Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darwin, Charles: Insectenfressende Pflanzen. Übers. v. Julius Victor Carus. Stuttgart, 1876.

Bild:
<< vorherige Seite

Pinguicula vulgaris. Cap. 16.
lang auf feuchtem Sande gelassen wurden, keimte doch keiner; mehrere
waren offenbar abgestorben.

Die Wirkungen von Gegenständen, welche keine lösliche stickstoffhaltige Substanz
enthalten.

16. Es ist bereits gezeigt worden, dasz Stückchen Glas auf Blätter
gebracht wenig oder gar keine Absonderung erregen. Die geringe Menge,
welche unter den Glasstückchen lag, wurde geprüft und als nicht sauer
befunden. Ein Stückchen Holz erregte keine Absonderung; ebensowenig
thaten es verschiedene Arten von Samen, deren Hüllen für das Secret
nicht durchgängig waren, welche daher wie anorganische Körper wirkten.
Würfel von Fett, welche zwei Tage lang auf einem Blatte gelassen wur-
den, brachten keine Wirkung hervor.

17. Ein Stückchen weiszen Zuckers, auf ein Blatt gelegt, bewirkte
in 1 Stunde 10 Minuten die Bildung eines groszen Tropfens von Flüssig-
keit, welcher im Verlaufe von 2 weiteren Stunden in den natürlich ein-
gebogenen Rand hineinlief. Diese Flüssigkeit war nicht im mindesten
sauer und fieng in 5 Stunden 30 Minuten einzutrocknen an, oder war
noch wahrscheinlicher aufgesaugt. Der Versuch wurde wiederholt. Es
wurden Stückchen auf ein Blatt gelegt und andere ebenso grosze auf ein
Glasplättchen in angefeuchtetem Zustande; beide wurden mit einer Glas-
glocke zugedeckt. Dies wurde deshalb gethan, um zu sehen, ob die ver-
mehrte Flüssigkeitsmenge auf den Blättern einfach eine Folge des Zer-
flieszens sein könnte; es zeigte sich jedoch, dasz dies nicht der Fall war.
Das Stückchen auf dem Blatte verursachte eine so starke Absonderung,
dasz das Secret im Verlaufe von 4 Stunden quer über zwei Drittel des
Blattes hinablief. Nach 8 Stunden war das Blatt, welches concav war,
factisch mit sehr klebriger Flüssigkeit angefüllt; und es verdient noch
besondere Erwähnung, dasz dieselbe, wie bei der früheren Gelegenheit,
nicht im mindesten sauer war. Man kann die grosze Menge von Secret
der Exosmose zuschreiben. Die Drüsen, welche 24 Stunden lang von dieser
Flüssigkeit bedeckt gewesen waren, wichen, als sie unter dem Mikroskop
untersucht wurden, von andern an demselben Blatte nicht ab, welche
nicht in Berührung mit ihr gekommen waren. Im Gegensatz zu dem aus-
nahmslos beobachteten Zustande der Zusammenballung des Zelleninhalts
der Drüsen, welche von dem Secrete, wenn es animale Substanz in Lösung
gehalten hat, benetzt gewesen waren, ist dies eine interessante Thatsache.

18. Zwei Stückchen arabischen Gummi's wurden auf ein Blatt
gelegt, und in 1 Stunde 20 Minuten bewirkten sie sicher eine unbedeu-
tende Zunahme der Absonderung. Diese fuhr in den nächsten 5 Stunden
fort zuzunehmen, d. h. so lange als das Blatt beobachtet wurde.

19. Sechs kleine Stückchen Stärke, wie sie im Handel ist, wurden
auf ein Blatt gelegt; eines derselben bewirkte in 1 Stunde 15 Minuten
etwas Absonderung, die andern in einer Zeit von 8 bis 9 Stunden. Die
Drüsen, welche hierdurch zur Absonderung gereizt worden waren, wurden
bald trocken und fiengen nicht vor dem sechsten Tage wieder abzuson-
dern an. Ein gröszeres Stück Stärke wurde dann auf ein Blatt gebracht;
in 5 Stunden 30 Minuten wurde keine Secretion erregt; aber nach 8

Pinguicula vulgaris. Cap. 16.
lang auf feuchtem Sande gelassen wurden, keimte doch keiner; mehrere
waren offenbar abgestorben.

