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Ebbinghaus, Hermann: Über das Gedächtnis. Leipzig, 1885.

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In Worten: wurden dreizehnsilbige sinnlose Reihen auswendig
gelernt und nachher nach verschiedenen zeitlichen Intervallen
wieder gelernt, so waren die Quotienten aus den hierbei er-
sparten und den hierbei gebrauchten Arbeitszeiten annähernd
umgekehrt proportional einer kleinen Potenz der Logarithmen
jener zeitlichen Intervalle. Oder kürzer und ungenauer: die
Quotienten aus Behaltenem und Vergessenem verhielten sich
umgekehrt wie die Logarithmen der Zeiten.

Natürlich hat dieser Satz und die ihm zu Grunde
liegende Formel hier keinen anderen Wert, als den einer
kurzen Notierung der obigen, unter den beschriebenen Um-
ständen gefundenen, einmaligen Resultate. Ob sie darüber
hinaus eine allgemeinere Bedeutung besitzen, wo dann die
Verschiedenheiten anderer Umstände oder anderer Individuali-
täten in anderen Konstanten ihren Ausdruck finden würden,
kann ich einstweilen nicht ausmachen.

§ 30.
Kontrollversuche.

Immerhin kann ich, allerdings immer nur für meine
eigene Individualität, zwei der mitgeteilten Werte einiger-
massen stützen durch Versuche, die zu anderen Zeitperioden
angestellt waren.

Aus einer noch älteren Periode als der der bisher mit-
geteilten Untersuchungen besitze ich einige Versuche mit
zehnsilbigen Reihen, deren je 15 zu einem Versuch zusammen-
gefasst waren. Die Reihen wurden erst gelernt und dann,
jede Reihe durchschnittlich 18 Minuten nach der Beendigung
des Lernens, wieder gelernt. Sechs Versuche ergaben dabei
folgende Resultate:

In Worten: wurden dreizehnsilbige sinnlose Reihen auswendig
gelernt und nachher nach verschiedenen zeitlichen Intervallen
wieder gelernt, so waren die Quotienten aus den hierbei er-
sparten und den hierbei gebrauchten Arbeitszeiten annähernd
umgekehrt proportional einer kleinen Potenz der Logarithmen
jener zeitlichen Intervalle. Oder kürzer und ungenauer: die
Quotienten aus Behaltenem und Vergessenem verhielten sich
umgekehrt wie die Logarithmen der Zeiten.

Natürlich hat dieser Satz und die ihm zu Grunde
liegende Formel hier keinen anderen Wert, als den einer
kurzen Notierung der obigen, unter den beschriebenen Um-
ständen gefundenen, einmaligen Resultate. Ob sie darüber
hinaus eine allgemeinere Bedeutung besitzen, wo dann die
Verschiedenheiten anderer Umstände oder anderer Individuali-
täten in anderen Konstanten ihren Ausdruck finden würden,
kann ich einstweilen nicht ausmachen.

§ 30.
Kontrollversuche.

Immerhin kann ich, allerdings immer nur für meine
eigene Individualität, zwei der mitgeteilten Werte einiger-
maſsen stützen durch Versuche, die zu anderen Zeitperioden
angestellt waren.

Aus einer noch älteren Periode als der der bisher mit-
geteilten Untersuchungen besitze ich einige Versuche mit
zehnsilbigen Reihen, deren je 15 zu einem Versuch zusammen-
gefaſst waren. Die Reihen wurden erst gelernt und dann,
jede Reihe durchschnittlich 18 Minuten nach der Beendigung
des Lernens, wieder gelernt. Sechs Versuche ergaben dabei
folgende Resultate:

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[107/0123] In Worten: wurden dreizehnsilbige sinnlose Reihen auswendig gelernt und nachher nach verschiedenen zeitlichen Intervallen wieder gelernt, so waren die Quotienten aus den hierbei er- sparten und den hierbei gebrauchten Arbeitszeiten annähernd umgekehrt proportional einer kleinen Potenz der Logarithmen jener zeitlichen Intervalle. Oder kürzer und ungenauer: die Quotienten aus Behaltenem und Vergessenem verhielten sich umgekehrt wie die Logarithmen der Zeiten. Natürlich hat dieser Satz und die ihm zu Grunde liegende Formel hier keinen anderen Wert, als den einer kurzen Notierung der obigen, unter den beschriebenen Um- ständen gefundenen, einmaligen Resultate. Ob sie darüber hinaus eine allgemeinere Bedeutung besitzen, wo dann die Verschiedenheiten anderer Umstände oder anderer Individuali- täten in anderen Konstanten ihren Ausdruck finden würden, kann ich einstweilen nicht ausmachen. § 30. Kontrollversuche. Immerhin kann ich, allerdings immer nur für meine eigene Individualität, zwei der mitgeteilten Werte einiger- maſsen stützen durch Versuche, die zu anderen Zeitperioden angestellt waren. Aus einer noch älteren Periode als der der bisher mit- geteilten Untersuchungen besitze ich einige Versuche mit zehnsilbigen Reihen, deren je 15 zu einem Versuch zusammen- gefaſst waren. Die Reihen wurden erst gelernt und dann, jede Reihe durchschnittlich 18 Minuten nach der Beendigung des Lernens, wieder gelernt. Sechs Versuche ergaben dabei folgende Resultate:

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Zitationshilfe: Ebbinghaus, Hermann: Über das Gedächtnis. Leipzig, 1885, S. 107. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ebbinghaus_gedaechtnis_1885/123>, abgerufen am 22.07.2019.