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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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X haubtst. von den rechten
gemachete, und verstellete. Jene ist schwer zu er-
weisen; bevorab, da man einen verwaren soll.
Mit den beständig tollen, und rasenden ist gar nichts
anzufangen; wohl aber mit denen, welche nur je-
weilen rasen; sonst aber wider gute stunden, und
zeiten haben. Wenn das leztere ist, dürfen sie an
keine kette geleget werden. Gemachete narren sind
zwar öfters an grosser herren höfen, und wohl die
verschmizteste leute, Dreyer in der sammlung ver-
mischeter abh. Iter th. s. 70 fg.; allein die Reichs-
gesäze dulten sie doch nicht. Hirzu kömmt noch
die gecken-gesellschaft. Jm jare 1381 errichtete
Adolf, Graf zu Cleve, eine gecken-gesellschaft.
Das kupfer stehet in Teschenmachers annal. Cli-
viae,
s. 56, des cod. diplom. 1721 fol.

§ 71
von der trun-
kenheit.

Die starke trunkenheit, und dijenige, welche
dem trunke beständig ergeben sind, werden den
narren, und verrückten, gewisser massen zur seite
gesezet. Sie haben keinen glauben, vermögen
auch keine giltige bürgerliche handelungen zu unter-
nemen, Heinr. Bodinus de iure circa ebrietatem,
cap. II, und 3 fg. s. 7 fg. cap. III. Jnzwischen
wird die trunkenheit, und betrunken seyn, aus
scherz, auf dreierlei weise betrachtet, und einge-
teilet, 1) in den Jesuiter- 2) Franciscaner- und 3)
Benedictiner-rausch. Fangen nun dergleichen
leute händel an; so wird allemal im zweiffel der
erste vermutet, Bodinus cap. VI, s. 60 fg. 1,
Schöpff im consil. XI, vol. VIIII. Die übrige
müssen erwisen werden; wenn allso einer oft, oder
so zu sagen: täglich betrunken ist, so heisset er ein
trunkenbold, und das laster selbst in praxi: ebrio-
sitas, welche von der ebrietate zu unterscheiden ste-
het, Bodinus de iure circa ebrietatem, Halle

1697,

X haubtſt. von den rechten
gemachete, und verſtellete. Jene iſt ſchwer zu er-
weiſen; bevorab, da man einen verwaren ſoll.
Mit den beſtaͤndig tollen, und raſenden iſt gar nichts
anzufangen; wohl aber mit denen, welche nur je-
weilen raſen; ſonſt aber wider gute ſtunden, und
zeiten haben. Wenn das leztere iſt, duͤrfen ſie an
keine kette geleget werden. Gemachete narren ſind
zwar oͤfters an groſſer herren hoͤfen, und wohl die
verſchmizteſte leute, Dreyer in der ſammlung ver-
miſcheter abh. Iter th. ſ. 70 fg.; allein die Reichs-
geſaͤze dulten ſie doch nicht. Hirzu koͤmmt noch
die gecken-geſellſchaft. Jm jare 1381 errichtete
Adolf, Graf zu Cleve, eine gecken-geſellſchaft.
Das kupfer ſtehet in Teſchenmachers annal. Cli-
viae,
ſ. 56, des cod. diplom. 1721 fol.

§ 71
von der trun-
kenheit.

Die ſtarke trunkenheit, und dijenige, welche
dem trunke beſtaͤndig ergeben ſind, werden den
narren, und verruͤckten, gewiſſer maſſen zur ſeite
geſezet. Sie haben keinen glauben, vermoͤgen
auch keine giltige buͤrgerliche handelungen zu unter-
nemen, Heinr. Bodinus de iure circa ebrietatem,
cap. II, und 3 fg. ſ. 7 fg. cap. III. Jnzwiſchen
wird die trunkenheit, und betrunken ſeyn, aus
ſcherz, auf dreierlei weiſe betrachtet, und einge-
teilet, 1) in den Jeſuiter- 2) Franciſcaner- und 3)
Benedictiner-rauſch. Fangen nun dergleichen
leute haͤndel an; ſo wird allemal im zweiffel der
erſte vermutet, Bodinus cap. VI, ſ. 60 fg. 1,
Schoͤpff im conſil. XI, vol. VIIII. Die uͤbrige
muͤſſen erwiſen werden; wenn allſo einer oft, oder
ſo zu ſagen: taͤglich betrunken iſt, ſo heiſſet er ein
trunkenbold, und das laſter ſelbſt in praxi: ebrio-
ſitas, welche von der ebrietate zu unterſcheiden ſte-
het, Bodinus de iure circa ebrietatem, Halle

1697,
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[94/0118] X haubtſt. von den rechten gemachete, und verſtellete. Jene iſt ſchwer zu er- weiſen; bevorab, da man einen verwaren ſoll. Mit den beſtaͤndig tollen, und raſenden iſt gar nichts anzufangen; wohl aber mit denen, welche nur je- weilen raſen; ſonſt aber wider gute ſtunden, und zeiten haben. Wenn das leztere iſt, duͤrfen ſie an keine kette geleget werden. Gemachete narren ſind zwar oͤfters an groſſer herren hoͤfen, und wohl die verſchmizteſte leute, Dreyer in der ſammlung ver- miſcheter abh. Iter th. ſ. 70 fg.; allein die Reichs- geſaͤze dulten ſie doch nicht. Hirzu koͤmmt noch die gecken-geſellſchaft. Jm jare 1381 errichtete Adolf, Graf zu Cleve, eine gecken-geſellſchaft. Das kupfer ſtehet in Teſchenmachers annal. Cli- viae, ſ. 56, des cod. diplom. 1721 fol. § 71 Die ſtarke trunkenheit, und dijenige, welche dem trunke beſtaͤndig ergeben ſind, werden den narren, und verruͤckten, gewiſſer maſſen zur ſeite geſezet. Sie haben keinen glauben, vermoͤgen auch keine giltige buͤrgerliche handelungen zu unter- nemen, Heinr. Bodinus de iure circa ebrietatem, cap. II, und 3 fg. ſ. 7 fg. cap. III. Jnzwiſchen wird die trunkenheit, und betrunken ſeyn, aus ſcherz, auf dreierlei weiſe betrachtet, und einge- teilet, 1) in den Jeſuiter- 2) Franciſcaner- und 3) Benedictiner-rauſch. Fangen nun dergleichen leute haͤndel an; ſo wird allemal im zweiffel der erſte vermutet, Bodinus cap. VI, ſ. 60 fg. 1, Schoͤpff im conſil. XI, vol. VIIII. Die uͤbrige muͤſſen erwiſen werden; wenn allſo einer oft, oder ſo zu ſagen: taͤglich betrunken iſt, ſo heiſſet er ein trunkenbold, und das laſter ſelbſt in praxi: ebrio- ſitas, welche von der ebrietate zu unterſcheiden ſte- het, Bodinus de iure circa ebrietatem, Halle 1697,

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 94. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/118>, abgerufen am 22.02.2019.