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Darwin, Charles: Insectenfressende Pflanzen. Übers. v. Julius Victor Carus. Stuttgart, 1876.

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Cap. 18. Utricularia nelumbifolia.
von Utricularia sowohl als von gewissen nahe verwandten Gattungen
sind entweder Wasser- oder Marsch-Pflanzen; es wird daher nach
dem Grundsatze, dasz nahe verwandte Pflanzen gewöhnlich von glei-
cher Constitution sind, ein niemals versiegender Vorrath von Wasser
wahrscheinlich von groszer Bedeutung für unsere vorliegende Art
sein. Wir können hiernach die Bedeutung der Entwickelung ihrer
Knollen und deren groszen Zahl auf einer und derselben Pflanze, die
in einem Falle bis zu wenigstens zwanzig anstieg, verstehen.

Utricularia nelumbifolia, amethystina, Griffithii, caerulea, orbiculata,
multicaulis.

Da ich zu ermitteln wünschte, ob die Blasen auf den Rhizomen
andrer Arten von Utricularia und von Arten gewisser nahe verwandter
Gattungen dieselbe wesentliche Structur, wie diejenigen der Utricularia
montana
hätten und ob sie Beute fiengen, bat ich Prof. Oliver, mir
Stücke aus dem Herbarium in Kew zu schicken. Er suchte freund-
lichst einige von den verschiedensten Formen aus, welche ganze Blät-
ter haben, und von denen man glaubt, dasz sie marschigen Boden
oder Wasser bewohnen. Mein Sohn, Francis Darwin, untersuchte sie
und hat mir folgende Beobachtungen mitgetheilt; aber man musz im
Auge behalten, dasz es auszerordentlich schwer ist, die Structur sol-
cher kleiner und zarter Gegenstände, nachdem sie getrocknet und ge-
preszt worden waren, zu erkennen2.

Utricularia nelumbifolia (Orgel-Berge, Brasilien). -- Der Wohn-
ort dieser Art ist merkwürdig. Seinem Entdecker, Herrn Gardner3,
zufolge lebt sie im Wasser, aber "wird nur in dem Wasser wachsend
"gefunden, welches sich auf dem Grunde der Blätter einer groszen
"Tillandsia ansammelt, welche sehr reichlich auf luftigen felsigen
"Theilen der Berge in einer Höhe von ungefähr 5000 Fusz über dem
"Meeresspiegel vorkommt. Auszer der gewöhnlichen Methode durch
"Samen pflanzt sie sich auch durch Ausläufer fort, welche sie von
"der Basis des Blüthenstiels ausschickt; diesen Ausläufer findet man
"immer nach der nächsten Tillandsia hingerichtet, wo er seine Spitze

2 Prof. Oliver hat (Proc. Linn. Soc. Vol. IV, p. 169) Abbildungen von den
Blasen zweier südamericanischer Species, nämlich Utricularia Jamesoniana und
peltata gegeben; er scheint aber diesen Organen keine besondere Aufmerksamkeit
gewidmet zu haben.
3 Travels in the Interior of Brazil, 1836--41, p. 527.

Cap. 18. Utricularia nelumbifolia.
von Utricularia sowohl als von gewissen nahe verwandten Gattungen
sind entweder Wasser- oder Marsch-Pflanzen; es wird daher nach
dem Grundsatze, dasz nahe verwandte Pflanzen gewöhnlich von glei-
cher Constitution sind, ein niemals versiegender Vorrath von Wasser
wahrscheinlich von groszer Bedeutung für unsere vorliegende Art
sein. Wir können hiernach die Bedeutung der Entwickelung ihrer
Knollen und deren groszen Zahl auf einer und derselben Pflanze, die
in einem Falle bis zu wenigstens zwanzig anstieg, verstehen.

Utricularia nelumbifolia, amethystina, Griffithii, caerulea, orbiculata,
multicaulis.

Da ich zu ermitteln wünschte, ob die Blasen auf den Rhizomen
andrer Arten von Utricularia und von Arten gewisser nahe verwandter
Gattungen dieselbe wesentliche Structur, wie diejenigen der Utricularia
montana
hätten und ob sie Beute fiengen, bat ich Prof. Oliver, mir
Stücke aus dem Herbarium in Kew zu schicken. Er suchte freund-
lichst einige von den verschiedensten Formen aus, welche ganze Blät-
ter haben, und von denen man glaubt, dasz sie marschigen Boden
oder Wasser bewohnen. Mein Sohn, Francis Darwin, untersuchte sie
und hat mir folgende Beobachtungen mitgetheilt; aber man musz im
Auge behalten, dasz es auszerordentlich schwer ist, die Structur sol-
cher kleiner und zarter Gegenstände, nachdem sie getrocknet und ge-
preszt worden waren, zu erkennen2.

