Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

Bild:
<< vorherige Seite
XXXVI haubtst. von den bürgern.
Sechs und dreißigstes haubtstück
von den bürgern.
§ 201

Nach den adelichen folgen die bürger. Demwas ein
bürger sey?

wortverstande nach heiset ein bürger (burgen-
sis) derjenige, welcher in einem bevestigten orte
wohnet. Denn burg bedeutet einen mit graben
und aufwürfen von erde befestigten ort. Derglei-
chen die Teutschen in den ältesten zeiten gehabt ha-
ben, wie davon Teutoburgium und andere zeu-
gen, auch Tacitus in den jahrbüchern solches B.
II cap. VIIII bestärket. Allein mit mauern um-
gebene städte hatten die alten Teutschen nicht,
Tacitus de moribus German. cap. XVIII,
Spener am a. o. B. II cap. 7 § 6 (a) von Knig-
ge
de natura et indole castrorum in Germa-
nia,
Waldschmidt de feudis castrensibus § 3
sq.
Schöttgen am a. o. s. 219 fg. Estors anmer-
kungen über das staats- und kirchen-recht, cap. 36
s. 579 fg.

§ 202

Gadem, kemnate und schloß sind von einandergadem,
kemnate u.
schloß sind
unterschi-
den.

unterschieden, Schannat im Fuldischen lehnhofe
cap. III § 3 s. 20, Brunquell de feudo Kemi-
natae,
§ 19 fg. Ein schloß hat höhere mauern
denn acht schuhe und seine benennung daher erhal-
ten, immaßen ein schloß einen solchen ort bedeu-
tet, welcher auf einem hügel oder berge liget, mit
mauern, graben, auch wohl mit Wasser um-
schlossen ist, Estor am a. o. s. 582 § 499, II, und
in der vorrede zum vierdten theile der staatsgeo-
graphie § 22.

§ 203

Die bürger hat der Teutsche könig Heinrichder bürger
zustand un-
ter kaiser
Heinrich I.

der I mehr als sonst gewöhnlich war, in ehren ge-

hal-
F 2
XXXVI haubtſt. von den buͤrgern.
Sechs und dreißigſtes haubtſtuͤck
von den buͤrgern.
§ 201

Nach den adelichen folgen die buͤrger. Demwas ein
buͤrger ſey?

wortverſtande nach heiſet ein buͤrger (burgen-
ſis) derjenige, welcher in einem beveſtigten orte
wohnet. Denn burg bedeutet einen mit graben
und aufwuͤrfen von erde befeſtigten ort. Derglei-
chen die Teutſchen in den aͤlteſten zeiten gehabt ha-
ben, wie davon Teutoburgium und andere zeu-
gen, auch Tacitus in den jahrbuͤchern ſolches B.
II cap. VIIII beſtaͤrket. Allein mit mauern um-
gebene ſtaͤdte hatten die alten Teutſchen nicht,
Tacitus de moribus German. cap. XVIII,
Spener am a. o. B. II cap. 7 § 6 (a) von Knig-
ge
de natura et indole caſtrorum in Germa-
nia,
Waldſchmidt de feudis caſtrenſibus § 3
ſq.
Schoͤttgen am a. o. ſ. 219 fg. Eſtors anmer-
kungen uͤber das ſtaats- und kirchen-recht, cap. 36
ſ. 579 fg.

§ 202

Gadem, kemnate und ſchloß ſind von einandergadem,
kemnate u.
ſchloß ſind
unterſchi-
den.

unterſchieden, Schannat im Fuldiſchen lehnhofe
cap. III § 3 ſ. 20, Brunquell de feudo Kemi-
natae,
§ 19 fg. Ein ſchloß hat hoͤhere mauern
denn acht ſchuhe und ſeine benennung daher erhal-
ten, immaßen ein ſchloß einen ſolchen ort bedeu-
tet, welcher auf einem huͤgel oder berge liget, mit
mauern, graben, auch wohl mit Waſſer um-
ſchloſſen iſt, Eſtor am a. o. ſ. 582 § 499, II, und
in der vorrede zum vierdten theile der ſtaatsgeo-
graphie § 22.

§ 203

Die buͤrger hat der Teutſche koͤnig Heinrichder buͤrger
zuſtand un-
ter kaiſer
Heinrich I.

