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Droysen, Johann Gustav: Grundriss der Historik. Leipzig, 1868.

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§. 21.

Historisches Material ist theils, was aus jener Gegenwart, deren
Verständniss wir suchen, noch unmittelbar übrig ist (Ueberreste),
theils, was davon in die Vorstellungen der Menschen übergegangen
und zum Zweck der Erinnerung überliefert ist (Quellen), theils eine
Verbindung beider Formen (Denkmäler).

§. 22.

In der Fülle der Ueberreste kann man unterscheiden:

a) Werke menschlicher Formgebung (künstlerische, technische u. s. w.).
b) Zustände sittlicher Gemeinsamkeiten (Sitten, Gesetze, staatliche,
kirchliche Ordnungen u. s. w.).
c) Darlegung von Gedachtem (Literaturen, Mythologeme, auch Ge-
schichtswerke als Producte ihrer Zeit).
d) Geschäftliche Papiere (Acten, Correspondenzen, Berichte u. s.w.).
§. 23.

Ueberreste, bei deren Hervorbringung zu andern Zwecken die
Absicht der Erinnerung mitwirkte, sind Denkmäler.

So die Urkunden, die den Abschluss eines Geschäftes für die Zu-
kunft bezeugen.

Dann Kunstwerke aller Art, Inschriften, Medaillen, in gewissem
Sinn die Münzen u. s. w.

Endlich jede monumentale Bezeichnung bis zum Grenzstein, bis
zu den Titeln, Wappen und Namen herab.

§. 24.

In den Quellen sind die Vergangenheiten, wie menschliches
Verständniss sie aufgefasst und geformt hat, zum Zweck der Erinnerung
überliefert.

Jede Erinnerung, so lange sie nicht äusserlich (in gebundener
Form, schriftlich u. s. w.) fixirt ist, lebt mit und wandelt sich um mit
dem Vorstellungskreise derer, die sie pflegen (so die Tradition in der
Römischen Kirche).

Nur quantitativ unterscheidet sich mündliche und schriftliche Ueber-
lieferung.

§. 21.

Historisches Material ist theils, was aus jener Gegenwart, deren
Verständniss wir suchen, noch unmittelbar übrig ist (Ueberreste),
theils, was davon in die Vorstellungen der Menschen übergegangen
und zum Zweck der Erinnerung überliefert ist (Quellen), theils eine
Verbindung beider Formen (Denkmäler).

§. 22.

In der Fülle der Ueberreste kann man unterscheiden:

a) Werke menschlicher Formgebung (künstlerische, technische u. s. w.).
b) Zustände sittlicher Gemeinsamkeiten (Sitten, Gesetze, staatliche,
kirchliche Ordnungen u. s. w.).
c) Darlegung von Gedachtem (Literaturen, Mythologeme, auch Ge-
schichtswerke als Producte ihrer Zeit).
d) Geschäftliche Papiere (Acten, Correspondenzen, Berichte u. s.w.).
§. 23.

Ueberreste, bei deren Hervorbringung zu andern Zwecken die
Absicht der Erinnerung mitwirkte, sind Denkmäler.

So die Urkunden, die den Abschluss eines Geschäftes für die Zu-
kunft bezeugen.

Dann Kunstwerke aller Art, Inschriften, Medaillen, in gewissem
Sinn die Münzen u. s. w.

Endlich jede monumentale Bezeichnung bis zum Grenzstein, bis
zu den Titeln, Wappen und Namen herab.

§. 24.

In den Quellen sind die Vergangenheiten, wie menschliches
Verständniss sie aufgefasst und geformt hat, zum Zweck der Erinnerung
überliefert.

Jede Erinnerung, so lange sie nicht äusserlich (in gebundener
Form, schriftlich u. s. w.) fixirt ist, lebt mit und wandelt sich um mit
dem Vorstellungskreise derer, die sie pflegen (so die Tradition in der
Römischen Kirche).

Nur quantitativ unterscheidet sich mündliche und schriftliche Ueber-
lieferung.

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[14/0023] §. 21. Historisches Material ist theils, was aus jener Gegenwart, deren Verständniss wir suchen, noch unmittelbar übrig ist (Ueberreste), theils, was davon in die Vorstellungen der Menschen übergegangen und zum Zweck der Erinnerung überliefert ist (Quellen), theils eine Verbindung beider Formen (Denkmäler). §. 22. In der Fülle der Ueberreste kann man unterscheiden: a) Werke menschlicher Formgebung (künstlerische, technische u. s. w.). b) Zustände sittlicher Gemeinsamkeiten (Sitten, Gesetze, staatliche, kirchliche Ordnungen u. s. w.). c) Darlegung von Gedachtem (Literaturen, Mythologeme, auch Ge- schichtswerke als Producte ihrer Zeit). d) Geschäftliche Papiere (Acten, Correspondenzen, Berichte u. s.w.). §. 23. Ueberreste, bei deren Hervorbringung zu andern Zwecken die Absicht der Erinnerung mitwirkte, sind Denkmäler. So die Urkunden, die den Abschluss eines Geschäftes für die Zu- kunft bezeugen. Dann Kunstwerke aller Art, Inschriften, Medaillen, in gewissem Sinn die Münzen u. s. w. Endlich jede monumentale Bezeichnung bis zum Grenzstein, bis zu den Titeln, Wappen und Namen herab. §. 24. In den Quellen sind die Vergangenheiten, wie menschliches Verständniss sie aufgefasst und geformt hat, zum Zweck der Erinnerung überliefert. Jede Erinnerung, so lange sie nicht äusserlich (in gebundener Form, schriftlich u. s. w.) fixirt ist, lebt mit und wandelt sich um mit dem Vorstellungskreise derer, die sie pflegen (so die Tradition in der Römischen Kirche). Nur quantitativ unterscheidet sich mündliche und schriftliche Ueber- lieferung.

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Zitationshilfe: Droysen, Johann Gustav: Grundriss der Historik. Leipzig, 1868, S. 14. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/droysen_historik_1868/23>, abgerufen am 20.02.2019.