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Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 1. Hildesheim, 1747.

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Eine natürliche und geistliche Betrachtung des Tod.
Drum öfne unser Aug und laß uns sters er-
scheinen
Die Grösse deiner Macht, im Grossen und
im Kleinen.


Eine natürliche und geistliche
Betrachtung des Todes
bey dem Anblik eines Sterbenden.
Todes Thal du Schreckens Höle!
Zieh ich deinen Vorhang weg,
So verwirret meine Seele
Deines Eingangs banges Steg:
Deiner Schwellen finstre Klufft,
Zeiget mir die Aschen Grufft
Und die schweren Leichen Steine,
Als die Foltern meiner Beine.
Bitter ist das Angedenken,
Wenn ich meiner Glieder Bau,
Seh in enge Bretter schrenken
Wenn ich mich im Geist beschau
Als ein ausgedortes Gras
Steif, erfroren, bleich und blaß
Als ein Bild das jeden schrekket
Der mein Schaugerüst aufdekket.
Schmertzhafft scheints wenn man erweget,
Wenn sich Leib und Seele trent,
Wie
Eine natuͤrliche und geiſtliche Betrachtung des Tod.
Drum oͤfne unſer Aug und laß uns ſters er-
ſcheinen
Die Groͤſſe deiner Macht, im Groſſen und
im Kleinen.


Eine natuͤrliche und geiſtliche
Betrachtung des Todes
bey dem Anblik eines Sterbenden.
Todes Thal du Schreckens Hoͤle!
Zieh ich deinen Vorhang weg,
So verwirret meine Seele
Deines Eingangs banges Steg:
Deiner Schwellen finſtre Klufft,
Zeiget mir die Aſchen Grufft
Und die ſchweren Leichen Steine,
Als die Foltern meiner Beine.
Bitter iſt das Angedenken,
Wenn ich meiner Glieder Bau,
Seh in enge Bretter ſchrenken
Wenn ich mich im Geiſt beſchau
Als ein ausgedortes Gras
Steif, erfroren, bleich und blaß
Als ein Bild das jeden ſchrekket
Der mein Schaugeruͤſt aufdekket.
Schmertzhafft ſcheints wenn man erweget,
Wenn ſich Leib und Seele trent,
Wie
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[32/0048] Eine natuͤrliche und geiſtliche Betrachtung des Tod. Drum oͤfne unſer Aug und laß uns ſters er- ſcheinen Die Groͤſſe deiner Macht, im Groſſen und im Kleinen. Eine natuͤrliche und geiſtliche Betrachtung des Todes bey dem Anblik eines Sterbenden. Todes Thal du Schreckens Hoͤle! Zieh ich deinen Vorhang weg, So verwirret meine Seele Deines Eingangs banges Steg: Deiner Schwellen finſtre Klufft, Zeiget mir die Aſchen Grufft Und die ſchweren Leichen Steine, Als die Foltern meiner Beine. Bitter iſt das Angedenken, Wenn ich meiner Glieder Bau, Seh in enge Bretter ſchrenken Wenn ich mich im Geiſt beſchau Als ein ausgedortes Gras Steif, erfroren, bleich und blaß Als ein Bild das jeden ſchrekket Der mein Schaugeruͤſt aufdekket. Schmertzhafft ſcheints wenn man erweget, Wenn ſich Leib und Seele trent, Wie

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Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 1. Hildesheim, 1747, S. 32. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen01_1747/48>, abgerufen am 07.08.2020.