Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darwin, Charles: Insectenfressende Pflanzen. Übers. v. Julius Victor Carus. Stuttgart, 1876.

Bild:
<< vorherige Seite
Genlisea ornata. Cap. 18.

Polypompholyx multifida. -- Die Blasen sind in Wirteln rings
um die Spitzen steifer Stiele angeordnet. Die zwei Antennen werden
durch eine kleine membranöse Gabel dargestellt, deren basaler Theil
eine Art Kappe über der Mündung bildet. Diese Kappe breitet sich
in zwei Flügel auf jeder Seite der Blase aus. Ein dritter Flügel
oder Kamm scheint durch die Ausbreitung der dorsalen Fläche des
Stiels gebildet zu werden; aber die Structur dieser drei Flügel konnte
in Folge der Beschaffenheit der Exemplare nicht klar ermittelt wer-
den. Die innere Oberfläche der Kappe ist mit langen einfachen Haaren
ausgekleidet, welche zusammengeballte Substanz enthalten, wie die
in den viertheiligen Fortsätzen der früher beschriebenen Species, wenn
sie in Berührung mit verwesten Thieren gekommen waren. Diese
Haare schienen daher als aufsaugende Organe zu dienen. Eine Klappe
wurde gesehen, aber ihre Structur konnte nicht ermittelt werden.
Auf dem Kragen um die Klappe finden sich anstatt der Drüsen zahl-
reiche einzellige Papillen, welche sehr kurze Stiele haben. Die vier-
theiligen Fortsätze haben divergirende Arme von gleicher Länge.
Reste von entomostraken Krustern wurden in den Blasen gefunden.

Polypompholyx tenella. -- Die Blasen sind kleiner als jene der
letzten Art, aber haben dieselbe allgemeine Structur. Sie waren voll
zerfallner, augenscheinlich organischer Substanz, aber es konnten keine
Reste von Gliederthieren darin unterschieden werden.

Genlisea.

Diese merkwürdige Gattung wird, wie ich von Prof. Oliver
höre, technisch dadurch von Utricularia unterschieden, dasz sie einen
fünftheiligen Kelch hat. Arten davon werden in mehreren Theilen
der Welt gefunden, und gelten für "herbae annuae paludosae."

Genlisea ornata (Brasilien). -- Diese Art ist von Dr. Warming
beschrieben und abgebildet worden5, welcher angibt, dasz sie zwei
Arten Blätter trägt, die er spatelförmig und schlauchtragend nennt.
Die letzteren umschlieszen Höhlungen; und da diese von den Blasen
der vorhergehenden Arten sehr verschieden sind, so wird es zweck-
mäszig sein, von ihnen als "Schläuchen" zu sprechen. Die beistehende
Abbildung (Fig. 29) eines der schlauchtragenden Blätter, ungefähr
dreimal vergröszert, wird die folgende Beschreibung von meinem Sohn
illustriren, welche in allen wesentlichen Punkten mit der von

5 Bidrag til Kundskaben om Lentibulariaceae. Copenhagen, 1874.
Genlisea ornata. Cap. 18.

Polypompholyx multifida. — Die Blasen sind in Wirteln rings
um die Spitzen steifer Stiele angeordnet. Die zwei Antennen werden
durch eine kleine membranöse Gabel dargestellt, deren basaler Theil
eine Art Kappe über der Mündung bildet. Diese Kappe breitet sich
in zwei Flügel auf jeder Seite der Blase aus. Ein dritter Flügel
oder Kamm scheint durch die Ausbreitung der dorsalen Fläche des
Stiels gebildet zu werden; aber die Structur dieser drei Flügel konnte
in Folge der Beschaffenheit der Exemplare nicht klar ermittelt wer-
den. Die innere Oberfläche der Kappe ist mit langen einfachen Haaren
ausgekleidet, welche zusammengeballte Substanz enthalten, wie die
in den viertheiligen Fortsätzen der früher beschriebenen Species, wenn
sie in Berührung mit verwesten Thieren gekommen waren. Diese
Haare schienen daher als aufsaugende Organe zu dienen. Eine Klappe
wurde gesehen, aber ihre Structur konnte nicht ermittelt werden.
Auf dem Kragen um die Klappe finden sich anstatt der Drüsen zahl-
reiche einzellige Papillen, welche sehr kurze Stiele haben. Die vier-
theiligen Fortsätze haben divergirende Arme von gleicher Länge.
Reste von entomostraken Krustern wurden in den Blasen gefunden.

