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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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von den herren-zehenten.
äcker bald um den' zehenten gebracht werden.
Wenn aber die in der ganzen gemarkung befind-
liche länderei zehentbar ist; so stecket auch das
zehentrecht so wohl in iedem halme, als ieder
frucht und garbe, oder wie es im sächsischen land-
rechte II, 48 heisset: in der saat; mithin verof-
fenbaret sich des zehentherrns begründete intention
hiraus, vermöge deren er nicht allein die zehente
garbe auszuzehenten; sondern auch von dem über-
bleibsel, oder denen, welche unter 10 auf einem
acker gewachsen sind, seinen anteil zu nemen be-
fugt ist, Freiherr von Cramer am a. o. th. XIII
abh. 4 s. 31 fg., und abh. 7, s. 79 fg., Reinhart
in hist. und kleinen ausfürungen th. 1, s. 404.
Wenn aber in der nachbarschaft das fortzälen
nicht bräuchlich, wohl aber an dem orte, wo ge-
zehentet wird, gewönlich ist, dürfen sich die ze-
hentpflichtige auf die nachbarschaft nicht berufen,
von Cramer am a. o. th. XIII, s. 80 fg. Je-
weilen kan auch das wiedervergeltuns-recht wider
die nachbaren hirbei von der landesherrschaft ver-
ordnet werden; wie solches in den fürstl. hessen-
casselischen landen wider die mainzischen unterta-
nen am 16ten august 1742 geschahe; weil näm-
lich den| hessischen untertanen das reciprocum im
Mainzischen, und besonders das stift sanet Petri,
zu Frizlar, wegen der neuen hessischen zehent-ord-
nung, in ansehung des tresenei-zehentens im
brachfelde, und des aufzälens nicht verstatten
wollte; so wurde verordnet: daß es auch allso in
bisigen landen gehalten werden sollte.

§ 485

Man nimmt dißfalls den betrag von neun ja-vom anschlage
der zehnten.

ren, und machet einen durchschnitt, mit 9 dividi-
ret. Die erbsen werden dem waizen, die bonen

dem
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von den herren-zehenten.
aͤcker bald um den’ zehenten gebracht werden.
Wenn aber die in der ganzen gemarkung befind-
liche laͤnderei zehentbar iſt; ſo ſtecket auch das
zehentrecht ſo wohl in iedem halme, als ieder
frucht und garbe, oder wie es im ſaͤchſiſchen land-
rechte II, 48 heiſſet: in der ſaat; mithin verof-
fenbaret ſich des zehentherrns begruͤndete intention
hiraus, vermoͤge deren er nicht allein die zehente
garbe auszuzehenten; ſondern auch von dem uͤber-
bleibſel, oder denen, welche unter 10 auf einem
acker gewachſen ſind, ſeinen anteil zu nemen be-
fugt iſt, Freiherr von Cramer am a. o. th. XIII
abh. 4 ſ. 31 fg., und abh. 7, ſ. 79 fg., Reinhart
in hiſt. und kleinen ausfuͤrungen th. 1, ſ. 404.
Wenn aber in der nachbarſchaft das fortzaͤlen
nicht braͤuchlich, wohl aber an dem orte, wo ge-
zehentet wird, gewoͤnlich iſt, duͤrfen ſich die ze-
hentpflichtige auf die nachbarſchaft nicht berufen,
von Cramer am a. o. th. XIII, ſ. 80 fg. Je-
weilen kan auch das wiedervergeltuns-recht wider
die nachbaren hirbei von der landesherrſchaft ver-
ordnet werden; wie ſolches in den fuͤrſtl. heſſen-
caſſeliſchen landen wider die mainziſchen unterta-
nen am 16ten auguſt 1742 geſchahe; weil naͤm-
lich den| heſſiſchen untertanen das reciprocum im
Mainziſchen, und beſonders das ſtift ſanet Petri,
zu Frizlar, wegen der neuen heſſiſchen zehent-ord-
nung, in anſehung des treſenei-zehentens im
brachfelde, und des aufzaͤlens nicht verſtatten
wollte; ſo wurde verordnet: daß es auch allſo in
biſigen landen gehalten werden ſollte.

§ 485

Man nimmt dißfalls den betrag von neun ja-vom anſchlage
der zehnten.

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ret. Die erbſen werden dem waizen, die bonen

dem
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[393/0417] von den herren-zehenten. aͤcker bald um den’ zehenten gebracht werden. Wenn aber die in der ganzen gemarkung befind- liche laͤnderei zehentbar iſt; ſo ſtecket auch das zehentrecht ſo wohl in iedem halme, als ieder frucht und garbe, oder wie es im ſaͤchſiſchen land- rechte II, 48 heiſſet: in der ſaat; mithin verof- fenbaret ſich des zehentherrns begruͤndete intention hiraus, vermoͤge deren er nicht allein die zehente garbe auszuzehenten; ſondern auch von dem uͤber- bleibſel, oder denen, welche unter 10 auf einem acker gewachſen ſind, ſeinen anteil zu nemen be- fugt iſt, Freiherr von Cramer am a. o. th. XIII abh. 4 ſ. 31 fg., und abh. 7, ſ. 79 fg., Reinhart in hiſt. und kleinen ausfuͤrungen th. 1, ſ. 404. Wenn aber in der nachbarſchaft das fortzaͤlen nicht braͤuchlich, wohl aber an dem orte, wo ge- zehentet wird, gewoͤnlich iſt, duͤrfen ſich die ze- hentpflichtige auf die nachbarſchaft nicht berufen, von Cramer am a. o. th. XIII, ſ. 80 fg. Je- weilen kan auch das wiedervergeltuns-recht wider die nachbaren hirbei von der landesherrſchaft ver- ordnet werden; wie ſolches in den fuͤrſtl. heſſen- caſſeliſchen landen wider die mainziſchen unterta- nen am 16ten auguſt 1742 geſchahe; weil naͤm- lich den| heſſiſchen untertanen das reciprocum im Mainziſchen, und beſonders das ſtift ſanet Petri, zu Frizlar, wegen der neuen heſſiſchen zehent-ord- nung, in anſehung des treſenei-zehentens im brachfelde, und des aufzaͤlens nicht verſtatten wollte; ſo wurde verordnet: daß es auch allſo in biſigen landen gehalten werden ſollte. § 485 Man nimmt dißfalls den betrag von neun ja- ren, und machet einen durchſchnitt, mit 9 dividi- ret. Die erbſen werden dem waizen, die bonen dem vom anſchlage der zehnten. B b 5

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 393. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/417>, abgerufen am 22.02.2019.