Die Wirkungen von Gegenständen, welche keine lösliche stickstoffhaltige Substanz
enthalten.

16. Es ist bereits gezeigt worden, dasz Stückchen Glas auf Blätter
gebracht wenig oder gar keine Absonderung erregen. Die geringe Menge,
welche unter den Glasstückchen lag, wurde geprüft und als nicht sauer
befunden. Ein Stückchen Holz erregte keine Absonderung; ebensowenig
thaten es verschiedene Arten von Samen, deren Hüllen für das Secret
nicht durchgängig waren, welche daher wie anorganische Körper wirkten.
Würfel von Fett, welche zwei Tage lang auf einem Blatte gelassen wur-
den, brachten keine Wirkung hervor.

17. Ein Stückchen weiszen Zuckers, auf ein Blatt gelegt, bewirkte
in 1 Stunde 10 Minuten die Bildung eines groszen Tropfens von Flüssig-
keit, welcher im Verlaufe von 2 weiteren Stunden in den natürlich ein-
gebogenen Rand hineinlief. Diese Flüssigkeit war nicht im mindesten
sauer und fieng in 5 Stunden 30 Minuten einzutrocknen an, oder war
noch wahrscheinlicher aufgesaugt. Der Versuch wurde wiederholt. Es
wurden Stückchen auf ein Blatt gelegt und andere ebenso grosze auf ein
Glasplättchen in angefeuchtetem Zustande; beide wurden mit einer Glas-
glocke zugedeckt. Dies wurde deshalb gethan, um zu sehen, ob die ver-
mehrte Flüssigkeitsmenge auf den Blättern einfach eine Folge des Zer-
flieszens sein könnte; es zeigte sich jedoch, dasz dies nicht der Fall war.
Das Stückchen auf dem Blatte verursachte eine so starke Absonderung,
dasz das Secret im Verlaufe von 4 Stunden quer über zwei Drittel des
Blattes hinablief. Nach 8 Stunden war das Blatt, welches concav war,
factisch mit sehr klebriger Flüssigkeit angefüllt; und es verdient noch
besondere Erwähnung, dasz dieselbe, wie bei der früheren Gelegenheit,
nicht im mindesten sauer war. Man kann die grosze Menge von Secret
der Exosmose zuschreiben. Die Drüsen, welche 24 Stunden lang von dieser
Flüssigkeit bedeckt gewesen waren, wichen, als sie unter dem Mikroskop
untersucht wurden, von andern an demselben Blatte nicht ab, welche
nicht in Berührung mit ihr gekommen waren. Im Gegensatz zu dem aus-
nahmslos beobachteten Zustande der Zusammenballung des Zelleninhalts
der Drüsen, welche von dem Secrete, wenn es animale Substanz in Lösung
gehalten hat, benetzt gewesen waren, ist dies eine interessante Thatsache.

18. Zwei Stückchen arabischen Gummi’s wurden auf ein Blatt
gelegt, und in 1 Stunde 20 Minuten bewirkten sie sicher eine unbedeu-
tende Zunahme der Absonderung. Diese fuhr in den nächsten 5 Stunden
fort zuzunehmen, d. h. so lange als das Blatt beobachtet wurde.

19. Sechs kleine Stückchen Stärke, wie sie im Handel ist, wurden
auf ein Blatt gelegt; eines derselben bewirkte in 1 Stunde 15 Minuten
etwas Absonderung, die andern in einer Zeit von 8 bis 9 Stunden. Die
Drüsen, welche hierdurch zur Absonderung gereizt worden waren, wurden
bald trocken und fiengen nicht vor dem sechsten Tage wieder abzuson-
dern an. Ein gröszeres Stück Stärke wurde dann auf ein Blatt gebracht;
in 5 Stunden 30 Minuten wurde keine Secretion erregt; aber nach 8

