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Ebbinghaus, Hermann: Über das Gedächtnis. Leipzig, 1885.

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III.
Methode der Untersuchung.
§ 11.
Sinnlose Silbenreihen.

Um den Weg zu tieferem Eindringen in die Gedächtnis-
vorgänge, auf den die vorangegangenen Überlegungen hin-
weisen, einmal praktisch -- allerdings nur für ein sehr be-
schränktes Gebiet -- zu erproben, habe ich folgendes Ver-
fahren eingeschlagen.

Aus den einfachen Konsonanten des Alphabets und un-
seren elf Vokalen und Diphthongen wurden alle überhaupt
möglichen Silben einer bestimmten Art gebildet, und zwar alle
in der Weise, dass ein Vokallaut in der Mitte steht und zwei
Konsonanten ihn umgeben *. Diese Silben, ca. 2300 an der
Zahl, wurden durcheinander gemengt und dann, wie der Zu-
fall sie in die Hand führte, zu Reihen von verschiedener
Länge zusammengesetzt, deren mehrere jedesmal das Objekt

* Die benutzten Vokallaute waren, a, e, i, o, u, ä, ö, ü, au, ei, eu.
Am Anfang der Silben wurden verwandt die Konsonanten b, d, f, g, h,
j, k, l, m, n, p, r, s (= sz), t, w, ausserdem ch, sch, weiches s und das
französische j (zusammen 19); am Ende f, k, l, m, n, p, r, s (= sz), t,
ch, sch (zusammen 11). Für den Auslaut wurden weniger Konsonanten
III.
Methode der Untersuchung.
§ 11.
Sinnlose Silbenreihen.

Um den Weg zu tieferem Eindringen in die Gedächtnis-
vorgänge, auf den die vorangegangenen Überlegungen hin-
weisen, einmal praktisch — allerdings nur für ein sehr be-
schränktes Gebiet — zu erproben, habe ich folgendes Ver-
fahren eingeschlagen.

Aus den einfachen Konsonanten des Alphabets und un-
seren elf Vokalen und Diphthongen wurden alle überhaupt
möglichen Silben einer bestimmten Art gebildet, und zwar alle
in der Weise, dass ein Vokallaut in der Mitte steht und zwei
Konsonanten ihn umgeben *. Diese Silben, ca. 2300 an der
Zahl, wurden durcheinander gemengt und dann, wie der Zu-
fall sie in die Hand führte, zu Reihen von verschiedener
Länge zusammengesetzt, deren mehrere jedesmal das Objekt

* Die benutzten Vokallaute waren, a, e, i, o, u, ä, ö, ü, au, ei, eu.
Am Anfang der Silben wurden verwandt die Konsonanten b, d, f, g, h,
j, k, l, m, n, p, r, s (= sz), t, w, auſserdem ch, sch, weiches s und das
französische j (zusammen 19); am Ende f, k, l, m, n, p, r, s (= sz), t,
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[[30]/0046] III. Methode der Untersuchung. § 11. Sinnlose Silbenreihen. Um den Weg zu tieferem Eindringen in die Gedächtnis- vorgänge, auf den die vorangegangenen Überlegungen hin- weisen, einmal praktisch — allerdings nur für ein sehr be- schränktes Gebiet — zu erproben, habe ich folgendes Ver- fahren eingeschlagen. Aus den einfachen Konsonanten des Alphabets und un- seren elf Vokalen und Diphthongen wurden alle überhaupt möglichen Silben einer bestimmten Art gebildet, und zwar alle in der Weise, dass ein Vokallaut in der Mitte steht und zwei Konsonanten ihn umgeben *. Diese Silben, ca. 2300 an der Zahl, wurden durcheinander gemengt und dann, wie der Zu- fall sie in die Hand führte, zu Reihen von verschiedener Länge zusammengesetzt, deren mehrere jedesmal das Objekt * Die benutzten Vokallaute waren, a, e, i, o, u, ä, ö, ü, au, ei, eu. Am Anfang der Silben wurden verwandt die Konsonanten b, d, f, g, h, j, k, l, m, n, p, r, s (= sz), t, w, auſserdem ch, sch, weiches s und das französische j (zusammen 19); am Ende f, k, l, m, n, p, r, s (= sz), t, ch, sch (zusammen 11). Für den Auslaut wurden weniger Konsonanten

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Zitationshilfe: Ebbinghaus, Hermann: Über das Gedächtnis. Leipzig, 1885, S. [30]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ebbinghaus_gedaechtnis_1885/46>, abgerufen am 23.07.2019.