Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite
Beschaffenheit derjenigen Dinge, in welche etc.

Die erste ist diese: Die Natur kan keinDie erste
Regel.

Ding von einer bestimmten Art vollkommen
würken, wenn nicht der elementarische Saft von
der Art dieses Dinges gehörig coaguliret ist.

Der Beweiß ist dieser: Die Natur würket keine
Dinge von einer bestimmten Art, als durch deren
Saamen (§. 3). Das wesentliche Stük in diesem
ist der Kern (§. 4), der nichts anders ist als ein coa-
gulirter Saft (§. 6.), der dieß in sich fast, wodurch
ein Ding von einer bestimmten Art möglich ist (§. 5. 18).
Die Zergliederer der Natur nennen diesen Saft den
elementarischen. Es ist demnach klar, daß die Natur
kein Ding von einer bestimmten Art würket, wenn
nicht der elementarische Saft von der Art dieses
Dinges zusammen geronnen ist. Da nun nicht eine
jede Zusammenrinnung dieses Saftes vermögend ist
ein vollkommenes Werk der Natur von der bestimmten
Art zu liefern (§. 5); so folget es, daß diese Zusam-
menrinnung müsse gehörig seyn.

§. 21.

Man wird uns fragen einmahl, was wird hierzuDer Jnnhalt
dieser wird
genauer er-
kläret.

erfodert, wenn die Zusammenrinnung dieses Saftes
gehörig seyn soll? Fürs andere woraus erkennen
wir es, wenn diese Zusammenrinnung gehörig ist?
Es würde mir angenehm seyn, wenn ich, die erste
Frage zu beantworten, vermögend wäre. Allein ich
muß in diesem Stükke meine Unwissenheit gestehen,
und ich habe noch keinen gelesen, der mich so weit un-
terrichtet hat, daß ich mir von diesem Dinge habe einen
Begrif machen können. Bis hieher hat noch keiner
durch die Kunst einen Saamen verfertiget, man ist
vielmehr genöthiget worden, dieß Werk allein der
Natur zu überlassen.

§. 22.
D
Beſchaffenheit derjenigen Dinge, in welche ꝛc.

Die erſte iſt dieſe: Die Natur kan keinDie erſte
Regel.

Ding von einer beſtimmten Art vollkommen
wuͤrken, wenn nicht der elementariſche Saft von
der Art dieſes Dinges gehoͤrig coaguliret iſt.

Der Beweiß iſt dieſer: Die Natur wuͤrket keine
Dinge von einer beſtimmten Art, als durch deren
Saamen (§. 3). Das weſentliche Stuͤk in dieſem
iſt der Kern (§. 4), der nichts anders iſt als ein coa-
gulirter Saft (§. 6.), der dieß in ſich faſt, wodurch
ein Ding von einer beſtimmten Art moͤglich iſt (§. 5. 18).
Die Zergliederer der Natur nennen dieſen Saft den
elementariſchen. Es iſt demnach klar, daß die Natur
kein Ding von einer beſtimmten Art wuͤrket, wenn
nicht der elementariſche Saft von der Art dieſes
Dinges zuſammen geronnen iſt. Da nun nicht eine
jede Zuſammenrinnung dieſes Saftes vermoͤgend iſt
ein vollkommenes Werk der Natur von der beſtimmten
Art zu liefern (§. 5); ſo folget es, daß dieſe Zuſam-
menrinnung muͤſſe gehoͤrig ſeyn.

§. 21.

Man wird uns fragen einmahl, was wird hierzuDer Jnnhalt
dieſer wird
genauer er-
klaͤret.

erfodert, wenn die Zuſammenrinnung dieſes Saftes
gehoͤrig ſeyn ſoll? Fuͤrs andere woraus erkennen
wir es, wenn dieſe Zuſammenrinnung gehoͤrig iſt?
Es wuͤrde mir angenehm ſeyn, wenn ich, die erſte
Frage zu beantworten, vermoͤgend waͤre. Allein ich
muß in dieſem Stuͤkke meine Unwiſſenheit geſtehen,
und ich habe noch keinen geleſen, der mich ſo weit un-
terrichtet hat, daß ich mir von dieſem Dinge habe einen
Begrif machen koͤnnen. Bis hieher hat noch keiner
durch die Kunſt einen Saamen verfertiget, man iſt
vielmehr genoͤthiget worden, dieß Werk allein der
Natur zu uͤberlaſſen.