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0364" n="350"/><fw place="top" type="header">Pinguicula vulgaris. Cap. 16.</fw><lb/>
lang auf feuchtem Sande gelassen wurden, keimte doch keiner; mehrere<lb/>
waren offenbar abgestorben.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Die Wirkungen von Gegenständen, welche keine lösliche stickstoffhaltige Substanz<lb/>
enthalten.</hi> </head><lb/>
          <p>16. Es ist bereits gezeigt worden, dasz Stückchen Glas auf Blätter<lb/>
gebracht wenig oder gar keine Absonderung erregen. Die geringe Menge,<lb/>
welche unter den Glasstückchen lag, wurde geprüft und als nicht sauer<lb/>
befunden. Ein Stückchen Holz erregte keine Absonderung; ebensowenig<lb/>
thaten es verschiedene Arten von Samen, deren Hüllen für das Secret<lb/>
nicht durchgängig waren, welche daher wie anorganische Körper wirkten.<lb/>
Würfel von Fett, welche zwei Tage lang auf einem Blatte gelassen wur-<lb/>
den, brachten keine Wirkung hervor.</p><lb/>
          <p>17. Ein Stückchen weiszen <hi rendition="#g">Zuckers</hi>, auf ein Blatt gelegt, bewirkte<lb/>
in 1 Stunde 10 Minuten die Bildung eines groszen Tropfens von Flüssig-<lb/>
keit, welcher im Verlaufe von 2 weiteren Stunden in den natürlich ein-<lb/>
gebogenen Rand hineinlief. Diese Flüssigkeit war nicht im mindesten<lb/>
sauer und fieng in 5 Stunden 30 Minuten einzutrocknen an, oder war<lb/>
noch wahrscheinlicher aufgesaugt. Der Versuch wurde wiederholt. Es<lb/>
wurden Stückchen auf ein Blatt gelegt und andere ebenso grosze auf ein<lb/>
Glasplättchen in angefeuchtetem Zustande; beide wurden mit einer Glas-<lb/>
glocke zugedeckt. Dies wurde deshalb gethan, um zu sehen, ob die ver-<lb/>
mehrte Flüssigkeitsmenge auf den Blättern einfach eine Folge des Zer-<lb/>
flieszens sein könnte; es zeigte sich jedoch, dasz dies nicht der Fall war.<lb/>
Das Stückchen auf dem Blatte verursachte eine so starke Absonderung,<lb/>
dasz das Secret im Verlaufe von 4 Stunden quer über zwei Drittel des<lb/>
Blattes hinablief. Nach 8 Stunden war das Blatt, welches concav war,<lb/>
factisch mit sehr klebriger Flüssigkeit angefüllt; und es verdient noch<lb/>
besondere Erwähnung, dasz dieselbe, wie bei der früheren Gelegenheit,<lb/>
nicht im mindesten sauer war. Man kann die grosze Menge von Secret<lb/>
der Exosmose zuschreiben. Die Drüsen, welche 24 Stunden lang von dieser<lb/>
Flüssigkeit bedeckt gewesen waren, wichen, als sie unter dem Mikroskop<lb/>
untersucht wurden, von andern an demselben Blatte nicht ab, welche<lb/>
nicht in Berührung mit ihr gekommen waren. Im Gegensatz zu dem aus-<lb/>
nahmslos beobachteten Zustande der Zusammenballung des Zelleninhalts<lb/>
der Drüsen, welche von dem Secrete, wenn es animale Substanz in Lösung<lb/>
gehalten hat, benetzt gewesen waren, ist dies eine interessante Thatsache.</p><lb/>
          <p>18. Zwei Stückchen <hi rendition="#g">arabischen Gummi&#x2019;s</hi> wurden auf ein Blatt<lb/>
gelegt, und in 1 Stunde 20 Minuten bewirkten sie sicher eine unbedeu-<lb/>
tende Zunahme der Absonderung. Diese fuhr in den nächsten 5 Stunden<lb/>
fort zuzunehmen, d. h. so lange als das Blatt beobachtet wurde.</p><lb/>
          <p>19. Sechs kleine Stückchen <hi rendition="#g">Stärke,</hi> wie sie im Handel ist, wurden<lb/>
auf ein Blatt gelegt; eines derselben bewirkte in 1 Stunde 15 Minuten<lb/>
etwas Absonderung, die andern in einer Zeit von 8 bis 9 Stunden. Die<lb/>
Drüsen, welche hierdurch zur Absonderung gereizt worden waren, wurden<lb/>
bald trocken und fiengen nicht vor dem sechsten Tage wieder abzuson-<lb/>
dern an. Ein gröszeres Stück Stärke wurde dann auf ein Blatt gebracht;<lb/>