Polypompholyx tenella. — Die Blasen sind kleiner als jene der
letzten Art, aber haben dieselbe allgemeine Structur. Sie waren voll
zerfallner, augenscheinlich organischer Substanz, aber es konnten keine
Reste von Gliederthieren darin unterschieden werden.

Genlisea.

Diese merkwürdige Gattung wird, wie ich von Prof. Oliver
höre, technisch dadurch von Utricularia unterschieden, dasz sie einen
fünftheiligen Kelch hat. Arten davon werden in mehreren Theilen
der Welt gefunden, und gelten für „herbae annuae paludosae.‟

Genlisea ornata (Brasilien). — Diese Art ist von Dr. Warming
beschrieben und abgebildet worden5, welcher angibt, dasz sie zwei
Arten Blätter trägt, die er spatelförmig und schlauchtragend nennt.
Die letzteren umschlieszen Höhlungen; und da diese von den Blasen
der vorhergehenden Arten sehr verschieden sind, so wird es zweck-
mäszig sein, von ihnen als „Schläuchen‟ zu sprechen. Die beistehende
Abbildung (Fig. 29) eines der schlauchtragenden Blätter, ungefähr
dreimal vergröszert, wird die folgende Beschreibung von meinem Sohn
illustriren, welche in allen wesentlichen Punkten mit der von

