Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Dohm, Christian Conrad Wilhelm von: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden. T. 2. Berlin u. a., 1783.

Bild:
<< vorherige Seite

ihnen einfinden sollten, durch sie keinen Abgang an
Vertheidigern besorgen. Wenn sie nur gleich andern
in den Waffen geübt werden; so kann ein kleiner
Staat es ruhig abwarten, daß sie anfangs zur Land-
militz und allmälig zu den ordentlichen Truppen fä-
hig werden. Aber freylich einem Regenten, der den
Werth seiner Unterthanen nur darnach berechnet,
wie er sie in baares Geld umsetzen kann, dürften die
Hebräer vors erste noch keine gangbare Waare seyn.


Die bisher angezeigten Gründe sind, soviel ich
weiß, diejenigen, welche man der Möglichkeit die
Juden zu völlig gleichen und nützlichen Gliedern der
Gesellschaft zu erheben, überhaupt entgegen gesetzt
hat. Ich gehe nun zu denen über, durch welche man
zwar nicht diese Möglichkeit hat bestreiten, aber die
mit der Sache verbundne große und die Ausführung
meines Plans mehr oder weniger beschränkende
Schwierigkeiten hat beweisen wollen.

I.

Die Juden sind zum Ackerbau nicht wohl
fähig. Erstlich haben wir in den meisten eu-
ropäischen Staaten nicht genug unbebauetes
Land mehr, welches man ihnen dazu anwei-

sen

ihnen einfinden ſollten, durch ſie keinen Abgang an
Vertheidigern beſorgen. Wenn ſie nur gleich andern
in den Waffen geuͤbt werden; ſo kann ein kleiner
Staat es ruhig abwarten, daß ſie anfangs zur Land-
militz und allmaͤlig zu den ordentlichen Truppen faͤ-
hig werden. Aber freylich einem Regenten, der den
Werth ſeiner Unterthanen nur darnach berechnet,
wie er ſie in baares Geld umſetzen kann, duͤrften die
Hebraͤer vors erſte noch keine gangbare Waare ſeyn.


Die bisher angezeigten Gruͤnde ſind, ſoviel ich
weiß, diejenigen, welche man der Moͤglichkeit die
Juden zu voͤllig gleichen und nuͤtzlichen Gliedern der
Geſellſchaft zu erheben, uͤberhaupt entgegen geſetzt
hat. Ich gehe nun zu denen uͤber, durch welche man
zwar nicht dieſe Moͤglichkeit hat beſtreiten, aber die
mit der Sache verbundne große und die Ausfuͤhrung
meines Plans mehr oder weniger beſchraͤnkende
Schwierigkeiten hat beweiſen wollen.

I.

Die Juden ſind zum Ackerbau nicht wohl
faͤhig. Erſtlich haben wir in den meiſten eu-
ropaͤiſchen Staaten nicht genug unbebauetes
Land mehr, welches man ihnen dazu anwei-

ſen
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0254" n="246"/>
ihnen einfinden &#x017F;ollten, durch &#x017F;ie keinen Abgang an<lb/>
Vertheidigern be&#x017F;orgen. Wenn &#x017F;ie nur gleich andern<lb/>
in den Waffen geu&#x0364;bt werden; &#x017F;o kann ein kleiner<lb/>
Staat es ruhig abwarten, daß &#x017F;ie anfangs zur Land-<lb/>
militz und allma&#x0364;lig zu den ordentlichen Truppen fa&#x0364;-<lb/>
hig werden. Aber freylich einem Regenten, der den<lb/>
Werth &#x017F;einer Unterthanen nur darnach berechnet,<lb/>
wie er &#x017F;ie in baares Geld um&#x017F;etzen kann, du&#x0364;rften die<lb/>
Hebra&#x0364;er vors er&#x017F;te noch keine gangbare Waare &#x017F;eyn.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      <div n="1">
        <head/>
        <p>Die bisher angezeigten Gru&#x0364;nde &#x017F;ind, &#x017F;oviel ich<lb/>
weiß, diejenigen, welche man der <hi rendition="#fr">Mo&#x0364;glichkeit</hi> die<lb/>
Juden zu vo&#x0364;llig gleichen und nu&#x0364;tzlichen Gliedern der<lb/>
Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft zu erheben, u&#x0364;berhaupt entgegen ge&#x017F;etzt<lb/>
hat. Ich gehe nun zu denen u&#x0364;ber, durch welche man<lb/>
zwar nicht die&#x017F;e Mo&#x0364;glichkeit hat be&#x017F;treiten, aber die<lb/>
mit der Sache verbundne große und die Ausfu&#x0364;hrung<lb/>
meines Plans mehr oder weniger be&#x017F;chra&#x0364;nkende<lb/>
Schwierigkeiten hat bewei&#x017F;en wollen.</p><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq">I.</hi> </head><lb/>
          <p> <hi rendition="#fr">Die Juden &#x017F;ind zum Ackerbau nicht wohl<lb/>
fa&#x0364;hig. Er&#x017F;tlich haben wir in den mei&#x017F;ten eu-<lb/>
ropa&#x0364;i&#x017F;chen Staaten nicht genug unbebauetes<lb/>
Land mehr, welches man ihnen dazu anwei-</hi><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#fr">&#x017F;en</hi> </fw><lb/>
          </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[246/0254] ihnen einfinden ſollten, durch ſie keinen Abgang an Vertheidigern beſorgen. Wenn ſie nur gleich andern in den Waffen geuͤbt werden; ſo kann ein kleiner Staat es ruhig abwarten, daß ſie anfangs zur Land- militz und allmaͤlig zu den ordentlichen Truppen faͤ- hig werden. Aber freylich einem Regenten, der den Werth ſeiner Unterthanen nur darnach berechnet, wie er ſie in baares Geld umſetzen kann, duͤrften die Hebraͤer vors erſte noch keine gangbare Waare ſeyn. Die bisher angezeigten Gruͤnde ſind, ſoviel ich weiß, diejenigen, welche man der Moͤglichkeit die Juden zu voͤllig gleichen und nuͤtzlichen Gliedern der Geſellſchaft zu erheben, uͤberhaupt entgegen geſetzt hat. Ich gehe nun zu denen uͤber, durch welche man zwar nicht dieſe Moͤglichkeit hat beſtreiten, aber die mit der Sache verbundne große und die Ausfuͤhrung meines Plans mehr oder weniger beſchraͤnkende Schwierigkeiten hat beweiſen wollen. I. Die Juden ſind zum Ackerbau nicht wohl faͤhig. Erſtlich haben wir in den meiſten eu- ropaͤiſchen Staaten nicht genug unbebauetes Land mehr, welches man ihnen dazu anwei- ſen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/dohm_juden02_1783
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/dohm_juden02_1783/254
Zitationshilfe: Dohm, Christian Conrad Wilhelm von: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden. T. 2. Berlin u. a., 1783, S. 246. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/dohm_juden02_1783/254>, abgerufen am 25.06.2019.