Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

Bild:
<< vorherige Seite
LXIII haubtstück
§ 2721
der stolle
ist?

Der stolle ist ein gang, der unten am gebürge
in einem tale gerade durch in jenes getriben wird,
um wetter einzubringen, das wasser zu benemen,
auch die vorligenden gänge überfaren zu können.
Er ist anderthalb lachter hoch, und vier werkschuhe
breit. Man teilet solchen in den erb-haubt-raub-
special- fug- tag-stollen.

§ 2722
was schür-
fen heisset?

Schürfen, oder schurfwerfen heisset: Wenn
man am tage einschläget, und nach gängen und
klüften zu suchen anfänget. Dises ist auf feldern,
wisen, gärten, gehölzen und anderen orten zu tun
verstattet. Hingegen mag der schürfer sich an
besamete äcker, unter den tisch und unter das bett,
auch die feuer-statt des besizers nicht wagen.
Beim einschlagen unter den gebäuden und höfen
muß der schürfer vorstand leisten. Er ist auch,
wo er nichts findet, die schürfe wieder einzufüllen,
und eben zu machen gehalten.

§ 2723
wie das
bergwerk
vorzubilden
ist?

Wer kein bergwerk gesehen hat; der muß sich
vorstellen, ob er auf leitern, die in gerader lini
stehen, und etliche und mehr hundert lachtern sich
erstrecken, one schwindel hinunter zu klettern sich
getraue? Die lachter beträgt 80 zolle; getrauet
er sich aber nicht, so überlasse er sich der kunst des
steigers, und diser lässet ihn bergmännisch anklei-
den; anerwogen wegen der feucht- und fettigkeiten
man seine kleidung sonst verdirbet. Man fänget
daher im stellen an. Der steiger mit dem lichte
füret einen an. Hir traufet es bald stark, bald
kömmt ein fleck, wo ein guß gleich einem wetter-
regen sich zeiget. Da sihet man einen behälter
mit einem geländer, wo das tropfende wasser sich
sammlet, und man erreget sich der errinnerung

eines
LXIII haubtſtuͤck
§ 2721
der ſtolle
iſt?

Der ſtolle iſt ein gang, der unten am gebuͤrge
in einem tale gerade durch in jenes getriben wird,
um wetter einzubringen, das waſſer zu benemen,
auch die vorligenden gaͤnge uͤberfaren zu koͤnnen.
Er iſt anderthalb lachter hoch, und vier werkſchuhe
breit. Man teilet ſolchen in den erb-haubt-raub-
ſpecial- fug- tag-ſtollen.

§ 2722
was ſchuͤr-
fen heiſſet?

Schuͤrfen, oder ſchurfwerfen heiſſet: Wenn
man am tage einſchlaͤget, und nach gaͤngen und
kluͤften zu ſuchen anfaͤnget. Diſes iſt auf feldern,
wiſen, gaͤrten, gehoͤlzen und anderen orten zu tun
verſtattet. Hingegen mag der ſchuͤrfer ſich an
beſamete aͤcker, unter den tiſch und unter das bett,
auch die feuer-ſtatt des beſizers nicht wagen.
Beim einſchlagen unter den gebaͤuden und hoͤfen
muß der ſchuͤrfer vorſtand leiſten. Er iſt auch,
wo er nichts findet, die ſchuͤrfe wieder einzufuͤllen,
und eben zu machen gehalten.

§ 2723
wie das
bergwerk
vorzubilden
iſt?

Wer kein bergwerk geſehen hat; der muß ſich
vorſtellen, ob er auf leitern, die in gerader lini
ſtehen, und etliche und mehr hundert lachtern ſich
erſtrecken, one ſchwindel hinunter zu klettern ſich
getraue? Die lachter betraͤgt 80 zolle; getrauet
er ſich aber nicht, ſo uͤberlaſſe er ſich der kunſt des
ſteigers, und diſer laͤſſet ihn bergmaͤnniſch anklei-
den; anerwogen wegen der feucht- und fettigkeiten
man ſeine kleidung ſonſt verdirbet. Man faͤnget
daher im ſtellen an. Der ſteiger mit dem lichte
fuͤret einen an. Hir traufet es bald ſtark, bald
koͤmmt ein fleck, wo ein guß gleich einem wetter-
regen ſich zeiget. Da ſihet man einen behaͤlter
mit einem gelaͤnder, wo das tropfende waſſer ſich
ſammlet, und man erreget ſich der errinnerung

