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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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XLV haubtstück,
leg. opif. eorumque vsu et abusu speciatim iure
Hamburg.
Goett. 1759.

§ 258
von den ober-
meistern etc.
und deren wal.

Bei der wal der obermeister ist rechtmässiger
weise fürzuschreiten, und der obermeister hat das
handwerk, wie es das herkommen erheischet, zu-
sammen zu berufen, und lässet die übrigen mit-
glider zu einer neuen wal gesäzmässig zu werke ge-
hen. Eigenmächtiger weise kan das handwerk den
obermeister nicht absezen, und einen andern wä-
len; sondern, wenn er saumselig bei vorkerung ei-
ner neuen wal wäre, hat ihn die zunft desfalls zu
erinnern, und wo er selbiges nicht tut; mag er
gerichtlich darzu angestränget werden; allein ei-
gentätlich darf nicht zugefaren werden; bevorab,
da bei den abwechselnden walämbtern der alte für-
gesezete die neue wal zu veranstalten hat; anbei,
nebst noch einem mitglide die walstimmen eines je-
den, welcher eine walstimme hat, ins geheim an-
höret, und nach der merheit derselben den schluß
fasset, auch den neuerwäleten den andern mitgli-
dern verkündet; immassen man sich dißfalls, im
zweifel, nach fürschrift des geistlichen rechtes, ach-
tet, und dessen wälart zur richtschnur nimmt,
Franz Schmalz Grueber im iur. eccl. lib. I, tit.
5, n. 46, 47, s. 164, vol. I. Weshalber dann
auch der widerrechtlich entsezete obermeister als ein
spoliat in sein ambt wider eingesezet werden muß,
auch ihm die verursachete unkosten, und erweißli-
che schäden wider zu erstatten sind; darnebst die
neue wal aufzuheben stehet, wie 1756 gen Ha-
damar wegen des entsezeten hänsemeisters allhir
erkannt worden ist.

§ 259

XLV haubtſtuͤck,
leg. opif. eorumque vſu et abuſu ſpeciatim iure
Hamburg.
Goett. 1759.

§ 258
von den ober-
meiſtern ꝛc.
und deren wal.

Bei der wal der obermeiſter iſt rechtmaͤſſiger
weiſe fuͤrzuſchreiten, und der obermeiſter hat das
handwerk, wie es das herkommen erheiſchet, zu-
ſammen zu berufen, und laͤſſet die uͤbrigen mit-
glider zu einer neuen wal geſaͤzmaͤſſig zu werke ge-
hen. Eigenmaͤchtiger weiſe kan das handwerk den
obermeiſter nicht abſezen, und einen andern waͤ-
len; ſondern, wenn er ſaumſelig bei vorkerung ei-
ner neuen wal waͤre, hat ihn die zunft desfalls zu
erinnern, und wo er ſelbiges nicht tut; mag er
gerichtlich darzu angeſtraͤnget werden; allein ei-
gentaͤtlich darf nicht zugefaren werden; bevorab,
da bei den abwechſelnden walaͤmbtern der alte fuͤr-
geſezete die neue wal zu veranſtalten hat; anbei,
nebſt noch einem mitglide die walſtimmen eines je-
den, welcher eine walſtimme hat, ins geheim an-
hoͤret, und nach der merheit derſelben den ſchluß
faſſet, auch den neuerwaͤleten den andern mitgli-
dern verkuͤndet; immaſſen man ſich dißfalls, im
zweifel, nach fuͤrſchrift des geiſtlichen rechtes, ach-
tet, und deſſen waͤlart zur richtſchnur nimmt,
Franz Schmalz Grueber im iur. eccl. lib. I, tit.
5, n. 46, 47, ſ. 164, vol. I. Weshalber dann
auch der widerrechtlich entſezete obermeiſter als ein
ſpoliat in ſein ambt wider eingeſezet werden muß,
auch ihm die verurſachete unkoſten, und erweißli-
che ſchaͤden wider zu erſtatten ſind; darnebſt die
neue wal aufzuheben ſtehet, wie 1756 gen Ha-
damar wegen des entſezeten haͤnſemeiſters allhir
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[252/0276] XLV haubtſtuͤck, leg. opif. eorumque vſu et abuſu ſpeciatim iure Hamburg. Goett. 1759. § 258 Bei der wal der obermeiſter iſt rechtmaͤſſiger weiſe fuͤrzuſchreiten, und der obermeiſter hat das handwerk, wie es das herkommen erheiſchet, zu- ſammen zu berufen, und laͤſſet die uͤbrigen mit- glider zu einer neuen wal geſaͤzmaͤſſig zu werke ge- hen. Eigenmaͤchtiger weiſe kan das handwerk den obermeiſter nicht abſezen, und einen andern waͤ- len; ſondern, wenn er ſaumſelig bei vorkerung ei- ner neuen wal waͤre, hat ihn die zunft desfalls zu erinnern, und wo er ſelbiges nicht tut; mag er gerichtlich darzu angeſtraͤnget werden; allein ei- gentaͤtlich darf nicht zugefaren werden; bevorab, da bei den abwechſelnden walaͤmbtern der alte fuͤr- geſezete die neue wal zu veranſtalten hat; anbei, nebſt noch einem mitglide die walſtimmen eines je- den, welcher eine walſtimme hat, ins geheim an- hoͤret, und nach der merheit derſelben den ſchluß faſſet, auch den neuerwaͤleten den andern mitgli- dern verkuͤndet; immaſſen man ſich dißfalls, im zweifel, nach fuͤrſchrift des geiſtlichen rechtes, ach- tet, und deſſen waͤlart zur richtſchnur nimmt, Franz Schmalz Grueber im iur. eccl. lib. I, tit. 5, n. 46, 47, ſ. 164, vol. I. Weshalber dann auch der widerrechtlich entſezete obermeiſter als ein ſpoliat in ſein ambt wider eingeſezet werden muß, auch ihm die verurſachete unkoſten, und erweißli- che ſchaͤden wider zu erſtatten ſind; darnebſt die neue wal aufzuheben ſtehet, wie 1756 gen Ha- damar wegen des entſezeten haͤnſemeiſters allhir erkannt worden iſt. § 259

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 252. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/276>, abgerufen am 23.02.2019.