§. 22.
D
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <pb facs="#f0069" n="49"/>
              <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Be&#x017F;chaffenheit derjenigen Dinge, in welche &#xA75B;c.</hi> </fw><lb/>
              <p>Die er&#x017F;te i&#x017F;t die&#x017F;e: <hi rendition="#fr">Die Natur kan kein</hi><note place="right">Die er&#x017F;te<lb/>
Regel.</note><lb/><hi rendition="#fr">Ding von einer be&#x017F;timmten Art vollkommen<lb/>
wu&#x0364;rken, wenn nicht der elementari&#x017F;che Saft von<lb/>
der Art die&#x017F;es Dinges geho&#x0364;rig coaguliret i&#x017F;t.</hi><lb/>
Der Beweiß i&#x017F;t die&#x017F;er: Die Natur wu&#x0364;rket keine<lb/>
Dinge von einer be&#x017F;timmten Art, als durch deren<lb/>
Saamen (§. 3). Das we&#x017F;entliche Stu&#x0364;k in die&#x017F;em<lb/>
i&#x017F;t der Kern (§. 4), der nichts anders i&#x017F;t als ein coa-<lb/>
gulirter Saft (§. 6.), der dieß in &#x017F;ich fa&#x017F;t, wodurch<lb/>
ein Ding von einer be&#x017F;timmten Art mo&#x0364;glich i&#x017F;t (§. 5. 18).<lb/>
Die Zergliederer der Natur nennen die&#x017F;en Saft den<lb/><hi rendition="#fr">elementari&#x017F;chen.</hi> Es i&#x017F;t demnach klar, daß die Natur<lb/>
kein Ding von einer be&#x017F;timmten Art wu&#x0364;rket, wenn<lb/>
nicht der elementari&#x017F;che Saft von der Art die&#x017F;es<lb/>
Dinges zu&#x017F;ammen geronnen i&#x017F;t. Da nun nicht eine<lb/>
jede Zu&#x017F;ammenrinnung die&#x017F;es Saftes vermo&#x0364;gend i&#x017F;t<lb/>
ein vollkommenes Werk der Natur von der be&#x017F;timmten<lb/>
Art zu liefern (§. 5); &#x017F;o folget es, daß die&#x017F;e Zu&#x017F;am-<lb/>
menrinnung mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e geho&#x0364;rig &#x017F;eyn.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 21.</head><lb/>
              <p>Man wird uns fragen <hi rendition="#fr">einmahl,</hi> was wird hierzu<note place="right">Der Jnnhalt<lb/>
die&#x017F;er wird<lb/>
genauer er-<lb/>
kla&#x0364;ret.</note><lb/>
erfodert, wenn die Zu&#x017F;ammenrinnung die&#x017F;es Saftes<lb/>
geho&#x0364;rig &#x017F;eyn &#x017F;oll? <hi rendition="#fr">Fu&#x0364;rs andere</hi> woraus erkennen<lb/>
wir es, wenn die&#x017F;e Zu&#x017F;ammenrinnung geho&#x0364;rig i&#x017F;t?<lb/>
Es wu&#x0364;rde mir angenehm &#x017F;eyn, wenn ich, die er&#x017F;te<lb/>
Frage zu beantworten, vermo&#x0364;gend wa&#x0364;re. Allein ich<lb/>
muß in die&#x017F;em Stu&#x0364;kke meine Unwi&#x017F;&#x017F;enheit ge&#x017F;tehen,<lb/>
und ich habe noch keinen gele&#x017F;en, der mich &#x017F;o weit un-<lb/>
terrichtet hat, daß ich mir von die&#x017F;em Dinge habe einen<lb/>
Begrif machen ko&#x0364;nnen. Bis hieher hat noch keiner<lb/>
durch die Kun&#x017F;t einen Saamen verfertiget, man i&#x017F;t<lb/>
vielmehr geno&#x0364;thiget worden, dieß Werk allein der<lb/>
Natur zu u&#x0364;berla&#x017F;&#x017F;en.</p>
            </div><lb/>
            <fw place="bottom" type="sig">D</fw>
            <fw place="bottom" type="catch">§. 22.</fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[49/0069] Beſchaffenheit derjenigen Dinge, in welche ꝛc. Die erſte iſt dieſe: Die Natur kan kein Ding von einer beſtimmten Art vollkommen wuͤrken, wenn nicht der elementariſche Saft von der Art dieſes Dinges gehoͤrig coaguliret iſt. Der Beweiß iſt dieſer: Die Natur wuͤrket keine Dinge von einer beſtimmten Art, als durch deren Saamen (§. 3). Das weſentliche Stuͤk in dieſem iſt der Kern (§. 4), der nichts anders iſt als ein coa- gulirter Saft (§. 6.), der dieß in ſich faſt, wodurch ein Ding von einer beſtimmten Art moͤglich iſt (§. 5. 18). Die Zergliederer der Natur nennen dieſen Saft den elementariſchen. Es iſt demnach klar, daß die Natur kein Ding von einer beſtimmten Art wuͤrket, wenn nicht der elementariſche Saft von der Art dieſes Dinges zuſammen geronnen iſt. Da nun nicht eine jede Zuſammenrinnung dieſes Saftes vermoͤgend iſt ein vollkommenes Werk der Natur von der beſtimmten Art zu liefern (§. 5); ſo folget es, daß dieſe Zuſam- menrinnung muͤſſe gehoͤrig ſeyn. Die erſte Regel. §. 21. Man wird uns fragen einmahl, was wird hierzu erfodert, wenn die Zuſammenrinnung dieſes Saftes gehoͤrig ſeyn ſoll? Fuͤrs andere woraus erkennen wir es, wenn dieſe Zuſammenrinnung gehoͤrig iſt? Es wuͤrde mir angenehm ſeyn, wenn ich, die erſte Frage zu beantworten, vermoͤgend waͤre. Allein ich muß in dieſem Stuͤkke meine Unwiſſenheit geſtehen, und ich habe noch keinen geleſen, der mich ſo weit un- terrichtet hat, daß ich mir von dieſem Dinge habe einen Begrif machen koͤnnen. Bis hieher hat noch keiner durch die Kunſt einen Saamen verfertiget, man iſt vielmehr genoͤthiget worden, dieß Werk allein der Natur zu uͤberlaſſen. Der Jnnhalt dieſer wird genauer er- klaͤret. §. 22. D

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/69
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 49. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/69>, abgerufen am 17.01.2020.