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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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CVI h. von dem heiratsgute
bei schleier etc mit begebung der hertschaft von sei-
ten seiner noch lebenden mutter; der mann stirbt
one kinder, die mutter fodert iren pflichtteil, weil
sie den ehelich nicht unterschriben hätte; jedoch war
ire einwilligung darzu gegeben. Jn der ersten in-
stanz sprach ihr der beambte den pflichtteil zu.
Jn der appellations-instanz wurde diser bescheid
bestätiget. Wenn ich dise sache aber teutsch ne-
me; so fället die foderung des pflichtteiles weg.
Jst aber von diser bewilligung der aeltern im ehe-
liche nichts enthalten; so wird sich ein anders er-
geben, von Pusendorf th. III, obs. 116, von
Leyser
specim. 309, m. 4.

Hundert und sechstes haubtstück
von
dem heiratsgute der ausstattung,
der aussteuer etc.
§ 791
vom heiratsgu-
te und aussteu-
ern.

Die teutsche tochter erbete, und bekam vom
unbeweglichen stammgute nichts, so lange
der männliche stamm blühete. Der vater gab ihr
vih mit, stattete sie aus, und dem bräutigame
brachte sie waffen mit, Christian Heinr. Breu-
ning
de vaderphio veterum Germanor. Leipz. 1752,
4t; dise mitgift des vaters seiner tochter war aber
kein römischer brautschaz, von Gärtner am a. o.
§ 5, s. 14 fg: Auf seiten des teutschen mannes
mußte vilmehr für den standesmässigen unterhalt
seiner frau nach seinem absterben gesorget werden;
gleichwie er sie bei seinem leben ernären mußte.
Daraus ist der teutsche dos ersprossen, Ge. Chri-
stian Gebauers
2 abh. de dote mariti, et indole

con-

CVI h. von dem heiratsgute
bei ſchleier ꝛc mit begebung der hertſchaft von ſei-
ten ſeiner noch lebenden mutter; der mann ſtirbt
one kinder, die mutter fodert iren pflichtteil, weil
ſie den ehelich nicht unterſchriben haͤtte; jedoch war
ire einwilligung darzu gegeben. Jn der erſten in-
ſtanz ſprach ihr der beambte den pflichtteil zu.
Jn der appellations-inſtanz wurde diſer beſcheid
beſtaͤtiget. Wenn ich diſe ſache aber teutſch ne-
me; ſo faͤllet die foderung des pflichtteiles weg.
Jſt aber von diſer bewilligung der aeltern im ehe-
liche nichts enthalten; ſo wird ſich ein anders er-
geben, von Puſendorf th. III, obſ. 116, von
Leyſer
ſpecim. 309, m. 4.

Hundert und ſechſtes haubtſtuͤck
von
dem heiratsgute der ausſtattung,
der ausſteuer ꝛc.
§ 791
vom heiratsgu-
te und ausſteu-
ern.

Die teutſche tochter erbete, und bekam vom
unbeweglichen ſtammgute nichts, ſo lange
der maͤnnliche ſtamm bluͤhete. Der vater gab ihr
vih mit, ſtattete ſie aus, und dem braͤutigame
brachte ſie waffen mit, Chriſtian Heinr. Breu-
ning
de vaderphio veterum Germanor. Leipz. 1752,
4t; diſe mitgift des vaters ſeiner tochter war aber
kein roͤmiſcher brautſchaz, von Gaͤrtner am a. o.
§ 5, ſ. 14 fg: Auf ſeiten des teutſchen mannes
mußte vilmehr fuͤr den ſtandesmaͤſſigen unterhalt
ſeiner frau nach ſeinem abſterben geſorget werden;
gleichwie er ſie bei ſeinem leben ernaͤren mußte.
Daraus iſt der teutſche dos erſproſſen, Ge. Chri-
ſtian Gebauers
2 abh. de dote mariti, et indole

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[474/0498] CVI h. von dem heiratsgute bei ſchleier ꝛc mit begebung der hertſchaft von ſei- ten ſeiner noch lebenden mutter; der mann ſtirbt one kinder, die mutter fodert iren pflichtteil, weil ſie den ehelich nicht unterſchriben haͤtte; jedoch war ire einwilligung darzu gegeben. Jn der erſten in- ſtanz ſprach ihr der beambte den pflichtteil zu. Jn der appellations-inſtanz wurde diſer beſcheid beſtaͤtiget. Wenn ich diſe ſache aber teutſch ne- me; ſo faͤllet die foderung des pflichtteiles weg. Jſt aber von diſer bewilligung der aeltern im ehe- liche nichts enthalten; ſo wird ſich ein anders er- geben, von Puſendorf th. III, obſ. 116, von Leyſer ſpecim. 309, m. 4. Hundert und ſechſtes haubtſtuͤck von dem heiratsgute der ausſtattung, der ausſteuer ꝛc. § 791 Die teutſche tochter erbete, und bekam vom unbeweglichen ſtammgute nichts, ſo lange der maͤnnliche ſtamm bluͤhete. Der vater gab ihr vih mit, ſtattete ſie aus, und dem braͤutigame brachte ſie waffen mit, Chriſtian Heinr. Breu- ning de vaderphio veterum Germanor. Leipz. 1752, 4t; diſe mitgift des vaters ſeiner tochter war aber kein roͤmiſcher brautſchaz, von Gaͤrtner am a. o. § 5, ſ. 14 fg: Auf ſeiten des teutſchen mannes mußte vilmehr fuͤr den ſtandesmaͤſſigen unterhalt ſeiner frau nach ſeinem abſterben geſorget werden; gleichwie er ſie bei ſeinem leben ernaͤren mußte. Daraus iſt der teutſche dos erſproſſen, Ge. Chri- ſtian Gebauers 2 abh. de dote mariti, et indole con-

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 474. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/498>, abgerufen am 21.02.2019.