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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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der verstorbenen fremdlinge verlassens.
disput. de vsu practico juris Albinagii, Fran-
ckenstein, Dithmar
de jure Albinagii, Christ.
Friderich George Meister
de statu ciuitatis,
§ 17, s. 17 fg. Die Soestische Schraa art. 13.

§ 120

Dieweil die Franzosen sothanes recht wider dieist in
Teutsch-
land nicht
gänzlich
unbekannt.

Teutschen so sträcklich beobachten; als ist in Teutsch-
land das vergeltungsrecht (retorsion) eingeführet,
Johann Schilter de jure peregrinorum, § 22,
s. 166. Ehedem hat man dieses recht in Teutsch-
land ebenfalls gehabt, Pestel am a. o. Es sind
auch noch hin und wieder überbleibsele davon an-
zutreffen.

§ 121

Aus der besondern landsmannschaft eines lan-woher das
wildfangs-
recht zu lei-
ten sey?

des, oder einer provinz, in absicht auf die andre,
ist das wildfangsrecht geflossen. Die fahrenden
leute wurden leibeigen, sie durften iedoch heiraten,
vermogten gleichwol zu keinem ehrenamte zu gelan-
gen, wurden auch in keine zünfte gelassen, doch kon-
ten sie testiren.

§ 122

Die pfeiffer, spielleute und kesselflicker gehöre-die pfeiffer
und kessel-
flicker ge-
höreten un-
ter die fah-
renden leu-
te.

ten ebenfalls unter die fahrenden leute, Johann
Friderich Scheid
in der probeschrift de jure in
musicos singulari Rappoltsteinensi,
Straßb.
1719, s. 18 fg. Allermasen dergleichen leute als
landstreicher und niederträchtige menschen den Teut-
schen sehr verhaßt waren, mithin ihre kinder nicht
einmal in den handwerckern aufnemen wollten;
so hat disem in den reichsgesäzen abhelfliche maaße
verschaffet werden müssen, policeiordnung zu
Augsburg
1548 tit. 37 § 1, 1577 tit. 38 § 1.

Zwan-
D 3

der verſtorbenen fremdlinge verlaſſenſ.
diſput. de vſu practico juris Albinagii, Fran-
ckenſtein, Dithmar
de jure Albinagii, Chriſt.
Friderich George Meiſter
de ſtatu ciuitatis,
§ 17, ſ. 17 fg. Die Soeſtiſche Schraa art. 13.

§ 120

Dieweil die Franzoſen ſothanes recht wider dieiſt in
Teutſch-
land nicht
gaͤnzlich
unbekannt.

Teutſchen ſo ſtraͤcklich beobachten; als iſt in Teutſch-
land das vergeltungsrecht (retorſion) eingefuͤhret,
Johann Schilter de jure peregrinorum, § 22,
ſ. 166. Ehedem hat man dieſes recht in Teutſch-
land ebenfalls gehabt, Peſtel am a. o. Es ſind
auch noch hin und wieder uͤberbleibſele davon an-
zutreffen.

§ 121

Aus der beſondern landsmannſchaft eines lan-woher das
wildfangs-
recht zu lei-
ten ſey?

des, oder einer provinz, in abſicht auf die andre,
iſt das wildfangsrecht gefloſſen. Die fahrenden
leute wurden leibeigen, ſie durften iedoch heiraten,
vermogten gleichwol zu keinem ehrenamte zu gelan-
gen, wurden auch in keine zuͤnfte gelaſſen, doch kon-
ten ſie teſtiren.

§ 122

Die pfeiffer, ſpielleute und keſſelflicker gehoͤre-die pfeiffer
und keſſel-
flicker ge-
hoͤreten un-
ter die fah-
renden leu-
te.

ten ebenfalls unter die fahrenden leute, Johann
Friderich Scheid
in der probeſchrift de jure in
muſicos ſingulari Rappoltſteinenſi,
Straßb.
1719, ſ. 18 fg. Allermaſen dergleichen leute als
landſtreicher und niedertraͤchtige menſchen den Teut-
ſchen ſehr verhaßt waren, mithin ihre kinder nicht
einmal in den handwerckern aufnemen wollten;
ſo hat diſem in den reichsgeſaͤzen abhelfliche maaße
verſchaffet werden muͤſſen, policeiordnung zu
Augſburg
1548 tit. 37 § 1, 1577 tit. 38 § 1.

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D 3
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[53/0063] der verſtorbenen fremdlinge verlaſſenſ. diſput. de vſu practico juris Albinagii, Fran- ckenſtein, Dithmar de jure Albinagii, Chriſt. Friderich George Meiſter de ſtatu ciuitatis, § 17, ſ. 17 fg. Die Soeſtiſche Schraa art. 13. § 120 Dieweil die Franzoſen ſothanes recht wider die Teutſchen ſo ſtraͤcklich beobachten; als iſt in Teutſch- land das vergeltungsrecht (retorſion) eingefuͤhret, Johann Schilter de jure peregrinorum, § 22, ſ. 166. Ehedem hat man dieſes recht in Teutſch- land ebenfalls gehabt, Peſtel am a. o. Es ſind auch noch hin und wieder uͤberbleibſele davon an- zutreffen. iſt in Teutſch- land nicht gaͤnzlich unbekannt. § 121 Aus der beſondern landsmannſchaft eines lan- des, oder einer provinz, in abſicht auf die andre, iſt das wildfangsrecht gefloſſen. Die fahrenden leute wurden leibeigen, ſie durften iedoch heiraten, vermogten gleichwol zu keinem ehrenamte zu gelan- gen, wurden auch in keine zuͤnfte gelaſſen, doch kon- ten ſie teſtiren. woher das wildfangs- recht zu lei- ten ſey? § 122 Die pfeiffer, ſpielleute und keſſelflicker gehoͤre- ten ebenfalls unter die fahrenden leute, Johann Friderich Scheid in der probeſchrift de jure in muſicos ſingulari Rappoltſteinenſi, Straßb. 1719, ſ. 18 fg. Allermaſen dergleichen leute als landſtreicher und niedertraͤchtige menſchen den Teut- ſchen ſehr verhaßt waren, mithin ihre kinder nicht einmal in den handwerckern aufnemen wollten; ſo hat diſem in den reichsgeſaͤzen abhelfliche maaße verſchaffet werden muͤſſen, policeiordnung zu Augſburg 1548 tit. 37 § 1, 1577 tit. 38 § 1. die pfeiffer und keſſel- flicker ge- hoͤreten un- ter die fah- renden leu- te. Zwan- D 3

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 53. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/63>, abgerufen am 21.02.2019.