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Erbkam, Georg Gustav: Tagebuch meiner egyptischen Reise. Teil 3. Ägypten, 1844-1845.

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sich wichtig thun will, fällt sehr ab, da er uns zuerst mit Grobheit behandelt (ist wahrscheinlich ein Pole). Auch der Direktor der Anstalt ist ein Pole; der dicke Arzt scheint Franzose. Heut Nachmittag einen Theil des Evangeliums Matthäi gelesen. - Das war der 1ste Quarantänetag. - Einen Brief an Abeken geschrieben. -

Freitag den 25ten Juli 1845. Vormittags werden die Briefe an den Consul Murad und an Abeken (inclusive dem von Lepsius un Lieder) in die Stadt besorgt. Besuch von unsrem gestrigen Deutschen, ein alter freundlicher Mann Namens Hanauer, ein Baier, der eigentlich englischer Missionaragent hier ist, aber auch die Sekretariatsgeschäfte des preußischen Consulats besorgt. Er kam mit dem Bruder des Consuls Murat, einem netten jungen Mann. Leider ist die Quarantäne 15 Tage, doch wird es wohl mit 11 Tagen höchstens sein Bewenden haben. Jerusalem kann man von hier zu Pferde in 7 - 8 Stunden erreichen, mit Gepäck aber geht man natürlich länger. - Das Evangelium Matthäi ausgelesen, die Aussicht aus der Wohnung gezeichnet, um sie zu tuschen. - Die 5 Deutschen ( 1 Apotheker, 2 Tischler, 1 Schneider und 1 Schweizer Drechsler) besucht, die zu ebner Erde einquartirt sind. Komische Scene mit dem Gelde in Seifenwasser, dem [Anfassen] der Briefe und Räuchern derselben pp. Abends Domino gespielt.

Sonnabend den 26ten Juli 1845. Nach schlecht durchbrachter Nacht heut Vormittag Besuch vom Doktor, der erste Nichtdiener, der sich um uns bisher gekümmert hat; ein dicker jovialer Franzose, der unsern [Raum] notiert und uns erlaubt, einen Spatziergang auf die Berge zu machen, natürlich nicht ohne Wache. Abends trefflichen Seefisch gegessen.

Sonntag den 27ten Juli 1845. Den dicken Georgi heut Vormittag porträtiert; ferner Besuch von Hanauer; Nachmittags Spatziergang am Meeresufer und Seebad. -

Montag den 28ten Juli 1845. Gemalt und Max porträtiert; Brief an Wildenbruch geschrieben. -

Dienstag den 29ten Juli 1845. Vormittags Besuch vom Direktor, mit dem wir ein Glas Liqueur zusammen trinken. Die französische Corvette heut der Julitage wegen mit allen Flaggen. Nachmittags um 5 Uhr Spatziergang am Meeresufer entlang auf eine Art Belvedere auf den Uferbergen, eigentlich wohl ein

sich wichtig thun will, fällt sehr ab, da er uns zuerst mit Grobheit behandelt (ist wahrscheinlich ein Pole). Auch der Direktor der Anstalt ist ein Pole; der dicke Arzt scheint Franzose. Heut Nachmittag einen Theil des Evangeliums Matthäi gelesen. - Das war der 1ste Quarantänetag. - Einen Brief an Abeken geschrieben. -

Freitag den 25ten Juli 1845. Vormittags werden die Briefe an den Consul Murad und an Abeken (inclusive dem von Lepsius un Lieder) in die Stadt besorgt. Besuch von unsrem gestrigen Deutschen, ein alter freundlicher Mann Namens Hanauer, ein Baier, der eigentlich englischer Missionaragent hier ist, aber auch die Sekretariatsgeschäfte des preußischen Consulats besorgt. Er kam mit dem Bruder des Consuls Murat, einem netten jungen Mann. Leider ist die Quarantäne 15 Tage, doch wird es wohl mit 11 Tagen höchstens sein Bewenden haben. Jerusalem kann man von hier zu Pferde in 7 - 8 Stunden erreichen, mit Gepäck aber geht man natürlich länger. - Das Evangelium Matthäi ausgelesen, die Aussicht aus der Wohnung gezeichnet, um sie zu tuschen. - Die 5 Deutschen ( 1 Apotheker, 2 Tischler, 1 Schneider und 1 Schweizer Drechsler) besucht, die zu ebner Erde einquartirt sind. Komische Scene mit dem Gelde in Seifenwasser, dem [Anfassen] der Briefe und Räuchern derselben pp. Abends Domino gespielt.

