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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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CII h. von der gemeinschaft
zeit zu lassen; dahingegen ist appellat dem appel-
lanten, nebst seiner frau, und kindern sowohl für
das vergangene, als auch auf die zukunft, noht-
dürftigen unterhalt zu reichen schuldig etc.

§ 739
von bezalung
der schulden.

Bevor man aber an die errungenschaft, als
einen vorteil, denken kan, sind erstlich die schul-
den, welche wärender ehe, und zum besten der ehe-
leute gemachet worden sind (§ 729), abzutragen.
Jm Wirzburgischen etc. sollen dise schulden nicht
heimlich von einem ehegatten gemachet worden
seyn; widrigenfalles soll er sie allein bezalen; ob
sie gleich zu beider eheleute nohtdurft verwendet
worden wären, Landger. O. th. III, tit. 104, § 9,
§ 11, Haus am a. o. s. 40, § 43. Jn sachen
des curatoris bonorum über des verstorbenen ver-
walters: Eppichs, concurs-massa, klägers, wider
Catharinen Dorotheen, verwitbete Eppichin, be-
klagte, gab die beklagte im jare 1764 zu Schweins-
berg zum protocole zu vernemen: diweil sie ver-
merke: daß der kläger wolle, wasmassen sie die
hälfte der errungenschaft, als ires gewesenen ehe-
mannes anteil zur massa lifern sollte; so protesti-
re sie, daß sie irem verstorbenen ehemanne keine
errungenschaft zugestehe. Gesezt aber! er wäre
im geringsten nur ein hauswirt gewest, und hät-
te so wenig im täglichen trinken, als weniger in
puncto serti keine ausschweifungen, und geltversplit-
terungen betriben; so wollte sie dennoch zeigen:
daß zur massa sie etwas beizutragen nicht gehal-
ten sei; zumal eine ehefrau, wenn ires ehemannes
sachen in einen concurs gerieten, die zu ires ehe-
mannes teil fallende errungenschaft, oder, was dem
ehegatten, nach masgebung der teutschen gewon-
heiten, gebüre, auch versprochen worden sei, z. e.

im

CII h. von der gemeinſchaft
zeit zu laſſen; dahingegen iſt appellat dem appel-
lanten, nebſt ſeiner frau, und kindern ſowohl fuͤr
das vergangene, als auch auf die zukunft, noht-
duͤrftigen unterhalt zu reichen ſchuldig ꝛc.

§ 739
von bezalung
der ſchulden.

Bevor man aber an die errungenſchaft, als
einen vorteil, denken kan, ſind erſtlich die ſchul-
den, welche waͤrender ehe, und zum beſten der ehe-
leute gemachet worden ſind (§ 729), abzutragen.
Jm Wirzburgiſchen ꝛc. ſollen diſe ſchulden nicht
heimlich von einem ehegatten gemachet worden
ſeyn; widrigenfalles ſoll er ſie allein bezalen; ob
ſie gleich zu beider eheleute nohtdurft verwendet
worden waͤren, Landger. O. th. III, tit. 104, § 9,
§ 11, Haus am a. o. ſ. 40, § 43. Jn ſachen
des curatoris bonorum uͤber des verſtorbenen ver-
walters: Eppichs, concurs-maſſa, klaͤgers, wider
Catharinen Dorotheen, verwitbete Eppichin, be-
klagte, gab die beklagte im jare 1764 zu Schweins-
berg zum protocole zu vernemen: diweil ſie ver-
merke: daß der klaͤger wolle, wasmaſſen ſie die
haͤlfte der errungenſchaft, als ires geweſenen ehe-
mannes anteil zur maſſa lifern ſollte; ſo proteſti-
re ſie, daß ſie irem verſtorbenen ehemanne keine
errungenſchaft zugeſtehe. Geſezt aber! er waͤre
im geringſten nur ein hauswirt geweſt, und haͤt-
te ſo wenig im taͤglichen trinken, als weniger in
puncto ſerti keine ausſchweifungen, und geltverſplit-
terungen betriben; ſo wollte ſie dennoch zeigen:
daß zur maſſa ſie etwas beizutragen nicht gehal-
ten ſei; zumal eine ehefrau, wenn ires ehemannes
ſachen in einen concurs gerieten, die zu ires ehe-
mannes teil fallende errungenſchaft, oder, was dem
ehegatten, nach masgebung der teutſchen gewon-
heiten, gebuͤre, auch verſprochen worden ſei, z. e.

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[442/0466] CII h. von der gemeinſchaft zeit zu laſſen; dahingegen iſt appellat dem appel- lanten, nebſt ſeiner frau, und kindern ſowohl fuͤr das vergangene, als auch auf die zukunft, noht- duͤrftigen unterhalt zu reichen ſchuldig ꝛc. § 739 Bevor man aber an die errungenſchaft, als einen vorteil, denken kan, ſind erſtlich die ſchul- den, welche waͤrender ehe, und zum beſten der ehe- leute gemachet worden ſind (§ 729), abzutragen. Jm Wirzburgiſchen ꝛc. ſollen diſe ſchulden nicht heimlich von einem ehegatten gemachet worden ſeyn; widrigenfalles ſoll er ſie allein bezalen; ob ſie gleich zu beider eheleute nohtdurft verwendet worden waͤren, Landger. O. th. III, tit. 104, § 9, § 11, Haus am a. o. ſ. 40, § 43. Jn ſachen des curatoris bonorum uͤber des verſtorbenen ver- walters: Eppichs, concurs-maſſa, klaͤgers, wider Catharinen Dorotheen, verwitbete Eppichin, be- klagte, gab die beklagte im jare 1764 zu Schweins- berg zum protocole zu vernemen: diweil ſie ver- merke: daß der klaͤger wolle, wasmaſſen ſie die haͤlfte der errungenſchaft, als ires geweſenen ehe- mannes anteil zur maſſa lifern ſollte; ſo proteſti- re ſie, daß ſie irem verſtorbenen ehemanne keine errungenſchaft zugeſtehe. Geſezt aber! er waͤre im geringſten nur ein hauswirt geweſt, und haͤt- te ſo wenig im taͤglichen trinken, als weniger in puncto ſerti keine ausſchweifungen, und geltverſplit- terungen betriben; ſo wollte ſie dennoch zeigen: daß zur maſſa ſie etwas beizutragen nicht gehal- ten ſei; zumal eine ehefrau, wenn ires ehemannes ſachen in einen concurs gerieten, die zu ires ehe- mannes teil fallende errungenſchaft, oder, was dem ehegatten, nach masgebung der teutſchen gewon- heiten, gebuͤre, auch verſprochen worden ſei, z. e. im

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 442. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/466>, abgerufen am 19.02.2019.