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Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 4. Hildesheim, 1747.

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Das Geld
Das Geld ein allgemeiner Ab-
gott der Welt.
Die Völker die der Wahn berükt, des
Jrthums Nebelrauch verhüllt,

Und die der arge Seelenfeind, mit Aber-
glauben ganz erfüllt,

Verliessen ihren wahren GOtt, der
über alles ist zu schäzzen,

Und wählten sich an dessen Stat, aus Wahnwiz
selbst geschnizte Gözzen.

Zuerst ist woll des Himmels Licht, das grosse Au-
ge dieser Welt,

Die Sonne die so herrlich strahlt, die durch die
Wärme das erhält,

Was in Naturreich wächst und blüht, von denen un-
erfahrnen Alten

Vor einen GOtt der ganzen Welt, wie die Ge-
schichte lehrt, gehalten.

Allein nachdem hat jedes Land sich einen Abgott aus-
erkohrn,

Der als ein tapfrer Held dem Volk etwan zu Vor-
theil ward gebohrn.

Sieht man in jene trübe Zeit, da Finsternis die Erd
bedekket,

Der Aberglaube gröstentheils sich über alle Welt er-
strekket;

Da
Das Geld
Das Geld ein allgemeiner Ab-
gott der Welt.
Die Voͤlker die der Wahn beruͤkt, des
Jrthums Nebelrauch verhuͤllt,

Und die der arge Seelenfeind, mit Aber-
glauben ganz erfuͤllt,

Verlieſſen ihren wahren GOtt, der
uͤber alles iſt zu ſchaͤzzen,

Und waͤhlten ſich an deſſen Stat, aus Wahnwiz
ſelbſt geſchnizte Goͤzzen.

Zuerſt iſt woll des Himmels Licht, das groſſe Au-
ge dieſer Welt,

Die Sonne die ſo herrlich ſtrahlt, die durch die
Waͤrme das erhaͤlt,

Was in Naturreich waͤchſt und bluͤht, von denen un-
erfahrnen Alten

Vor einen GOtt der ganzen Welt, wie die Ge-
ſchichte lehrt, gehalten.

Allein nachdem hat jedes Land ſich einen Abgott aus-
erkohrn,

Der als ein tapfrer Held dem Volk etwan zu Vor-
theil ward gebohrn.

Sieht man in jene truͤbe Zeit, da Finſternis die Erd
bedekket,

Der Aberglaube groͤſtentheils ſich uͤber alle Welt er-
ſtrekket;

Da
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[212/0228] Das Geld Das Geld ein allgemeiner Ab- gott der Welt. Die Voͤlker die der Wahn beruͤkt, des Jrthums Nebelrauch verhuͤllt, Und die der arge Seelenfeind, mit Aber- glauben ganz erfuͤllt, Verlieſſen ihren wahren GOtt, der uͤber alles iſt zu ſchaͤzzen, Und waͤhlten ſich an deſſen Stat, aus Wahnwiz ſelbſt geſchnizte Goͤzzen. Zuerſt iſt woll des Himmels Licht, das groſſe Au- ge dieſer Welt, Die Sonne die ſo herrlich ſtrahlt, die durch die Waͤrme das erhaͤlt, Was in Naturreich waͤchſt und bluͤht, von denen un- erfahrnen Alten Vor einen GOtt der ganzen Welt, wie die Ge- ſchichte lehrt, gehalten. Allein nachdem hat jedes Land ſich einen Abgott aus- erkohrn, Der als ein tapfrer Held dem Volk etwan zu Vor- theil ward gebohrn. Sieht man in jene truͤbe Zeit, da Finſternis die Erd bedekket, Der Aberglaube groͤſtentheils ſich uͤber alle Welt er- ſtrekket; Da

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Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 4. Hildesheim, 1747, S. 212. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen04_1747/228>, abgerufen am 21.07.2019.