eines
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f1098" n="1086"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">LXIII</hi> haubt&#x017F;tu&#x0364;ck</hi> </fw><lb/>
            <div n="4">
              <head>§ 2721</head><lb/>
              <note place="left">der &#x017F;tolle<lb/>
i&#x017F;t?</note>
              <p>Der &#x017F;tolle i&#x017F;t ein gang, der unten am gebu&#x0364;rge<lb/>
in einem tale gerade durch in jenes getriben wird,<lb/>
um wetter einzubringen, das wa&#x017F;&#x017F;er zu benemen,<lb/>
auch die vorligenden ga&#x0364;nge u&#x0364;berfaren zu ko&#x0364;nnen.<lb/>
Er i&#x017F;t anderthalb lachter hoch, und vier werk&#x017F;chuhe<lb/>
breit. Man teilet &#x017F;olchen in den erb-haubt-raub-<lb/>
&#x017F;pecial- fug- tag-&#x017F;tollen.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§ 2722</head><lb/>
              <note place="left">was &#x017F;chu&#x0364;r-<lb/>
fen hei&#x017F;&#x017F;et?</note>
              <p>Schu&#x0364;rfen, oder &#x017F;churfwerfen hei&#x017F;&#x017F;et: Wenn<lb/>
man am tage ein&#x017F;chla&#x0364;get, und nach ga&#x0364;ngen und<lb/>
klu&#x0364;ften zu &#x017F;uchen anfa&#x0364;nget. Di&#x017F;es i&#x017F;t auf feldern,<lb/>
wi&#x017F;en, ga&#x0364;rten, geho&#x0364;lzen und anderen orten zu tun<lb/>
ver&#x017F;tattet. Hingegen mag der &#x017F;chu&#x0364;rfer &#x017F;ich an<lb/>
be&#x017F;amete a&#x0364;cker, unter den ti&#x017F;ch und unter das bett,<lb/>
auch die feuer-&#x017F;tatt des be&#x017F;izers nicht wagen.<lb/>
Beim ein&#x017F;chlagen unter den geba&#x0364;uden und ho&#x0364;fen<lb/>
muß der &#x017F;chu&#x0364;rfer vor&#x017F;tand lei&#x017F;ten. Er i&#x017F;t auch,<lb/>
wo er nichts findet, die &#x017F;chu&#x0364;rfe wieder einzufu&#x0364;llen,<lb/>
und eben zu machen gehalten.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§ 2723</head><lb/>
              <note place="left">wie das<lb/>
bergwerk<lb/>
vorzubilden<lb/>
i&#x017F;t?</note>
              <p>Wer kein bergwerk ge&#x017F;ehen hat; der muß &#x017F;ich<lb/>
vor&#x017F;tellen, ob er auf leitern, die in gerader lini<lb/>
&#x017F;tehen, und etliche und mehr hundert lachtern &#x017F;ich<lb/>
er&#x017F;trecken, one &#x017F;chwindel hinunter zu klettern &#x017F;ich<lb/>
getraue? Die lachter betra&#x0364;gt 80 zolle; getrauet<lb/>
er &#x017F;ich aber nicht, &#x017F;o u&#x0364;berla&#x017F;&#x017F;e er &#x017F;ich der kun&#x017F;t des<lb/>
&#x017F;teigers, und di&#x017F;er la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et ihn bergma&#x0364;nni&#x017F;ch anklei-<lb/>
den; anerwogen wegen der feucht- und fettigkeiten<lb/>
man &#x017F;eine kleidung &#x017F;on&#x017F;t verdirbet. Man fa&#x0364;nget<lb/>
daher im &#x017F;tellen an. Der &#x017F;teiger mit dem lichte<lb/>
fu&#x0364;ret einen an. Hir traufet es bald &#x017F;tark, bald<lb/>
ko&#x0364;mmt ein fleck, wo ein guß gleich einem wetter-<lb/>
regen &#x017F;ich zeiget. Da &#x017F;ihet man einen beha&#x0364;lter<lb/>
mit einem gela&#x0364;nder, wo das tropfende wa&#x017F;&#x017F;er &#x017F;ich<lb/>
&#x017F;ammlet, und man erreget &#x017F;ich der errinnerung<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">eines</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[1086/1098] LXIII haubtſtuͤck § 2721 Der ſtolle iſt ein gang, der unten am gebuͤrge in einem tale gerade durch in jenes getriben wird, um wetter einzubringen, das waſſer zu benemen, auch die vorligenden gaͤnge uͤberfaren zu koͤnnen. Er iſt anderthalb lachter hoch, und vier werkſchuhe breit. Man teilet ſolchen in den erb-haubt-raub- ſpecial- fug- tag-ſtollen. § 2722 Schuͤrfen, oder ſchurfwerfen heiſſet: Wenn man am tage einſchlaͤget, und nach gaͤngen und kluͤften zu ſuchen anfaͤnget. Diſes iſt auf feldern, wiſen, gaͤrten, gehoͤlzen und anderen orten zu tun verſtattet. Hingegen mag der ſchuͤrfer ſich an beſamete aͤcker, unter den tiſch und unter das bett, auch die feuer-ſtatt des beſizers nicht wagen. Beim einſchlagen unter den gebaͤuden und hoͤfen muß der ſchuͤrfer vorſtand leiſten. Er iſt auch, wo er nichts findet, die ſchuͤrfe wieder einzufuͤllen, und eben zu machen gehalten. § 2723 Wer kein bergwerk geſehen hat; der muß ſich vorſtellen, ob er auf leitern, die in gerader lini ſtehen, und etliche und mehr hundert lachtern ſich erſtrecken, one ſchwindel hinunter zu klettern ſich getraue? Die lachter betraͤgt 80 zolle; getrauet er ſich aber nicht, ſo uͤberlaſſe er ſich der kunſt des ſteigers, und diſer laͤſſet ihn bergmaͤnniſch anklei- den; anerwogen wegen der feucht- und fettigkeiten man ſeine kleidung ſonſt verdirbet. Man faͤnget daher im ſtellen an. Der ſteiger mit dem lichte fuͤret einen an. Hir traufet es bald ſtark, bald koͤmmt ein fleck, wo ein guß gleich einem wetter- regen ſich zeiget. Da ſihet man einen behaͤlter mit einem gelaͤnder, wo das tropfende waſſer ſich ſammlet, und man erreget ſich der errinnerung eines

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/1098
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 1086. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/1098>, abgerufen am 19.03.2019.