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Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890.

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Moos- und Flechtenformationen.

Die hauptsächlichen Ordnungen, welche ausser Grä-
sern, Seggen, Binsen und Simsen den Teppich der Mat-
ten und Triften zu bilden pflegen, deren allgemeine Be-
teiligung aber ausserhalb der borealen Florenreiche noch
sehr wenig bekannt geworden ist, sind teils in den vor-
hergehenden Beispielen schon deutlich genug hervor-
getreten, teils stimmen sie mit den die Hochstauden
liefernden (siehe S. 300) überein. Als Ergänzung mögen
aber noch die dort nicht genannten Rosaceen, zumal deren
Unterabteilung Dryadinen, als wichtig für boreale Matten-
formationen aufgeführt werden, auch noch die Saxi-
frageen, Gentianeen, Valerianeen, Primulaceen und ein-
zelne Plumbagineen ("Grasnelken"); die Sileneen und
Alsineen sind wohl in den Matten und Triften ungleich
häufigere Bestandteile, als in den Wiesen oder als Teil-
nehmer an den Hochstaudenformationen.

Die Moos- und Flechtenformationen.

Den Gefässpflanzen gegenüber verhalten sich die
Zellenpflanzen in ihrem Geselligkeitsanschluss, in ihrer
Vermehrungs- und Verbreitungsweise, in ihrem Verhalten
gegenüber dem Klima und Boden und, wie sich von selbst
versteht, in ihrer physiognomischen Erscheinungsweise
so eigenartig, dass da, wo sie zu besonderen Formationen
zusammenschliessen, ihre Eigenartigkeit in diesen beson-
ders klar hervortritt. Die Moose und Flechten sind im
stande, solche Formationen auf dem festen Erdreich, auf
hartem Gestein und endlich als Besiedelung wasserüber-
strömter Geschiebe und Ablagerungen zu bilden, wobei
die Flechten gegenüber den Moosen die trockeneren Stand-
orte bevorzugen; die Algen herrschen im süssen Wasser
mit mannigfaltigen Blütenpflanzen zusammen, bilden aber
im Ozean die Formationen so gut wie allein; die Pilze
endlich vermögen bei ihrer abweichenden Ernährungs-
weise überhaupt keine eigenen Formationen zu bilden.

Die Moose und Flechten scheuen mit wenigen Aus-
nahmen das fliessende Wasser. Bei der Kleinheit ihres
Wuchses bilden sie im geselligen Zustande die niedersten
Formationen; aber sie verstärken sich durch Aufnahme

Moos- und Flechtenformationen.

Die hauptsächlichen Ordnungen, welche ausser Grä-
sern, Seggen, Binsen und Simsen den Teppich der Mat-
ten und Triften zu bilden pflegen, deren allgemeine Be-
teiligung aber ausserhalb der borealen Florenreiche noch
sehr wenig bekannt geworden ist, sind teils in den vor-
hergehenden Beispielen schon deutlich genug hervor-
getreten, teils stimmen sie mit den die Hochstauden
liefernden (siehe S. 300) überein. Als Ergänzung mögen
aber noch die dort nicht genannten Rosaceen, zumal deren
Unterabteilung Dryadinen, als wichtig für boreale Matten-
formationen aufgeführt werden, auch noch die Saxi-
frageen, Gentianeen, Valerianeen, Primulaceen und ein-
zelne Plumbagineen („Grasnelken“); die Sileneen und
Alsineen sind wohl in den Matten und Triften ungleich
häufigere Bestandteile, als in den Wiesen oder als Teil-
nehmer an den Hochstaudenformationen.

Die Moos- und Flechtenformationen.

Den Gefässpflanzen gegenüber verhalten sich die
Zellenpflanzen in ihrem Geselligkeitsanschluss, in ihrer
Vermehrungs- und Verbreitungsweise, in ihrem Verhalten
gegenüber dem Klima und Boden und, wie sich von selbst
versteht, in ihrer physiognomischen Erscheinungsweise
so eigenartig, dass da, wo sie zu besonderen Formationen
zusammenschliessen, ihre Eigenartigkeit in diesen beson-
ders klar hervortritt. Die Moose und Flechten sind im
stande, solche Formationen auf dem festen Erdreich, auf
hartem Gestein und endlich als Besiedelung wasserüber-
strömter Geschiebe und Ablagerungen zu bilden, wobei
die Flechten gegenüber den Moosen die trockeneren Stand-
orte bevorzugen; die Algen herrschen im süssen Wasser
mit mannigfaltigen Blütenpflanzen zusammen, bilden aber
im Ozean die Formationen so gut wie allein; die Pilze
endlich vermögen bei ihrer abweichenden Ernährungs-
weise überhaupt keine eigenen Formationen zu bilden.

Die Moose und Flechten scheuen mit wenigen Aus-
nahmen das fliessende Wasser. Bei der Kleinheit ihres
Wuchses bilden sie im geselligen Zustande die niedersten
Formationen; aber sie verstärken sich durch Aufnahme

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[304/0334] Moos- und Flechtenformationen. Die hauptsächlichen Ordnungen, welche ausser Grä- sern, Seggen, Binsen und Simsen den Teppich der Mat- ten und Triften zu bilden pflegen, deren allgemeine Be- teiligung aber ausserhalb der borealen Florenreiche noch sehr wenig bekannt geworden ist, sind teils in den vor- hergehenden Beispielen schon deutlich genug hervor- getreten, teils stimmen sie mit den die Hochstauden liefernden (siehe S. 300) überein. Als Ergänzung mögen aber noch die dort nicht genannten Rosaceen, zumal deren Unterabteilung Dryadinen, als wichtig für boreale Matten- formationen aufgeführt werden, auch noch die Saxi- frageen, Gentianeen, Valerianeen, Primulaceen und ein- zelne Plumbagineen („Grasnelken“); die Sileneen und Alsineen sind wohl in den Matten und Triften ungleich häufigere Bestandteile, als in den Wiesen oder als Teil- nehmer an den Hochstaudenformationen. Die Moos- und Flechtenformationen. Den Gefässpflanzen gegenüber verhalten sich die Zellenpflanzen in ihrem Geselligkeitsanschluss, in ihrer Vermehrungs- und Verbreitungsweise, in ihrem Verhalten gegenüber dem Klima und Boden und, wie sich von selbst versteht, in ihrer physiognomischen Erscheinungsweise so eigenartig, dass da, wo sie zu besonderen Formationen zusammenschliessen, ihre Eigenartigkeit in diesen beson- ders klar hervortritt. Die Moose und Flechten sind im stande, solche Formationen auf dem festen Erdreich, auf hartem Gestein und endlich als Besiedelung wasserüber- strömter Geschiebe und Ablagerungen zu bilden, wobei die Flechten gegenüber den Moosen die trockeneren Stand- orte bevorzugen; die Algen herrschen im süssen Wasser mit mannigfaltigen Blütenpflanzen zusammen, bilden aber im Ozean die Formationen so gut wie allein; die Pilze endlich vermögen bei ihrer abweichenden Ernährungs- weise überhaupt keine eigenen Formationen zu bilden. Die Moose und Flechten scheuen mit wenigen Aus- nahmen das fliessende Wasser. Bei der Kleinheit ihres Wuchses bilden sie im geselligen Zustande die niedersten Formationen; aber sie verstärken sich durch Aufnahme

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Zitationshilfe: Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890, S. 304. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/drude_pflanzengeographie_1890/334>, abgerufen am 16.07.2019.