Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

Bild:
<< vorherige Seite

LI haubst. von den
eines spruchsprechers kleidung und s. 554 ihre sing
noten, auch 503 die namen der sänger stehen.
Diese leute sollen nach maasgebung der reichsge-
säze wie die schalksnarren bestrafet werden, poli-
ceiordnung
1530, tit. 38, 1548 tit. 30. In den
Fürstlich Hessen-Casselischen landen sollen keine
fremde musicanten gedultet werden, innhaltes der
Fürstl. Verordnung vom jahre 1739, fol. von den
spilen auf musicalischen instrumenten etc. § 1.

Ein und funfzigstes haubtstück
von den hohen schulen.
§ 323
was eine
universität
sei?

In einigen städten befinden sich auch universitä-
ten. Eine universität ist ein vom kaiser be-
gnadigtes corpus, welches aus vier facultäten be-
stehet. Es wird zwar wegen der universitäten
Paris und Paderborn der einwurf gemacht, daß
diese universitäten wären, ohne daß eine juristen
facultät sich dabei befände, Kölers münzbelustig.
VIII th. s. 335. allein man nimt hier das wort, wie
es seyn soll, auch meistens befunden wird. Unter
diesen ist die älteste die juristische, immaßen kaiser
Friderich der erste, gewissen lehrern des Römi-
schen rechtes zu Bononien, die macht gegeben hat,
solches zu erklären, Keufel von der Bononischen
schule, Fleury in institut. s. 210. Denn als die
städte in Italien einen aufstand erregten, brachten
sie die juristen zu Bononien zum gehorsam. Zum
dank erhielten sie die gewalt zu lehren, den doctor
titel, und ihre schulen gewisse freiheiten, welche in
der authentica habita c. ne filius pro patre be-
findlich sind, darauf machten die artisten auch ein
geschlossenes collegium, welches facultas 7 artium

libe-

LI haubſt. von den
eines ſpruchſprechers kleidung und ſ. 554 ihre ſing
noten, auch 503 die namen der ſaͤnger ſtehen.
Dieſe leute ſollen nach maasgebung der reichsge-
ſaͤze wie die ſchalksnarren beſtrafet werden, poli-
ceiordnung
1530, tit. 38, 1548 tit. 30. In den
Fuͤrſtlich Heſſen-Caſſeliſchen landen ſollen keine
fremde muſicanten gedultet werden, innhaltes der
Fuͤrſtl. Verordnung vom jahre 1739, fol. von den
ſpilen auf muſicaliſchen inſtrumenten ꝛc. § 1.

Ein und funfzigſtes haubtſtuͤck
von den hohen ſchulen.
§ 323
was eine
univerſitaͤt
ſei?

In einigen ſtaͤdten befinden ſich auch univerſitaͤ-
ten. Eine univerſitaͤt iſt ein vom kaiſer be-
gnadigtes corpus, welches aus vier facultaͤten be-
ſtehet. Es wird zwar wegen der univerſitaͤten
Paris und Paderborn der einwurf gemacht, daß
dieſe univerſitaͤten waͤren, ohne daß eine juriſten
facultaͤt ſich dabei befaͤnde, Koͤlers muͤnzbeluſtig.
VIII th. ſ. 335. allein man nimt hier das wort, wie
es ſeyn ſoll, auch meiſtens befunden wird. Unter
dieſen iſt die aͤlteſte die juriſtiſche, immaßen kaiſer
Friderich der erſte, gewiſſen lehrern des Roͤmi-
ſchen rechtes zu Bononien, die macht gegeben hat,
ſolches zu erklaͤren, Keufel von der Bononiſchen
ſchule, Fleury in inſtitut. ſ. 210. Denn als die
ſtaͤdte in Italien einen aufſtand erregten, brachten
ſie die juriſten zu Bononien zum gehorſam. Zum
dank erhielten ſie die gewalt zu lehren, den doctor
titel, und ihre ſchulen gewiſſe freiheiten, welche in
der authentica habita c. ne filius pro patre be-
findlich ſind, darauf machten die artiſten auch ein
geſchloſſenes collegium, welches facultas 7 artium

