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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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LVI haubtstück
§ 2177
zum behufe
des trinkens
u. kochens,

Die policei sinnet auch auf gutes wasser zum
behufe des trankes und der kocherei der untertanen,
immaßen das wasser nicht allein unumgänglich
nötig, sondern auch zur gesundheit dinlich ist.
Gleichwol eine der haubtobligenheiten der policei
darin bestehet, daß sie für die gesundheit der un-
tertanen sorge trage. Das gesunde wasser ver-
dinnet das hizige geblüt, kület es ab, machet es
flüssig; erquicket, befördert die verdauung; sinte-
mal es in die speisen im magen eindringet, sie auf-
löset und verdinnet, die hizige, saure und salzige
teile verbessert, den durst löschet, und den urin,
auch stulgang befördert, Bäumter präserviren-
der arzt s. 429 fgg. Man lobet an Rom, daß
dise stadt besseres wasser als Paris habe. Die
Reichsstadt heilbronn pranget mit dem reinesten
wasser, welches aus einem brunnen vermittels
siben rören in der stadt springet. Jedoch behält
unter allen gemeinen börnern der zum Schlangen-
bade den preis des trinkwassers, Belidors archi-
tectura hydr.

§ 2178
aus was für
ursachen
das frische,
klare, helle,
auch leichte
wasser an-
zuschaffen
ist?

Die policei denket auf die anschaffung frischen,
klaren und hellen, auch leichten wassers; denn
ie leichter ein wasser ist, desto eher gehet es durch
die kleineste gefäße hindurch, und dünstet auch
durch die schweislöcher wieder hindurch, Krü-
gers
natur-lere I, § 164. Bei eingüssung dessel-
ben ins glas müssen die perlen in die höhe steigen.
Die policei verbitet den gebrauch trüben, dicklich-
ten, auch solchen wassers, das einen saz nach sich
lässet. Wegen der wasserleitung in einen ort,
lenket man das augenmerk an einen berg, woraus
wasser quillet. Je steinigter und sandigter das
erdreich der quelle beschaffen ist; desto gesünder ist

diß
LVI haubtſtuͤck
§ 2177
zum behufe
des trinkens
u. kochens,

Die policei ſinnet auch auf gutes waſſer zum
behufe des trankes und der kocherei der untertanen,
immaßen das waſſer nicht allein unumgaͤnglich
noͤtig, ſondern auch zur geſundheit dinlich iſt.
Gleichwol eine der haubtobligenheiten der policei
darin beſtehet, daß ſie fuͤr die geſundheit der un-
tertanen ſorge trage. Das geſunde waſſer ver-
dinnet das hizige gebluͤt, kuͤlet es ab, machet es
fluͤſſig; erquicket, befoͤrdert die verdauung; ſinte-
mal es in die ſpeiſen im magen eindringet, ſie auf-
loͤſet und verdinnet, die hizige, ſaure und ſalzige
teile verbeſſert, den durſt loͤſchet, und den urin,
auch ſtulgang befoͤrdert, Baͤumter praͤſerviren-
der arzt ſ. 429 fgg. Man lobet an Rom, daß
diſe ſtadt beſſeres waſſer als Paris habe. Die
Reichsſtadt heilbronn pranget mit dem reineſten
waſſer, welches aus einem brunnen vermittels
ſiben roͤren in der ſtadt ſpringet. Jedoch behaͤlt
unter allen gemeinen boͤrnern der zum Schlangen-
bade den preis des trinkwaſſers, Belidors archi-
tectura hydr.

§ 2178
aus was fuͤr
urſachen
das friſche,
klare, helle,
auch leichte
waſſer an-
zuſchaffen
iſt?

Die policei denket auf die anſchaffung friſchen,
klaren und hellen, auch leichten waſſers; denn
ie leichter ein waſſer iſt, deſto eher gehet es durch
die kleineſte gefaͤße hindurch, und duͤnſtet auch
durch die ſchweisloͤcher wieder hindurch, Kruͤ-
gers
natur-lere I, § 164. Bei einguͤſſung deſſel-
ben ins glas muͤſſen die perlen in die hoͤhe ſteigen.
Die policei verbitet den gebrauch truͤben, dicklich-
ten, auch ſolchen waſſers, das einen ſaz nach ſich
laͤſſet. Wegen der waſſerleitung in einen ort,
lenket man das augenmerk an einen berg, woraus
waſſer quillet. Je ſteinigter und ſandigter das
erdreich der quelle beſchaffen iſt; deſto geſuͤnder iſt

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[876/0888] LVI haubtſtuͤck § 2177 Die policei ſinnet auch auf gutes waſſer zum behufe des trankes und der kocherei der untertanen, immaßen das waſſer nicht allein unumgaͤnglich noͤtig, ſondern auch zur geſundheit dinlich iſt. Gleichwol eine der haubtobligenheiten der policei darin beſtehet, daß ſie fuͤr die geſundheit der un- tertanen ſorge trage. Das geſunde waſſer ver- dinnet das hizige gebluͤt, kuͤlet es ab, machet es fluͤſſig; erquicket, befoͤrdert die verdauung; ſinte- mal es in die ſpeiſen im magen eindringet, ſie auf- loͤſet und verdinnet, die hizige, ſaure und ſalzige teile verbeſſert, den durſt loͤſchet, und den urin, auch ſtulgang befoͤrdert, Baͤumter praͤſerviren- der arzt ſ. 429 fgg. Man lobet an Rom, daß diſe ſtadt beſſeres waſſer als Paris habe. Die Reichsſtadt heilbronn pranget mit dem reineſten waſſer, welches aus einem brunnen vermittels ſiben roͤren in der ſtadt ſpringet. Jedoch behaͤlt unter allen gemeinen boͤrnern der zum Schlangen- bade den preis des trinkwaſſers, Belidors archi- tectura hydr. § 2178 Die policei denket auf die anſchaffung friſchen, klaren und hellen, auch leichten waſſers; denn ie leichter ein waſſer iſt, deſto eher gehet es durch die kleineſte gefaͤße hindurch, und duͤnſtet auch durch die ſchweisloͤcher wieder hindurch, Kruͤ- gers natur-lere I, § 164. Bei einguͤſſung deſſel- ben ins glas muͤſſen die perlen in die hoͤhe ſteigen. Die policei verbitet den gebrauch truͤben, dicklich- ten, auch ſolchen waſſers, das einen ſaz nach ſich laͤſſet. Wegen der waſſerleitung in einen ort, lenket man das augenmerk an einen berg, woraus waſſer quillet. Je ſteinigter und ſandigter das erdreich der quelle beſchaffen iſt; deſto geſuͤnder iſt diß

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 876. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/888>, abgerufen am 21.02.2019.