5 Bidrag til Kundskaben om Lentibulariaceae. Copenhagen, 1874.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0414" n="400"/>
          <fw place="top" type="header">Genlisea ornata. Cap. 18.</fw><lb/>
          <p><hi rendition="#i">Polypompholyx multifida.</hi> &#x2014; Die Blasen sind in Wirteln rings<lb/>
um die Spitzen steifer Stiele angeordnet. Die zwei Antennen werden<lb/>
durch eine kleine membranöse Gabel dargestellt, deren basaler Theil<lb/>
eine Art Kappe über der Mündung bildet. Diese Kappe breitet sich<lb/>
in zwei Flügel auf jeder Seite der Blase aus. Ein dritter Flügel<lb/>
oder Kamm scheint durch die Ausbreitung der dorsalen Fläche des<lb/>
Stiels gebildet zu werden; aber die Structur dieser drei Flügel konnte<lb/>
in Folge der Beschaffenheit der Exemplare nicht klar ermittelt wer-<lb/>
den. Die innere Oberfläche der Kappe ist mit langen einfachen Haaren<lb/>
ausgekleidet, welche zusammengeballte Substanz enthalten, wie die<lb/>
in den viertheiligen Fortsätzen der früher beschriebenen Species, wenn<lb/>
sie in Berührung mit verwesten Thieren gekommen waren. Diese<lb/>
Haare schienen daher als aufsaugende Organe zu dienen. Eine Klappe<lb/>
wurde gesehen, aber ihre Structur konnte nicht ermittelt werden.<lb/>
Auf dem Kragen um die Klappe finden sich anstatt der Drüsen zahl-<lb/>
reiche einzellige Papillen, welche sehr kurze Stiele haben. Die vier-<lb/>
theiligen Fortsätze haben divergirende Arme von gleicher Länge.<lb/>
Reste von entomostraken Krustern wurden in den Blasen gefunden.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#i">Polypompholyx tenella.</hi> &#x2014; Die Blasen sind kleiner als jene der<lb/>
letzten Art, aber haben dieselbe allgemeine Structur. Sie waren voll<lb/>
zerfallner, augenscheinlich organischer Substanz, aber es konnten keine<lb/>
Reste von Gliederthieren darin unterschieden werden.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Genlisea.</hi> </head><lb/>
          <p>Diese merkwürdige Gattung wird, wie ich von Prof. <hi rendition="#k">Oliver</hi><lb/>
höre, technisch dadurch von <hi rendition="#i">Utricularia</hi> unterschieden, dasz sie einen<lb/>
fünftheiligen Kelch hat. Arten davon werden in mehreren Theilen<lb/>
der Welt gefunden, und gelten für &#x201E;herbae annuae paludosae.&#x201F;</p><lb/>
          <p><hi rendition="#i">Genlisea ornata</hi> (Brasilien). &#x2014; Diese Art ist von Dr. <hi rendition="#k">Warming</hi><lb/>
beschrieben und abgebildet worden<note place="foot" n="5">Bidrag til Kundskaben om Lentibulariaceae. Copenhagen, 1874.</note>, welcher angibt, dasz sie zwei<lb/>
Arten Blätter trägt, die er spatelförmig und schlauchtragend nennt.<lb/>
Die letzteren umschlieszen Höhlungen; und da diese von den Blasen<lb/>
der vorhergehenden Arten sehr verschieden sind, so wird es zweck-<lb/>
mäszig sein, von ihnen als &#x201E;Schläuchen&#x201F; zu sprechen. Die beistehende<lb/>
Abbildung (Fig. 29) eines der schlauchtragenden Blätter, ungefähr<lb/>
dreimal vergröszert, wird die folgende Beschreibung von meinem Sohn<lb/>
illustriren, welche in allen wesentlichen Punkten mit der von<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[400/0414] Genlisea ornata. Cap. 18. Polypompholyx multifida. — Die Blasen sind in Wirteln rings um die Spitzen steifer Stiele angeordnet. Die zwei Antennen werden durch eine kleine membranöse Gabel dargestellt, deren basaler Theil eine Art Kappe über der Mündung bildet. Diese Kappe breitet sich in zwei Flügel auf jeder Seite der Blase aus. Ein dritter Flügel oder Kamm scheint durch die Ausbreitung der dorsalen Fläche des Stiels gebildet zu werden; aber die Structur dieser drei Flügel konnte in Folge der Beschaffenheit der Exemplare nicht klar ermittelt wer- den. Die innere Oberfläche der Kappe ist mit langen einfachen Haaren ausgekleidet, welche zusammengeballte Substanz enthalten, wie die in den viertheiligen Fortsätzen der früher beschriebenen Species, wenn sie in Berührung mit verwesten Thieren gekommen waren. Diese Haare schienen daher als aufsaugende Organe zu dienen. Eine Klappe wurde gesehen, aber ihre Structur konnte nicht ermittelt werden. Auf dem Kragen um die Klappe finden sich anstatt der Drüsen zahl- reiche einzellige Papillen, welche sehr kurze Stiele haben. Die vier- theiligen Fortsätze haben divergirende Arme von gleicher Länge. Reste von entomostraken Krustern wurden in den Blasen gefunden. Polypompholyx tenella. — Die Blasen sind kleiner als jene der letzten Art, aber haben dieselbe allgemeine Structur. Sie waren voll zerfallner, augenscheinlich organischer Substanz, aber es konnten keine Reste von Gliederthieren darin unterschieden werden. Genlisea. Diese merkwürdige Gattung wird, wie ich von Prof. Oliver höre, technisch dadurch von Utricularia unterschieden, dasz sie einen fünftheiligen Kelch hat. Arten davon werden in mehreren Theilen der Welt gefunden, und gelten für „herbae annuae paludosae.‟ Genlisea ornata (Brasilien). — Diese Art ist von Dr. Warming beschrieben und abgebildet worden 5, welcher angibt, dasz sie zwei Arten Blätter trägt, die er spatelförmig und schlauchtragend nennt. Die letzteren umschlieszen Höhlungen; und da diese von den Blasen der vorhergehenden Arten sehr verschieden sind, so wird es zweck- mäszig sein, von ihnen als „Schläuchen‟ zu sprechen. Die beistehende Abbildung (Fig. 29) eines der schlauchtragenden Blätter, ungefähr dreimal vergröszert, wird die folgende Beschreibung von meinem Sohn illustriren, welche in allen wesentlichen Punkten mit der von 5 Bidrag til Kundskaben om Lentibulariaceae. Copenhagen, 1874.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/darwin_pflanzen_1876
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/darwin_pflanzen_1876/414
Zitationshilfe: Darwin, Charles: Insectenfressende Pflanzen. Übers. v. Julius Victor Carus. Stuttgart, 1876, S. 400. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darwin_pflanzen_1876/414>, abgerufen am 20.10.2018.