Sonnabend den 26ten Juli 1845. Nach schlecht durchbrachter Nacht heut Vormittag Besuch vom Doktor, der erste Nichtdiener, der sich um uns bisher gekümmert hat; ein dicker jovialer Franzose, der unsern [Raum] notiert und uns erlaubt, einen Spatziergang auf die Berge zu machen, natürlich nicht ohne Wache. Abends trefflichen Seefisch gegessen.

Sonntag den 27ten Juli 1845. Den dicken Georgi heut Vormittag porträtiert; ferner Besuch von Hanauer; Nachmittags Spatziergang am Meeresufer und Seebad. -

Montag den 28ten Juli 1845. Gemalt und Max porträtiert; Brief an Wildenbruch geschrieben. -

Dienstag den 29ten Juli 1845. Vormittags Besuch vom Direktor, mit dem wir ein Glas Liqueur zusammen trinken. Die französische Corvette heut der Julitage wegen mit allen Flaggen. Nachmittags um 5 Uhr Spatziergang am Meeresufer entlang auf eine Art Belvedere auf den Uferbergen, eigentlich wohl ein

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[76/0077] sich wichtig thun will, fällt sehr ab, da er uns zuerst mit Grobheit behandelt (ist wahrsch ein Pole). Auch d Direktor der Anstalt ist e Pole; der dicke Arzt scheint Franzose. Heut Nachm einen Theil des Evang Matthäi gelesen. - Das war der 1ste Quarantänetag. - Ein Brief an Abeken geschrieben. - Freitag d 25ten Juli 1845. Vorm werden die Briefe an den Consul Murad d an Abeken (incl dem v Leps d Lieder) in d Stadt besorgt. Besuch v unsrem gestrigen Deutschen, ein alter freundlicher Mann Namens Hanauer, ein Baier, der eigentlich engl Missionaragent hier ist, aber auch die Sekretariatsgeschäfte des preuß Consulats besorgt. Er kam mit d Bruder des Cons Murat, einem netten jungen Mann. Leider ist d Quarantäne 15 Tage, doch wird es wohl mit 11 Tagen höchstens s Bewenden haben. Jerus kann m v hier zu Pferde in 7 - 8 Stunden erreichen, mit Gepäck ab geht m natürlich länger. - Das Evang Matthäi ausgelesen, die Aussicht aus d Wohnung gezeichnet, um sie zu tuschen. - Die 5 Deutschen ( 1 Apoth, 2 Tischler, 1 Schneider d 1 Schweizer Drechsler) besucht, die zu ebner Erde einquartirt sind. Komische Scene mit d Gelde in Seifenwasser, dem Anfassen der Briefe d Räuchern derselben pp. Abends Domino gespielt. Sonnabend d 26ten Juli 1845. Nach schlecht durchbrachter Nacht heut Vorm Besuch v Doktor, der erste Nichtdiener, der sich um uns bisher gekümmert hat; ein dicker jovialer Franzose, der unsern Raum notiert d uns erlaubt, e Spatziergang auf d Berge zu machen, natürlich nicht ohne Wache. Abends trefflichen Seefisch gegessen. Sonntag d 27ten Juli 1845. Den dicken Georgi heut Vorm porträtiert; ferner Besuch v Hanauer; Nachm Spatziergang am Meeresufer d Seebad. - Montag d 28ten Juli 1845. Gemalt d Max porträtiert; Brief an Wildenbruch geschrieben. - Dienstag d 29ten Juli 1845. Vorm Besuch v Direktor, mit dem wir e Glas Liqueur zus trinken. Die franz Corvette heut der Julitage wegen mit allen Flaggen. Nachm um 5 Uhr Spatziergang am Meeresufer entlang auf eine Art Belvedere auf den Uferbergen, eigentlich wohl ein

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Zitationshilfe: Erbkam, Georg Gustav: Tagebuch meiner egyptischen Reise. Teil 3. Ägypten, 1844-1845, S. 76. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/erbkam_tagebuch03_1844/77>, abgerufen am 18.03.2019.