libe-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0148" n="138"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">LI</hi> haub&#x017F;t. von den</hi></fw><lb/>
eines &#x017F;pruch&#x017F;prechers kleidung und &#x017F;. 554 ihre &#x017F;ing<lb/>
noten, auch 503 die namen der &#x017F;a&#x0364;nger &#x017F;tehen.<lb/>
Die&#x017F;e leute &#x017F;ollen nach maasgebung der reichsge-<lb/>
&#x017F;a&#x0364;ze wie die &#x017F;chalksnarren be&#x017F;trafet werden, <hi rendition="#fr">poli-<lb/>
ceiordnung</hi> 1530, tit. 38, 1548 tit. 30. In den<lb/>
Fu&#x0364;r&#x017F;tlich He&#x017F;&#x017F;en-Ca&#x017F;&#x017F;eli&#x017F;chen landen &#x017F;ollen keine<lb/>
fremde mu&#x017F;icanten gedultet werden, innhaltes der<lb/>
Fu&#x0364;r&#x017F;tl. Verordnung vom jahre 1739, fol. von den<lb/>
&#x017F;pilen auf mu&#x017F;icali&#x017F;chen in&#x017F;trumenten &#xA75B;c. § 1.</p>
          </div>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Ein und funfzig&#x017F;tes haubt&#x017F;tu&#x0364;ck<lb/><hi rendition="#g">von den hohen &#x017F;chulen</hi>.</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head>§ 323</head><lb/>
            <note place="left">was eine<lb/>
univer&#x017F;ita&#x0364;t<lb/>
&#x017F;ei?</note>
            <p><hi rendition="#in">I</hi>n einigen &#x017F;ta&#x0364;dten befinden &#x017F;ich auch univer&#x017F;ita&#x0364;-<lb/>
ten. Eine univer&#x017F;ita&#x0364;t i&#x017F;t ein vom kai&#x017F;er be-<lb/>
gnadigtes corpus, welches aus vier faculta&#x0364;ten be-<lb/>
&#x017F;tehet. Es wird zwar wegen der univer&#x017F;ita&#x0364;ten<lb/>
Paris und Paderborn der einwurf gemacht, daß<lb/>
die&#x017F;e univer&#x017F;ita&#x0364;ten wa&#x0364;ren, ohne daß eine juri&#x017F;ten<lb/>
faculta&#x0364;t &#x017F;ich dabei befa&#x0364;nde, <hi rendition="#fr">Ko&#x0364;lers</hi> mu&#x0364;nzbelu&#x017F;tig.<lb/><hi rendition="#aq">VIII</hi> th. &#x017F;. 335. allein man nimt hier das wort, wie<lb/>
es &#x017F;eyn &#x017F;oll, auch mei&#x017F;tens befunden wird. Unter<lb/>
die&#x017F;en i&#x017F;t die a&#x0364;lte&#x017F;te die juri&#x017F;ti&#x017F;che, immaßen kai&#x017F;er<lb/>
Friderich der er&#x017F;te, gewi&#x017F;&#x017F;en lehrern des Ro&#x0364;mi-<lb/>
&#x017F;chen rechtes zu Bononien, die macht gegeben hat,<lb/>
&#x017F;olches zu erkla&#x0364;ren, <hi rendition="#fr">Keufel</hi> von der Bononi&#x017F;chen<lb/>
&#x017F;chule, <hi rendition="#fr">Fleury</hi> in <hi rendition="#aq">in&#x017F;titut.</hi> &#x017F;. 210. Denn als die<lb/>
&#x017F;ta&#x0364;dte in Italien einen auf&#x017F;tand erregten, brachten<lb/>
&#x017F;ie die juri&#x017F;ten zu Bononien zum gehor&#x017F;am. Zum<lb/>
dank erhielten &#x017F;ie die gewalt zu lehren, den doctor<lb/>
titel, und ihre &#x017F;chulen gewi&#x017F;&#x017F;e freiheiten, welche in<lb/>
der <hi rendition="#aq">authentica habita c. ne filius pro patre</hi> be-<lb/>
findlich &#x017F;ind, darauf machten die arti&#x017F;ten auch ein<lb/>
ge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;enes collegium, welches facultas 7 <hi rendition="#aq">artium</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">libe-</hi></fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[138/0148] LI haubſt. von den eines ſpruchſprechers kleidung und ſ. 554 ihre ſing noten, auch 503 die namen der ſaͤnger ſtehen. Dieſe leute ſollen nach maasgebung der reichsge- ſaͤze wie die ſchalksnarren beſtrafet werden, poli- ceiordnung 1530, tit. 38, 1548 tit. 30. In den Fuͤrſtlich Heſſen-Caſſeliſchen landen ſollen keine fremde muſicanten gedultet werden, innhaltes der Fuͤrſtl. Verordnung vom jahre 1739, fol. von den ſpilen auf muſicaliſchen inſtrumenten ꝛc. § 1. Ein und funfzigſtes haubtſtuͤck von den hohen ſchulen. § 323 In einigen ſtaͤdten befinden ſich auch univerſitaͤ- ten. Eine univerſitaͤt iſt ein vom kaiſer be- gnadigtes corpus, welches aus vier facultaͤten be- ſtehet. Es wird zwar wegen der univerſitaͤten Paris und Paderborn der einwurf gemacht, daß dieſe univerſitaͤten waͤren, ohne daß eine juriſten facultaͤt ſich dabei befaͤnde, Koͤlers muͤnzbeluſtig. VIII th. ſ. 335. allein man nimt hier das wort, wie es ſeyn ſoll, auch meiſtens befunden wird. Unter dieſen iſt die aͤlteſte die juriſtiſche, immaßen kaiſer Friderich der erſte, gewiſſen lehrern des Roͤmi- ſchen rechtes zu Bononien, die macht gegeben hat, ſolches zu erklaͤren, Keufel von der Bononiſchen ſchule, Fleury in inſtitut. ſ. 210. Denn als die ſtaͤdte in Italien einen aufſtand erregten, brachten ſie die juriſten zu Bononien zum gehorſam. Zum dank erhielten ſie die gewalt zu lehren, den doctor titel, und ihre ſchulen gewiſſe freiheiten, welche in der authentica habita c. ne filius pro patre be- findlich ſind, darauf machten die artiſten auch ein geſchloſſenes collegium, welches facultas 7 artium libe-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/148
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 138. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/148>, abgerufen am 16.02.2019.