzungen eigen-
thümlich besitzet, wird sprechen: es ist mir gefährlich,
daß ich die Verwaltung meiner Holzungen der Cam-
mer überlassen soll. Es ist unmöglich, daß ich hie-
bey so viel gewinnen kan, als wenn ich meine freye
Hand behalte. Wie leicht kann es geschehen, daß die
Cammer zu weit gehet, und mit meinem Holze anders
wirthschaftet, als ich es wünsche. Diesen gebe ich in
Ansehung des ersten Punks zur Ueberlegung, daß es
die Pflicht eines redlichen Bürgers sey, bey dem Ge-
brauch seines Eigenthums allemahl auf den Nutzen
der ganzen Gesellschaft zu sehen. Geschiehet dieß, so
verschwindet der erste Theil des Einwurfs. Siehe §.
58. Diese Betrachtung wird auch zum Theil das an-
dere Stück des gemachten Einwurfs entkräften, unser
Verlangen muß der Pflicht eines redlichen Bürgers
nicht widersprechen. Das andere Stück dieses Ein-
wurfs findet alsdenn nur statt, wenn die Cammer mit
unächten Cameralisten ist besetzet worden. Jst dieses,
so wird es überhaupt mit dem Flor des Staats sehr
schlecht aussehen. Ziehet der Privat-Mann alsdenn
die Rechnung seiner ganzen Wirthschaft, so wird er
es bald merken, daß er es theuer genug bezahlen muß,
wenn er die Freyheit behält, mit seinem Holze nach sei-
nem Wunsch zu wirthschaften.

§. 52.
Der andere.

Der Privat-Mann, der zwar keine Holzungen eigen-
thümlich besitzet, aber doch mit dem Holze gehandelt,
wird sprechen: wo bleibt bey dieser Lehre meine Nah-
rung? Jst das nicht wider das Cammer-Jnteresse

einem
Des Cammer-Weſens 2. Abſchnitt,
§. 51.
Jn Anſehung
dieſer Lehre
ſind noch ver-
ſchiedene
Einwuͤrfe
moͤglich.
Der erſit.

So wohl der Privat-Mann als auch die Cammer
koͤnnen dieſer Lehre noch etwas entgegen ſetzen. Wir
wollen dieſe Einwuͤrfe beſchreiben, entkraͤften, und
hiedurch unſere Lehre noch mehr erlaͤutern und beve-
ſtigen. Der Privat-Mann, der einige Holzungen eigen-
thuͤmlich beſitzet, wird ſprechen: es iſt mir gefaͤhrlich,
daß ich die Verwaltung meiner Holzungen der Cam-
mer uͤberlaſſen ſoll. Es iſt unmoͤglich, daß ich hie-
bey ſo viel gewinnen kan, als wenn ich meine freye
Hand behalte. Wie leicht kann es geſchehen, daß die
Cammer zu weit gehet, und mit meinem Holze anders
wirthſchaftet, als ich es wuͤnſche. Dieſen gebe ich in
Anſehung des erſten Punks zur Ueberlegung, daß es
die Pflicht eines redlichen Buͤrgers ſey, bey dem Ge-
brauch ſeines Eigenthums allemahl auf den Nutzen
der ganzen Geſellſchaft zu ſehen. Geſchiehet dieß, ſo
verſchwindet der erſte Theil des Einwurfs. Siehe §.
58. Dieſe Betrachtung wird auch zum Theil das an-
dere Stuͤck des gemachten Einwurfs entkraͤften, unſer
Verlangen muß der Pflicht eines redlichen Buͤrgers
nicht widerſprechen. Das andere Stuͤck dieſes Ein-
wurfs findet alsdenn nur ſtatt, wenn die Cammer mit
unaͤchten Cameraliſten iſt beſetzet worden. Jſt dieſes,
ſo wird es uͤberhaupt mit dem Flor des Staats ſehr
ſchlecht ausſehen. Ziehet der Privat-Mann alsdenn
die Rechnung ſeiner ganzen Wirthſchaft, ſo wird er
es bald merken, daß er es theuer genug bezahlen muß,
wenn er die Freyheit behaͤlt, mit ſeinem Holze nach ſei-
nem Wunſch zu wirthſchaften.

§. 52.
Der andere.

Der Privat-Mann, der zwar keine Holzungen eigen-
thuͤmlich beſitzet, aber doch mit dem Holze gehandelt,
wird ſprechen: wo bleibt bey dieſer Lehre meine Nah-
rung? Jſt das nicht wider das Cammer-Jntereſſe