in 5 Stunden 30 Minuten wurde keine Secretion erregt; aber nach 8<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[350/0364] Pinguicula vulgaris. Cap. 16. lang auf feuchtem Sande gelassen wurden, keimte doch keiner; mehrere waren offenbar abgestorben. Die Wirkungen von Gegenständen, welche keine lösliche stickstoffhaltige Substanz enthalten. 16. Es ist bereits gezeigt worden, dasz Stückchen Glas auf Blätter gebracht wenig oder gar keine Absonderung erregen. Die geringe Menge, welche unter den Glasstückchen lag, wurde geprüft und als nicht sauer befunden. Ein Stückchen Holz erregte keine Absonderung; ebensowenig thaten es verschiedene Arten von Samen, deren Hüllen für das Secret nicht durchgängig waren, welche daher wie anorganische Körper wirkten. Würfel von Fett, welche zwei Tage lang auf einem Blatte gelassen wur- den, brachten keine Wirkung hervor. 17. Ein Stückchen weiszen Zuckers, auf ein Blatt gelegt, bewirkte in 1 Stunde 10 Minuten die Bildung eines groszen Tropfens von Flüssig- keit, welcher im Verlaufe von 2 weiteren Stunden in den natürlich ein- gebogenen Rand hineinlief. Diese Flüssigkeit war nicht im mindesten sauer und fieng in 5 Stunden 30 Minuten einzutrocknen an, oder war noch wahrscheinlicher aufgesaugt. Der Versuch wurde wiederholt. Es wurden Stückchen auf ein Blatt gelegt und andere ebenso grosze auf ein Glasplättchen in angefeuchtetem Zustande; beide wurden mit einer Glas- glocke zugedeckt. Dies wurde deshalb gethan, um zu sehen, ob die ver- mehrte Flüssigkeitsmenge auf den Blättern einfach eine Folge des Zer- flieszens sein könnte; es zeigte sich jedoch, dasz dies nicht der Fall war. Das Stückchen auf dem Blatte verursachte eine so starke Absonderung, dasz das Secret im Verlaufe von 4 Stunden quer über zwei Drittel des Blattes hinablief. Nach 8 Stunden war das Blatt, welches concav war, factisch mit sehr klebriger Flüssigkeit angefüllt; und es verdient noch besondere Erwähnung, dasz dieselbe, wie bei der früheren Gelegenheit, nicht im mindesten sauer war. Man kann die grosze Menge von Secret der Exosmose zuschreiben. Die Drüsen, welche 24 Stunden lang von dieser Flüssigkeit bedeckt gewesen waren, wichen, als sie unter dem Mikroskop untersucht wurden, von andern an demselben Blatte nicht ab, welche nicht in Berührung mit ihr gekommen waren. Im Gegensatz zu dem aus- nahmslos beobachteten Zustande der Zusammenballung des Zelleninhalts der Drüsen, welche von dem Secrete, wenn es animale Substanz in Lösung gehalten hat, benetzt gewesen waren, ist dies eine interessante Thatsache. 18. Zwei Stückchen arabischen Gummi’s wurden auf ein Blatt gelegt, und in 1 Stunde 20 Minuten bewirkten sie sicher eine unbedeu- tende Zunahme der Absonderung. Diese fuhr in den nächsten 5 Stunden fort zuzunehmen, d. h. so lange als das Blatt beobachtet wurde. 19. Sechs kleine Stückchen Stärke, wie sie im Handel ist, wurden auf ein Blatt gelegt; eines derselben bewirkte in 1 Stunde 15 Minuten etwas Absonderung, die andern in einer Zeit von 8 bis 9 Stunden. Die Drüsen, welche hierdurch zur Absonderung gereizt worden waren, wurden bald trocken und fiengen nicht vor dem sechsten Tage wieder abzuson- dern an. Ein gröszeres Stück Stärke wurde dann auf ein Blatt gebracht; in 5 Stunden 30 Minuten wurde keine Secretion erregt; aber nach 8

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darwin_pflanzen_1876
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darwin_pflanzen_1876/364
Zitationshilfe: Darwin, Charles: Insectenfressende Pflanzen. Übers. v. Julius Victor Carus. Stuttgart, 1876, S. 350. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darwin_pflanzen_1876/364>, abgerufen am 23.02.2019.