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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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CV haubtst. von eheverlöbnissen etc.
kammer, darzu das nötige holz ihr gegeben, auch
nötige verpflegung an essen, und trinken, als järlich
4 mötte kornes, 4 mötte gersten, 1 mött saamens,
1 mött waizen, 2 maaß geschmälzter, und 2 maaß
gestückter butter, 50 käse, 100 eier, 1 halb fett
schwein, 20 ellen flächsen, und 20 ellen schmalen tu-
ches, auch den virten korb voll obst zum auszug
haben vom übernemer des hofes, und diser noch
iedem stamme 100 fl. heraus zalen.

Hundert und fünftes haubtstück
von eheverlöbnissen, ehestiftungen,

oder ehelichen.
§ 762

Jm Jülichischen heissen sie hilliche, anderwärtsnamen der ehe-
lichen, und de-
ren bestäti-
gung.

spricht man: hinlichs, brautlaufs- oder hei-
rat-ehebrife, Orth über die frankfurtische stadtre-
formation, im 3ten th. tit. 3 § 3 s. 31; daher
auch der hinlichs-tag kömmt, eb. s. 48, s. 189;
man nennet sie auch eheberedungen, eheversprüche,
ehezärter, ehestiftungen, ehegedinge etc. Wenn
die eheberedung verbindlich seyn soll, wird die be-
richtigung aller puncten, wie es sowohl wärender,
als auch nach getrenneter ehe gehalten, und was
beobachtet werden soll, auf beiden seiten erfodert.
Die anwerbung, auch tractaten, machen keine ver-
bindung, Eisenhart s. 93 fg., Joh. Pet. von Lu-
dewig
in diss. iur. R. et G. in connubiali imperio
consensuque parentum,
Halle 1721. Wenn aber
etwas auf die treue gegeben worden, und der an-
schlag geschehen ist, hat der Teutsche ein begründe-
tes recht erlanget; und wird für eine nachdrückli-
che verbindlichkeit gehalten. Der Teutsche brach-
te gern die handelungen von wichtigkeit zu perga-

men,

CV haubtſt. von eheverloͤbniſſen ꝛc.
kammer, darzu das noͤtige holz ihr gegeben, auch
noͤtige verpflegung an eſſen, und trinken, als jaͤrlich
4 moͤtte kornes, 4 moͤtte gerſten, 1 moͤtt ſaamens,
1 moͤtt waizen, 2 maaß geſchmaͤlzter, und 2 maaß
geſtuͤckter butter, 50 kaͤſe, 100 eier, 1 halb fett
ſchwein, 20 ellen flaͤchſen, und 20 ellen ſchmalen tu-
ches, auch den virten korb voll obſt zum auszug
haben vom uͤbernemer des hofes, und diſer noch
iedem ſtamme 100 fl. heraus zalen.

Hundert und fuͤnftes haubtſtuͤck
von eheverloͤbniſſen, eheſtiftungen,

oder ehelichen.
§ 762

Jm Juͤlichiſchen heiſſen ſie hilliche, anderwaͤrtsnamen der ehe-
lichen, und de-
ren beſtaͤti-
gung.

ſpricht man: hinlichs, brautlaufs- oder hei-
rat-ehebrife, Orth uͤber die frankfurtiſche ſtadtre-
formation, im 3ten th. tit. 3 § 3 ſ. 31; daher
auch der hinlichs-tag koͤmmt, eb. ſ. 48, ſ. 189;
man nennet ſie auch eheberedungen, eheverſpruͤche,
ehezaͤrter, eheſtiftungen, ehegedinge ꝛc. Wenn
die eheberedung verbindlich ſeyn ſoll, wird die be-
richtigung aller puncten, wie es ſowohl waͤrender,
als auch nach getrenneter ehe gehalten, und was
beobachtet werden ſoll, auf beiden ſeiten erfodert.
Die anwerbung, auch tractaten, machen keine ver-
bindung, Eiſenhart ſ. 93 fg., Joh. Pet. von Lu-
dewig
in diſſ. iur. R. et G. in connubiali imperio
conſenſuque parentum,
Halle 1721. Wenn aber
etwas auf die treue gegeben worden, und der an-
ſchlag geſchehen iſt, hat der Teutſche ein begruͤnde-
tes recht erlanget; und wird fuͤr eine nachdruͤckli-
che verbindlichkeit gehalten. Der Teutſche brach-
te gern die handelungen von wichtigkeit zu perga-

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[461/0485] CV haubtſt. von eheverloͤbniſſen ꝛc. kammer, darzu das noͤtige holz ihr gegeben, auch noͤtige verpflegung an eſſen, und trinken, als jaͤrlich 4 moͤtte kornes, 4 moͤtte gerſten, 1 moͤtt ſaamens, 1 moͤtt waizen, 2 maaß geſchmaͤlzter, und 2 maaß geſtuͤckter butter, 50 kaͤſe, 100 eier, 1 halb fett ſchwein, 20 ellen flaͤchſen, und 20 ellen ſchmalen tu- ches, auch den virten korb voll obſt zum auszug haben vom uͤbernemer des hofes, und diſer noch iedem ſtamme 100 fl. heraus zalen. Hundert und fuͤnftes haubtſtuͤck von eheverloͤbniſſen, eheſtiftungen, oder ehelichen. § 762 Jm Juͤlichiſchen heiſſen ſie hilliche, anderwaͤrts ſpricht man: hinlichs, brautlaufs- oder hei- rat-ehebrife, Orth uͤber die frankfurtiſche ſtadtre- formation, im 3ten th. tit. 3 § 3 ſ. 31; daher auch der hinlichs-tag koͤmmt, eb. ſ. 48, ſ. 189; man nennet ſie auch eheberedungen, eheverſpruͤche, ehezaͤrter, eheſtiftungen, ehegedinge ꝛc. Wenn die eheberedung verbindlich ſeyn ſoll, wird die be- richtigung aller puncten, wie es ſowohl waͤrender, als auch nach getrenneter ehe gehalten, und was beobachtet werden ſoll, auf beiden ſeiten erfodert. Die anwerbung, auch tractaten, machen keine ver- bindung, Eiſenhart ſ. 93 fg., Joh. Pet. von Lu- dewig in diſſ. iur. R. et G. in connubiali imperio conſenſuque parentum, Halle 1721. Wenn aber etwas auf die treue gegeben worden, und der an- ſchlag geſchehen iſt, hat der Teutſche ein begruͤnde- tes recht erlanget; und wird fuͤr eine nachdruͤckli- che verbindlichkeit gehalten. Der Teutſche brach- te gern die handelungen von wichtigkeit zu perga- men, namen der ehe- lichen, und de- ren beſtaͤti- gung.

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 461. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/485>, abgerufen am 17.02.2019.