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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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III buch, LIV haubtstück,
§ 3418
halter-gelt.

Wenn nämlich der abkäufer, z. e. wegen vihes,
sich ausbedinget: daß es der verkäufer unterhal-
ten solle.

§ 4119
vom halfter
oder strickgelte
und weinkaufe.

Bei verkaufung des vihes, insonderheit der
pferde, ist es gebräuchlich: daß, wenn schon nichts
ausgedrucket ist, dem Knechte wegen eines pferdes
das halftergelt gezalet werden müsse, z. e. ein gul-
den etc. Denn der käufer bekömmt eine halfter mit,
um das pferd füren zu können; dergleichen ist es
auch bei kühen; doch kan er die kette nicht begeren;
sondern ein strick ist gut (§ 4164 des 2ten th.). Je-
weilen gibet es jochgelt. Ausgemästete ochsen
werden gejochet, und allso fortgefüret, z. e. die
mezger in Bonn kaufen fette ochsen zum Hermann-
steine bei Wezlar. Hirvon ist der weinkauf un-
terschiden. Die Riedesel zu Eisenbach fordern bei
den käufen, und verkäufen den zehnten pfennig, als
weinkaufsgelt von unbeweglichen gütern, zu Lau-
terdach (4426 fgg. des 2ten th.). Jm Fuldai-
schen wird das handlon (der ehrschaz) bei erbver-
teilungen, weinkaufsgelt genennet, welches auch
im Riedeselischen erleget werden muß. Jm Wal-
deckischen erheben die von Dalwigk zum Lichten-
feise etc. das sogenannte winnegelt, von den leihen.
Vom worte: winn sihe den Haltaus sp. 2119.
Der herrn-weinkauf, das leihegelt etc. sind guts
herrliche abgiften, weil dem bauer kein erbrecht
gebüret; sondern dasselbe von der gnade, und gü-
tigkeit des herrn abhänget: ihm die folge angedei-
en zu lassen. Die verwirrung, welche bei den
gerichten dißfalls obwaltet, ist aus der römischen
lehre vom laudemio entstanden, da nämlich 2 vom
100 bei der emphyteusi gegeben werden sollen.
Bei den Sachsen ist daher auch die lehnwaare gar

sehr
III buch, LIV haubtſtuͤck,
§ 3418
halter-gelt.

Wenn naͤmlich der abkaͤufer, z. e. wegen vihes,
ſich ausbedinget: daß es der verkaͤufer unterhal-
ten ſolle.

§ 4119
vom halfter
oder ſtrickgelte
und weinkaufe.

Bei verkaufung des vihes, inſonderheit der
pferde, iſt es gebraͤuchlich: daß, wenn ſchon nichts
ausgedrucket iſt, dem Knechte wegen eines pferdes
das halftergelt gezalet werden muͤſſe, z. e. ein gul-
den ꝛc. Denn der kaͤufer bekoͤmmt eine halfter mit,
um das pferd fuͤren zu koͤnnen; dergleichen iſt es
auch bei kuͤhen; doch kan er die kette nicht begeren;
ſondern ein ſtrick iſt gut (§ 4164 des 2ten th.). Je-
weilen gibet es jochgelt. Ausgemaͤſtete ochſen
werden gejochet, und allſo fortgefuͤret, z. e. die
mezger in Bonn kaufen fette ochſen zum Hermann-
ſteine bei Wezlar. Hirvon iſt der weinkauf un-
terſchiden. Die Riedeſel zu Eiſenbach fordern bei
den kaͤufen, und verkaͤufen den zehnten pfennig, als
weinkaufsgelt von unbeweglichen guͤtern, zu Lau-
terdach (4426 fgg. des 2ten th.). Jm Fuldai-
ſchen wird das handlon (der ehrſchaz) bei erbver-
teilungen, weinkaufsgelt genennet, welches auch
im Riedeſeliſchen erleget werden muß. Jm Wal-
deckiſchen erheben die von Dalwigk zum Lichten-
feiſe ꝛc. das ſogenannte winnegelt, von den leihen.
Vom worte: winn ſihe den Haltaus ſp. 2119.
Der herrn-weinkauf, das leihegelt ꝛc. ſind guts
herrliche abgiften, weil dem bauer kein erbrecht
gebuͤret; ſondern daſſelbe von der gnade, und guͤ-
tigkeit des herrn abhaͤnget: ihm die folge angedei-
en zu laſſen. Die verwirrung, welche bei den
gerichten dißfalls obwaltet, iſt aus der roͤmiſchen
lehre vom laudemio entſtanden, da naͤmlich 2 vom
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Bei den Sachſen iſt daher auch die lehnwaare gar

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[1262/1286] III buch, LIV haubtſtuͤck, § 3418 Wenn naͤmlich der abkaͤufer, z. e. wegen vihes, ſich ausbedinget: daß es der verkaͤufer unterhal- ten ſolle. § 4119 Bei verkaufung des vihes, inſonderheit der pferde, iſt es gebraͤuchlich: daß, wenn ſchon nichts ausgedrucket iſt, dem Knechte wegen eines pferdes das halftergelt gezalet werden muͤſſe, z. e. ein gul- den ꝛc. Denn der kaͤufer bekoͤmmt eine halfter mit, um das pferd fuͤren zu koͤnnen; dergleichen iſt es auch bei kuͤhen; doch kan er die kette nicht begeren; ſondern ein ſtrick iſt gut (§ 4164 des 2ten th.). Je- weilen gibet es jochgelt. Ausgemaͤſtete ochſen werden gejochet, und allſo fortgefuͤret, z. e. die mezger in Bonn kaufen fette ochſen zum Hermann- ſteine bei Wezlar. Hirvon iſt der weinkauf un- terſchiden. Die Riedeſel zu Eiſenbach fordern bei den kaͤufen, und verkaͤufen den zehnten pfennig, als weinkaufsgelt von unbeweglichen guͤtern, zu Lau- terdach (4426 fgg. des 2ten th.). Jm Fuldai- ſchen wird das handlon (der ehrſchaz) bei erbver- teilungen, weinkaufsgelt genennet, welches auch im Riedeſeliſchen erleget werden muß. Jm Wal- deckiſchen erheben die von Dalwigk zum Lichten- feiſe ꝛc. das ſogenannte winnegelt, von den leihen. Vom worte: winn ſihe den Haltaus ſp. 2119. Der herrn-weinkauf, das leihegelt ꝛc. ſind guts herrliche abgiften, weil dem bauer kein erbrecht gebuͤret; ſondern daſſelbe von der gnade, und guͤ- tigkeit des herrn abhaͤnget: ihm die folge angedei- en zu laſſen. Die verwirrung, welche bei den gerichten dißfalls obwaltet, iſt aus der roͤmiſchen lehre vom laudemio entſtanden, da naͤmlich 2 vom 100 bei der emphyteuſi gegeben werden ſollen. Bei den Sachſen iſt daher auch die lehnwaare gar ſehr

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 1262. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/1286>, abgerufen am 19.02.2019.