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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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XLVI haubtstück
Slüter vom verlassungs-rechte, Dreyer am a. o.
s. 110 fgg.

§ 1858
was die
auflassung
bedeutet?

Das wort auflassung wird unterschidlich ge-
nommen, anerwogen durch selbige verstanden
wird: 1) eine gerichtliche übergabe der güter,
oder pfänder, von dem verkäufer an den käufer,
wodurch disem von jenem das eigentum mit den
davon abhangenden nuzungen und schäden über-
lassen, folglich auf des neuen erwerbers namen
geschriben werden. Daher das ab- und zuschrei-
ben bekannt ist. 2) Die beiderseitige schenkung
der eheleute, Lübeckische statuten im Isten buche
tit. 6 art. XI. 3) Wird sotanes wort genom-
men von den personen, welche statt der andern in
eine verbindlichkeit treten und sich durch anne-
mung der erb- und bauer-güter irem gutsherrn zu
den gewönlichen pflichten verbindlich machen,
Struvens erklärungen rechtsüblicher wörter und
redensarten, s. 27, repertorium iuris priuati
I
sten teil s. 350.

§ 1859
ob die über-
gabe nötig
sey?

Ob die übergabe, oder wie es beim handel und
wandel heisset, die liferung, nötig sey? wird un-
ter den rechtslehrern gestritten. Der Heinrich
von Cocceji an traditio necessaria sit ad trans-
ferendum dominium?
bejahet dise frage, und
vermeinet, nach den natur-rechten, folglich den
Teutschen, wäre sie unumgänglich erfoderlich, vol. I
exercitationum
s. 213 fg. Von seiten des em-
pfängers ist sie eine ergreifung des besizes zur ver-
sicherung des eigentumes.

§ 1860
wie die
übergabe
beschehen
ist?

Bei der übergabe wurden allerhand feierlich-
keiten und sachen gebrauchet, z. e. erdschollen,
wasen, halmen, ären, spise, hörner, ringe, stäbe,

ein

XLVI haubtſtuͤck
Sluͤter vom verlaſſungs-rechte, Dreyer am a. o.
ſ. 110 fgg.

§ 1858
was die
auflaſſung
bedeutet?

Das wort auflaſſung wird unterſchidlich ge-
nommen, anerwogen durch ſelbige verſtanden
wird: 1) eine gerichtliche uͤbergabe der guͤter,
oder pfaͤnder, von dem verkaͤufer an den kaͤufer,
wodurch diſem von jenem das eigentum mit den
davon abhangenden nuzungen und ſchaͤden uͤber-
laſſen, folglich auf des neuen erwerbers namen
geſchriben werden. Daher das ab- und zuſchrei-
ben bekannt iſt. 2) Die beiderſeitige ſchenkung
der eheleute, Luͤbeckiſche ſtatuten im Iſten buche
tit. 6 art. XI. 3) Wird ſotanes wort genom-
men von den perſonen, welche ſtatt der andern in
eine verbindlichkeit treten und ſich durch anne-
mung der erb- und bauer-guͤter irem gutsherrn zu
den gewoͤnlichen pflichten verbindlich machen,
Struvens erklaͤrungen rechtsuͤblicher woͤrter und
redensarten, ſ. 27, repertorium iuris priuati
I
ſten teil ſ. 350.

§ 1859
ob die uͤber-
gabe noͤtig
ſey?

Ob die uͤbergabe, oder wie es beim handel und
wandel heiſſet, die liferung, noͤtig ſey? wird un-
ter den rechtslehrern geſtritten. Der Heinrich
von Cocceji an traditio neceſſaria ſit ad trans-
ferendum dominium?
bejahet diſe frage, und
vermeinet, nach den natur-rechten, folglich den
Teutſchen, waͤre ſie unumgaͤnglich erfoderlich, vol. I
exercitationum
ſ. 213 fg. Von ſeiten des em-
pfaͤngers iſt ſie eine ergreifung des beſizes zur ver-
ſicherung des eigentumes.

§ 1860
wie die
uͤbergabe
beſchehen
iſt?

Bei der uͤbergabe wurden allerhand feierlich-
keiten und ſachen gebrauchet, z. e. erdſchollen,
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[750/0762] XLVI haubtſtuͤck Sluͤter vom verlaſſungs-rechte, Dreyer am a. o. ſ. 110 fgg. § 1858 Das wort auflaſſung wird unterſchidlich ge- nommen, anerwogen durch ſelbige verſtanden wird: 1) eine gerichtliche uͤbergabe der guͤter, oder pfaͤnder, von dem verkaͤufer an den kaͤufer, wodurch diſem von jenem das eigentum mit den davon abhangenden nuzungen und ſchaͤden uͤber- laſſen, folglich auf des neuen erwerbers namen geſchriben werden. Daher das ab- und zuſchrei- ben bekannt iſt. 2) Die beiderſeitige ſchenkung der eheleute, Luͤbeckiſche ſtatuten im Iſten buche tit. 6 art. XI. 3) Wird ſotanes wort genom- men von den perſonen, welche ſtatt der andern in eine verbindlichkeit treten und ſich durch anne- mung der erb- und bauer-guͤter irem gutsherrn zu den gewoͤnlichen pflichten verbindlich machen, Struvens erklaͤrungen rechtsuͤblicher woͤrter und redensarten, ſ. 27, repertorium iuris priuati Iſten teil ſ. 350. § 1859 Ob die uͤbergabe, oder wie es beim handel und wandel heiſſet, die liferung, noͤtig ſey? wird un- ter den rechtslehrern geſtritten. Der Heinrich von Cocceji an traditio neceſſaria ſit ad trans- ferendum dominium? bejahet diſe frage, und vermeinet, nach den natur-rechten, folglich den Teutſchen, waͤre ſie unumgaͤnglich erfoderlich, vol. I exercitationum ſ. 213 fg. Von ſeiten des em- pfaͤngers iſt ſie eine ergreifung des beſizes zur ver- ſicherung des eigentumes. § 1860 Bei der uͤbergabe wurden allerhand feierlich- keiten und ſachen gebrauchet, z. e. erdſchollen, waſen, halmen, aͤren, ſpiſe, hoͤrner, ringe, ſtaͤbe, ein

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 750. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/762>, abgerufen am 23.02.2019.