Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

Bild:
<< vorherige Seite
III b., IX und XI haubtstück.
Neuntes haubtstück
von
der anleitung zu etwas (suggestion.)

Wie in peinlichen sachen die vermeidung der sug-
gestion äusserst zu beobachten sey, und wie
der richter desfalls die fragen einzurichten habe, ist
in dem unterrichte von urteln und bescheiden gezei-
get worden. Sie ist entweder offenbar, oder be-
mäntelt. Jene ist: wenn aus der frage die ver-
leitung erscheinet. Dise aber bedeutet: wenn aus
der frage eine verleitung deutlich nicht erhellet. Sie
kan sich bei vilen fällen äussern, sowohl bei erschlei-
chung eines rescriptes, lezten willen, z. e. könig
Carls II in Spanien testamente etc, als auch bei
dem processe, teils in absicht auf die zeugen, advo-
caten, richter bei der general- und special-inquisi-
tion, u. s. w.

Eilftes haubtstück
von der verstellung, und dem
scheinhandel.

Fürnämlich äussert sich die verstellung beim dar-
lehne, welches darum mutuum palliatum heis-
set; imgleichen bei dem abtribe; deshalber zu di-
sem ende öfters der reinigungs-eid dem abtreiber
auferleget wird, daß er den näherkauf für sich, und
nicht zum behuse eines andern verübe. Die simu-
lationen teilen sich in drei stücke, 1) wenn etwas
fingiret wird, das nicht ist, 2) was warhaftig ver-
handelt wird, und stehen bleibet, 3) wenn etwas
anderes gehandelt, ein anderes aber verstellet wor-
den ist. Wenn hirbei dolus bonus ist, gilt es.
Ordentlicher weise gilt der scheinhandel nicht.

Zwölf-
III b., IX und XI haubtſtuͤck.
Neuntes haubtſtuͤck
von
der anleitung zu etwas (ſuggeſtion.)

Wie in peinlichen ſachen die vermeidung der ſug-
geſtion aͤuſſerſt zu beobachten ſey, und wie
der richter desfalls die fragen einzurichten habe, iſt
in dem unterrichte von urteln und beſcheiden gezei-
get worden. Sie iſt entweder offenbar, oder be-
maͤntelt. Jene iſt: wenn aus der frage die ver-
leitung erſcheinet. Diſe aber bedeutet: wenn aus
der frage eine verleitung deutlich nicht erhellet. Sie
kan ſich bei vilen faͤllen aͤuſſern, ſowohl bei erſchlei-
chung eines reſcriptes, lezten willen, z. e. koͤnig
Carls II in Spanien teſtamente ꝛc, als auch bei
dem proceſſe, teils in abſicht auf die zeugen, advo-
caten, richter bei der general- und ſpecial-inquiſi-
tion, u. ſ. w.

Eilftes haubtſtuͤck
von der verſtellung, und dem
ſcheinhandel.

Fuͤrnaͤmlich aͤuſſert ſich die verſtellung beim dar-
lehne, welches darum mutuum palliatum heiſ-
ſet; imgleichen bei dem abtribe; deshalber zu di-
ſem ende oͤfters der reinigungs-eid dem abtreiber
auferleget wird, daß er den naͤherkauf fuͤr ſich, und
nicht zum behuſe eines andern veruͤbe. Die ſimu-
lationen teilen ſich in drei ſtuͤcke, 1) wenn etwas
fingiret wird, das nicht iſt, 2) was warhaftig ver-
handelt wird, und ſtehen bleibet, 3) wenn etwas
anderes gehandelt, ein anderes aber verſtellet wor-
den iſt. Wenn hirbei dolus bonus iſt, gilt es.
Ordentlicher weiſe gilt der ſcheinhandel nicht.