einem
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0618" n="598"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Des Cammer-We&#x017F;ens 2. Ab&#x017F;chnitt,</hi> </fw><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 51.</head><lb/>
              <note place="left">Jn An&#x017F;ehung<lb/>
die&#x017F;er Lehre<lb/>
&#x017F;ind noch ver-<lb/>
&#x017F;chiedene<lb/>
Einwu&#x0364;rfe<lb/>
mo&#x0364;glich.<lb/>
Der er&#x017F;it.</note>
              <p>So wohl der Privat-Mann als auch die Cammer<lb/>
ko&#x0364;nnen die&#x017F;er Lehre noch etwas entgegen &#x017F;etzen. Wir<lb/>
wollen die&#x017F;e Einwu&#x0364;rfe be&#x017F;chreiben, entkra&#x0364;ften, und<lb/>
hiedurch un&#x017F;ere Lehre noch mehr erla&#x0364;utern und beve-<lb/>
&#x017F;tigen. Der Privat-Mann, der einige Holzungen eigen-<lb/>
thu&#x0364;mlich be&#x017F;itzet, wird &#x017F;prechen: es i&#x017F;t mir gefa&#x0364;hrlich,<lb/>
daß ich die Verwaltung meiner Holzungen der Cam-<lb/>
mer u&#x0364;berla&#x017F;&#x017F;en &#x017F;oll. Es i&#x017F;t unmo&#x0364;glich, daß ich hie-<lb/>
bey &#x017F;o viel gewinnen kan, als wenn ich meine freye<lb/>
Hand behalte. Wie leicht kann es ge&#x017F;chehen, daß die<lb/>
Cammer zu weit gehet, und mit meinem Holze anders<lb/>
wirth&#x017F;chaftet, als ich es wu&#x0364;n&#x017F;che. Die&#x017F;en gebe ich in<lb/>
An&#x017F;ehung des er&#x017F;ten Punks zur Ueberlegung, daß es<lb/>
die Pflicht eines redlichen Bu&#x0364;rgers &#x017F;ey, bey dem Ge-<lb/>
brauch &#x017F;eines Eigenthums allemahl auf den Nutzen<lb/>
der ganzen Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft zu &#x017F;ehen. Ge&#x017F;chiehet dieß, &#x017F;o<lb/>
ver&#x017F;chwindet der er&#x017F;te Theil des Einwurfs. Siehe §.<lb/>
58. Die&#x017F;e Betrachtung wird auch zum Theil das an-<lb/>
dere Stu&#x0364;ck des gemachten Einwurfs entkra&#x0364;ften, un&#x017F;er<lb/>
Verlangen muß der Pflicht eines redlichen Bu&#x0364;rgers<lb/>
nicht wider&#x017F;prechen. Das andere Stu&#x0364;ck die&#x017F;es Ein-<lb/>
wurfs findet alsdenn nur &#x017F;tatt, wenn die Cammer mit<lb/>
una&#x0364;chten Camerali&#x017F;ten i&#x017F;t be&#x017F;etzet worden. J&#x017F;t die&#x017F;es,<lb/>
&#x017F;o wird es u&#x0364;berhaupt mit dem Flor des Staats &#x017F;ehr<lb/>
&#x017F;chlecht aus&#x017F;ehen. Ziehet der Privat-Mann alsdenn<lb/>
die Rechnung &#x017F;einer ganzen Wirth&#x017F;chaft, &#x017F;o wird er<lb/>
es bald merken, daß er es theuer genug bezahlen muß,<lb/>
wenn er die Freyheit beha&#x0364;lt, mit &#x017F;einem Holze nach &#x017F;ei-<lb/>
nem Wun&#x017F;ch zu wirth&#x017F;chaften.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 52.</head><lb/>
              <note place="left">Der andere.</note>
              <p>Der Privat-Mann, der zwar keine Holzungen eigen-<lb/>
thu&#x0364;mlich be&#x017F;itzet, aber doch mit dem Holze gehandelt,<lb/>
wird &#x017F;prechen: wo bleibt bey die&#x017F;er Lehre meine Nah-<lb/>
rung? J&#x017F;t das nicht wider das Cammer-Jntere&#x017F;&#x017F;e<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">einem</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[598/0618] Des Cammer-Weſens 2. Abſchnitt, §. 51. So wohl der Privat-Mann als auch die Cammer koͤnnen dieſer Lehre noch etwas entgegen ſetzen. Wir wollen dieſe Einwuͤrfe beſchreiben, entkraͤften, und hiedurch unſere Lehre noch mehr erlaͤutern und beve- ſtigen. Der Privat-Mann, der einige Holzungen eigen- thuͤmlich beſitzet, wird ſprechen: es iſt mir gefaͤhrlich, daß ich die Verwaltung meiner Holzungen der Cam- mer uͤberlaſſen ſoll. Es iſt unmoͤglich, daß ich hie- bey ſo viel gewinnen kan, als wenn ich meine freye Hand behalte. Wie leicht kann es geſchehen, daß die Cammer zu weit gehet, und mit meinem Holze anders wirthſchaftet, als ich es wuͤnſche. Dieſen gebe ich in Anſehung des erſten Punks zur Ueberlegung, daß es die Pflicht eines redlichen Buͤrgers ſey, bey dem Ge- brauch ſeines Eigenthums allemahl auf den Nutzen der ganzen Geſellſchaft zu ſehen. Geſchiehet dieß, ſo verſchwindet der erſte Theil des Einwurfs. Siehe §. 58. Dieſe Betrachtung wird auch zum Theil das an- dere Stuͤck des gemachten Einwurfs entkraͤften, unſer Verlangen muß der Pflicht eines redlichen Buͤrgers nicht widerſprechen. Das andere Stuͤck dieſes Ein- wurfs findet alsdenn nur ſtatt, wenn die Cammer mit unaͤchten Cameraliſten iſt beſetzet worden. Jſt dieſes, ſo wird es uͤberhaupt mit dem Flor des Staats ſehr ſchlecht ausſehen. Ziehet der Privat-Mann alsdenn die Rechnung ſeiner ganzen Wirthſchaft, ſo wird er es bald merken, daß er es theuer genug bezahlen muß, wenn er die Freyheit behaͤlt, mit ſeinem Holze nach ſei- nem Wunſch zu wirthſchaften. §. 52. Der Privat-Mann, der zwar keine Holzungen eigen- thuͤmlich beſitzet, aber doch mit dem Holze gehandelt, wird ſprechen: wo bleibt bey dieſer Lehre meine Nah- rung? Jſt das nicht wider das Cammer-Jntereſſe einem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/618
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 598. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/618>, abgerufen am 17.10.2019.