der I mehr als ſonſt gewoͤhnlich war, in ehren ge-

hal-
F 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0093" n="83"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">XXXVI</hi> haubt&#x017F;t. von den bu&#x0364;rgern.</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Sechs und dreißig&#x017F;tes haubt&#x017F;tu&#x0364;ck<lb/>
von den bu&#x0364;rgern.</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head>§ 201</head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">N</hi>ach den adelichen folgen die bu&#x0364;rger. Dem<note place="right">was ein<lb/>
bu&#x0364;rger &#x017F;ey?</note><lb/>
wortver&#x017F;tande nach hei&#x017F;et ein bu&#x0364;rger (burgen-<lb/>
&#x017F;is) derjenige, welcher in einem beve&#x017F;tigten orte<lb/>
wohnet. Denn <hi rendition="#fr">burg</hi> bedeutet einen mit graben<lb/>
und aufwu&#x0364;rfen von erde befe&#x017F;tigten ort. Derglei-<lb/>
chen die Teut&#x017F;chen in den a&#x0364;lte&#x017F;ten zeiten gehabt ha-<lb/>
ben, wie davon Teutoburgium und andere zeu-<lb/>
gen, auch <hi rendition="#fr">Tacitus</hi> in den jahrbu&#x0364;chern &#x017F;olches B.<lb/><hi rendition="#aq">II</hi> cap. <hi rendition="#aq">VIIII</hi> be&#x017F;ta&#x0364;rket. Allein mit mauern um-<lb/>
gebene &#x017F;ta&#x0364;dte hatten die alten Teut&#x017F;chen nicht,<lb/><hi rendition="#fr">Tacitus</hi> <hi rendition="#aq">de moribus German. cap. XVIII,</hi><lb/><hi rendition="#fr">Spener</hi> am a. o. B. <hi rendition="#aq">II</hi> cap. 7 § 6 <hi rendition="#aq">(a)</hi> <hi rendition="#fr">von Knig-<lb/>
ge</hi> <hi rendition="#aq">de natura et indole ca&#x017F;trorum in Germa-<lb/>
nia,</hi> <hi rendition="#fr">Wald&#x017F;chmidt</hi> <hi rendition="#aq">de feudis ca&#x017F;tren&#x017F;ibus § 3<lb/>
&#x017F;q.</hi> <hi rendition="#fr">Scho&#x0364;ttgen</hi> am a. o. &#x017F;. 219 fg. <hi rendition="#fr">E&#x017F;tors</hi> anmer-<lb/>
kungen u&#x0364;ber das &#x017F;taats- und kirchen-recht, cap. 36<lb/>
&#x017F;. 579 fg.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§ 202</head><lb/>
            <p>Gadem, kemnate und &#x017F;chloß &#x017F;ind von einander<note place="right">gadem,<lb/>
kemnate u.<lb/>
&#x017F;chloß &#x017F;ind<lb/>
unter&#x017F;chi-<lb/>
den.</note><lb/>
unter&#x017F;chieden, <hi rendition="#fr">Schannat</hi> im Fuldi&#x017F;chen lehnhofe<lb/>
cap. <hi rendition="#aq">III</hi> § 3 &#x017F;. 20, <hi rendition="#fr">Brunquell</hi> <hi rendition="#aq">de feudo Kemi-<lb/>
natae,</hi> § 19 fg. Ein &#x017F;chloß hat ho&#x0364;here mauern<lb/>
denn acht &#x017F;chuhe und &#x017F;eine benennung daher erhal-<lb/>
ten, immaßen ein &#x017F;chloß einen &#x017F;olchen ort bedeu-<lb/>
tet, welcher auf einem hu&#x0364;gel oder berge liget, mit<lb/>
mauern, graben, auch wohl mit Wa&#x017F;&#x017F;er um-<lb/>
&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en i&#x017F;t, <hi rendition="#fr">E&#x017F;tor</hi> am a. o. &#x017F;. 582 § 499, <hi rendition="#aq">II,</hi> und<lb/>
in der vorrede zum vierdten theile der &#x017F;taatsgeo-<lb/>
graphie § 22.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§ 203</head><lb/>
            <p>Die bu&#x0364;rger hat der Teut&#x017F;che ko&#x0364;nig Heinrich<note place="right">der bu&#x0364;rger<lb/>
zu&#x017F;tand un-<lb/>
ter kai&#x017F;er<lb/>
Heinrich <hi rendition="#aq">I.</hi></note><lb/>
der <hi rendition="#aq">I</hi> mehr als &#x017F;on&#x017F;t gewo&#x0364;hnlich war, in ehren ge-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">F 2</fw><fw place="bottom" type="catch">hal-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[83/0093] XXXVI haubtſt. von den buͤrgern. Sechs und dreißigſtes haubtſtuͤck von den buͤrgern. § 201 Nach den adelichen folgen die buͤrger. Dem wortverſtande nach heiſet ein buͤrger (burgen- ſis) derjenige, welcher in einem beveſtigten orte wohnet. Denn burg bedeutet einen mit graben und aufwuͤrfen von erde befeſtigten ort. Derglei- chen die Teutſchen in den aͤlteſten zeiten gehabt ha- ben, wie davon Teutoburgium und andere zeu- gen, auch Tacitus in den jahrbuͤchern ſolches B. II cap. VIIII beſtaͤrket. Allein mit mauern um- gebene ſtaͤdte hatten die alten Teutſchen nicht, Tacitus de moribus German. cap. XVIII, Spener am a. o. B. II cap. 7 § 6 (a) von Knig- ge de natura et indole caſtrorum in Germa- nia, Waldſchmidt de feudis caſtrenſibus § 3 ſq. Schoͤttgen am a. o. ſ. 219 fg. Eſtors anmer- kungen uͤber das ſtaats- und kirchen-recht, cap. 36 ſ. 579 fg. was ein buͤrger ſey? § 202 Gadem, kemnate und ſchloß ſind von einander unterſchieden, Schannat im Fuldiſchen lehnhofe cap. III § 3 ſ. 20, Brunquell de feudo Kemi- natae, § 19 fg. Ein ſchloß hat hoͤhere mauern denn acht ſchuhe und ſeine benennung daher erhal- ten, immaßen ein ſchloß einen ſolchen ort bedeu- tet, welcher auf einem huͤgel oder berge liget, mit mauern, graben, auch wohl mit Waſſer um- ſchloſſen iſt, Eſtor am a. o. ſ. 582 § 499, II, und in der vorrede zum vierdten theile der ſtaatsgeo- graphie § 22. gadem, kemnate u. ſchloß ſind unterſchi- den. § 203 Die buͤrger hat der Teutſche koͤnig Heinrich der I mehr als ſonſt gewoͤhnlich war, in ehren ge- hal- der buͤrger zuſtand un- ter kaiſer Heinrich I. F 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/93
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 83. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/93>, abgerufen am 22.02.2019.