Zwoͤlf-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f1221" n="1197"/>
      <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">III</hi> b., <hi rendition="#aq">IX</hi> und <hi rendition="#aq">XI</hi> haubt&#x017F;tu&#x0364;ck.</hi> </fw><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Neuntes haubt&#x017F;tu&#x0364;ck<lb/>
von<lb/>
der anleitung zu etwas (&#x017F;ugge&#x017F;tion.)</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">W</hi>ie in peinlichen &#x017F;achen die vermeidung der &#x017F;ug-<lb/>
ge&#x017F;tion a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;er&#x017F;t zu beobachten &#x017F;ey, und wie<lb/>
der richter desfalls die fragen einzurichten habe, i&#x017F;t<lb/>
in dem unterrichte von urteln und be&#x017F;cheiden gezei-<lb/>
get worden. Sie i&#x017F;t entweder offenbar, oder be-<lb/>
ma&#x0364;ntelt. Jene i&#x017F;t: wenn aus der frage die ver-<lb/>
leitung er&#x017F;cheinet. Di&#x017F;e aber bedeutet: wenn aus<lb/>
der frage eine verleitung deutlich nicht erhellet. Sie<lb/>
kan &#x017F;ich bei vilen fa&#x0364;llen a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;ern, &#x017F;owohl bei er&#x017F;chlei-<lb/>
chung eines re&#x017F;criptes, lezten willen, z. e. ko&#x0364;nig<lb/>
Carls <hi rendition="#aq">II</hi> in Spanien te&#x017F;tamente &#xA75B;c, als auch bei<lb/>
dem proce&#x017F;&#x017F;e, teils in ab&#x017F;icht auf die zeugen, advo-<lb/>
caten, richter bei der general- und &#x017F;pecial-inqui&#x017F;i-<lb/>
tion, u. &#x017F;. w.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Eilftes haubt&#x017F;tu&#x0364;ck<lb/>
von der ver&#x017F;tellung, und dem<lb/>
&#x017F;cheinhandel.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">F</hi>u&#x0364;rna&#x0364;mlich a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;ert &#x017F;ich die ver&#x017F;tellung beim dar-<lb/>
lehne, welches darum <hi rendition="#aq">mutuum palliatum</hi> hei&#x017F;-<lb/>
&#x017F;et; imgleichen bei dem abtribe; deshalber zu di-<lb/>
&#x017F;em ende o&#x0364;fters der reinigungs-eid dem abtreiber<lb/>
auferleget wird, daß er den na&#x0364;herkauf fu&#x0364;r &#x017F;ich, und<lb/>
nicht zum behu&#x017F;e eines andern veru&#x0364;be. Die &#x017F;imu-<lb/>
lationen teilen &#x017F;ich in drei &#x017F;tu&#x0364;cke, 1) wenn etwas<lb/>
fingiret wird, das nicht i&#x017F;t, 2) was warhaftig ver-<lb/>
handelt wird, und &#x017F;tehen bleibet, 3) wenn etwas<lb/>
anderes gehandelt, ein anderes aber ver&#x017F;tellet wor-<lb/>
den i&#x017F;t. Wenn hirbei dolus bonus i&#x017F;t, gilt es.<lb/>
Ordentlicher wei&#x017F;e gilt der &#x017F;cheinhandel nicht.</p>
      </div><lb/>
      <fw place="bottom" type="catch">Zwo&#x0364;lf-</fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[1197/1221] III b., IX und XI haubtſtuͤck. Neuntes haubtſtuͤck von der anleitung zu etwas (ſuggeſtion.) Wie in peinlichen ſachen die vermeidung der ſug- geſtion aͤuſſerſt zu beobachten ſey, und wie der richter desfalls die fragen einzurichten habe, iſt in dem unterrichte von urteln und beſcheiden gezei- get worden. Sie iſt entweder offenbar, oder be- maͤntelt. Jene iſt: wenn aus der frage die ver- leitung erſcheinet. Diſe aber bedeutet: wenn aus der frage eine verleitung deutlich nicht erhellet. Sie kan ſich bei vilen faͤllen aͤuſſern, ſowohl bei erſchlei- chung eines reſcriptes, lezten willen, z. e. koͤnig Carls II in Spanien teſtamente ꝛc, als auch bei dem proceſſe, teils in abſicht auf die zeugen, advo- caten, richter bei der general- und ſpecial-inquiſi- tion, u. ſ. w. Eilftes haubtſtuͤck von der verſtellung, und dem ſcheinhandel. Fuͤrnaͤmlich aͤuſſert ſich die verſtellung beim dar- lehne, welches darum mutuum palliatum heiſ- ſet; imgleichen bei dem abtribe; deshalber zu di- ſem ende oͤfters der reinigungs-eid dem abtreiber auferleget wird, daß er den naͤherkauf fuͤr ſich, und nicht zum behuſe eines andern veruͤbe. Die ſimu- lationen teilen ſich in drei ſtuͤcke, 1) wenn etwas fingiret wird, das nicht iſt, 2) was warhaftig ver- handelt wird, und ſtehen bleibet, 3) wenn etwas anderes gehandelt, ein anderes aber verſtellet wor- den iſt. Wenn hirbei dolus bonus iſt, gilt es. Ordentlicher weiſe gilt der ſcheinhandel nicht. Zwoͤlf-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/1221
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 1197. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/1221>, abgerufen am 17.02.2019.