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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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XLVIIII haubtstück
vill. obs. 25 s. 73. fg., Böhmer de vsu pract. di-
stinct. hom. sect. III.
§ 20, Kopp am a. o. Iten
teile s. 315, 316.

§ 1913
aus was für
ursachen die
güter iewei-
len auf lan-
ge zeit ver-
pachtet wor-
den sind?

Wiewol sich auch die Teutsche öfters genötiget
gesehen hätten, einige irer güter an gewisse bauern,
oder andre leute auf lange jare, oder für bestän-
dig zu verpachten, indem es mit den pachtungen
auf kurze jare seine große schwierigkeiten gefunden
habe. Unterdessen sotaner erbpacht das eigentum
dem pachter nicht zuwege bringe, von Ludewig
im iure client. sect. III. cap. 4. § 8 not. k s. 191
fgg., Estor in den kleinen schriften Iten bande,
s. 158.

§ 1914
die vermu-
tung ist für
die zeitliche
verpachtung

Diesemnach auch die auslegung für die zeitliche
vermitung zu machen sey, bis der pachter das erb-
recht darthue, anerwogen ausfündig rechtens wä-
re, daß erstlich der beständer, oder besizer eine sol-
che that unternäme, woraus zu schlüssen sey, daß
er den grund seines besizes abzuändern gewillet wä-
re, so dann der gutsherr es dabei bewenden lasse und
endlich eine rechtsbewärte zeit verstrichen sey; wi-
drigenfalls und in ermangelung dieser erfordernis-
sen, bekannt wäre, daß hundert jare unrecht, kein
jar recht sey. Schaumburg in den annotat. ad
Struuii iurisprud.
s. 567, Hert in paroem. iur.
Germ. lib. I. par.
3.

§ 1915
obgleich
verschidene
bedingun-
gen dabey
vorbehalten
worden sind,

Unterdessen die verpachter sowohl gutsherren vi-
lerlei bedingungen sich vorbehalten hätten, welche
gleichwol das haubtwerk nicht abänderten, von
Senkenberg
am a. o. §. 8, s. 110.

§ 1916
besonders
der wein-
kauf, leih-
geld etc.

Inzwischen, wenn der son, oder die tochter das
gut hätten beibehalten wollen, es auf eine abgabe

an-

XLVIIII haubtſtuͤck
vill. obſ. 25 ſ. 73. fg., Boͤhmer de vſu pract. di-
ſtinct. hom. ſect. III.
§ 20, Kopp am a. o. Iten
teile ſ. 315, 316.

§ 1913
aus was fuͤr
urſachen die
guͤter iewei-
len auf lan-
ge zeit ver-
pachtet woꝛ-
den ſind?

Wiewol ſich auch die Teutſche oͤfters genoͤtiget
geſehen haͤtten, einige irer guͤter an gewiſſe bauern,
oder andre leute auf lange jare, oder fuͤr beſtaͤn-
dig zu verpachten, indem es mit den pachtungen
auf kurze jare ſeine große ſchwierigkeiten gefunden
habe. Unterdeſſen ſotaner erbpacht das eigentum
dem pachter nicht zuwege bringe, von Ludewig
im iure client. ſect. III. cap. 4. § 8 not. k ſ. 191
fgg., Eſtor in den kleinen ſchriften Iten bande,
ſ. 158.

§ 1914
die vermu-
tung iſt fuͤr
die zeitliche
verpachtung

Dieſemnach auch die auslegung fuͤr die zeitliche
vermitung zu machen ſey, bis der pachter das erb-
recht darthue, anerwogen ausfuͤndig rechtens waͤ-
re, daß erſtlich der beſtaͤnder, oder beſizer eine ſol-
che that unternaͤme, woraus zu ſchluͤſſen ſey, daß
er den grund ſeines beſizes abzuaͤndern gewillet waͤ-
re, ſo dann der gutsherr es dabei bewenden laſſe und
endlich eine rechtsbewaͤrte zeit verſtrichen ſey; wi-
drigenfalls und in ermangelung dieſer erforderniſ-
ſen, bekannt waͤre, daß hundert jare unrecht, kein
jar recht ſey. Schaumburg in den annotat. ad
Struuii iurisprud.
ſ. 567, Hert in paroem. iur.
Germ. lib. I. par.
3.

§ 1915
obgleich
verſchidene
bedingun-
gen dabey
vorbehalten
wordẽ ſind,

Unterdeſſen die verpachter ſowohl gutsherren vi-
lerlei bedingungen ſich vorbehalten haͤtten, welche
gleichwol das haubtwerk nicht abaͤnderten, von
Senkenberg
am a. o. §. 8, ſ. 110.

§ 1916
beſonders
der wein-
kauf, leih-
geld ꝛc.

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gut haͤtten beibehalten wollen, es auf eine abgabe

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 778. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/790>, abgerufen am 16.02.2019.