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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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XLVI haubtstück
erhaltung des stammes, welcher den Teutschen so
sehr am herzen liget, ausser augen stellen, und sie
durch die freie gewalt der veräußerung irer erbgü-
ter zum untergange befördern.

§ 1865
das freie
eigentum
kan auf ver-
schidene
weise be-
schränket
werden.

Sintemal sotanes eigentum benebst der natür-
lichen freiheit durch bürgerliche gesäze und gewon-
heiten, durch gedinge, vergleiche, verträge, te-
stamente etc. beschränket werden kan; gestalt die
land- auch stadt-rechte vilfältig verordnen, wie es
bei dem verkaufe der unbeweglichen güter gehal-
ten werden, die einheimischen, samt den bluts-
verwandten dabei für den fremden einen vorzug
haben sollen, folglich man nicht allezeit seine gü-
ter an alle und iede nach gefallen übergeben kan,
Kemmerichs disp. de restricta alienandi et ad-
quirendi facultate bona immobilia iure Fran-
cofurt.,
Hellfelds disp. de restricta illustrium
alienandi facultate, maxime quoad allodia
auita,
Dreyers disp. de restricta facultate alie-
nandi bona hereditaria.
Disemnach findet
man in vilen landen, auch orten, daß die unbe-
wegliche güter nicht an die stifter und klöster ver-
kaufet, oder selbigen zugewendet werden sollen,
Cramers disp. de alienatione bonorum equestr.
ad manus mortuas, per statutum prohibita,

Schweders disp. de statut. alienationem bono-
rum immobilium in ecclesias et elericos pro-
hibent.,
Riccius von den stadtgesäzen s. 574 fgg.
von Gudenus syll. I s. 490, Kuchenbeckers
anal. Hass. coll. V s. 183. Die bauern-güter
können nicht iederzeit an adeliche überlassen wer-
den, Riccius am a. o. s. 572. wie unten bei
der lehre vom kaufe und verkaufe gezeiget werden
soll. Schepliz P. IV consuetud. elect. et
March. Brand.
tit. VII, Kur-Sächsisches man-

dat

XLVI haubtſtuͤck
erhaltung des ſtammes, welcher den Teutſchen ſo
ſehr am herzen liget, auſſer augen ſtellen, und ſie
durch die freie gewalt der veraͤußerung irer erbguͤ-
ter zum untergange befoͤrdern.

§ 1865
das freie
eigentum
kan auf ver-
ſchidene
weiſe be-
ſchraͤnket
werden.

Sintemal ſotanes eigentum benebſt der natuͤr-
lichen freiheit durch buͤrgerliche geſaͤze und gewon-
heiten, durch gedinge, vergleiche, vertraͤge, te-
ſtamente ꝛc. beſchraͤnket werden kan; geſtalt die
land- auch ſtadt-rechte vilfaͤltig verordnen, wie es
bei dem verkaufe der unbeweglichen guͤter gehal-
ten werden, die einheimiſchen, ſamt den bluts-
verwandten dabei fuͤr den fremden einen vorzug
haben ſollen, folglich man nicht allezeit ſeine guͤ-
ter an alle und iede nach gefallen uͤbergeben kan,
Kemmerichs diſp. de reſtricta alienandi et ad-
quirendi facultate bona immobilia iure Fran-
cofurt.,
Hellfelds diſp. de reſtricta illuſtrium
alienandi facultate, maxime quoad allodia
auita,
Dreyers diſp. de reſtricta facultate alie-
nandi bona hereditaria.
Diſemnach findet
man in vilen landen, auch orten, daß die unbe-
wegliche guͤter nicht an die ſtifter und kloͤſter ver-
kaufet, oder ſelbigen zugewendet werden ſollen,
Cramers diſp. de alienatione bonorum equeſtr.
ad manus mortuas, per ſtatutum prohibita,

Schweders diſp. de ſtatut. alienationem bono-
rum immobilium in eccleſias et elericos pro-
hibent.,
Riccius von den ſtadtgeſaͤzen ſ. 574 fgg.
von Gudenus ſyll. I ſ. 490, Kuchenbeckers
anal. Haſſ. coll. V ſ. 183. Die bauern-guͤter
koͤnnen nicht iederzeit an adeliche uͤberlaſſen wer-
den, Riccius am a. o. ſ. 572. wie unten bei
der lehre vom kaufe und verkaufe gezeiget werden
ſoll. Schepliz P. IV conſuetud. elect. et
March. Brand.
tit. VII, Kur-Saͤchſiſches man-

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[754/0766] XLVI haubtſtuͤck erhaltung des ſtammes, welcher den Teutſchen ſo ſehr am herzen liget, auſſer augen ſtellen, und ſie durch die freie gewalt der veraͤußerung irer erbguͤ- ter zum untergange befoͤrdern. § 1865 Sintemal ſotanes eigentum benebſt der natuͤr- lichen freiheit durch buͤrgerliche geſaͤze und gewon- heiten, durch gedinge, vergleiche, vertraͤge, te- ſtamente ꝛc. beſchraͤnket werden kan; geſtalt die land- auch ſtadt-rechte vilfaͤltig verordnen, wie es bei dem verkaufe der unbeweglichen guͤter gehal- ten werden, die einheimiſchen, ſamt den bluts- verwandten dabei fuͤr den fremden einen vorzug haben ſollen, folglich man nicht allezeit ſeine guͤ- ter an alle und iede nach gefallen uͤbergeben kan, Kemmerichs diſp. de reſtricta alienandi et ad- quirendi facultate bona immobilia iure Fran- cofurt., Hellfelds diſp. de reſtricta illuſtrium alienandi facultate, maxime quoad allodia auita, Dreyers diſp. de reſtricta facultate alie- nandi bona hereditaria. Diſemnach findet man in vilen landen, auch orten, daß die unbe- wegliche guͤter nicht an die ſtifter und kloͤſter ver- kaufet, oder ſelbigen zugewendet werden ſollen, Cramers diſp. de alienatione bonorum equeſtr. ad manus mortuas, per ſtatutum prohibita, Schweders diſp. de ſtatut. alienationem bono- rum immobilium in eccleſias et elericos pro- hibent., Riccius von den ſtadtgeſaͤzen ſ. 574 fgg. von Gudenus ſyll. I ſ. 490, Kuchenbeckers anal. Haſſ. coll. V ſ. 183. Die bauern-guͤter koͤnnen nicht iederzeit an adeliche uͤberlaſſen wer- den, Riccius am a. o. ſ. 572. wie unten bei der lehre vom kaufe und verkaufe gezeiget werden ſoll. Schepliz P. IV conſuetud. elect. et March. Brand. tit. VII, Kur-Saͤchſiſches man- dat

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 754. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/766>, abgerufen am 22.02.2019.