Utricularia nelumbifolia (Orgel-Berge, Brasilien). — Der Wohn-
ort dieser Art ist merkwürdig. Seinem Entdecker, Herrn Gardner3,
zufolge lebt sie im Wasser, aber „wird nur in dem Wasser wachsend
„gefunden, welches sich auf dem Grunde der Blätter einer groszen
Tillandsia ansammelt, welche sehr reichlich auf luftigen felsigen
„Theilen der Berge in einer Höhe von ungefähr 5000 Fusz über dem
„Meeresspiegel vorkommt. Auszer der gewöhnlichen Methode durch
„Samen pflanzt sie sich auch durch Ausläufer fort, welche sie von
„der Basis des Blüthenstiels ausschickt; diesen Ausläufer findet man
„immer nach der nächsten Tillandsia hingerichtet, wo er seine Spitze

2 Prof. Oliver hat (Proc. Linn. Soc. Vol. IV, p. 169) Abbildungen von den
Blasen zweier südamericanischer Species, nämlich Utricularia Jamesoniana und
peltata gegeben; er scheint aber diesen Organen keine besondere Aufmerksamkeit
gewidmet zu haben.
3 Travels in the Interior of Brazil, 1836—41, p. 527.
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[397/0411] Cap. 18. Utricularia nelumbifolia. von Utricularia sowohl als von gewissen nahe verwandten Gattungen sind entweder Wasser- oder Marsch-Pflanzen; es wird daher nach dem Grundsatze, dasz nahe verwandte Pflanzen gewöhnlich von glei- cher Constitution sind, ein niemals versiegender Vorrath von Wasser wahrscheinlich von groszer Bedeutung für unsere vorliegende Art sein. Wir können hiernach die Bedeutung der Entwickelung ihrer Knollen und deren groszen Zahl auf einer und derselben Pflanze, die in einem Falle bis zu wenigstens zwanzig anstieg, verstehen. Utricularia nelumbifolia, amethystina, Griffithii, caerulea, orbiculata, multicaulis. Da ich zu ermitteln wünschte, ob die Blasen auf den Rhizomen andrer Arten von Utricularia und von Arten gewisser nahe verwandter Gattungen dieselbe wesentliche Structur, wie diejenigen der Utricularia montana hätten und ob sie Beute fiengen, bat ich Prof. Oliver, mir Stücke aus dem Herbarium in Kew zu schicken. Er suchte freund- lichst einige von den verschiedensten Formen aus, welche ganze Blät- ter haben, und von denen man glaubt, dasz sie marschigen Boden oder Wasser bewohnen. Mein Sohn, Francis Darwin, untersuchte sie und hat mir folgende Beobachtungen mitgetheilt; aber man musz im Auge behalten, dasz es auszerordentlich schwer ist, die Structur sol- cher kleiner und zarter Gegenstände, nachdem sie getrocknet und ge- preszt worden waren, zu erkennen 2. Utricularia nelumbifolia (Orgel-Berge, Brasilien). — Der Wohn- ort dieser Art ist merkwürdig. Seinem Entdecker, Herrn Gardner 3, zufolge lebt sie im Wasser, aber „wird nur in dem Wasser wachsend „gefunden, welches sich auf dem Grunde der Blätter einer groszen „Tillandsia ansammelt, welche sehr reichlich auf luftigen felsigen „Theilen der Berge in einer Höhe von ungefähr 5000 Fusz über dem „Meeresspiegel vorkommt. Auszer der gewöhnlichen Methode durch „Samen pflanzt sie sich auch durch Ausläufer fort, welche sie von „der Basis des Blüthenstiels ausschickt; diesen Ausläufer findet man „immer nach der nächsten Tillandsia hingerichtet, wo er seine Spitze 2 Prof. Oliver hat (Proc. Linn. Soc. Vol. IV, p. 169) Abbildungen von den Blasen zweier südamericanischer Species, nämlich Utricularia Jamesoniana und peltata gegeben; er scheint aber diesen Organen keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. 3 Travels in the Interior of Brazil, 1836—41, p. 527.

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Zitationshilfe: Darwin, Charles: Insectenfressende Pflanzen. Übers. v. Julius Victor Carus. Stuttgart, 1876, S. 397. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darwin_pflanzen_1876/411>, abgerufen am 20.10.2018.